Samsung Wave S8500 im Test: Mit „Bada“ gegen iOS und Android

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Sasan Abdi
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Bedienung & Oberfläche

Kernstück des S8500 ist das in 480 x 800 brillant darstellende, 3,3 Zoll große Super-AMOLED-Display. Super-AMOLED ist heller und klarer als konventionelle AMOLED-Displays und reflektiert dabei weniger. Zudem wurde der Blickwinkel noch einmal leicht verbessert. In der guten Woche, die wir mit dem Wave verbrachten, zeigte sich aber, dass auch die neue Technologie gegenüber den älteren LCDs einen Nachteil hat: Bei direkter Sonneneinstrahlung sieht man auch unter dem Zusatz „Super“ nur noch schwerlich die Inhalte, auch wenn man durchaus eine Verbesserung feststellen kann.

Bei Super-AMOLED handelt es sich um eine recht kostspielige Weiterentwicklung der AMOLED-Technologie: Während herkömmliche AMOLED-Displays eine durch Luftpolster getrennte Touchrezeptorenschicht aus Indiumzinnoxid nutzen, um festzustellen, wo der Finger den Touchscreen berührt, wurde diese Reaktionsschicht beim Super-AMOLED-Display extrem dünn direkt auf dem Display untergebracht. Die Lichtdurchlässigkeit soll dadurch von 81 auf 95 Prozent erhöht worden sein, während die Reflexionen gleichzeitig von 20 auf vier Prozent gesunken sein sollen. Auch der bei OLED-Displays ohnehin recht geringe Energiebedarf soll dank der neuen Technik nochmals niedriger ausfallen.

Samsung Wave S8500: Das Display des Wave stellt eine kleine Offenbarung dar
Samsung Wave S8500: Das Display des Wave stellt eine kleine Offenbarung dar

Die Darstellung ist wie bereits angedeutet hervorragend. Das Wave liefert satte Farben und tolle Kontraste, wobei man die Helligkeit ruhig auf Stufe 8 von 10 setzen sollte, um in den vollen Genuss des Möglichen zu gelangen.

Doch nicht nur äußerlich hat man es hier ganz offensichtlich mit einem hochwertigen Gerät zu tun: Dank der guten Responsivität des Displays sowie auf Basis der potenten Hardware-Ausstattung und hier insbesondere wegen des 1 GHz schnellen Prozessors ist eine äußerst flüssige Bedienung möglich. Dies gilt überwiegend auch für Multi-Tasking: Nur bei besonders fordernden Anwendungen wie Spielen gönnt sich das Wave in dieser Hinsicht die ein oder andere (verdiente) Denkpause; wer hier auf Nummer sicher gehen will, kann über den gedrückten zentralen Home-Button jederzeit des Taskmanager aufrufen, um nicht-benötigte Anwendungen zu beenden. Komplementiert wird die Bedienung durch die Knopfreihe, die mit „Home“, „Zurück“ und dem direkten Zugriff auf die Kommunikationszentrale alle notwendigen Funktionen bietet.

Von besonderem Interesse ist im Falle des S8500 natürlich die Oberfläche bzw. das Betriebssystem, denn immerhin hat man es hier mit dem ersten Bada-Smartphone überhaupt zu tun. Bada ist über ein Software Development Kit für Entwickler frei (siehe den entsprechenden Abschnitt zum Thema Apps) – anderen Herstellern soll das OS aber logischerweise bis auf Weiteres nicht zur Verfügung gestellt werden.

Bada OS im Samsung Wave S8500

Samsung zeigt den neuen Konkurrenten von Android, iPhone OS, Windows Phone 7 und Co. zum Debüt allerdings nicht nackt, sondern legt die überarbeitete UI TouchWiz 3.0 darüber. Letztere erlaubt die individuelle Gestaltung von Menü und Startbildschirm beispielsweise mit Social-Networking-Diensten, MP3-Player oder Fotoalbum und bietet eine Widget-Leiste.

Bei der ersten Betrachtung wirkt Bada in Kombination mit TouchWiz interessanterweise wie eine etwas unkonventionelle Mischung aus Android, iPhone OS und einem proprietären Samsung Betriebssystem. Dies liegt daran, dass die Verantwortlichen den OS-Markt keinesfalls revolutionieren: Bada ist nicht gespickt mit zahlreichen Innovationen, sondern macht in vielerlei Hinsicht Anleihen bei der Konkurrenz, was erklärt, wieso es in Teilen fast wie eine Symbiose wirkt.

Oberfläche des Wave S8500
Oberfläche des Wave S8500

Zu den altbekannten Elementen gehören unter anderem eine Android-ähnliche Informationsleiste, über die jederzeit die Konnektivität sowie verpasste Anrufe und neue Nachrichten aufgerufen werden können, sowie ein vom iPhone her bekanntes Programm-Menü, in dem übersichtlich alle installierten Apps aufgelistet werden.

Auch wenn die Oberfläche somit keine Offenbarung darstellt, so hat man es hier doch mit einer grundsoliden Kombination zu tun, die keinen wirklichen Grund zur Kritik liefert: Die Navigation durch die Menüs ist visuell ansprechend, wohl-strukturiert und überwiegend intuitiv.

Die Arbeitsgeschwindigkeit ist zu jederzeit wie bereits erwähnt ausgezeichnet. Dies gilt auch für das andernorts teils etwas hackelige Modifizieren der Oberfläche. Bada bzw. TouchWiz bieten bis zu zehn Desktops, die über einen kleinen, in der linken oberen Ecke befindlichen „Widgets“-Button jederzeit nach Belieben mit Apps bestückt werden können.

Die vorinstallierten Apps decken locker den Grundbedarf jedes konventionellen Nutzers. Neben Standard-Programmen wie den üblichen Social-Network-Widgets, einem Taschenrechner, Chat-Programm, Notizen und Voicerecorder und dem ein oder anderen Spiel findet man außerdem eine Anwendung namens „Social Hub“ vor, die auf Wunsch diverse E-Mail- und Social-Network-Konten inklusive Kontakten miteinander synchronisiert.

Apps

Darüber hinaus bietet das Wave S8500 direkten Zugriff auf den Samsung App-Store, der weitere Anwendungen bereit hält, die mit einer Berührung heruntergeladen werden können. Trotz der von der Bedienung her auch in dieser Hinsicht guten Konzeption findet sich hier der einzige nennenswerte Schwachpunkt: Das bis dato eher durchschnittliche Angebot.

Während Apples App Store und der Android Marketplace zig tausende höchst unterschiedlicher Anwendungen anbieten, muss man sich auf dem jungen, „Samsung Apps“ benannten Bada-Marktplatz noch mit einem eher schmalen Angebot abfinden: Gerade einmal 850 Anwendungen können derzeit heruntergeladen werden. Dabei handelt es sich sowohl um kostenlose, als auch kostenpflichtige Angebote. Die Bezahlung kann derzeit ausschließlich über Kreditkarte erfolgen – an alternativen Bezahlsystem wird jedoch gearbeitet.

Gegen den Status quo kann man als Argument anführen, dass das Angebot natürlich noch weiter wachsen wird, sobald sich die Bada-Basis vergrößert hat und weitere Entwickler sich der Plattform annehmen werden. Dies ist mit Sicherheit richtig. Fraglich ist aber dennoch, ob „Samsung Apps“ jemals auch nur annähernd so erfolgreich sein wird, wie die große Konkurrenz und inwieweit sich die Inhalte(vielfalt) dementsprechend entwickeln werden.

Diesem Umstand ist man sich bei Samsung offenbar bewusst, weswegen die Ziele von vornherein nicht allzu hoch gesteckt werden: Statt eine immense Quantität, soll die Plattform vor allem hohe Qualität erreichen. App Store und Marketplace müssen sich also ganz offiziell bis auf Weiteres nicht vor der neuen Konkurrenz fürchten.

All das wäre nicht unbedingt problematisch, doch deckt sich der soeben beschriebene Anspruch kaum mit dem Ist-Zustand. Schon jetzt werden auf „Samsung Apps“ neben einigen nützlichen Anwendungen bereits viele Programme angeboten, deren Wertigkeit und Nutzen man vorzüglich diskutieren kann. Die Qualität ist nach aktuellem Stand der Dinge somit bisher nicht die Kernkompetenz von „Samsung Apps“.

Dies zusammen genommen sorgt dafür, dass der ansonsten hervorragende Gesamteindruck ein wenig geschmälert wird, was im Fazit erneut aufgegriffen werden soll.