2/6 Das leisten alte Netzteile : 16 Netzteile unserer Leser im Test

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Altern in der Theorie

Anschlüsse

Wer sein altes Netzteil weiterhin nutzen möchte, sollte prüfen, welche Anschlüsse die geplante Hardwarekonfiguration benötigt. Die meisten Mainboards verfügen heute über einen 24-Pin-ATX-Anschluss, der Prozessor wird meist über einen separaten 8-Pol-P8-Anschluss versorgt. Je nach verwendeter Hauptplatine und dem Energiebedarf des Prozessors ist es möglich, dass der Rechner auch mit 20-Pol und 4-Pol-P4-Stecker startet; eine Garantie für einen stabilen und sicheren Betrieb gibt es dafür allerdings nicht.

4- oder 8-Pol-Anschluss für die CPU
4- oder 8-Pol-Anschluss für die CPU

Grafikkarten werden mit bis zu 75 Watt über den PCIe-Steckplatz versorgt. Bei Bedarf verbauen die Grafikkartenhersteller zusätzliche 6-Pol- (75 Watt) und 8-Pol-PCI-Express-Stromanschlüsse (150 Watt). Ältere Netzteile verfügen möglicherweise nicht über ausreichende Anschlüsse für moderne Oberklasse-Grafikkarten.

Passende Adapter von Molex auf PCIe sind im Handel verfügbar und werden oft auch von Grafikkartenherstellern ihren Produkten beigelegt. Grundsätzlich raten wir zu großer Vorsicht bei der Verwendung von Adaptern: Qualitativ schlechte Adapter können sich durch schlechte Kontakte und hohe Übergangswiderstände stark erhitzen. Sollten Adapter dennoch eingesetzt werden sollten, sind Adapter von 2 × Molex auf einmal 6-Pol-PCIe bezüglich ihrer Sicherheit vorteilhaft. Im Idealfall sollten die beiden Molex-Anschlüsse an unterschiedlichen Kabelsträngen des Netzteils angeschlossen werden, um den Anschluss nicht zu überlasten.

Bei Adaptern von Molex auf 8-Pol-PCIe ist besondere Vorsicht geboten: Da 8-Pol-Anschlüsse bereits gemäß Spezifikation mit 150 Watt belastet werden dürfen, sollte ein 8-Pol-Adapter keinesfalls nur an einem Kabelstrang des Netzteils angeschlossen sein. In Komponentensträngen wird die +12-Volt-Spannung von einem einzelnen Kabel bereitgestellt, der Stromfluss von bis zu 12,5 Ampere überschreitet die spezifizierte Belastung der verwendeten 18-AWG-Kabel von 7 Ampere deutlich. Darüber hinaus raten wir auch beim geplante Betrieb der Hardware außerhalb der Spezifikation (Overclocking) von der Verwendung von Adaptern ausdrücklich ab. Im Extremfall können überlastete Kabel überhitzen und in Brand geraten. Hier sollte auf Netzteile mit proprietären Anschlüssen gesetzt werden.

Anforderungen

Fast jede neue Hardwaregeneration bringt neue Anforderungen an die Stromversorgung des Rechners mit sich. Da die Anforderungen von heute beim Entwurf der Schaltung noch nicht berücksichtigt werden konnten, ist ein älteres Netzteil möglicherweise mit neuer Hardware nicht vollständig kompatibel. Dabei können beispielsweise folgende Probleme auftreten:

  • Veränderte Lastverteilung
    Moderne Rechner belasten überwiegend die +12-Volt-Leitung. Ältere Netzteile haben zum Teil im Verhältnis zur Nennleistung des Netzteils weit weniger Leistung auf dieser Schiene zur Verfügung. Wir empfehlen, die +12-Volt-Leistung auf dem Typenschild des Netzteils zu prüfen und als Grundlage für die Leistungseinschätzung zu nehmen. Ein 600-Watt-Netzteil mit 400 Watt +12-Volt-Leistung sollte von einem modernen PC nicht mit deutlich mehr als 400 Watt belastet werden - denn diese 400 Watt gehen fast ausschließlich auf die +12-Volt-Leitung.
  • Fehlauslösungen des Überstromschutzes
    Bei älteren Multi-Rail-Netzteilen ist es gelegentlich wegen Designfehlern in der Elektronik möglich, den Überstromschutz des Netzteils auszulösen, obwohl die Gesamtleistung keineswegs ausgenutzt wird. Teilweise hilft es, andere Stecker zu nutzen, um die Verteilung der Gesamtbelastung auf die einzelnen Spannungsschienen zu ändern.
  • Nebengeräusche der Elektronik
    Der Einsatz von älteren Netzteilen mit neuen Komponenten kann zu wahrnehmbaren Elektronikgeräuschen führen. Spulenfiepen ist ungefährlich für Netzteil und Komponenten, in leisen Rechnern aber möglicherweise störend. Sinnvolle Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es abgesehen von einer veränderten Systemkonfiguration oder dem Austausch des Netzteils nicht.
  • Haswell-Kompatibilität
    Mit der Einführung der neuen „Haswell“-Prozessorgeneration hat Intel die Richtlinien für kompatible Netzteile verändert. Aufgrund der neuen Energiesparmodi C6 und C7 müssen Netzteile auch bei sehr geringer Belastung der +12-Volt-Leitung noch spezifikationskonforme Spannungen liefern, um „Haswell-ready“ zu sein. Die offizielle Intel-Definition ist dabei sehr fordernd, so dass die meisten Netzteile der vorletzten Generation offiziell nicht für die Versorgung von Haswell-Systemen geeignet sind. Allerdings können Haswell-Systeme durchaus mit offiziell nicht kompatiblen Spannungswandlern betrieben werden.
    Intel „Haswell“ in Form des Core i7-4770K
    Intel „Haswell“ in Form des Core i7-4770K
    Zum einen sind die neuen Energiesparmodi im Bios deaktivierbar beziehungsweise standardmäßig nicht aktiv, zum anderen ist die Testmethodik von Intel weit fordernder als die Realität. Intel simuliert Volllast auf der +3,3- und der +5-Volt-Leitung, während in den meisten realen Systemen nur eine Festplatte und eine SSD verbaut sind, so dass diese Leitungen weit weniger belastet werden. In Spielesystemen wird die Last auf der +12-Volt-Leitung hingegen zusätzlich durch die Grafikkarte erhöht, wodurch die Belastung symmetrischer und damit besser zu bewältigen wird. Die fehlende offizielle Haswell-Kompatibilität muss daher kein Hindernis für die Weiternutzung eines vorhandenen Netzteils sein.

Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad bei PC-Netzteilen konnte in den letzten Jahren massiv gesteigert werden. Während ein Enermax Liberty 500 Watt im Jahre 2005 zum damaligen Kaufpreis von 90 Euro bei mittlerer Last etwas über 80 Prozent Wirkungsgrad erreichen konnte und andere Klassiker sich im Bereich 70 Prozent bewegen, konnte das be quiet! Straight Power E9 in unserem Test 91,4 Prozent Effizienz erreichen.

Selbst preiswerte aktuelle Netzteile erreichen meist 80Plus-Bronze-Niveau und arbeiten damit sparsamer als viele Altgeräte. 80Plus-Gold-Geräte sind bereits ab etwas über 50 Euro verfügbar. Bei Geräten aus der Prä-80Plus-Ära sollten Kunden daher genau überlegen, ob sich die Weiternutzung überhaupt finanziell lohnt.

Alterungseffekte

Ein wichtiges Thema, bei dem oft große Unsicherheit herrscht, sind Alterungseffekte. Im Laufe der Nutzungsdauer sinkt der Wirkungsgrad, die Leistungsfaktorkorrektur arbeitet weniger wirksam und die Restwelligkeit steigt. Teilweise kann durch den verringerten Wirkungsgrad auch die dauerhaft lieferbare Gesamtleistung leicht sinken.

Zudem neigen abgenutzte Lüfter dazu, deutlich wahrnehmbare Lagergeräusche zu verursachen. Insbesondere einfache, konventionelle Gleitlager haben eine überschaubare Lebenserwartung und können Ursache für eine vorzeitige Ausmusterung des Netzteils sein. Vom Lüftertausch auf eigene Faust raten wir stark ab. Zum einen besteht beim Umbau Lebensgefahr durch die in Kondensatoren auch nach längerer Zeit möglicherweise noch vorhandene Spannung. Zum anderen ist die Modifikation nicht einfach: Die Auswahl des passenden Ersatzlüfters und die zum Teil notwendigen Lötarbeiten sind nicht trivial, fehlerhaft modifizierte Netzteile können in Brand geraten. Zudem haftet der Bastler für Folgeschäden selbst. Netzteile mit defektem Lüfter sind daher besser zu entsorgen.

Während die Abnutzung des Lüfters auch ohne teure Ausrüstung noch relativ gut zu erkennen ist, indem auf eventuelle Lagergeräusche geachtet und gelegentlich per Sichtprüfung kontrolliert wird, ob sich der Lüfter dreht, kann die Restwelligkeit älterer Netzteile nur schwer eingeschätzt werden. Zudem verfügen Netzteile nicht über eine integrierte Schutzfunktion, die bei deutlicher Überschreitung der Spezifikationsvorgaben auslöst. Im schlimmsten Fall liefert der Spannungswandler daher Spannungen mit massiv überhöhtem Ripple & Noise und beschädigt weitere Komponenten des Rechners, ohne dass der Benutzer das Problem bemerkt.

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