2/4 Nokia Lumia 1520 im Test : Windows Phone 8 neu entdeckt

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Performance & Oberfläche

Nokia verbaute bisher selbst in den Flaggschiffen Lumia 925 oder Lumia 1020 Prozessoren mit maximal zwei Kernen, weil Windows Phone 8 schlichtweg nichts anderes erlaubte. Diese Beschränkung fällt mit der aktuellen GDR3-Version weg, sodass Nokia nun erstmals auch auf Quad-Core-Prozessoren setzen kann. Wenig verwunderlich bleibt der Lieferant für die SoCs Qualcomm, das verbaute Modell stammt nun aber aus der Snapdragon-800-Serie. Das bedeutet vier Krait-Kerne, die maximal mit 2,2 GHz takten sowie als GPU die bekannte Adreno 330.

Snapdragon SoC
Snapdragon SoC

Mit diesem SoC ausgestattet kann sich das Lumia 1520 mühelos vor die bisherigen Nokia-Geräte setzen und spielt in einer Liga mit Flaggschiffen anderer Hersteller. Im GFXBench 2.5 und 2.7 landet das Lumia 1520 trotz eigentlich starker GPU nur im Mittelfeld, wobei der Benchmark unter Windows Phone 8 auf DirectX/Direct3D setzt und unter Android oder iOS OpenGL (ES) verwendet.

Nokia Lumia 1520 im Test
Nokia Lumia 1520 im Test

Über mangelnde Leistung kann sich auf dem Lumia 1520 aber niemand beschweren. Das Betriebssystem selbst fühlt sich nur unwesentlich schneller an, weil Windows Phone 8 bereits die bisher verbauten Dual-Core-SoCs reichten, um flüssig zu agieren. Der Umstieg auf den auf dem Papier deutlich schnelleren Prozessor wird erst anhand von App-Ladezeiten, bei Spielen oder etwa der nachträglichen Bildbearbeitung sichtbar. In diesen Szenarien ist der neue SoC sofort zu spüren, die absolut ruckelfreie Navigation durch Windows Phone 8 beherrschen aber auch die anderen Lumia-Smartphones.

Das Lumia 1520 löst mit 1.920 × 1080 Pixeln nicht nur einfach höher auf, sondern weiß mit der gestiegenen Auflösung und großen Diagonale auch unter Windows Phone 8 etwas anzufangen. Der Startbildschirm macht die Unterschiede am offensichtlichsten deutlich. Auf diesem lassen sich nun bis zu sechs kleine, drei mittelgroße oder ein großes und weitere kleine Tiles nebeneinander anordnen. Da auch in der Höhe mehr Tiles angezeigt werden, steigt der Informationsgehalt der ersten Seite enorm. Doch nicht nur hier, sondern auch auf allen anderen Ebenen von Windows Phone 8 muss nun weniger gescrollt werden. Durch die stark auf Text setzenden Menüs lässt sich so angenehmer navigieren. Microsoft nennt fünf und sechs Zoll große Displays mit FHD-Auflösung für die neue Aufteilung der Startseite. Das Lumia 1320 mit 720p-Auflösung ist aber ebenfalls damit ausgestattet.

Mit dem GDR3 genannten Update für Windows Phone 8 hat Microsoft des Weiteren den Fahrzeug-Modus aktualisiert, der Benachrichtigungen an den Fahrer nun limitiert, um nicht vom eigentlichen Geschehen abzulenken. Der Modus kann aber auch so konfiguriert werden, dass Anrufer oder auch eingegangene SMS automatisch mit Textnachrichten beantwortet werden. Der Fahrzeug-Modus startet automatisch, wenn ein Bluetooth-Gerät mit dem Lumia 1520 verbunden wird.

In Windows Phone 8 (GDR3) verstecken sich weitere kleine Veränderungen, die zu einem insgesamt runder wirkenden Gesamtpaket beitragen. Eigene Klingeltöne lassen sich endlich für Instant Messages, E-Mails, Voicemails und Erinnerungen wählen, der Bildschirm kann nun in seiner Ausrichtung gesperrt werden und Apps lassen sich jetzt einzeln im Taskmanager schließen. Des Weiteren besteht nun die Möglichkeit, direkt während der Ersteinrichtung des Smartphones die Verbindung zu einem WLAN aufzubauen. Zuvor musste bereits an dieser Stelle eine Mobilfunkverbindung bestehen. Im Bereich „Handyspeicher“ ist nun besser ersichtlich, welche Apps aus welcher Kategorie oder welche temporären Dateien wie viel Speicher belegen.

Damit ist es aber noch nicht getan, denn traditionell erweitert Nokia das Betriebssystem um eigene Funktionen und Apps. Das aktuelle Update nennt sich „Black“ und wird Anfang 2014 auch auf Geräten abseits des Lumia 1520 verfügbar sein. Zu den Veränderungen zählen vor allem Apps für die Kamera. Neu sind etwa die Nokia Camera, Storyteller und Nokia Beamer, auf die wir im Folgeabschnitt eingehen. Die Modifikationen betreffen aber auch Glance Screen, den vor den eigentlichen Lockscreen geschalteten Bildschirm, der Uhrzeit und Nachrichten anzeigt. Für Benachrichtigungen stehen neben Weiß nun auch die Farben Grün, Blau und Rot zur Auswahl. 2014 soll die Anzeige von zurückgelegten Schritten hinzukommen.

Windows Phone 8 wirkt aber nicht nur durch das GDR3- und das Black-Update ausgereifter, auch im Bereich Apps hat sich etwas getan. Die beliebten Foto- und Video Apps Instagram und Vine sind nun etwa für Windows Phone erhältlich. Zudem wird Flipboard bald verfügbar sein, das aktuell bereits auf dem Lumia 2520 installiert ist. Auch insgesamt hat das App-Angebot zugenommen. Mit Android oder iOS kann Microsoft zwar noch nicht gleichziehen, doch mit Blick auf die beliebtesten Apps und Spiele zeigt sich, dass sich die verschiedenen Ökosystem näher kommen. Was weiterhin aber klar fehlt, sind zahlreiche Google-Anwendungen wie Gmail oder Google Maps. Wer auf diese und weitere Anwendungen oder hauptsächlich Dienste von Google vertraut, muss die Plattform wechseln.

Statt der Plattform kann aber auch einfach die Sammlung an Apps gewechselt werden. Denn mit Anwendungen wie HERE Maps und HERE Drive+ für Karten und Navigation, den zahlreichen Nokia-Apps für die Bearbeitung von Fotos und Videos sowie der Office-Suite und der guten Integration von Skype und SkyDrive gibt es auch gute Alternativen aus Redmond und Finnland. Windows Phone 8 ist zwar noch nicht ganz auf dem Funktionsumfang oder App-Angebot von Android und iOS, doch das Betriebssystem hat sich in den letzten Monaten eindeutig gemacht. Vor allem dank Nokia.

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