2/3 Dark Souls 2 im Test : Trostlos. Frustrierend. Gut!

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Dark Souls 2 auf einen Blick

All jenen, die seit Jahren auf eine andauernde Weichspülung von Videospielen schimpfen, kann gesagt werden: Spielt doch Dark Souls 2! Denn ganz ähnlich wie beim Vorgänger findet der sogenannte „Core“-Spieler auch hier alles, was das Herz begehrt: Ein actionreiches Kampfsystem, beinharte Gegner und eine unwirtliche Spielwelt, wobei der Spieler so überhaupt nicht an die Hand genommen wird. Doch der Reihe nach.

Spröde-sperrige Erzählung

Der „Hardcore“-Charakter von „Dark Souls 2“ (DS 2) wird schon bei der Story deutlich. Wieder verschlägt es den Spieler in die Spielwelt von Drangleic und wieder lässt sich der Titel zahlreiche Stunden Zeit, bis in etwa klar wird, worum es überhaupt geht.

Das ist aber auch völlig in Ordnung, weil DS 2 den Spieler bis dahin auch so in seinen Bann zieht. Dies gelingt, im Unterschied zur Konkurrenz durch all das, was gerade nicht gesagt wird. Wo klassische Action-Rollenspiele den Spieler von der ersten Minute an mit Informationen zuschütten, um einen inhaltlichen Sog zu entwickeln, ist es bei „Dark Souls 2“ gerade das Behäbige, das Spröde, das den Reiz ausmacht. Denn ob in Gesprächen mit NPCs oder in den spärlich verteilten Textinformationen: Die Entwickler halten sich mit einer Einordnung der Geschehnisse und Hintergründe gekonnt zurück, sodass „Dark Souls 2“ nicht am laufenden Band Mysterien erzeugen muss, sondern durch sein Schweigen selbst eines ist.

Dark Souls 2 im Kurztest
Dark Souls 2 im Kurztest

So ist es für den Anfang ausreichend zu erfahren, dass in Drangleic gerade so ziemlich alles den Bach runter geht. Mit Blick auf die desolate Lage ist es auch gar nicht verwunderlich, dass der Spieler als einer von vielen Untoten die Szenerie betritt – und dass es sich bei der Währung des Reiches um Seelen handelt.

Was zunächst reichlich krude klingt, passt letztlich gut auf die Spielwelt: Das von dichten Wäldern, schroffen Klippen, schummrigen Katakomben und opulenten Monumenten gespickte Drangleic ist im positiven (also atmosphärischen) Sinne so trostlos, dass es eigentlich nur von Untoten bewohnt werden kann.

Mit der Erfahrung von der Konsolenversion im Hintergrund muss allerdings auch festgehalten werden, dass diese drückende Trostlosigkeit nicht kaschieren kann, dass die anfänglich positiv-nebensächliche Story auch nach zig Spielstunden nicht an Fahrt aufnimmt. Das anfänglich erzählerische graue Mäuschen DS 2 bleibt also über weite Strecken ein erzählerisches graues Mäuschen, was die Fans der Marke nicht stören wird – in dieser Hinsicht wäre aber durchaus mehr drin gewesen.

Aller Anfang ist schwer

Das Schweigen von DS 2 bedeutet aber auch, dass es Anfänger nicht leicht haben. Zwar spendiert FromSoftware dieses Mal einen Einstieg, der den Namen „Tutorial“ entfernt verdient hat; trotzdem wird es selbst Genrekenner zahlreiche Stunden kosten, bis sie sich in die Mechaniken und Möglichkeiten eingefunden haben. Obwohl wir uns relativ ausgiebig mit der bereits seit Mitte März erhältlichen Konsolenvariante auseinandergesetzt haben, brachten die ersten Kämpfe und Spielereien im Inventar zahlreiche Flüche hervor.

Dabei fällt der Anfang aller Anfänge noch ganz konventionell aus: In einem standesgemäßen Charakter-Editor lassen sich neben der Heldenklasse auch Details wie das Aussehen und die grundlegende Ausrüstung festlegen, wobei Hartgesottene hier natürlich die minimale Konfiguration wählen – und sich hinterher erst recht verfluchen.

Seelen, Händler und beinharte Kämpfe

Ist das kurze Tutorial-Gebiet abgeschlossen, gelangt der Protagonist nach Majula, das fortan als Ausgangspunkt für Erkundungsgänge in die unterschiedlichen Gebiete dient. Klar, dass sich hier mit der Zeit dementsprechend hilfreiche Charaktere wie ein Schmied und Händler ansammeln. Bei diesen kann man gegen Seelen von anderen Untoten die üblichen Abenteurer-Materialien erwerben, womit der Treibstoff von DS 2 benannt wäre: Auf das Sammeln von Seelen kommt es an.

Und das mit gutem Grund, denn eine passable Ausrüstung ist die erste Voraussetzung dafür, um beim „Dark Souls 2“-Spielen keinen Herzstillstand im echten Leben zu riskieren. Die Kämpfe haben es nämlich in sich: Schon die schwächsten Gegner tragen in beachtlicher Frequenz dazu bei, dass der Spieler vor allem eines tut – sterben.

Dark Souls 2 – Locomotive Breath

Dass die Kämpfe „Souls“-typisch (über)fordernd ausfallen, liegt auch dieses Mal wieder an einer Kombination aus mehreren Aspekten: Selbst schwache Gegner teilen mächtig aus, Tränke sind genauso wie Ausrüstung eher rar, und es Bedarf als Nahkämpfer jeder Menge Übung, um unter Beobachtung der eigenen Ausdauer-Anzeige die perfekte Mischung aus Schlagen und Blocken zu erlernen.

In den hundert Stunden, die man mit „Dark Souls 2“ gut und gerne zubringen kann, wird das Alter Ego deswegen hunderte, vielleicht tausende Male sterben. Das ist unglaublich frustrierend und führt selbst bei phlegmatischen Zeitgenossen regelmäßig zu Wutausbrüchen – es ist aber auch der wunderbare Kern eines Spiels, das zur Ausschüttung von Glückshormonen führt, wenn der Spieler nach stundenlanger Frustration dann doch einen Boss besiegt oder einen Abschnitt meistert.

Durchwachsene PC-Technik

Was man in Sachen Technik der Konsolenversion von „Dark Souls 2“ vorwerfen kann, gilt für die PC-Ausgabe nicht: Auf dem Rechner sieht der Titel nicht matschig aus. Einen Augenschmaus darf – FromSoftware-typisch – aber nicht erwartet werden.

Trotzdem gefällt uns der Titel im Vergleich auf dem PC nicht nur deutlich besser, sondern tatsächlich ganz gut: Die Spielwelt ist trotz einiger Makel stimmungsvoll in Szene gesetzt, und wenn man an den Klippen von Majula steht und in die Sonne blickt, ist sogar ein kleiner „Aha“-Effekt drin.

Von einer durchweg gelungenen Portierung kann trotzdem nicht die Rede sein. Dazu würde eine saubere Optimierung gehören, die offensichtlich nicht gegeben ist: Zwar kratzt DS 2 bei maximalen Details in einer Auflösung von 1.920 × 1.080 ab und an an den 60 Bildern pro Sekunde; zwischendurch brechen die FPS aber immer mal wieder ohne erkennbaren Grund ein. Es ist zwar längst nicht so schlimm wie beim Vorgänger – optimal sieht aber anders aus.

Dazu passt schließlich auch, dass in den einschlägigen Foren zahlreiche Spieler über Bugs klagen, wobei es nicht selten um Unspielbarkeit aufgrund von Abstürzen geht. Wir wurden davon bisher zum Glück verschont, doch spricht das in dieser Hinsicht satte Aufkommen der Beschwerden ebenfalls dafür, dass die PC-Version mit heißer und nicht immer gewissenhafter Nadel gestrickt wurde.

Löblich ist dabei aber, dass die Entwickler sich bei der Integration einer Maus-Tastatur-Steuerung sichtlich Mühe gegeben haben. So ist zu erklären, dass die Tasten jetzt endlich frei belegbar sind und sich gerade der Kampf dieses Mal nicht ganz so schwammig anfühlt wie im Vorgänger. Trotzdem: Am Gamepad führt eigentlich auch dieses Mal wieder kein Weg vorbei.

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