SilentPower-PC: PayPal legt Crowdfunding auf Eis

Update Michael Günsch
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Für Aufsehen aber auch jede Menge Skepsis unter den ComputerBase-Lesern sorgte die Meldung zum SilentPower-PC, der als Kühlmittel auf einen Kupferschaum setzt. Die von Unklarheiten begleitete Crowdfunding-Kampagne gerät nun durch eine Maßnahme des Bezahldienstes PayPal abrupt ins Stocken.

Am Wochenende informierte das Team hinter dem Projekt darüber, dass PayPal das Konto für die Beiträge der Unterstützer „eingeschränkt“ und dadurch weitere Einzahlungen unterbunden hat. Heute folgt die Nachricht, dass die Kontoeinschränkung zwar aufgehoben sei, jedoch behalte PayPal die gesamten Einnahmen als „Mindestreserve“ ein, wodurch die Projektbetreiber keinen Zugriff auf das Geld haben. Es könne zwar wieder auf das Konto eingezahlt werden, doch könnten keine Rückzahlungen veranlasst werden.

Aus diesem Grund wurde die Funktion zur Vorbestellung auf der Projektseite deaktiviert. Das Crowdfunding ist bis auf weiteres eingestellt. Das Geld werde erst nach einer Prüfung durch den Bezahldienst wieder freigegeben, was 30 bis 180 Tage dauern könne. Nun müsse überlegt werden, wie es weitergeht.

SilentPower-Prototyp mit Kupferschaumkühler
SilentPower-Prototyp mit Kupferschaumkühler (Bild: silentpowerpc.de)

Die Projektbetreiber zeigen sich überrascht und ratlos. Sie verweisen darauf, dass ein solch unangekündigtes Vorgehen seitens PayPal jedoch kein Einzelfall ist. Tatsächlich hatte erst kürzlich das Startup Protonmail mit einem eingefrorenen PayPal-Konto zu kämpfen, das jedoch kurz darauf wieder freigeschaltet wurde. 2013 war die Schwarmfinanzierung des Spielestudios Nyu Media auf ähnliche Weise ins Stocken geraten.

Besonders problematisch ist die Situation, da sich die SilentPower-Entwickler zunehmend heftiger Kritik ausgesetzt sahen. Zweifel an der Durchführbarkeit eines solchen Projekts wurden auch im ComputerBase-Forum laut, eine Demonstration der Funktionalität blieben die Entwickler bislang schuldig. Einzig die Fotos eines ersten Prototypen dienen bisher als Beleg für die Existenz des geplanten Produktes.

Die Redaktion dankt ComputerBase-Leser The Lynx für den Hinweis!

Update

Die Recherche von ComputerBase nach den Gründen für die Maßnahmen seitens PayPal ergaben, dass es sich nicht um einen technischen Fehler, wie seinerzeit bei Protonmail handelt. Dies bestätigte Sabrina Winter, Head of Public Relations bei PayPal Deutschland, gegenüber ComputerBase. Nähere Details wurden aufgrund des Bankgeheimnisses jedoch nicht verraten.

Die Blogeinträge auf der SilentPower-Webseite, die über PayPals Maßnahmen berichteten, wurden inzwischen entfernt. Auf der Startseite ist folgende Nachricht zu finden:

Die Crowdfunding-Summe ist knapp erreicht. Derzeit behält der Bezahldienst PayPal das bisher eingesammelte Geld noch ein, um sich "vor Rückbuchungen" zu schützen. Wir gehen von einer baldigen Freigabe der Projektgelder aus. Wir halten euch in unserem Blog auf dem laufenden.

Auf Nachfrage bezog SilentPower-Entwickler Holger Ficht Stellung zu den aktuellen Geschehnissen:

Wir haben die Blogeinträge aus drei Gründen herausgenommen:

  1. Sie bewirken das Gegenteil, nämlich, dass die Leute nervös werden und das ist für PayPal natürlich DIE Bestätigung für ihre Restriktionen.
  2. Diese Maßnahme von PayPal, die wir nur indirekt beeinflussen können, wird von den Unterstützern auf das Projekt projeziert. Weil PayPal an uns wohl zweifelt werden Kritiker bestärkt und neutrale Beobachter in eine Kritiker-Richtung gedrängt. Das lässt das Projekt in einem anderen Licht erscheinen, obwohl sich seit einer Woche nichts verändert hat.
  3. Wir möchten, dass sich die Lage nun beruhigt. Denn wir haben keine stabile Ausgangslage, wenn wirklich jeden Tag was los ist.

Zur vielfach kritisierten Informationspolitik des Entwicklerteams äußerte sich Ficht ebenfalls und verwies auf andere Crowdfunding-Kampagnen bei denen erst nach vielen Monaten handfeste Belege in Form fertiger Hardware vorliegen.

Da wird teilweise erst in 1,5 Jahren geliefert, man bekommt nur Renderbilder und Render-Videos zu Gesicht und von der Hardware sieht man auch nichts. Vielleicht empfinden wir das auch nur so, aber unser Projekt zerlegt man regelrecht. Nur weil unsere Website kein Apple-Design hat, wir kein 15.000 EUR teures Promotion-Video besitzen und uns gerade nicht nach lustigen Gruppenfotos zu mute ist, darf man sich so einiges anhören.

Ficht erklärt weiter, dass das Team bereits seit über zwei Jahren in seiner Freizeit an dem Projekt arbeite. Erst vor eine Woche sei man verstärkt an die Medien herangetreten, um auf sich aufmerksam zu machen und Interesse zu wecken. Dass Details zum SilentPower-PC nur stückweise veröffentlicht werden, geschehe durchaus bewusst:

Es soll spannend sein, nach und nach mehr Details über den SilentPower zu erfahren. Aber sobald man mehrere Tage nichts zeigt, schreibt oder macht, wird man als Betrüger abgestempelt. Das ist jetzt in einer Woche passiert. Eine verschwindend geringe Zeit, wenn man mal auf die letzten zwei Jahre zurück blickt. Das ist sehr frustrierend und traurig für uns, weil wir unser Herzblut in das Projekt stecken.

Abschließend erklärt Holger Ficht, der sich bisher als einziger der drei Entwickler zu Wort meldete, dass an dem defekten Prototypen inzwischen Korrekturen vorgenommen worden seien, die die Entwickler aus eigener Tasche hätten bezahlen müssen, da die Gelder aus der Schwarmfinanzierung momentan nicht verfügbar sind. Erst wenn auf das Geld wieder zugegriffen werden kann, soll das Projekt fortgesetzt und weitere Informationen veröffentlicht werden.