3/4 One M9 im Test : HTCs heißes Eisen für 2015 mit Snapdragon 810

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Kamera

Nach zwei Generationen UltraPixel hat HTC den 4-Megapixel-Sensor aus dem M7 und M8 jetzt für Selfies auf die Vorderseite des M9 gepackt und als Hauptkamera zu einem 20-Megapixel-Modell gegriffen. Während der alte 1/3"-Sensor von OmniVision kam, kommt der neue 1/2,3"-Sensor von Toshiba. Die optische Bildstabilisation, wie sie noch das M7 hatte, ist mit dem M8 verschwunden und auch mit dem M9 nicht wieder zurückgekehrt. Neu sind im Gegenzug die Abdeckung der Kamera aus Saphirglas und der UHD-Modus mit 3.840 × 2.160 Bildpunkten für die Videokamera, was über die höhere Sensorauflösung erstmals bei der One-Serie realisiert werden konnte.

HTC One M9 im Test – Kamera

Die höhere Auflösung des Sensors ist auch das erste, was im direkten Vergleich mit der Kamera des One (M8) auffällt. Die Bilder des M9 sind deutlich detailreicher und bieten über die gesamte Aufnahme verteilt einen sichtbar höheren Schärfegrad. Vor allem in den Randbereichen von Fotos ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem M8 wahrnehmbar. Das One (M8) hatte von Beginn an mit einer starken Unschärfe im linken Bildbereich zu kämpfen, die auf den Bildern des M9 nicht mehr sichtbar ist.

Was ebenfalls sofort ins Auge fällt, ist die andere Farbgebung der M9-Aufnahmen. Der krasse Blautstich ist verschwunden, stattdessen ähnelt das Farbprofil eher einem zum Vergleich herangezogenen iPhone 6 Plus. In puncto Belichtung schneidet das iPhone 6 Plus aber besser ab, es zeigt auch auf Bildern mit unterschiedlich hellen Bereichen in allen Bereichen viele Details an, während diese beim M9 gelegentlich in zu hellen oder zu dunklen Bereichen des Bildes untergehen. Dennoch ist auch beim M9 in dieser Disziplin ein sehr klarer Schritt nach vorne gegenüber dem M8 erkennbar, das viel zu oft überbelichtet und damit das komplette Bild unansehnlich machen kann.

One M9, One (M8), iPhone 6 Plus: Details und Schärfe im Randbereich
One M9, One (M8), iPhone 6 Plus: Details und Schärfe im Randbereich

Obwohl das One M7 zur Vorstellung als Profi für Aufnahmen bei schlechten Lichtbedingungen galt, gab es im Laufe der Jahre bei HTC weniger Fortschritt als bei der Konkurrenz, sodass ein Smartphone wie das iPhone 6 Plus, obwohl es nicht explizit damit beworben wird, mittlerweile die bessere Wahl für Aufnahmen bei Dämmerung und Dunkelheit ist. Es ist sowohl dem M8 als auch dem neuen M9 in diesen Situationen überlegen. Das M9 schneidet aber zumindest nicht schlechter ab als das M8. Positiv ist auch hier zu vermerken, dass das M9 den krassen Blaustich des M8 abgelegt hat. Das Rauschverhalten ist im direkten Vergleich ähnlich gut beziehungsweise schlecht, wenn wieder das iPhone 6 Plus mit betrachtet wird.

In puncto Schnelligkeit hat das M9 gegenüber dem M8 leicht zugelegt und zugleich auch wieder eingebüßt. Die Kamera-App startet sowohl beim Erststart als auch beim darauffolgenden Ausführen schneller, der Autofokus ist aber spürbar langsamer geworden. Im einfachen Test, bei dem zwischen einem nahen und einem weiter entfernten Objekt fokussiert werden muss, macht sich dieses Manko auf Anhieb bemerkbar. In allen Disziplinen schneller ist auch hier wieder das iPhone 6 Plus. Es bleibt damit weiterhin die beste Wahl für Anwender, die in möglichst vielen Situationen schnell ein gutes Foto ohne zweiten Versuch schießen wollen.

Effekte der Bildbearbeitung und Beispiel
Effekte der Bildbearbeitung und Beispiel

Die ab Werk umfangreicheren Optionen zur Bildbearbeitung liefert aber HTC. Auf dem M9 ist dafür eine neue App hinzugekommen, die mannigfaltige Optionen zur nachträglichen Manipulation von Fotos bietet. Hierzu zählen größtenteils Veränderungen am Bild, die durch die Überlagerung des Fotos durch Objekte, Formen und andere Bilder entstehen. Effekte wie animierte Jahreszeiten oder das Gesichts-Morphing, das zwei Gesichter zu einem vereint, sind vom M8 übernommen worden. Über die App lassen sich interessante Kompositionen gestalten und teils lustige Effekte in Bilder einbauen, kaufentscheidend ist solch eine Anwendung aber nicht.

Konnektivität

Das One M9 bietet aufgrund des neuen System-on-a-Chip mehr Möglichkeiten im Bereich Konnektivität. In erster Linie zeigt sich das am schnelleren LTE-Standard, der jetzt mit bis zu 450 Mbit/s im Downstream arbeiten kann. Voraussetzung dafür ist die Unterstützung durch einen Provider, was in Deutschland aktuell nicht gegeben ist. Über die Deutsche Telekom sind derzeit maximal 300 Mbit/s ab dem Tarif MagentaMobil L Plus oder über die Speed Option LTE Max möglich.

Nano-SIM-Schacht links, microSD-Schacht rechts
Nano-SIM-Schacht links, microSD-Schacht rechts

Genutzt wurde das M8 im Berliner Netz von O2, wo es weder zu außergewöhnlichen Empfangsproblemen noch zu anderen Störungen kam. Die Audioqualität des M9 hat sich gegenüber dem M8 nicht verschlechtert, die Stimme am anderen Ende der Leitung klingt aufgrund einer anderen Abstimmung der nach wie vor guten Lautsprecher aber etwas heller. Mit aktivierter Freisprechfunktion klingt auch das M9 dank der Lautsprecher besser als viele andere Smartphones. Ähnlich gut dafür geeignet sind nur die Vorgänger M8 und M7.

Zur Ausstattung der Vorgänger gehörte auch schon WLAN nach aktuellem ac-Standard, das wieder mit dabei ist, sowie Wi-Fi Direct und Miracast. Als Alternative zur kabellosen Übertragung lassen sich Medien aber auch wieder über MHL per Kabel ausgeben. Mit an Bord sind zudem Bluetooth 4.1, eine erneut schnelle Positionsfindung über GPS sowie NFC und Infrarot am Kopfende des Gehäuses für die Nutzung als Universalfernbedienung.

Laufzeiten

Für die Erfassung der Laufzeiten muss das One M9 mit einer auf 200 cd/m² eingestellten Display-Helligkeit den Video-Dauertest, bei dem über WLAN ein 720p-Video des Anbieters YouTube abgespielt wird, sowie den Browser-Benchmark Peacekeeper von Futuremark durchlaufen. Für den Test des M9 ist zudem der PCMark für Android hinzugekommen. Dieser setzt sich aus einer Mischung aus Web-Browsing, lokaler Videowiedergabe in 1080p, dem Bearbeiten von Textdokumenten sowie dem Öffnen, Bearbeiten und Speichern von Bildern zusammen.

Obwohl die Nennladung des Akkus von 2.600 auf 2.840 mAh angestiegen ist, schneidet das M9 in allen Benchmarks schlechter als das M8 ab. Im Video-Dauertest reicht es für eine Wiedergabezeit von sechs statt sechseinhalb Stunden, im Browser-Benchmark für viereinhalb statt sechs Stunden und im neuen PCMark für eine Laufzeit von fünfeinhalb statt sechseinhalb Stunden. Weil Display-Diagonale, Auflösung, Helligkeit und Testumgebung gegenüber dem M8 gleich geblieben sind, und das M8 zudem erneut alle Tests mit Android Lollipop durchlaufen musste, bleibt als Verursacher nur der neue Snapdragon 810, der in den gewählten Szenarien weniger effizient arbeitet.

Absolut gesehen rangiert das M9 gemessen am Testumfeld bestehend aus 86 Geräten nur im jeweils unteren Drittel der Digramme. Im Video-Dauertest landet es im Umfeld des Huawei Ascend P6, Apple iPhone 6 sowie HTC One mini und Nokia Lumia 920. Im Browser-Benachmark besteht das Umfeld aus Google Nexus 5, Huawei Ascend P7 sowie Nokia Lumia 930 und Google Nexus 4. Im noch kleinen Testfeld des PCMark liegt das M9 etwa auf Augenhöhe zum Motorola Moto G des Jahrgangs 2014.

Der Verbrauch nach 16 Stunden Nutzung im Alltag
Der Verbrauch nach 16 Stunden Nutzung im Alltag

Im Alltag mit einem GMail- und zwei IMAP-Konten, Twitter, WhatsApp und Facebook, gelegentlichem Spielen sowie Web-Browsing lag der Verbrauch im Schnitt bei 60 Prozent des Akkus innerhalb von 16 Stunden Betrieb. Das Smartphone wurde dafür morgens vom Netzteil getrennt, den gesamten Tag über genauso wie das persönliche Smartphone verwendet und kurz vor Mitternacht wieder geladen. Gemessen am Standby-Verbrauch von 19 Prozent Kapazitätsverlust des Akkus innerhalb von 24 Stunden würde man mit einer Restkapazität von rund 36 Prozent in den nächsten Tag starten, was definitiv nicht ausreicht, um diesen ohne Besuch der Steckdose zu meistern. Das M9 ist somit wie viele andere Smartphones auch nur ein Anderthalb-Tage-Smartphone, das realistisch gesehen jede Nacht geladen werden muss.

Über das von HTC mitgelieferte Netzteil (5 V/1,5 A) ist nach etwas mehr als einer Stunde eine Akkukapazität von 50 Prozent erreicht.

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