Kommentar : Ein Stecker vom Typ C macht noch keinen Standard

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Jan-Frederik Timm

USB 3.1 galt mit mehr Tempo als weiterer Sargnagel für Thunderbolt. Insbesondere in Zusammenhang mit dem neuen Stecker vom Typ C. Mit der dritten Generation von Thunderbolt wenden Apple und Intel das Blatt nun jedoch zu ihren Gunsten. USB 3.1 und der neue Stecker wurden kurzerhand übernommen. Was der Stecker USB Typ C bietet, wird damit abseits von „kann USB“ allerdings immer unübersichtlicher.

Auch Thunderbolt 3 wird über den Stecker USB Typ C senden. Werden Thunderbolt-3-Endgeräte angeschlossen, erfolgt der Datenaustausch mit bis zu 40 Gbit/s und damit vier Mal so schnell wie mit USB 3.1. Werden USB-Endgeräte angeschlossen, wechselt Thunderbolt 3 auf USB und erlaubt die maximalen Übertragungsraten von USB 3.1. Auch DisplayPort lässt sich über Typ C mit Thunderbolt 3 übertragen. Der neue Stecker vom Typ C wird mittelfristig so universell und deshalb berechtigterweise so mächtig wie keine externe Steckverbindung für PCs, Notebooks oder Smartphones zuvor.

Einfach zu durchschauen wird das Angebot für Kunden deshalb aber noch lange nicht. Nur auf den Stecker könne sich Kunden verlassen, danach ist Schluss. Endgeräte mit Thunderbolt 3 unterstützen über USB Typ C Thunderbolt (auch für Displays), USB 3.1 und DisplayPort 1.2, in keinem Fall aber MHL. Andere Endgeräte mit USB Typ C müssen hingegen nicht einmal USB 3.1 bieten. Und wenn USB 3.1 zum Einsatz kommt, sind DisplayPort 1.3 und MHL optional. Auch das Kabel birgt in Zukunft noch mehr Potential für Verwirrung: Bei USB 3.1 unterstützen nicht alle 100 Watt und für 40 Gbit/s von Thunderbolt 3 dürften spezielle aktive Varianten benötigt werden – die dann in jedem Fall 100 Watt unterstützen?

Zumindest an den Steckverbindungen sollen Kennzeichnungen dem Kunden zeigen, welche Standards der jeweilige Port unterstützt. Das ist zwar hilfreich, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der mächtige Stecker USB Typ C viele Protokolle übertragen kann, das aber nicht in jedem Fall tun wird. Zum Wohle der Kompatibilität sollte sich eigentlich Thunderbolt 3 und nicht das nackte USB 3.1 durchsetzen. Dass das passieren wird, ist aufgrund der zu erwartenden Mehrkosten aber unwahrscheinlich.

Damit bleibt zu hoffen, dass sich auf der anderen Seite zumindest die Integration von DisplayPort als Alternate Mode von USB 3.1 durchsetzt und Typ C mit diesem Standard gekoppelt wird. Dann hätten Anwender abseits von Apples Angeboten, die auf Thunderbolt 3 setzen dürften, wenigstens eine Gewissheit: An Typ C laufen USB 3.1 und DisplayPort-1.2-Displays. Ohne diesen kleinsten gemeinsamen Nenner ist Chaos am einheitlichen Stecker abseits von USB vorprogrammiert. Und damit wäre viel Potential verschenkt. Für USB selbst ist die Entwicklung hingegen zweifelsohne ein Segen.

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