13/14 AMD Radeon RX 480 im Test : Schnell und effizient mit 8 GByte für 260 Euro

, 2.031 Kommentare

AMD Polaris: Was bringt die neue Architektur?

AMD hat mit der Radeon-RX-Serie große Änderungen an der GCN-Architektur vorgenommen und diese in Kombination mit der FinFET-Fertigung Polaris genannt. Als die wichtigsten Architekturänderungen führt AMD eine um bis zu 15 Prozent gesteigerte Geschwindigkeit pro Shadereinheit sowie eine deutlich verbesserte Speicherkompression ins Feld. Doch was bringen diese Verbesserungen in der Praxis?

So viel vorweg: Derzeit ist es leider kaum möglich, die Vorteile von Polaris in Spielen genau aufzuzeigen. Stattdessen kann man dies nur annäherungsweise tun – wie in diesem Abschnitt. So lässt sich zum Beispiel die Radeon R9 390X recht einfach auf ein theoretisch ähnliches Leistungsniveau wie die Radeon RX 480 bringen. Wenn man die Taktrate minimal auf 1.035 MHz reduziert, ist die theoretische Shader- und die Texturleistung beider Grafikkarten gleich. Ein Speichertakt von nur 2.000 MHz hat zudem eine identische Speicherbandbreite zur Folge. Ganz angleichen lassen sich die Radeon RX 480 und die Radeon R9 390X aber nicht – beide haben Vor- und Nachteile. So hat die Radeon R9 390X zum Beispiel doppelt so viele ROPs wie die Polaris-Grafikkarte. Letztere hat dafür einen höheren Takt – sodass die Einheiten schneller schalten können. Auf das letzte Prozent sollte man sich bei den folgenden Benchmarks also nicht verlassen. Dennoch sind sie ein guter Anhaltspunkt.

Über alle Spiele hinweg zeigt sich schon recht deutlich, dass AMD mit der Polaris-Architektur die Geschwindigkeit der GPU hat steigern können. Im Durchschnitt schneidet Polaris in den Benchmarks sechs Prozent besser ab als die alte Hawaii-Architektur, was aber auch nur die halbe Wahrheit ist.

Denn in den meisten Spielen ist der Abstand größer. GTA V scheint das Zugpferd der besseren Architektur zu sein, denn dort hat Polaris die Nase um 21 Prozent vorn. Doch auch in Assassin's Creed Syndicate mit 16 Prozent, Black Ops III mit zehn Prozent, Far Cry Primal mit elf Prozent, Just Cause 3 mit elf Prozent, Metal Gear Solid mit 13 Prozent, Heroes VII mit 17 Prozent, Mirrors Edge Catalyst mit elf Prozent sowie The Division mit elf Prozent ist Polaris deutlich schneller unterwegs. In den meisten anderen Spielen beträgt die Differenz dann weniger als zehn Prozent, in manchen gibt es auch nur einen Gleichstand.

Darüber hinaus gibt es zwei Sonderfälle: In Dirt Rally ist Polaris acht Prozent langsamer als die Vorgängergeneration und in The Talos Principle sind es gar zwölf Prozent. Natürlich kann ein Treiberproblem die Ursache sein, doch ist es ebenso möglich, dass die 32 ROPs in den Spielen einfach nicht ausreichend sind und das Problem nicht durch die an sich bessere Architektur kaschiert werden kann.

Doom und Total War: Warhammer auf der RX 480

Sowohl Doom als auch Total War: Warhammer sollen mit dem geplanten Low-Level-API-Update fester Bestandteil des Grafikkarten-Testparcours werden. Bis Doom mit Vulkan und Total War: Warhammer mit DirectX 12 umgehen können, finden sich beide Spiele allerdings vorerst in den Sondertests wieder. Der First-Person-Shooter entsprechend unter OpenGL und das Strategiespiel mit DirectX 11.

In Doom schlägt sich die Radeon RX 480 gut. So ist die Grafikkarte in Full HD noch zwei Prozent schneller als die Radeon R9 390 und in 2.560 × 1.440 liegt die Polaris-Grafikkarte dann um denselben Wert zurück. Die maximierte Radeon RX 480 kann sich unabhängig von der Auflösung von der Radeon R9 390 absetzen und ist fast so schnell wie die Radeon R9 390X. Gegen die Nvidia-Riege sieht es dagegen nicht so rosig aus. Die Radeon RX 480 kommt nicht an die GeForce GTX 970 mit Referenzfrequenzen heran – das soll sich laut AMD mit dem Vulkan-Update ändern.

In Total War: Warhammer hinterlässt die Radeon RX 480 eine noch bessere Figur. Denn nicht nur die Radeon R9 390 wird durchweg geschlagen, in 1.920 × 1.080 ist auch die Radeon R9 390X kaum schneller, während die maximierte Radeon RX 480 die Radeon R9 390X knapp schlägt. In der höheren Auflösung gibt es einen Gleichstand mit der GeForce GTX 970, während diese in Full HD ein gutes Stück flotter ist. Offenbar schmeckt den AMD-Karten das vierfache MSAA nicht so gut.

CrossFire: Ein Ausblick zur Performance für 512 Euro

Die Radeon RX 480 unterstützt CrossFire. Dafür muss man „nur“ ein zweites Modell kaufen, in den PCIe-Slot stecken und CrossFire im Crimson-Treiber aktivieren. Letzteres ist in DirectX-12-Spielen nicht nötig, denn diese müssen über eine eigene Multi-GPU-Implementierung verfügen. Apropos DirectX 12 und CrossFire: AMD hat angekündigt, Frame Pacing für DirectX-12-Spiele in den Treiber zu integrieren. Noch ist dies aber nicht geschehen.

Ursprünglich sollte das CrossFire-Gespann an sämtlichen Testreihen teilnehmen. AMD informierte uns allerdings darüber, dass bereits mit dem kommenden Treiberupdate CrossFire an Geschwindigkeit zulegen soll. Aus diesem Grund gibt ComputerBase an dieser Stelle nur einen ersten Ausblick auf die CrossFire-Performance und verzichtet auf Messungen zu den Frametimes. Diese werden in einem separaten Test mit neuem Treiber nachgeholt.

Im Durchschnitt agiert das CrossFire-System 78 Prozent schneller als eine einzelne Radeon RX 480 mit den Standardeinstellungen und 66 Prozent schneller als eine maximierte RX 480. Eine gute prozentuale Steigerung, wobei es das CrossFire-System aufgrund des neuen Boost-Mechanismus' auch etwas einfacher hat als sonst.

Denn bei Multi-GPU-Systeme ist es anders als bei einzelnen Grafikkarten üblich, dass mindestens eine, manchmal auch beide Grafikkarten nicht völlig ausgelastet werden. Das hat zur Folge, dass es einen größeren Spielraum beim Power Target als im normalen Betrieb gibt und daher die Radeon-Karten höher takten als im Einzelbetrieb. 1.266 MHz gibt es jedoch auch im CrossFire-Modus nicht, rund 1.200 MHz werden aber problemlos erreicht.

Zwei Radeon-RX-480-Karten sind im CrossFire-Modus bezüglich reiner Frameraten demnach in etwa mit einer GeForce GTX 1080 Founders Edition ebenbürtig. Nicht vergessen darf man aber die üblichen Multi-GPU-Symptome wie Mikroruckler – und auch Spiele, die mit zwei GPUs nur schlecht oder gar nicht funktionieren.

Im Doppelbetrieb steigt die Leistungsaufnahme des Testrechners natürlich deutlich an. In Rise of the Tomb Raider gewährt sich der PC dann zusätzliche 179 Watt, in Star Wars: Battlefront sind es 126 Watt und in XCOM 2 180 Watt. Die Unterschiede fallen auch in diesem Fall aufgrund der höheren Taktraten größer als zunächst vermutet aus.

Auf der nächsten Seite: Fazit