Alphacool Eispumpe VPP755 im Test: Starke, sparsame und leise Pumpe mit Laing-D5-Genen 2/3

Thomas Böhm 107 Kommentare

Testumgebung und Methodik

Die beiden Pumpen werden mit einem Watercool Heatkiller Tube D5 (150 mm) als Deckel mit integriertem Ausgleichsbehälter eingesetzt. Da der Durchfluss in einem Minimalkreis ohne Kühler absurd hohe Werte annimmt, werden die Pumpen mit einem Kreislauf bestehend aus drei Kühlkörpern konfrontiert: Neben dem Durchflusssensor „High Flow“ von Aqua Computer befinden sich ein Alphacool Eisblock XPX, ein EKWB Supremacy Evo sowie ein Alphacool-GPX-GPU-Kühler im Kreislauf.

Durchflusswerte und Drehzahlen zu den verschiedenen Leistungsstufen werden mit einem Aquaero 5 von Aqua Computer ausgelesen. Zur Messung der Leistungsaufnahme werden die Pumpen als alleiniger Verbraucher an einem Phobya 12-Volt-Netzteil angeschlossen. Die Messung erfolgt mit einem Brennenstuhl Primera 231E. Es gilt also zu berücksichtigen, dass neben dem Verbrauch der Pumpe auch Verluste im Netzteil mit in die Messwerte einfließen.

Der Schalldruck der Pumpen wird in einem Abstand von 30 Zentimetern parallel zur Pumpe mit einem Voltcraft SL-100 gemessen. Zur Entkopplung wird die Pumpen-Reservoir-Kombination auf Schaumstoff gelagert. 33,0 dB(A) sind die Empfindlichkeitsgrenze des Messgeräts im Testraum, sodass diese Grenze als darstellbares Minimum dient.

Messergebnisse

Steuerung und Drehzahlen

Sowohl die VPP655 als auch die VPP755 werden per 4-Pin-Molex-Stecker vom Netzteil mit 12 Volt versorgt: Es ist keine Drosselung über die Betriebsspannung vorgesehen. Zur Steuerung der klassischen D5 (VPP655) steht auf der Gehäuserückseite ein Regler zur Verfügung. Auch wenn fünf Stufen eingezeichnet sind, handelt es sich tatsächlich um eine stufenlose Regelung: Zwischen Stufe 1 und 5 kann die Leistung ohne Rasterung definiert werden – die Pumpe passt ihre Drehzahl zwischen 1.800 und 4.800 U/min an. Die Alphacool Eispumpe besitzt ebenfalls einen Regler am Pumpengehäuse, kann jedoch zusätzlich auch über einen PWM-fähigen Lüfteranschluss gesteuert werden. Laut Hersteller kann die Drehzahl zwischen 1.700 und 4.500 U/min eingestellt werden.

Die Zwischenstufen 2, 3 und 4 der Alphacool VPP655 sind aufgrund der eigentlich stufenlosen Regelung der Pumpe nur als Einstellungen gewählt worden, um den Vergleich zur VPP755 zu vervollständigen. Die Eispumpe VPP755 besitzt im Gegensatz zur älteren VPP655 nämlich keine freie Regelung: Es gibt fünf feste Voreinstellungen, die das Drehzahlspektrum abdecken. Auch wenn die Pumpe per PWM-Lüfteranschluss des Aquaero 5 im Testsystem geregelt wird, ändert sich daran nichts.

Steuerung Alphacool VPP755
PWM-Leistung [%]* Entspricht Einstellung Drehzahl [U/min]
1 – 26 Stufe 1 1.700
27 – 53 Stufe 2 2.400
54 – 72 Stufe 3 3.100
73 – 86 Stufe 4 3.800
87 – 100 Stufe 5 4.500
* Gilt für das Aquaero 5. Andere Steuerungen können von diesen Intervallen abweichen.

Die PWM-Steuerung kann mit der Einstellung am Pumpengehäuse kombiniert werden. Die in der Tabelle aufgeführten Werte gelten, wenn die VPP755 auf Stufe 5 eingestellt ist. Eine niedrigere Einstellung an der Pumpe sorgt dafür, dass alle höheren Stufen nicht mehr erreicht werden können – ohne dabei die PWM-Intervalle zu beeinflussen. Wird die Pumpe also beispielsweise mechanisch auf Stufe 3 eingestellt, so erreicht sie maximal 3.100 U/min. Diese Drehzahl wird im PWM-Intervall von 54 bis 100 Prozent Leistung erreicht, die PWM-Intervalle aller noch niedrigeren Leistungsstufen bleiben unverändert.

Durchfluss und Leistungsaufnahme

Durchflussmessungen der Pumpen erfolgen in einem Kreislauf mit drei Kühlkörpern, um realistische Werte erheben zu können: Ein Minimalkreislauf ohne restriktive Kühlblöcke sorgt für maximale Volumenströme jenseits von 400 l/h – Werte, die in üblichen Kühlkreisen einer PC-Wasserkühlung nie erreicht werden.

Beide Pumpen zeigen sehr ordentliche Durchflusswerte und können problemlos auch mit großen Kühlkreisen umgehen. Mit zunehmender Leistungsstufe steigen sowohl bei der VPP655 als auch bei der VPP755 die Volumenströme relativ linear an, wobei die VPP755 in jeder Einstellung einen etwas höheren Durchfluss als ihr Vorgänger liefert. Dieses Ergebnis entspricht den Herstellerangaben des erreichbaren Drucks: Die VPP655 wird mit einer Förderhöhe von 3,7 Metern spezifiziert; die VPP755 übertrifft ihren Vorgänger leicht mit maximal 4,0 Metern.

Alphacool gibt an, dass die VPP755 höchstens 14 Watt verbraucht. Der Vorgänger soll sich bis zu 23 Watt bei voller Leistung genehmigen. Selbst inklusive Netzteilverlusten liegen beide Pumpen unter den Herstellerangaben: Maximal 12,6 Watt (VPP755) und 17,3 Watt (VPP655) werden gemessen. Der Energieverbrauch ist aber vom Durchflusswiderstand abhängig. Bei der VPP655 stehen bei voller Leistung ohne restriktive Elemente im Kreislauf bis zu 23 Watt auf dem Zähler – wird der Durchfluss hingegen per Kugelhahn auf Null reduziert, sinkt die Leistungsaufnahme auf 15,8 Watt ab.

Es lässt sich festhalten, dass die VPP755 deutlich effizienter als ihr Vorgänger agiert: Sie erreicht im gleichen Kühlkreis nicht nur einen höheren Durchfluss als die VPP655, sondern verbraucht dabei auch noch weniger Energie.

Schalldruckmessungen

Die Angabe des Schalldrucks der Pumpen ist zwar eine wichtige Messgröße, muss jedoch mit Vorsicht genossen werden: Die Lautstärke der Pumpen hängt vom eingesetzten Pumpendeckel, dem Durchfluss, der Pumpenentkopplung sowie dem PC-Gehäuse, in dem die Pumpe betrieben wird, ab. Die Messwerte sind daher nicht allgemeingültig und können in anderen Konfigurationen abweichen.

Die VPP755 agiert in allen Leistungsstufen leiser als ihr Vorgänger. Der Ausreißer auf Stufe 4 bei der VPP655 kommt durch eine Resonanz zustande, durch welche die Pumpe in diesem Drehzahlbereich überproportional laut wird. Die VPP655 kann bis Stufe 2 als leise bezeichnet werden, ihr Nachfolger wenigstens bis Stufe 3. Dabei ist auch der subjektive Geräuscheindruck auf der Seite der Eispumpe: Ihr fehlt das hohe Sirren, das die Alphacool VPP655 erzeugt.

Das Laufgeräusch der VPP755 ist ein tieferes Summen, das zum einen weniger aufdringlich wirkt und zum anderen erst bei höheren Leistungsstufen tatsächlich wahrnehmbar wird. Die VPP655 kann (frei im Raum aufgestellt) bei subjektiv empfundener Stille bereits auf Stufe 1 wahrgenommen werden, während die VPP755 auf Stufe 1 noch als unhörbar eingestuft werden kann, sofern nicht im Abstand von wenigen Zentimetern am Pumpengehäuse gelauscht wird.

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