Sammelklage in den USA: Bose Connect soll ungefragt private Daten sammeln

Michael Schäfer 24 Kommentare
Sammelklage in den USA: Bose Connect soll ungefragt private Daten sammeln
Bild: Bose

Der Elektronikhersteller Bose sieht sich in den USA einer Sammelklage ausgesetzt. Mehrere Kläger werfen dem Unternehmen vor, Informationen über gestreamte Musiktitel ohne Wissen der Nutzer über die mobile Applikation Bose Connect für die kabellosen Kopfhörer zu speichern und anschließend verkauft zu haben.

Diese Informationen, so der Vorwurf der Kläger, soll neben den Titeln der übertragenen Dateien auch die Art des Audiostückes beinhalten, zum Beispiel ob es sich dabei um einen Podcast handelt. Die Klage stützt sich auf den WireTap Act, der das Abhören und die Veröffentlichung von vertraulichen Gesprächen untersagt – und nicht anderes würde die App machen. Die Kläger sind der Meinung, dass sich aus den mitgeschnittenen Informationen nicht nur leicht ein persönliches Profil über die Hörgewohnheiten eines jeden Nutzers bilden lässt, sondern auch über seine politische oder religiöse Ausrichtung. Darüber hinaus soll Bose die Daten an Dritte verkauft haben, darunter unter anderem Analysefirmen wie das in San Francisco ansässige Unternehmen „Segment“.

Mehrere Modelle betroffen

Generell lassen sich Boses Bluetooth-Kopfhörer auch ohne die genannte App verwenden, dann muss der Nutzer jedoch auf zahlreiche Zusatzfunktionen verzichten. Neben QuietControl 30 und QuietComfort 35 sollen auch die Bose-Modelle SoundSport Wireless, Sound Sport Pulse Wireless, SoundLink Around-Ear Wireless Headphones II und SoundLink Color II unbemerkt Nutzerdaten aufzeichnen.

Ende der Aufzeichnung gefordert

Über eine Schadenersatzforderung ist in der beim Northern District Court of Illinois in Chicago eingereichten Klage bisher noch nichts bekannt, der Streitwert soll mehr als fünf Millionen US-Dollar betragen. Neben dem Schadenersatz wollen die Kläge vor allem ein Ende der Datenaufzeichnung erreichen. Laut Anwalt Jey Edelson, der die Klage gegen Bose eingereicht hat, sollten Unternehmen nicht einfach Daten erheben, nur weil sie es können. Für ihn müssen Unternehmen vor allem transparent mit der Art der Erhebung und der Verarbeitung der Daten umgehen. Dies setze auch eine Zustimmung des Nutzers voraus.

Bisher keine Reaktion von Bose

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre Bose nur ein weiterer Fall in einer langen Reihe von Unternehmen, welche im Zuge des Voranschreitens des „Internet of things“ nicht davor zurückschrecken, das Vertrauen der Nutzer zu missbrauchen und persönliche Daten zu sammeln. Bose selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.