Seagate: Auch mit weniger HDDs lässt sich Geld verdienen

Michael Günsch 20 Kommentare
Seagate: Auch mit weniger HDDs lässt sich Geld verdienen
Bild: Robert Scoble | CC BY 2.0

Trotz sinkender HDD-Käufe und erstarkter Konkurrenz hält sich der Festplattenhersteller Seagate wacker und macht Gewinne. Zwar wurden erneut deutlich weniger HDDs abgesetzt, doch sind diese im Schnitt größer und teurer. Im Jahresvergleich konnte Seagate damit den Umsatz sogar steigern, obgleich das vorherige Quartal besser war.

Seagate hat am Mittwoch die Wirtschaftszahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2017 veröffentlicht. Der Umsatz stieg gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 2,674 Milliarden US-Dollar. Musste vor einem Jahr noch ein Verlust von 21 Millionen US-Dollar verbucht werden, steht nun ein Nettogewinn von 194 Millionen US-Dollar in den Büchern.

Q3 FJ2016 Q3 FJ2017 Delta
Umsatz 2,595 Mrd. USD 2,674 Mrd. USD +3 %
Gross Margin 20,2 % 30,5 % +51 %
Nettogewinn/-verlust -21 Mio. USD 194 Mio. USD

Der Vergleich mit dem zweiten Fiskalquartal 2017 fällt dagegen nicht so rosig aus: Hier hatte Seagate 2,894 Milliarden US-Dollar Umsatz und 297 Millionen US-Dollar Profit erwirtschaftet.

Seagate-Boss Steve Luczo kommentierte die Quartalszahlen damit, dass die Ergebnisse „ein stabiles Nachfrageumfeld, eine gute operative Abwicklung und Dynamik bei der Stabilisierung unseres Geschäftsmodells“ widerspiegeln. Für die Zukunft kann das Unternehmen hoffen, dass der stetig wachsende Speicherbedarf für solide Nachfrage nach großen HDDs für Server sorgt. Im Verbrauchermarkt mit Desktop-PCs und Notebooks nehmen dagegen SSDs immer häufiger die Zügel in die Hand.

Immer weniger, aber größere und teurere HDDs

Aus der Gesamtspeicherkapazität der verkauften HDDs von 65,5 Exabyte lässt sich anhand der durchschnittlichen Kapazität von 1,8 Terabyte der Absatz errechnen: Demnach hat Seagate im dritten Fiskalquartal rund 36,4 Millionen HDDs ausgeliefert. Vor einem Jahr waren es dagegen etwa 39,7 Millionen und vor zwei Jahren noch fast 50 Millionen Stück.

Darin spiegelt sich der anhaltende Trend wider: Es werden immer weniger, aber dafür immer größere HDDs verkauft. Da damit auch der durchschnittliche Verkaufspreis wächst, bleibt der Umsatz im Jahresvergleich relativ konstant.

HDD-Absatz von Seagate im Jahresvergleich
Q3 FJ2016 Q3 FJ2017 Delta
Absatz (Exabyte) 55,6 65,5 +17,8 %
Durchschn. Kapazität 1,4 TB 1,8 TB +28,6 %
Absatz (Stück) 39,7 Mio. 36,4 Mio. -8,3 %

Nur durch die gestiegene durchschnittliche Speicherkapazität konnte Seagate den Absatz in Bytes steigern. Allerdings gilt dies nur beim Vergleich mit dem gleichen Vorjahreszeitraum. Denn gegenüber dem zweiten Quartal mit 68,2 Exabyte wurden vier Prozent weniger Bytes verschickt.

Alles dreht sich um die HDD

Während Western Digital seit der Übernahme von SanDisk auch hohe Einnahmen mit Flash-Speicherprodukten erzielt und Toshiba neben HDDs schon lange auch NAND-Flash und SSDs anbietet, ist Seagate praktisch komplett vom HDD-Geschäft abhängig. Vom Gesamtumsatz entfielen mit 2,424 Milliarden US-Dollar mehr als 90 Prozent der Einnahmen auf die Festplattenverkäufe. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Verkaufspreis (ASP) von rund 67 US-Dollar pro HDD. Die restlichen 250 Millionen US-Dollar wurden durch „Enterprise-Systeme, Flash und andere“ erzielt. Seagate bietet in Kooperation mit Micron auch Enterprise-SSDs an, spielt in diesem Markt aber nur eine sehr kleine Rolle.

Doch die jüngsten Quartalszahlen belegen, dass sich auch mit herkömmlichen Festplatten noch Geld verdienen lässt. Als Massenspeicher hat die HDD noch lange nicht ausgedient.