Wikitribune: Mit dem Wikipedia-Ansatz gegen Fake News

Michael Schäfer 74 Kommentare
Wikitribune: Mit dem Wikipedia-Ansatz gegen Fake News
Bild: Wikitribune

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat ein neues Projekt: Mit dem werbefreien Ansatz der Enzyklopädie soll Wikitribune ein Gegengewicht zu absichtlich verbreiteten unwahren Meldungen werden, so genannten Fake News. Die erste Crowdfunding-Kampagne soll Startkapital zum Einstellen von zehn Journalisten einbringen.

Mit Journalisten und der Community

Die Idee hinter dem neuen Projekt ist einfach: Freiwillige Helfer aus der Community sollen professionellen Journalisten gleichberechtigt bei ihrer Recherche unterstützen oder eigenes Wissen mit einfließen lassen, um dem Leser hochwertigen Qualitätsjournalismus zu bieten. Gleiches gilt für die Kontrolle und Überprüfung der Faktenlage sowie die langfristige Verfolgung von Themen. Wichtig sind dem Initiator dabei auch die verwendeten Quellen: Wales legt in seinem neuen Projekt großen Wert auf Transparenz, sodass Leser die gemachten Aussagen jederzeit anhand der genannten Quellen überprüfen können sollen.

Ohne Werbung, dafür mit Spenden

Laut Wales besitzen konventionelle Nachrichtenportale einen großen Nachteil: Die meisten sind auf Werbeeinnahmen angewiesen und versuchen daher, viele Leser mit wenig Aufwand zu erreichen. Auf der anderen Seite würden soziale Netzwerke ihren Nutzern nicht selten nur Nachrichten präsentieren, welche ihre eigene Meinung bestätigt. Um die Neutralität und tiefgründige Recherchen gewährleisten zu können, will Wales daher bei Wikitribune vollends auf Werbung verzichten. Wie von Wikipedia bekannt, soll sich auch das neue Portal komplett über Spenden finanzieren – mittelfristig vorzugsweise über einen monatlichen Beitrag.

Während bei der Online-Enzyklopädie alle Autoren ihre Arbeiten kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, sollen bei Wikitribune von den Spenden auch professionelle und erfahrene Journalisten bezahlt werden. Als Berater konnte der Initiator bereits den Unternehmer und Buchautor Guy Kawasaki, den Journalisten und Netzaktivisten Jeff Jarvis sowie das britische Model und Schauspielerin Lily Cole gewinnen. Zum Start sollen zehn Journalisten eingestellt werden.

Sammelaktion zur ersten Finanzierung gestartet

Um das genannte Ziel zu erreichen, hat Wales eine erste Crowdfunding-Kampagnen gestartet, die noch bis zum 24. Mai 2017 läuft. Ab 10 US-Dollar kann unterstützt werden, neben einmaligen Zahlungen sind auch wiederkehrende Spenden wählbar. Nur wenn genug Geld zusammengekommen ist, um zehn Journalisten einzustellen, sollen die Spenden der ersten Runde auch einbehalten werden. Scheitert das Projekt, wird das Geld abzüglich der anfallenden Transaktionskosten erstattet.

Nicht das erste Vorhaben dieser Art

Wikitribune ist nicht das erste Projekt, das mit dem Vorsatz des transparenten, werbefrei finanzierten Journalismus angetreten ist. In Deutschland versucht sich das Portal „Krautreporter“ bereits seit Ende 2014 an einer neuen Art der Berichterstattung. Es konnte im Vorfeld von 15.000 Unterstützern rund 900.000 Euro sammeln. Doch bereits zum Ende des ersten Jahres verlor das Portal rund zwei Drittel seiner Unterstützer, wozu auch nach außen getragene interne Streitigkeiten beigetragen haben sollen. Aktuell sind die bereitgestellten Artikel nur noch über eine Paywall komplett lesbar.

Update 02.05.2017 14:57 Uhr

Eine Woche nach dem Start der Crowdfunding-Kampagne will Jimmy Wales bereits das Kapital zur Festanstellung von fünf der zum Start zehn geplanten Journalisten gesammelt haben. 8.266 Unterstützer konnte das Projekt bisher auf sich vereinen. Darüber, wie viel Geld gesammelt wurde, gibt es bisher keine Information. Die Kampagne läuft noch weitere 22. Tage bis zum 24. Mai.