Ducky One TKL PBT im Test: Eine richtig gute Tastatur für Enthusiasten

Max Doll 126 Kommentare
Ducky One TKL PBT im Test: Eine richtig gute Tastatur für Enthusiasten
Bild: Ducky

tl;dr: Für 130 Euro gibt es mit der Ducky One PBT Unauffälligkeit statt Extrovertiertheit und nützliche Flexibilität statt Spektakel und Christbaum-Beleuchtung. Der dieser Tage ungewöhnliche Ansatz nimmt die Bedürfnisse von Enthusiasten sowie Vielschreiber in den Blick. Das zahlt sich im Test aus.

Ducky One TKL PBT im Test

Auf den ersten Blick ist die Ducky One TKL ein völlig unspektakuläres Eingabegerät. Das schmale, schwarze Gehäuse ohne Zusatztasten und der Verzicht auf Schriftzüge oder andere Designelemente schreien „Standardtastatur“ förmlich ins Gesicht. Genau das wird aber nicht angeboten. Der Test zeigt: Die Tastatur setzt vielmehr auf Ausstattungsmerkmale und Ideen, die sich nicht direkt offenbaren, sowie ein durchdachtes Konzept, das auf unnötige Features zugunsten von Nützlichkeit verzichtet.

Dazu gehören selbst im Zubehörangebot selten anzutreffende Tastenkappen aus PBT-Kunststoff, der seine matte Oberfläche über einen langen Zeitraum konserviert, eine extrem langlebige Double-Shot-Beschriftung, die modulare USB-Verbindung und weitere praktische, aber nicht unbedingt deutlich sichtbare Features, die den hohen Kaufpreis in die Welt schreien würden. In diese Kategorie fallen etwa Medien- und Makrofunktionen, die sich auf jede beliebige Taste programmieren lassen, die Konfiguration der Beleuchtung oder der Wechsel von Profilen, die nur im Handbuch, nicht aber auf den Tasten notiert werden.

Ob auch ein Nummernblock zu den nicht zwingend benötigten Features zählt, ist, abseits der ergonomischen Vorteile, eine Frage des Geschmacks. Alternativ ist die Ducky One PBT aber auch in einer Version mit diesen sowie vier Zusatztasten erhältlich, die sich ansonsten weder bei Ausstattung noch Preis von dem getesteten Modell unterscheidet.

Ducky One TKL PBT
Ducky One TKL PBT RGB
Größe (L × B × H): 36,0 × 13,2 × 3,9 (5,2) cm
Layout: 88 ISO („tenkeyless“)
Gewicht: 910 g
Kabel: 1,50 m, USB/Micro-USB (modular)
Hub-Funktion:
Key-Rollover: 6-KRO, N-KRO
Schalter: Cherry MX Red / Blue
Repeat-Rate wählbar, Delay-Rate wählbar
Cherry MX Red / Blue / Brown
Repeat-Rate wählbar, Delay-Rate wählbar
Tasten: Form: zylindrisch
Material: PBT-Kunststoff
Beschriftung: Double-shot molding
Zusatztasten:
Medienfunktionen: Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Makroaufnahme, Office-Funktionen
Beleuchtung: Farbe: Blau
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, Gaming-Beleuchtung
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
Preis: 130 € 150 €

Äußerlichkeiten: Bis auf Details hervorragend

Das schlichte Gehäuse zeigt, dass es keine überbordenden Designelemente braucht, um sich aus der Masse abzuheben. Um zu überzeugen, reichen matter, reinigungsfreundlicher Kunststoff und schlanke Abmessungen ohne nutzlose, einer Gaming-Ästhetik dienende Überstände. Die effektiven, aber nicht übermäßig bremsenden Rutschsicherungen, Hochstellfüße mit zwei Stellstufen und praktische Kabelkanäle mit drei Ausgangspunkten runden das Paket ab.

Dass nun der bislang von Ducky genutzte Mini- einem weiter verbreiteten Micro-USB-Anschluss weicht, ist ebenso positiv zu vermerken. Im Jahr 2017 stellt sich mit Blick auf das Preissegment und die Lebensdauer der Tastatur aber die Frage, warum kein potenziell zukunftssicherer Typ-C-Anschluss genutzt wird. Nicht zum Premium-Preisschild passen will außerdem das kurze, nur knapp 1,5 Meter lange Standardkabel – „ausreichend“ ist für 130 Euro schwerlich das richtige Maß. Als einziges echtes Manko treten die Status-LEDs in Erscheinung, weil sie nicht in Erscheinung treten – sie werden aufgrund ihrer Position bei normalem Sitzabstand vollständig von Tastenkappen verdeckt.

Eine typische Eigenheit von Ducky-Tastaturen ist der DIP-Schaltblock an der Unterseite. Bei der One lässt sich damit vom N- auf 6-Key-Rollover umschalten. Außerdem kann die Position der normalerweise unumstößlich fixierten FN-Taste abhängig von den eigenen Bedürfnissen auf eine andere Position innerhalb der ersten Tastenreihe gelegt werden. Deren Layout wird dementsprechend in sechs Varianten angepasst, die Tastenkappen selbst können dank einheitlicher Größen einfach gemäß der aktuellen Konfiguration umgesteckt werden.

Tastenbeschriftung: Langlebig²

Die nächste Besonderheit der Ducky One PBT sind ihre Tastenkappen. Material und Beschriftung zählen zu den derzeit beständigsten und haltbarsten Verfahren: Gegenüber ABS-Kunststoff wird PBT-Kunststoff nicht nach wenigen Wochen glatt und glänzend, sondern konserviert seine Struktur und Oberfläche über einen langen Zeitraum. Der Effekt: Die Tastatur wirkt nicht dauerhaft „speckig“.

Kombiniert wird das Material mit einer schier ewig haltbaren Beschriftung. Eingesetzt wird das Double-Shot-Verfahren, bei dem jegliche Lettern integraler Bestandteil der Kappe werden. Dazu wird ein Rohling mit lichtdurchlässigem Kunststoff gefertigt, der dann mit Ausnahme der Beschriftung von einer zweiten, farbigen Kunststoffschicht umhüllt wird. Bis zur Unleserlichkeit muss die Kappe daher zerstört, d. h. der dunkle Kunststoff vollständig abgerieben werden.

Beide Features werden bislang fast ausschließlich in Form von Zubehör von Drittanbietern angeboten, Varianten für beleuchtete Tastaturen sind, vor allem solche für das hierzulande übliche Layout, noch seltener anzutreffen und üblicherweise teuer. Für gewöhnlich müssen für diese Kombination 40 bis 50 Euro investiert werden. Die Vorreiterrolle lohnt sich allerdings: Solche seltenen Features haben für Käufer echte Vorteile und passen besser zu einer Premium-Tastatur, als der 20. LED-Effekt oder ein weiteres Megabyte Onboard-Speicher, weil sie Kernfunktionen eines Eingabegeräts berühren.

Beleuchtung: (k)eine Stärke

Während die günstigere Version der Ducky One einfache MX-Taster mit schwarzem Gehäuse und blauer, eine Spur violett eingefärbter Beleuchtung nutzt, finden bei der RGB-Variante die MX-RGB-Taster Verwendung. Durch die oberhalb des Stempels positionierten Dioden zeigt sich im Test, dass die Ausleuchtung aber bei beiden Modellen nur im oberen Bereich der Tastenkappe optimal ist. Die Beschriftung wird daher primär in diesem Bereich platziert. Die im unteren Bereich der Kappe abfallende Helligkeit macht sich bei der Ducky One weniger bemerkbar, weil Funktionen der FN-Ebene nicht ausgewiesen werden. Lediglich auf den wenigen Tasten mit mehr Elementen, etwa Zahlentasten, sind kleinere Helligkeitsverläufe auf den unteren Symbolen zu sehen.

Die Enter-Taste bleibt jedoch deutlich dunkler, weil Ducky den Taster um 90 Grad dreht, die Position der Beschriftung aber nicht anpasst. Die Folge: Die Diode wird relativ zur Beschriftung vom Tastergehäuse verdeckt. Unter einem solchen Lapsus leidet auch die Leertaste, die um 180 Grad gedreht eingesetzt ist; hier bleibt die Beleuchtung vollständig wirkungslos. Besonders breite Beschriftungen wie „Einfg“ auf dem Funktionsblock sind zudem schwer ablesbar und zeigen einen Lichtkegel, der die Position der Diode verrät.

Pluspunkt der Beleuchtung sind ihre vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten, die hinter denjenigen anderer Tastaturen nicht zurückstehen. Das Regulieren der Helligkeit, das Konfigurieren von LED-Effekten und das Programmieren eigener LED-Profile erlaubt die One ebenso wie andere Eingabegeräte. Der Tastatur fehlt keine Stellmöglichkeit – vorhanden ist alles, nur gekennzeichnet ist nichts.

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