Speicherstreit: Toshiba fordert Schadenersatz von Western Digital

Michael Günsch 10 Kommentare
Speicherstreit: Toshiba fordert Schadenersatz von Western Digital
Bild: Peter Dargatz | CC0 1.0

Die Situation ist schon etwas befremdlich: Während Western Digital die kooperativ entwickelte Speichergeneration BiCS4 ankündigt, zieht Toshiba gegen den Partner vor Gericht. Grund ist der Streit um den Verkauf des Anteils des Flash-Ventures von Toshiba.

Toshiba und Western Digital entwickeln und produzieren NAND-Flash-Speicher gemeinsam. Den Anteil von knapp der Hälfte an den sogenannten Flash-Ventures (Flash Partners, Flash Alliance und Flash Forward) hatte Western Digital mit der Übernahme von SanDisk erworben. Doch Toshiba ist nicht zuletzt durch herbe Verluste im US-Atomgeschäft in finanzielle Nöte geraten. Der Verkauf des lukrativen Speichergeschäfts soll nun die Löcher in den Kassen stopfen.

Western Digital zog zuerst vor Gericht

Um Toshibas Speichersparte herrscht seit Monaten ein regelrechtes Tauziehen. Unter den namhaften Bietern befindet sich auch Partner Western Digital, doch Toshiba hatte jüngst ein von japanischen Firmen angeführtes Konsortium als bevorzugten Bieter auserkoren. Aus Sicht von Western Digital habe Toshiba aber kein Recht, das Speichergeschäft ohne Zustimmung des Partners an Dritte zu verkaufen. Daraufhin hatte Western Digital zunächst ein Schlichtungsverfahren vor der Internationalen Handelskammer (ICC) angestrebt. Da kein Einlenken erfolgte, ersuchte der US-Konzern schließlich eine gerichtliche Verfügung des Obersten Gerichtshofes von Kalifornien, um den Verkauf zu stoppen.

Toshibas Gegenschlag

Nun hat Toshiba zum Gegenschlag ausgeholt und zieht gegen Western Digital vor Gericht. Vor dem Bezirksgericht in Tokio hat Toshiba seinerseits eine einstweilige Verfügung gegen den Partner ersucht und ihm dabei „unlautere Konkurrenz“ vorgeworfen. Aus Sicht von Toshiba habe Western Digital durch seine Intervention bei den Verkaufsverhandlungen gegen den Unfair Competition Prevention Act verstoßen. Toshiba fordert nun eine ständige Verfügung sowie Schadenersatz in Höhe von 120 Milliarden Yen (etwa 943 Millionen Euro).

Verkauf zögert sich weiter hinaus

Die Ankündigung der rechtlichen Schritte gegen Western Digital erfolgte im Anschluss an Toshibas Jahreshauptversammlung der Aktionäre. Dort sollte heute eigentlich eine Vereinbarung mit dem ausgewählten Käufer der Speichersparte verkündet werden. Der eskalierende Rechtsstreit wird den Verkauf aber nun weiter hinauszögern.

Update 29.06.2017 10:01 Uhr

Inzwischen hat Western Digital in Form einer öffentlichen Stellungnahme reagiert. Dass Toshiba bestimmten Mitarbeitern den Zugang zu Datenbanken und Werken verwehrt hat, verurteilt der Partner aufs Schärfste.

Wir sind weiterhin bestrebt, alle unsere Verpflichtungen und Pflichten als Partner in den JVs [Joint Ventures] einzuhalten, einschließlich des energischen Schutzes von Geschäftsgeheimnissen. Alle Ansprüche von Toshiba im Gegenteil sind frivol und ohne Verdienst. Wir weisen auch darauf hin, dass die Operationen bei den JVs fortlaufend sind und SanDisk weiterhin einen Anteil von 50 Prozent an den JVs hat.

Ferner sollen Western Digital bisher keine Dokumente über die Klage Toshibas vor dem Bezirksgericht in Tokio vorliegen. Zu den spezifischen Forderungen könne sich das Unternehmen daher nicht äußern. Die Lage sei jedoch eindeutig: Jeglicher Rechtsstreit müsse gemäß den Verträgen der Joint Ventures im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens vor dem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer (ICC) geregelt werden. Damit dies auch geschieht, hatte Western Digitals Markentochter SanDisk eine Verfügung beim Obersten Gerichtshof von Kalifornien angestrebt. Am 14. Juli wolle SanDisk die Ansprüche vortragen.