Kinect: Microsoft stellt Produktion des Kamerasystems ein

Max Doll 46 Kommentare
Kinect: Microsoft stellt Produktion des Kamerasystems ein

Microsoft hat die Produktion von Kinect auslaufen lassen. Damit zieht der Konzern nach insgesamt rund 35 Millionen verkauften Einheiten beider Generationen der Gestensteuerung vorerst einen Schlussstrich unter das Projekt.

Trotz eingestellter Fertigung will Microsoft das System laut Aussagen gegenüber Fast Co Design weiterhin unterstützen; Kinect wird nicht über Nacht funktionslos. Dies gilt zumindest für Kunden, ob Entwickler-Umgebungen und -Werkzeuge weiterhin aktualisiert werden, ist derzeit unklar. Ob daran wiederum breites Interesse besteht, kann bezweifelt werden: Kinect spielt am Markt eine eher geringe Rolle – die Gestensteuerung war praktisch schon seit Jahren Geschichte.

Schwacher Anfang, starker Abstieg

Geplant war das einmal anders. Kinect sollte dem Konzept mit besseren Sensoren und mehr Rechenleistung in Version 2.0 zum Durchbruch in der Breite verhelfen, angedacht war, die Bedienung der Xbox-Konsole und von Spielen zu vereinfachen. Schon der Start war jedoch mindestens unglücklich. Statt über die Technik wurde über Vollüberwachung und Datenschutz diskutiert, weil Microsoft Xbox One und Kinect nur im Bundle ausliefern wollte. Die Idee, die das System für Entwickler aufgrund der Marktpräsenz attraktiver gemacht hätte, ließ unter anderem aufgrund der Sprachsteuerung, die auch bei ausgeschalteter Konsole nach Einschaltbefehlen lauschen wollte, Fragen nach Privatsphäre akut werden.

Datenschutzbedenken alleine haben aber noch kein Produkt vom Markt gehalten, was beispielsweise EAs Origin bewiesen hat. Kritischer war, dass Entwickler zum Start und in der Folgezeit nicht recht wussten, was mit Kinect praktisch anzufangen wäre – es fehlte an einer „Killer-App“, die die Möglichkeiten des Systems demonstriert. Selbst Microsofts First-Party-Spiele konnten keinen überzeugenden Mehrwert in Kinect finden, der Aufwand-Nutzen-Kalkulation wurde von Studios negativ beurteilt.

Kinect wird unsichtbar

Dem folgte ein rascher Abstieg aus der öffentlichen Wahrnehmung. Schon 2014 spielte das System in Produktpräsentationen keine Rolle mehr, nachdem Xbox und Gestensteuerung zur Rettung der Konsole separat verkauft wurden. Spätestens 2015 war schließlich klar, dass Kinect in Spielen in dieser Generation gescheitert und Microsoft eher ratlos ob der Einsatzgebiete des Systems war. Der Versuch, die Relevanz durch die Kopplung an Cortana zu erhöhen, schlug ebenso fehl wie der Versuch, Kinect auf den PC zu bringen. Was damit bleibt, sind gewonnene Erfahrungen und eine Rolle als Technologieträger etwa für die Gesichtserkennung, die in Windows Hello eingesetzt wird.

VR für die Xbox braucht eine andere Technik

Klar ist mit Microsofts Entscheidung auch, dass ein VR-System, sollte es jemals für die Xbox erscheinen, nicht auf die Kameras des Kinect-Systems setzen wird. Microsoft hatte in der Vergangenheit nur oberflächlich über die eigenen VR-Pläne gesprochen, dabei aber durchblicken lassen, einen anderen Ansatz als Sony verfolgen zu wollen. Mit Vorstellung der ersten Mixed-Reality-Headsets (Test) für Windows 10 könnte Microsoft allerdings einen Ausblick darauf gegeben haben, dass ein VR-Headset für die Xbox mit autarkem Inside-Out-6DoF-Tracking erscheinen könnte.