Nach Facebook-Skandal: Lautsprecher verschoben, Privatsphäre vereinfacht

Andreas Frischholz 20 Kommentare
Nach Facebook-Skandal: Lautsprecher verschoben, Privatsphäre vereinfacht
Bild: LoboStudioHamburg | CC0 1.0

Dieses Mal geht der Datenskandal nicht spurlos an Facebook vorbei. So hat das soziale Netzwerk heute angekündigt, die Privatsphäre-Einstellungen zu vereinfachen. Außerdem wurde laut Medienberichten der Start von smarten Lautsprechern verschoben, die Facebook eigentlich auf der Entwickler-Konferenz im Mai präsentieren wollte.

Privatsphäre: Kontroll-Optionen einfacher zu finden

An den neuen Privatsphäre-Einstellungen arbeitet Facebook schon länger, was auch nicht verwunderlich ist. Immerhin gilt ab dem 25. Mai in Europa die neue Datenschutz-Grundverordnung, dann muss der Konzern ohnehin reagieren. Die nun vorgestellten Maßnahmen waren also schon länger geplant, werden aber explizit als „Ergänzung zu den Ankündigungen von Mark Zuckerberg“ bezeichnet.

Facebook: Vereinfachte Optionen für Mobil-App
Facebook: Vereinfachte Optionen für Mobil-App (Bild: Facebook)

Vereinfacht wird zunächst die Menüführung bei der Mobil-App. Die Einstellungen verteilten sich nun nicht mehr auf fast 20 Seiten, sondern sind an einem Ort zugänglich. Überarbeitet werden auch alte Einstellungen, sodass Nutzer leichter überblicken können, welche Informationen mit Apps geteilt werden können und welche nicht.

Außerdem erhalten die Privatsphäre-Einstellungen nun ein neues Shortcut-Menü. Alle relevanten Optionen sollen sich unter den Punkten „dein Konto noch sicherer machen“, „deine persönlichen Informationen kontrollieren“, „beeinflussen, welche Werbeanzeigen du siehst“ und „steuern, wer deine Beiträge und Profilinformationen sieht“ direkter ansteuern lassen.

Persönliche Facebook-Daten herunterladen und kontrollieren

Ebenso kommt noch das Tool „Zugriff auf deine Informationen“. Nutzer können damit feststellen, welche Daten Facebook überhaupt gespeichert hat. Der entsprechende Datensatz lässt sich herunterladen und umfasst Beiträge, Reaktionen, Kommentare sowie die Suchhistorie, die sich dann verwalten lassen. Bei Bedarf können auch Inhalte gelöscht werden, die man nicht auf Facebook sehen will.

Generell soll es einfacher werden, sämtliche auf Facebook bereitgestellte Daten herunterzuladen. So eine Sicherheitskopie ist sowohl für bestimmte Informationen als auch Zeiträume möglich und lässt sich auch auf andere Online-Services übertragen. Bei diesem Punkt handelt es sich aber um eine der Vorgaben der europäischen Datenschutz-Verordnung. Die beinhaltet das Recht auf Portabilität, Nutzern von Online-Diensten muss es dadurch möglich sein, ihre bereitgestellten Daten für andere Dienste zu übertragen. Die EU erhofft sich dadurch, die monopolartige Marktstellung einzelner Online-Dienste aufzubrechen.

Mozillas Facebook-Container: Druck von außen

Für die Zukunft verspricht Facebook zudem vereinfachte Datenschutzbestimmungen. Nutzer sollen einfacher nachvollziehen können, was Facebook mit den persönlichen Daten überhaupt macht und wer Zugriff darauf erhält.

Alles Schritte, die das Vertrauen wiederherstellen sollen, um das es ohnehin nicht allzu gut bestellt ist – und das in der letzten Woche weiter erodierte. Nun kommt der Druck auch noch von außen. So hat etwa Mozilla für den Firefox das Addon Facebook-Container vorgestellt. Die Browser-Erweiterung soll die Facebook-Identität eines Nutzers vom Rest der Internetaktivitäten isolieren, sodass Facebook nicht mehr ohne weiteres verfolgen kann, was Nutzer außerhalb des Netzwerks im Web treiben.

Das Ziel des Addons ist: Nutzer sollen Facebook weiterhin verwenden können und Facebook soll wie gewohnt Werbung schalten können, nur aber ohne die Nebenwirkungen. Es ist also ein Schutz vor Tracking-Methoden, die ein Unternehmen außerhalb des eigenen Serverbereichs betreibt, um etwa personalisierte Werbung zu schalten. Für Mozilla geht es dabei aber nicht nur um Facebook, andere Internetdienste nutzen ähnliche Methoden. Nur lief die Entwicklung des Addons seit Jahren. Und angesichts des jüngsten Datenskandals war es nun möglich, schnell eine Lösung für ein abgrenzbares Problem zu liefern, so Mozilla.

Start von smarten Lautsprechern verschoben

Nun wirkt sich der Datenskandal nicht nur auf Facebooks Datensammlungen aus. Auch der Start der intelligenten Lautsprecher soll deswegen verschoben worden sein, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Quellen, die mit dem Vorgängen vertraut seien. Eigentlich wollte der Konzern die Lautsprecher mit digitalen Assistenten und Video-Chat-Funktion im Mai auf der Entwicklerkonferenz F8 vorstellen. Die aktuelle Privatsphäre-Diskussion machte diese Pläne aber offenbar zunichte.

Was auch nicht überraschend ist: Amazon kämpft bei Echo bereits mit den Vorwürfen, die Boxen würden das Alltagsleben der Nutzer belauschen. Wenn Facebook nun angesichts des jüngsten Skandals ankündigt, weitere Daten zu sammeln und die bestehenden Nutzerdaten zu verwenden, um den intelligenten Assistenten zu füttern, ist der Aufschrei praktisch vorprogrammiert.

Stattdessen wird nun erwartet, dass Facebook auf der F8-Konferenz weitere Maßnahmen präsentiert, die sich mit der Privatsphäre der Nutzer befassen.