Exynos 9610: Samsungs neues Octa-Core-SoC mit 480-FPS-Zeitlupe

Nicolas La Rocco 9 Kommentare
Exynos 9610: Samsungs neues Octa-Core-SoC mit 480-FPS-Zeitlupe
Bild: Samsung LSI

Nachwuchs in der Exynos-Familie: Samsungs LSI-Sparte hat mit dem Exynos 9610 ein neues System-on-a-Chip der Oberklasse vorgestellt, das vom Namen her eine Stufe unter der High-End-Lösung Exynos 9810 des Galaxy S9 positioniert ist. Entsprechend umfangreich fällt die Ausstattung aus. Die Fertigung findet im 10-nm-Prozess statt.

High-End nennt Samsung LSI die Smartphone-Klasse unterhalb von Premium, in der sich das Galaxy S9 und S9+ (Test) sowie das Galaxy Note 8 bewegen. Bisher gibt es keine Samsung-Smartphones, die in diese Klasse passen würden, aber das neue Exynos-9610-SoC soll auch erst in der zweiten Jahreshälfte in die Massenproduktion gehen. Die Fertigung findet in 10 nm FinFET statt, wobei Samsung nicht spezifiziert, ob es die erste Generation 10LPE (Low Power Early) oder ob es die zweite Generation 10LPP (Low Power Plus) ist, die seit Ende November 2017 angelaufen ist.

Zeitlupe mit 480 FPS in Full HD

Samsung LSI bewirbt das Exynos-9610-SoC vor allem über die Fähigkeiten des Bildprozessors und die unterstützten Kamera-Funktionen. In puncto Zeitlupe gibt es sogar eine Funktion, die nicht einmal im Galaxy S9 unterstützt wird: 480 FPS in Full HD. Das Galaxy S9 bietet 960 FPS in 720p (für 184 ms) oder 240 FPS in Full HD (dauerhaft). Hier gilt allerdings erneut die Einschränkung, dass Funktionen eines SoCs von Samsung LSI nicht zwangsweise von Samsung Mobile für ein Smartphone übernommen werden müssen. Das Exynos 9810 kann auf dem Papier auch mehr, als Samsung Mobile im Galaxy S9 abruft. Das gilt beim Exynos 9610 wohl auch für das Encodieren und Decodieren von Videoaufnahmen, das maximal in Ultra HD mit 120 FPS möglich ist.

Die Bildverarbeitung soll durch die Unterstützung einer Neural-Network-Engine deutlich an Leistung zugelegt haben. Über die Engine wickelt das SoC eine intelligente Gesichtserkennung ab, die auch dann noch funktionieren soll, wenn Gesichter nicht in Richtung Kamera gedreht oder teilweise verdeckt sind. Die Engine berechnet zudem eine Tiefenunschärfe (Bokeh) bei Smartphones mit nur einer statt zwei Kameras. Für Aufnahmen bei schlechten Lichtbedingungen wird wie beim Exynos 9810 eine Multi-Frame-Rauschunterdrückung durchgeführt.

CPU und GPU kommen von ARM

Obwohl nur eine Stufe unterhalb des Exynos 9810 positioniert, bleiben die eigens entwickelten Exynos-M-Kerne dem Premium-Segment vorbehalten. Im Exynos 9610 werkeln stattdessen vier ARM Cortex-A73 mit bis zu 2,3 GHz sowie vier ARM Cortex-A53 mit bis zu 1,6 GHz. Als GPU wird eine ARM Mali-G72 auf Basis der zweiten Bifrost-Generation verbaut. Wie viele Recheneinheiten diese besitzt, ist noch unbekannt. Die Produktseite des Exynos 9610 liefert zum aktuellen Zeitpunkt nur wenige Daten. Ein ARM Cortex-M4F mit niedrigem Energieverbrauch dient Hub für alle Sensoren.

Im Bereich der Konnektivität wird ein für Cat. 12 im Downstream ausgelegtes LTE-Modem geboten, das maximal 600 Mbit/s schafft. Im Upstream sind es nach Cat. 13 bis zu 150 Mbit/s. WLAN gibt es nach Standard 802.11ac mit 2×2 MIMO, außerdem sind Bluetooth 5.0 und ein FM-Radio integriert. Zu den unterstützten globalen Navigationssatellitensystemen zählen GPS, GLONASS, BeiDou und Galileo.