AMD Ryzen 2000 im Test: Ryzen 5 2600 in Spielen schneller als Ryzen 7 1800X 8/8

Wolfgang Andermahr et al. 1.669 Kommentare

Fazit: In allen Belangen besser

Die von AMD mit Ryzen 2000 erzielten Leistungszugewinne sind insbesondere in Spielen beachtlich: Wenn selbst das langsamste neue Modell das schnellste alte schlägt, hat sich wirklich etwas getan.

Vier Ryzen 2000 auf zwei X470-Mainboards von Asus und MSI im Test
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Spiele profitieren deutlich von der gesunkenen Latenz

Hauptursache für den großen Leistungszugewinn in Spielen ist die versprochene Verbesserung bei den Speicherlatenzen innerhalb der CPU und zum Arbeitsspeicher. Sieben Prozent Vorteil bei den FPS und zehn Prozent Vorteil bei den Frametimes hat ComputerBase in den Benchmarks für den Ryzen 7 2700X gegenüber dem Ryzen 1800X auf diesen Aspekt zurückführen können. Die von AMD genannten drei Prozent Zuwachs bei der IPC werden hier klar übertroffen. Der Effekt aus dem höheren Takt und dem feiner abgestuften Turbo fällt kleiner aus. In Anwendungen ist es wiederum in erster Linie der in Theorie und Praxis höhere Takt, der die neuen CPUs beschleunigt. Der Zugewinn durch die gesenkten Latenzen fällt mit ermittelten zwei Prozent hingegen kleiner aus.

Leistung bzw. Leistungszuwachs
in Anwendungen
Leistung bzw. Leistungszuwachs
in Spielen
Ryzen 7 2700X 109 Prozent 112 Prozent
Vorteil durch Takt/Turbo +7 Prozent +4 Prozent
Vorteil durch DDR4-2933 +1 Prozent +2 Prozent
Vorteil durch IPC +2 Prozent + 7 Prozent
Ryzen 7 1800X 100 Prozent 100 Prozent

In Spielen liegt der Core i7-8700K noch 11 Prozent in Front

In Spielen sorgen die Zuwächse dafür, dass bereits der Ryzen 5 2600 schneller als das ehemalige Topmodell Ryzen 7 1800X ist. Der Ryzen 7 2700X wiederum liegt auf oder sogar knapp über dem Niveau des Core i7-7700K und steht damit in Konkurrenz zum Core i5-8400. Der Core i7-8700K als Intels aktuelles Consumer-Flaggschiff bleibt in Spielen zum vergleichbaren Preis unter Full HD mit einer sehr schnellen GeForce GTX 1080 Ti zwar immer noch schneller als das Gegenstück von AMD, von 12 Prozent Unterschied zwischen Core i7-7700K und Ryzen 7 1800X bleiben im aktuellen Parcours 11 Prozent Unterschied zwischen Core i7-8700K und Ryzen 7 2700X. Auch der Core i5-8400 ist in Spielen dabei weiterhin vier Prozent schneller als der Ryzen 7 2700X. Die fast entscheidendere Entwicklung findet sich dabei im Detail: Der Ryzen 7 2700X liegt je nach Spiel im Parcours nur noch 7 bis 15 Prozent hinter dem Core i7-8700K, der Ryzen 1800X genehmigt sich hingegen in zwei Titeln noch über 20 Prozent Abweichung.

In Anwendungen gewinnt Ryzen 2000 über den Takt

In Anwendungen fallen die Leistungszugewinne mit Ryzen 2000 nicht ganz so stark aus, für einen Klassensprung reicht es aber bei jeder der CPUs. Mit dem hohen Takt von bis zu 4,3 GHz und der auf 105 Watt angehobenen TDP setzt sich der Ryzen 7 2700X dabei am deutlichsten von seinen (aktuell offiziell beiden) Vorgängern und damit auch dem Ryzen 7 1800X ab. Er schlägt damit den Core i7-8700K um neun Prozent. Aber auch der kleinste neue Ryzen erweist sich als stark: Mit 19 Prozent Vorsprung auf den getesteten Core i5-8400 müsste er auch alle anderen Coffee-Lake-CPUs mit Ausnahme des Core i7-8700K hinter sich lassen.

Der Ryzen 7 2700 erzielt diese Mehrleistung dabei ohne Mehrverbrauch, seine Effizienz steigt generationsübergreifend also deutlich. Trotz Mehrverbrauch ist das auch bei Ryzen 5 2600 und 2600X der Fall, weil die Leistung überproportional ansteigt. Nur der Ryzen 7 2700X erkauft sich die Mehrleistung je nach Szenario auch über einen überproportional gestiegenen Stromverbrauch. Dank verlötetem Heatspreader hat allerdings auch in diesem Fall selbst der neue Boxed-Kühler Wraith Prism keine Probleme mit der Kühlung. Der Ersteindruck zum Kühler fällt überzeugend aus, ein ausführlicher Test folgt. Neu ist, dass es alle CPUs auf Wunsch mit Boxed-Kühler gibt, bei Ryzen 1000 war das noch nicht der Fall.

AMD Pinnacle Ridge: Ryzen 7 2700(X) und Ryzen 5 2600(X)
AMD Pinnacle Ridge: Ryzen 7 2700(X) und Ryzen 5 2600(X)

Speicher-Tuning von Beginn an möglich und sinnvoll

Wem die Leistung ab Werk noch nicht reicht, der kann Ryzen 2000 über mehr RAM-Takt und schärfere RAM-Timings insbesondere in Spielen noch einmal zu deutlich mehr Leistung verhelfen. Und anders als bei der 1. Generation gelingt das nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis auf Anhieb problemlos. Weil AMD-CPUs hier mehr profitieren als die von Intel, steht der Ryzen 7 2700X dem auf gleiche Art und Weise optimierten Core i7-8700K dann nur noch fünf Prozent nach.

Die Anwendungsperformance reagiert dagegen mehr auf das klassische Übertakten des Prozessors. Dort hat Ryzen 2000 allerdings dieselben Nachteile wie der Vorgänger geerbt: Der Anwender rennt relativ schnell in eine „Wand“, sie liegt nur äquivalent zum höheren Takt ab Werk höher als bei der ersten Generation. Klassisches Übertakten ist daher beim Ryzen 7 2700X sowie dem Ryzen 5 2600X kaum sinnvoll.

Kein Vorteil durch X470 und bessere Kühlung

Nach anderslautenden Meldungen im Vorfeld positiv festzuhalten gilt es, dass sich X470 und X370 am Ende bis auf den offiziell gesenkten Leerlaufverbrauch nicht voneinander unterscheiden. Nachgewiesen werden konnte dieser geringere Verbrauch in der Redaktion noch nicht, weil das Asus X470 Crosshair VII mit jeder CPU mehr verbrauchte als das X370 Crosshair VI – neben dem Chipsatz gibt es aber auch andere Anpassungen an der neuen Platine.

Die gute Nachricht für Anwender ist aber sowieso die, dass Ryzen 2000 problemlos auf alten Platinen läuft und dabei keine Funktionalitäten oder Turbo-Mechanismen verliert; und anders herum sieht es genauso aus. Nur das noch nicht freigeschaltete Precision Boost Overdrive könnte einen Unterschied machen, wenn sich Mainboard-Hersteller dazu entscheiden, es für X370 nicht mehr umzusetzen – theoretisch kann er auch das.

Leistungsvorteile durch den Wechsel von X370 auf X470 gibt es damit keine und auch der Einfluss der Kühlung kann nach diesem Test trotz Wechsel auf XFR 2 als Zusatz-Turbo bei Last auf einem bis allen Kernen als vernachlässigbar klein eingestuft werden. Der Vorteil eines potenten Kühlers bleibt damit in der Regel der ruhigere Betrieb.

Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X sind sehr schnell

Ryzen 7 2700X mit acht Kernen und der Ryzen 5 2600X mit sechs Kernen können sich im Test mit ihrer Leistung empfehlen. Beide CPUs bieten eine sehr hohe Anwendungsperformance und eine gute Spiele-Leistung, die denen der Vorgängergeneration deutlich überlegen ist.

Der Ryzen 7 2700X ist als Flaggschiff klar gegen Intels Coffee-Lake-Spitzenmodell Core i7-8700K gerichtet und mit einer UVP von 319 Euro sind beide Prozessoren quasi gleich teuer. Der AMD-Prozessor hat die bessere Anwendungsperformance, das Intel-Gegenstück ist hingegen in Spielen schneller – mit sehr schneller GPU in Full HD kombiniert, wohlgemerkt. Beide Prozessoren liefern insgesamt eine sehr gute Leistung, ohne dass die aktualisierte AM4-Plattform die zum Start von Ryzen „Summit Ridge“ kritisierten Probleme macht. Mit beiden Prozessoren machen Anwender nichts falsch.

Auch der Ryzen 5 2600X ist in Anwendungen besonders stark. Hier ist die CPU zum vergleichbaren Preis (UVP 225 Euro) deutlich schneller als der Core i5-8600K. In Spielen ist dann zwar wieder die Intel-CPU ein Stück voraus, der Rückstand und vor allem dessen Volatilität ist aber nicht als kritisch zu betrachten. Im Duell der Sechs-Kern-CPUs ist daher der Ryzen 5 2600X der bessere Allrounder. Nur wer ausschließlich auf die Spiele-Leistung achtet, hat keinen expliziten Grund, zum Ryzen zu greifen.

Ryzen 5 2600 und Ryzen 7 2700 arbeiten deutlich energieeffizienter als die Kollegen mit dem X, vor allem der Ryzen 7 2700 ist unter Volllast jedoch auch ein gutes Stück langsamer. Dafür kann er das Leistungsplus gegenüber dem Vorgänger als einziger ohne Mehrverbrauch umsetzen, seine Effizienz steigt deshalb deutlich.

AMD Pinnacle Ridge ist absolut konkurrenzfähig

Ryzen 2000 auf Basis von Pinnacle Ridge mit Kernen vom Typ Zen+ untermauert in Summe das vom Hersteller und der Redaktion schon vor einem Jahr gezogene Fazit: AMD ist zurück. Denn die 2. Generation der Ryzen-Prozessoren für den Sockel AM4 beweist, dass die Architektur im Jahr 2017 in der Tat erst am Anfang stand und noch deutlich ausgebaut werden kann.

In zweiter Generation sind die daraus abgeleiteten Produkte in Kombination mit den neuen X470-Mainboards als absolut konkurrenzfähig zu bezeichnen. Die Pinnacle-Ridge-Prozessoren können deshalb bedenkenlos gekauft werden.

AMD Ryzen 2000 und X470-Mainboards sind ab sofort bei zahlreichen Händlern ab Lager verfügbar. Dazu gehören:

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