AMD-Mainboards im Test: 4 × B450 von Asus, Gigabyte & MSI gegen B350 und X470

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Volker Rißka 222 Kommentare

Leistungsaufnahme

Bei der Leistungsaufnahme wird das komplette System inklusive AMD Ryzen 7 2700X, 16 GByte DDR4-Speicher, SATA- und M.2-SSD sowie einer GeForce GTX 1080 Ti vermessen. Genutzt werden die Szenarien „Leerlauf“, „Teillast“, „Volllast“ und „Maximal mögliche Last“ mit Prime95 (Stresstest Small-FFT).

Prozentual gesehen sind die Unterschiede im Leerlauf sehr deutlich ausgeprägt, bis zu 20 Prozent Abweichung (oder 8 Watt) gibt es zwischen den neuen Modellen zu beobachten. Das kleinste Mainboard mit der geringsten Ausstattung genehmigt sich erwartungsgemäß am wenigsten, die Boards mit zusätzlichen Chips ein wenig mehr. Mittlerweile positiv zu beobachten ist, dass alle Mainboards mit 400er-Chipsatz weniger verbrauchen als die zum Vergleich herangezogene B350-Platine.

Leistungsaufnahme mit GTX 1080Ti
Angaben in Watt (W)
  • Leerlauf:
    • Asus TUF B450M-Plus Gaming
      41
    • Asus ROG Strix B450-F Gaming
      44
    • Gigabyte B450 Aorus Pro
      46
    • Asus ROG Crosshair VII (X470)
      49
    • MSI B450 Gaming Pro Carbon AC
      49
    • Gigabyte AB350-Gaming 3
      52
  • leichte Anwendungslast (Cinebench 1-CPU):
    • Asus TUF B450M-Plus Gaming
      71
    • Gigabyte B450 Aorus Pro
      72
    • Asus ROG Strix B450-F Gaming
      74
    • Gigabyte AB350-Gaming 3
      79
    • MSI B450 Gaming Pro Carbon AC
      81
    • Asus ROG Crosshair VII (X470)
      83
  • hohe Anwendungslast (Cinebench x-CPU):
    • Gigabyte AB350-Gaming 3
      192
    • Asus ROG Strix B450-F Gaming
      198
    • Gigabyte B450 Aorus Pro
      198
    • Asus ROG Crosshair VII (X470)
      199
    • Asus TUF B450M-Plus Gaming
      202
    • MSI B450 Gaming Pro Carbon AC
      220
  • Maximallast (Prime inkl. AVX2):
    • Gigabyte AB350-Gaming 3
      185
    • Asus ROG Strix B450-F Gaming
      189
    • Asus TUF B450M-Plus Gaming
      203
    • Asus ROG Crosshair VII (X470)
      210
    • Gigabyte B450 Aorus Pro
      217
    • MSI B450 Gaming Pro Carbon AC
      218

In Lastszenarien verschiebt sich das Bild ein wenig. Keine Platine erledigt jeden Job gleich gut, jede hat irgendwo anders ihre Stärke und Schwäche. Doch auch auf einem B450-Mainboard zeigt sich, dass nur bei Prozessorlast zwischen Maximum und Minimum bis zu 170 Watt liegen können, die dem Ryzen-7-Prozessor zuzuschreiben sind. Das Flaggschiff von AMD ist bekanntlich kein Kostverächter.

Overclocking geht auch mit günstigem Mainboard

Ein B450-Chip steht dem Flaggschiff X470 in puncto Overclocking ebenso in nichts nach, alle Optionen sind auch bei den günstigeren Platinen im BIOS vertreten. Die Probe aufs Exempel mit dem Prozessorflaggschiff Ryzen 7 2700X und einem All-Core-Turbo von 4,3 GHz klappt wie beim ursprünglichen Test der CPU auf einem X470-Flaggschiff-Mainboard. Woran es als Erstes bei diesen Versuchen scheitern kann, ist die Prozessorkühlung: Bei über 35 Grad außerhalb der Wohnung/des Büros und auch deutlich erhöhter Temperatur im Innenbereich ist ein schlagkräftiger Kühler die erste Pflicht.

Auch der Arbeitsspeicher kann übertaktet werden

DDR4-3200 mit XMP wird ebenfalls problemlos erkannt, selbst mit scharfen Timings von CL14. Werden mit einem DDR4-4133-Speicher-Kit die Grenzen ausgetestet, ist auch bei den B450-Mainboards knapp unterhalb von DDR4-3600 Schluss – wie bereits bei den X470-Mainboards. DDR4-3533 bei Timings von 16-15-15-35-1T ist für ein 100 Euro teures AMD-Mainboard aber ein sehr gutes Ergebnis.

DDR4-3533 im Einsatz auf dem günstigen Mainboard
DDR4-3533 im Einsatz auf dem günstigen Mainboard

Fazit und Empfehlung

Das Fazit der letzten Jahre bleibt aktuell: Das perfekte Mainboard gibt es nicht. Wenngleich alle getesteten B450-Platinen einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben, sticht kein Modell als die absolute Empfehlung aus dem Vergleich hervor. Auch weil die, die mehr bieten, eben auch mehr kosten.

Der Artikel zeigt wiederum sehr deutlich, dass weniger manchmal mehr ist: Wenn sich zwei Chipsätze so nahe sind wie AMDs X470 und B450, dann wird die Luft für den teureren schnell dünn. Allein aus sich heraus kann der X470 den B450 quasi nicht schlagen, es kommt immer auf die Umsetzung auf dem Mainboard an. In den meisten Mittelklasse-Systemen mit Sockel AM4 ist damit auch eine B450-Platine in der Regel sehr gut aufgestellt und für Performance- oder gar High-End-Bestrebungen reicht selbst der X470 mit zwei PCIe-Lanes mehr nicht aus.

B450-Mainboards von Asus, Gigabyte und MSI im Test
B450-Mainboards von Asus, Gigabyte und MSI im Test

Der B450 gräbt dem X470 das Wasser ab

MSI macht nach den vielen Testtagen mit den B450-Mainboards alles richtig und setzt große Stücke auf diese Lösung, weshalb der Hersteller mehr als doppelt so viele B450-Mainboards wie X470-Platinen anbietet. AMD steht bei vielen Kunden immer noch für die „günstigere Lösung“ am Markt, dem trägt MSI mit der Strategie Rechnung. AMD tat somit gut daran, zuerst das Flaggschiff X470 zu bringen und den Markt der Enthusiasten abzuschöpfen, denn mit einem parallelen Start des B450 wären die Verkäufe mit Sicherheit deutlich geringer ausgefallen.

Mit mindestens sieben Platinen will aber auch Asus seinen Teil vom Kuchen bekommen. Das TUF hinterlässt in der Disziplin Preis/Leistung einen sehr guten Eindruck, den das Strix mit gleichem Chipsatz und dem fast doppelten Preis niemals wettmachen kann. Es hat die etwas bessere Ausstattung, doch auf der anderen Seite fehlt es dem TUF auch an nichts, was in der Mittelklasse nicht zum Standard gehört. Insofern fällt die Wahl in der Redaktion klar auf das TUF B450.

Gigabyte macht ebenfalls einen sehr guten Job. In den meisten Disziplinen liegt die B450-Platine gleichauf mit den Mitbewerbern. Beim Sound sticht sie hervor, steckt beim BIOS jedoch zurück. Für 119 Euro UVP ist es in Anbetracht der Ausstattung ein sehr gutes Angebot. MSIs teureres Carbon ac steckt bei der Performance ebenfalls nicht zurück, lässt sich dies aber auch entsprechend bezahlen und will durch die gute Ausstattung ein wenig mehr Leistung aufnehmen.

Eine Frage des Geschmacks/Geldbeutels

AMD wirbt bei den B450-Boards direkt zum Start mit Platinen für unter 70 US-Dollar – das hat auch beim Vorgänger geklappt. Die am Ende dort gesparten Euro gegenüber den doch deutlich teureren X470-Platinen machen schnell den Unterschied zwischen zwei Prozessorklassen aus: Der schnellere Ryzen 5 für knapp 50 Euro Aufpreis oder gar der Sprung von Ryzen 5 auf Ryzen 7 für 80 Euro mehr sind oft die bessere Wahl als ein teureres Mainboard. Und so bleibt am Ende der persönliche Geschmack oder das eine kleine Ausstattungsdetail, das neben dem Preis über den Kauf entscheiden sollte.

Ein Mainboard mit 300er-Chipsatz kaufen?

In Anbetracht fallender Preise für Platinen mit X370 oder B350 stehen viele Anwender auch vor der Frage, ob der Griff zu einem solchen Modell nicht das beste Schnäppchen wäre, zumal es keine handfesten technischen Gegenargumente gibt. Bedenken müssen Interessenten allerdings, dass Ryzen 2000 nur mit aktuellem BIOS zum Starten überredet werden kann (das es für alle Platinen gibt), StoreMi (Test) nicht kostenlos zur Verfügung steht. Neukunden sollten deshalb immer auch zu den neuen Platinen greifen, denn auch der Support mit neuen BIOS-Versionen ist im Zweifelsfall eher dort anzutreffen.

ComputerBase hat die Mainboards leihweise von den Herstellern Asus, Gigabyte und MSI unter NDA erhalten. Einzige Vorgabe war der Zeitpunkt zur Veröffentlichung, der von AMD festgesetzt worden war. Eine Einflussnahme auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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