CrossFire & SLI: Früher meist schnell, heute meist schlecht

Wolfgang Andermahr 246 Kommentare
CrossFire & SLI: Früher meist schnell, heute meist schlecht

tl;dr: Möglich ist er immer noch, der Betrieb von zwei Grafikkarten als Multi-GPU-System. ComputerBase prüft, wie gut CrossFire und SLI bei modernen Spielen im Jahr 2018 noch funktionieren. Allzu rosig fallen die Ergebnisse allerdings nicht aus.

CrossFire und SLI im Jahr 2018

Vor einigen Jahren führte für die Enthusiasten unter den Enthusiasten kein Weg an Multi-GPU-Systemen vorbei: Wer die höchste Performance in Bezug auf FPS haben wollte, musste über Jahre auf Nvidias SLI- beziehungsweise AMDs CrossFire-Technologie setzen. Mit zwei Grafikkarten – oder gar noch mehr – ließ sich die Performance nicht selten um mindestens 70 Prozent gegenüber dem Single-GPU-Einsatz anheben.

Aber schon immer gab es Probleme mit der Technologie. Nicht jedes Spiel unterstützte zum Beispiel CrossFire oder SLI. Einige konnten nur mit mehreren Grafikkarten eines Herstellers umgehen, andere überhaupt nicht. In manchen Titeln fiel wiederum der Leistungsgewinn gering aus und generell hing immer die dunkle Wolke „Mikroruckler“ über dem Spielen mit Multi-GPU-Systemen – d.h. es gab zwar sehr hohe FPS, der Zeitabstand zwischen den einzelnen Frames schwankte aber stark, was sich trotzdem als Stocken bemerkbar machte.

Je neuer die Engine, desto größer (meist) die Probleme

Erstmals genutzt wurden zwei Grafikkarten in Consumer-Rechnern in Form von Scan Line Interleave Ende der 90er-Jahre von 3dfx. Der Hersteller wurde Ende 2000 von Nvidia übernommen, vier Jahre später brachte Nvidia ein modifiziertes SLI selbst auf den Markt. AMD folgte mit CrossFire zwei Jahre später.

Die vergangenen Jahre sind beide Technologien etwas aus dem Rampenlicht verschwunden. Moderne Spiele-Engines haben sich deutlich verändert, sodass es sowohl für AMD als auch Nvidia und die Spieleentwickler immer schwerer bis oft unmöglich geworden ist, zwei Grafikkarten zu unterstützen. Nvidia hat seit Pascal das gleichzeitige Rendern von drei oder vier Grafikkarten gestrichen und SLI funktioniert ohnehin erst ab der GeForce GTX 1070. Zudem gab AMD bekannt, mit den Vega-Grafikkarten die CrossFire-Unterstützung zu reduzieren. Da hilft es auch nicht, dass die Low-Level-APIs DirectX 12 und Vulkan, die bei Multi-GPU Vorteile hätten, kaum vorwärts kommen.

Damit ist es schon länger ersichtlich, dass CrossFire und SLI auf absehbare Zeit komplett aussterben werden. Doch noch sind zwei Grafikkarten lauffähig.

ComputerBase testet auf zwei GeForce GTX 1080, Radeon RX Vega 64 und Radeon RX 580, ob und wie gut oder schlecht CrossFire und SLI in modernen Spielen wie Far Cry 5 und Kingdom Come: Deliverance funktionieren.

Testergebnisse

Sämtliche Tests wurden auf einem Intel Core i7-8700K durchgeführt, der auf 4,7 GHz übertaktet wurde und mit 32 Gigabyte Speicher (2 × 16 GB, DDR4-3200, 16-16-38-1T, Dual Rank) ausgestattet ist. Das Mainboard Asus Z370 Maximus X Hero bietet bei zwei Grafikkarten noch jeweils acht PCIe-3.0-Lanes. Als Treiber ist der Adrenalin 18.7.1 beziehungsweise der GeForce 398.36 installiert.

Bei den Grafikkarten kommen zwei Modelle der Radeon RX 580, der Radeon RX Vega 64 und der GeForce GTX 1080 zum Einsatz, die durchweg mit den Referenztaktraten arbeiten. Bei dem Nvidia-Modell wurde eine klassische SLI- und eine SLI-HB-Brücke mit einer höheren Bandbreite benutzt.

Als moderne Spiele kommen Far Cry 5, Final Fantasy XV, Kingdom Come: Deliverance, Mittelerde: Schatten des Krieges und Star Wars: Battlefront 2 zum Einsatz. Als Auflösung wird 3.840 × 2.160 genutzt und die Grafikdetails sind so konfiguriert, dass mit zwei Grafikkarten ein potenziell flüssiges Spielen möglich ist. Die genauen Details zu den Einstellungen finden sich in der folgenden Tabelle.

Spiel Auflösung Grafikoptionen
Far Cry 5 3.840 × 2.160 Maximale Details
Final Fantasy XV 3.840 × 2.160 Mittel-Preset
Kingdom Come: Deliverance 3.840 × 2.160 Mittel-Preset
Mittelerde: Schatten des Krieges 3.840 × 2.160 Maximale Details
Star Wars: Battlefront 2 3.840 × 2.160 Maximale Details

Benchmarks in 3.840 × 2.160

CrossFire bringt gegenüber einer einzelnen Grafikkarte keinerlei Geschwindigkeitsvorteile – zumindest im Durchschnitt bei zwei Radeon RX Vega 64. Das CF-Gespann ist nur 2 Prozent schneller. Bei der Radeon RX 580 legt die Geschwindigkeit in Ultra HD zumindest um 30 Prozent zu.

SLI mit zwei Modellen des Typs GeForce GTX 1080 bringt einen Leistungsschub von 19 Prozent. Wer eine SLI-HB- anstatt einer normalen SLI-Bridge verwendet, erhält weitere 20 Prozent an FPS und damit ein Plus von 43 Prozent gegenüber einer Einzelkarte.

Die Frametimes stürzen auf den AMD-Beschleunigern völlig ab. Die Ergebnisse sind mit zwei Radeon RX Vega 64 um 42 Prozent schlechter als mit einer Einzelkarte, bei der Radeon RX 580 sind es zumindest nur 6 Prozent. SLI verschlechtert die Frametimes um 10 Prozent, mit einer SLI-HB-Bridge sind diese aber dann 16 Prozent besser als mit einer einzelnen GeForce GTX 1080.

Große Unterschiede in den einzelnen Spielen

In den einzelnen Titeln lässt sich ein großes Auf und Ab erkennen. Far Cry 5 liefert zum Beispiel durchaus gute FPS-Steigerungen von 50 Prozent (Vega 64) und 54 Prozent (GTX 1080) durch eine zweite Grafikkarte. Auch Star Wars: Battlefront 2 schneidet diesbezüglich gut ab. In Kingdom Come: Deliverance zeigt sich dann ein völlig kaputtes CrossFire, während SLI durchaus etwas mehr FPS-Leistung zeigt.

In Mittelerde: Schatten des Krieges lässt sich klar erkennen, dass CrossFire auf einer Radeon RX Vega 64 deutlich schlechter funktioniert als auf einer Radeon RX 580. Die Polaris-Grafikkarte gewinnt durch Multi-GPU gute 85 Prozent an FPS und 33 Prozent an Frametimes. Die Radeon RX Vega 64 erzielt dagegen nur 30 Prozent mehr Bilder in der Sekunde, während die Frametimes gar um 20 Prozent schlechter ausfallen.

Ein interessantes Verhalten zeigt zudem Final Fantasy XV. Das Spiel unterstützt weder CrossFire noch Multi-GPU. Aus unerklärlichen Gründen läuft es auf Multi-GPU-Systemen, egal ob mit AMD oder Nvidia ausgestattet, aber trotzdem langsamer als mit einer einzelnen Grafikkarte.

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