Fire HD 10 Kids Edition im Test: Amazons Tablet für kleine und große Kinder 2/3

Michael Schäfer 79 Kommentare

Kids Edition – höherer Preis, höhere Sicherheit

Die Unterschiede zwischen dem Standard-Tablet und der Kids Edition werden schon beim Kauf deutlich: Während das klassische Fire HD 10 zum normalen Preis von 179,99 Euro zu haben ist, müssen Eltern beim Kauf der Kindervariante noch einmal 20 Euro drauflegen. Der höhere Preis beinhaltet neben der stabilen, aus weichem Kunststoff gefertigten und in den Farben Blau und Pink erhältlichen Schutzhülle Amazons „Sorglos-Garantie“. Mit dieser ersetzt der Online-Händler innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren ab Kaufdatum das Tablet auch bei selbstverschuldeten Beschädigungen – nach eigenen Aussagen „ohne Wenn und Aber“. Somit könnte die Kids Edition auch für normale Nutzer interessant sein, denn eine zwingende Nutzung der Schutzhülle gibt Amazon nicht vor.

Trotz dicker Hülle sind die Anschüsse gut erreichbar
Trotz dicker Hülle sind die Anschüsse gut erreichbar
Zum Einlegen einer Speicherkarte muss das Fire HD 10 aus der Hülle genommen werden
Zum Einlegen einer Speicherkarte muss das Fire HD 10 aus der Hülle genommen werden

Kostenlose Nutzung von FreeTime Unlimited für ein Jahr

Ebenfalls im Preis inbegriffen ist die kostenlose Nutzung der Content-Flatrate FreeTime Unlimited für ein Jahr. Nach Ablauf fallen für die weitere Nutzung für Prime-Mitglieder 3 Euro monatlich an, außerhalb des Sondertarifs sind Eltern mit 5 Euro monatlicher Gebühr dabei. Für größere Familien bietet Amazon weitere Pakete an, welche bis zu vier Kinder berücksichtigen. Hier fallen Kosten von 7 beziehungsweise 10 Euro an.

Gewünschte Hilfestellung

Es hat den Anschein, als trete Amazon mit dem Kids-Edition-Angebot bei vielen Eltern offene Türen ein, denn bei einer vom Online-Händler in Auftrag gegebenen, nicht repräsentativen Umfrage unter 1.005 Eltern mit Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren wünschten sich 60 Prozent, dass ihre Sprösslinge ein eigenes Tablet nutzen. 90 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass sie ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt bei der Nutzung von Tablets lassen. 79 Prozent würden sich jedoch gerne noch stärker einbringen, fast genauso viele Eltern wären beruhigter, wenn das Kind nur Zugriff auf geprüfte Inhalte hätte. Rund zwei Drittel der Befragten würden das Kind bei der Nutzung des Tablets aber gerne mehr sich selbst überlassen. Für vier von fünf Eltern ist es zudem wichtig, dass Kinder das Tablet für pädagogische Inhalte nutzen.

FreeTime

Bei dem Begriff FreeTime gilt es zunächst einmal die Verwirrung bei manchen Nutzern zu beseitigen: Mit FreeTime bezeichnet Amazon die eigene Applikation, mit welcher Eltern verschiedene Werkzeuge an die Hand bekommen, um die Nutzung des Tablets bei ihren Sprösslingen zu reglementieren und verfolgen zu können – wahlweise am selben oder anderen Tablet sowie über das Online-Dashboard am heimischen PC. Die Kontrolle umfasst die Festlegung der Apps, der Inhalte oder die ansteuerbaren Websites ebenso wie die tägliche Nutzungsdauer innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens – getrennt nach Wochentagen und Wochenende. So können Eltern festlegen, ab welcher Uhrzeit und bis wann ihre Kinder das Tablet nutzen dürfen.

Die Nutzung kann aber auch an bestimmte Bedingungen anknüpfen, zum Beispiel dass Kinder erst eine festgelegte Zeit mit bestimmten Apps lernen und gewisse Lernziele erreichen müssen, um anschließend das Tablet zur Unterhaltung nutzen zu können.

Großer Fundus von Inhalten

FreeTime Unlimited dagegen ist die von Amazon kuratierte Content-Flatrate mit ausschließlich kostenlosen Inhalten, zu welcher neben Spielen und anderen Applikationen auch Bücher, Filme und Serien gehören und die laut Amazon mittlerweile weit über 10.000 Titel aufweist. Diese richten sich in weiten Teilen an Kinder im Alter zwischen 3 und 12 Jahren.

Um eine bestmögliche Eingrenzung des jeweiligen Alters zu gewährleisten, setzt Amazon nicht ausschließlich auf die bekannten FSK-Empfehlungen, sondern legt auch eigene Maßstäbe an, welche wiederum unter anderem aus Rückmeldungen von Eltern resultieren. Die Titelwahl kann zudem durch die Angabe eines expliziten Altersbereichs beschränkt werden. Amazon grenzt die jeweiligen Inhalte zwar deutlich besser ein, als es noch beim Test der Fire 7 Kids Edition der Fall war, Ausreißer gibt es aber nach wie vor. Darüber hinaus schwankt die Qualität der jeweiligen Applikationen bedenklich. Negativ ist zudem anzumerken, dass das System keine Filterung von fremdsprachigen Applikationen zulässt, denn viele Anwendungen sind ausschließlich in englischer Sprache verfügbar.

Keine Werbung, keine Hörbücher

Darüber hinaus werden die Inhalte ohne Werbung und In-App-Käufe angeboten. Ebenso können bei Amazon gekaufte Streaming-Filme oder Serien eingebunden werden. Das einbinden von Audible-Inhalten ist mittlerweile auch möglich – wenn auch nur über Umwege.

Fire HD 10 Kids Edition Screenshots FreeTime Unlimited

Lernen und spielen

Die angebotenen Inhalte werden seitens Amazon in zwei Bereiche aufgeteilt: Lerninhalte und Unterhaltung. Da Bücher die Lesekompetenz der Kinder fördern, gelten sie unabhängig vom Inhalt generell als Lerninhalte. Videos und Applikationen werden nur dann als Lernhilfen angesehen, wenn diese ein ausdrückliches Lernziel sowie die Förderung bestimmter Kompetenzen verfolgen. Diese Unterteilung gelingt Amazon jedoch nicht immer. Das Online-Surfen gilt dagegen generell als Unterhaltung, völlig unabhängig von den angezeigten Inhalten.

Nicht nachvollziehbare Auswahl von Websites

Über den integrierten Webbrowser werden Kindern abhängig vom Alter diverse Websites und Videoclips offeriert, welche anhand leicht verständlicher Bilder in verschiedene Themengebiete gruppiert werden. Nicht aufgeführte Inhalte können Eltern auf eine Whitelist setzen.

Aber auch hier gelingt Amazon die Filterung nicht immer: So werden Seiten wie unter anderem Togo.de, welche Werbung führen, oder die Disney-Website, die eher als Werbung für eigene Inhalte angesehen werden kann, aufgeführt – die Website der „Sendung mit der Maus“ ist jedoch in den Grundeinstellungen nach wie vor gesperrt, selbst über die freigegebene Kika-Seite ist diese nicht erreichbar.

Inhalte ohne Flatrate

Außerhalb von FreeTime Unlimited müssen Eltern selbst für Inhalte sorgen. Bereits aus dem App Store installierte Applikationen werden vom System erkannt, kontrolliert und gegebenenfalls als „kinderfreundlich“ angegeben. Der Test zeigt jedoch erneut, dass Eltern den Einschätzungen Amazons nach wie vor nicht blindlings vertrauen sollten. Gleiches gilt für Bücher und Videos.

Vertrauen ist gut, doch ist Kontrolle wirklich besser?

Bei all den positiven Aspekten der genannten Mechanismen: Die Grenze zwischen ergänzender Kontrolle und kompletter Überwachung verläuft fließend, denn Eltern können die Aktivitäten ihrer Kinder auf Wunsch sogar über die Dashboard-Weboberfläche in Echtzeit verfolgen. Dies führt zu kompletten Nutzungsprofilen der Kinder, die auch manch gut gehütetes Geheimnis preisgeben könnten. Die Frage nach der Privatsphäre der Kinder ist hier nicht ganz unbegründet.

Zu verfolgen, welche Apps die Sprösslinge wie lange genutzt haben oder auf welchen Websites diese gesurft sind, kann für Eltern durchaus begründet sein. Bei mit der Kamera aufgenommenen Bildern wird es jedoch schnell grenzwertig: Zwar werden diese nicht automatisch in die Cloud gesichert, können aber zur „Begutachtung“ auf Wunsch auf ein Prime-Photo-Account kopiert werden. Kinder selbst erhalten dagegen keine Möglichkeit, die Bilder vom Tablet zu bekommen, ein Teilen in den einschlägig bekannten sozialen Netzwerken ist nicht möglich.

Lernhilfen für Eltern

Außerhalb der durchaus berechtigten Kritik bietet FreeTime aber einiges mehr: Eltern bekommen bei einer ständig steigenden Anzahl der geführten Filme oder Bücher die entsprechende Zusammenfassung angezeigt und können sich somit ein Bild über die vom Kind konsumierten Inhalte machen. Diese beinhalten auch Gesprächsvorschläge zwischen Eltern und Kindern für die jeweiligen Inhalte oder Spieletipps.

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