Ryzen Threadripper 2000 im Test: 32 Kerne sind verrückt, 16 sehr gut nutzbar

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Volker Rißka et al. 656 Kommentare

Leistungsaufnahme und Temperatur

Fest steht, dass die CPUs und die Plattform durch BIOS-Updates im Vergleich zum Stand von vor einem Jahr einen Schritt nach vorn gemacht haben, die Leistungsaufnahme im Leerlauf ist leicht gesunken.

Bei Last auf einem Kern zeigt sich, dass sich die 16-Kern-CPU von 2017 und die von 2018 nichts nehmen, der 32-Kern-Prozessor hingegen schon deutlich mehr verbraucht. Mit Mehr-Kern-Last und Maximallast wird es dann extrem. Denn Precision Boost und XFR 2 sorgen für höhere Taktraten, die sich auch in einer höheren Leistungsaufnahme niederschlagen. Dass der 32-Kerner am Ende in Prime95 im AVX-Test die 450-Watt-Marke (mit dem gesamten System) knackt, überrascht deshalb nicht.

8 Einträge
Leistungsaufnahme mit GTX 1080Ti
Angaben in Watt (W)
  • Leerlauf:
    • Intel Core i7-8700T
      33
    • Intel Core i7-8700T (35 Watt LT)
      33
    • Intel Core i5-8500T
      33
    • Intel Core i3-8100
      34
    • Intel Pentium Gold G5400
      35
    • Intel Pentium G4560
      35
    • Intel Core i7-8086K LE
      37
    • Intel Core i7-8700K
      37
    • Intel Core i7-7700K
      38
    • Intel Core i5-8400
      39
    • AMD Ryzen 5 1600X
      45
    • AMD Ryzen 7 2700
      47
    • AMD Ryzen 7 1700
      47
    • AMD Ryzen 5 2600
      47
    • AMD Ryzen 7 1800X
      47
    • AMD A10-7890K
      47
    • AMD A12-9800E
      48
    • AMD Ryzen 7 2700X
      49
    • AMD Ryzen 7 1700X
      49
    • AMD Ryzen 5 2600X
      49
    • AMD Ryzen 3 2200G
      49
    • AMD Ryzen 3 1200
      49
    • AMD Ryzen 5 2400G
      50
    • AMD Ryzen 5 1400
      50
    • Intel Core i7-7820X
      62
    • AMD Ryzen TR 2950X
      62
    • Intel Core i9-7900X
      64
    • AMD Ryzen TR 2990WX
      76
    • AMD Ryzen TR 1920X
      76
    • AMD Ryzen TR 1950X
      82
  • leichte Anwendungslast (Cinebench 1-CPU):
    • Intel Core i5-8500T
      46
    • Intel Pentium G4560
      48
    • Intel Core i3-8100
      49
    • Intel Pentium Gold G5400
      49
    • Intel Core i7-8700T
      50
    • Intel Core i7-8700T (35 Watt LT)
      51
    • Intel Core i5-8400
      57
    • AMD Ryzen 3 2200G
      61
    • Intel Core i7-7700K
      63
    • AMD Ryzen 5 2600
      67
    • AMD Ryzen 5 1400
      67
    • AMD Ryzen 5 2400G
      68
    • AMD Ryzen 3 1200
      68
    • AMD Ryzen 7 2700
      70
    • AMD Ryzen 7 1700
      70
    • AMD Ryzen 7 1800X
      73
    • AMD Ryzen 5 1600X
      73
    • Intel Core i7-8086K LE
      73
    • Intel Core i7-8700K
      73
    • AMD Ryzen 5 2600X
      78
    • AMD A12-9800E
      79
    • AMD Ryzen 7 1700X
      80
    • AMD Ryzen 7 2700X
      84
    • AMD A10-7890K
      91
    • Intel Core i9-7900X
      95
    • Intel Core i7-7820X
      95
    • AMD Ryzen TR 1950X
      98
    • AMD Ryzen TR 2950X
      101
    • AMD Ryzen TR 1920X
      102
    • AMD Ryzen TR 2990WX
      128
  • hohe Anwendungslast (Cinebench x-CPU):
    • Intel Pentium G4560
      59
    • Intel Pentium Gold G5400
      64
    • Intel Core i7-8700T (35 Watt LT)
      66
      Hinweis: Peak zu Beginn bei 117 Watt
    • Intel Core i3-8100
      70
    • Intel Core i5-8500T
      78
    • AMD Ryzen 3 1200
      83
    • AMD A12-9800E
      92
    • Intel Core i5-8400
      95
    • AMD Ryzen 5 1400
      96
    • AMD Ryzen 3 2200G
      100
    • Intel Core i7-7700K
      113
    • Intel Core i7-8700T
      117
    • AMD Ryzen 7 1700
      124
    • AMD Ryzen 5 2400G
      124
    • AMD Ryzen 7 2700
      125
    • AMD Ryzen 5 2600
      133
    • Intel Core i7-8086K LE
      134
    • AMD A10-7890K
      138
    • AMD Ryzen 5 1600X
      139
    • Intel Core i7-8700K
      139
    • AMD Ryzen 7 1800X
      163
    • AMD Ryzen 7 1700X
      164
    • AMD Ryzen 5 2600X
      164
    • Intel Core i7-7820X
      195
    • AMD Ryzen 7 2700X
      196
    • AMD Ryzen TR 2950X
      250
    • AMD Ryzen TR 1920X
      253
    • Intel Core i9-7900X
      256
    • AMD Ryzen TR 1950X
      257
    • AMD Ryzen TR 2990WX
      391
  • Maximallast (Prime inkl. AVX2):
    • Intel Pentium G4560
      61
    • Intel Core i7-8700T (35 Watt LT)
      63
      Hinweis: Peak zu Beginn bei 165 Watt
    • Intel Pentium Gold G5400
      65
    • Intel Core i3-8100
      87
    • AMD Ryzen 3 1200
      92
    • AMD A12-9800E
      93
    • AMD Ryzen 5 1400
      101
    • Intel Core i5-8500T
      104
    • AMD Ryzen 3 2200G
      110
    • AMD Ryzen 5 2400G
      130
    • AMD Ryzen 7 1700
      131
    • Intel Core i5-8400
      131
    • AMD Ryzen 7 2700
      133
    • AMD Ryzen 5 2600
      146
    • Intel Core i7-7700K
      146
    • AMD Ryzen 5 1600X
      151
    • Intel Core i7-8700T
      159
    • AMD A10-7890K
      160
    • AMD Ryzen 7 1800X
      177
    • AMD Ryzen 7 1700X
      178
    • AMD Ryzen 5 2600X
      180
    • Intel Core i7-8086K LE
      185
    • Intel Core i7-8700K
      188
    • AMD Ryzen 7 2700X
      210
    • Intel Core i7-7820X
      227
    • Intel Core i9-7900X
      269
    • AMD Ryzen TR 1950X
      273
    • AMD Ryzen TR 1920X
      273
    • AMD Ryzen TR 2950X
      319
    • AMD Ryzen TR 2990WX
      457

Temperatur mit Offset von 27 Grad

68 Grad darf eine Threadripper-CPU ohne manuellen Eingriff maximal warm werden, damit der Turbo-Modus nicht temperaturbedingt eingebremst wird. Wird diese Schwelle erreicht, wird der Takt angepasst, bis sie wieder gehalten wird. Die Temperatur der CPU zu messen verliert wie bei vielen GPUs damit aber etwas an ihrer Aussagekraft, denn sofern das Power-Target nicht limitiert, wird der Prozessor vom Turbo an genau dieser Zieltemperatur gehalten.

Im Testparcours ist allerdings genau das Power-Limit in der Regel die Bremse, nur in ausgewählten Tests waren mit einer All-in-One-Wasserkühlung im Schnitt um die 100 MHz mehr möglich als mit einem Luftkühler. In allen anderen Fällen war die Temperatur hingegen nicht der limitierende Faktor.

Höhere Anforderungen an die VRMs

Ryzen Threadripper 2000 läuft laut AMD auf allen bereits im letzten Jahr präsentierten X399-Platinen, alle Hersteller werden laut AMD entsprechende BIOS-Updates veröffentlichen – entsprechende Ankündigungen fehlen zum Teil aber noch aus.

In Bezug auf die beiden Topmodelle sind sich Asus, Gigabyte, MSI und Co. zusammen mit AMD aber offensichtlich sicher, dass der gestiegene Stromverbrauch der Spannungsversorgung der Platinen keine Probleme bereiten wird. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass die teuren Mainboards im letzten Jahr bereits für übertaktete CPUs der 1. Generation ausgelegt waren.

Der Ryzen Threadripper 2990WX heizt VRMs auf

Bei bis zu 184 Watt höherem Verbrauch unter Last in Prime (Ryzen Threadripper 2990WX vs. 1950X) werden die Platinen mit dem neuen Topmodell ein Jahr später allerdings schon ohne OC in diesem Bereich betrieben und das hat Auswirkungen auf die Temperaturen der Spannungsversorgung, wie ComputerBase beispielhaft am Asus ROG X399 Zenith Extreme zeigt.

ComputerBase hat die neuen Prozessoren zum Anfang der Testreihe auf dem Asus X399 Zenith Extreme aus dem Vorjahr betrieben. Lediglich das BIOS wurde aktualisiert. Der Testaufbau erfolgte offen, genutzt wurde eine All-in-One-Wasserkühlung. Zusätzlich indirekt aktiv gekühlt wurde die Spannungsversorgung also nicht.

Die VRMs auf dem Asus ROG X399 Zenith Extreme

Das Mainboard versorgt die CPU sowohl über VRMs am oberen Rand der Platine als auch am Ende des ersten PCIe-Slots. Über dem Sockel gibt es 8 Phasen (Infineon IR3555, je 60 A) für die eigentlichen Rechenkerne (VCore), unter dem PCIe-Slot drei Phasen (Texas Instruments CSD9737, je 25 A) für die Spannungsversorgung des SoC (Speicher-Controller, PCIe etc.).

Damals wie heute werden die VRMs für die VCore über dem Sockel von einem Kühlkörper bedeckt, der über eine Heatpipe mit einem Radiator hinter dem I/O-Panel verbunden ist. Dieser wird, sofern die Temperaturen eines Sensors bei den VRMs gewisse Grenzen überschreiten (max. einstellbar sind 95 °C), von einem 40-mm-Lüfter aktiv gekühlt werden. Die drei VRMs für das SoC kommen hingegen ohne Kühler aus. Schon vor einem Jahr war das Anlass zur Diskussion, beim Betrieb mit Standardtaktraten aber kein Problem.

Mit dem 2990WX wird es deutlich heißer

Mit dem Ryzen Threadripper 2950X (16K/32T) ist das auch ein Jahr später so. Unter Dauerlast in Prime95 konnte die Redaktion 63 °C auf dem Kühler der VRMs über dem Sockel (knapp über 90 °C laut Sensor) und 78 °C direkt auf den VRMs beim PCIe-Slot messen. Beides sind unkritische Werte. Der 40-mm-Lüfter in der I/O-Blende lief.

Ein wie zu erwarten anderes Bild ergab sich allerdings mit dem Ryzen Threadripper 2990WX – hier wurden 87 °C auf dem Kühler über dem Sockel (117 °C laut Sensor) und 105 °C auf den nackten VRMs am PCIe-Slot gemessen. Zu einer Beeinträchtigung der Leistung kam es aber auch in diesem Fall nicht. Texas Instruments gibt für den CSD9737 immerhin auch 150 °C maximale Betriebstemperatur an. Nichtsdestoweniger reizt der 32-Kern-Prozessor die Fähigkeiten der Platine bereits ab Werk deutlich stärker aus als die 16-Kern-CPUs dieser und der letzten Generation.

Ohne Cooling Kit werden die SoC-VRM über 100 °C warm
Ohne Cooling Kit werden die SoC-VRM über 100 °C warm

Das Cooling Kit von Asus im Test

Um dem entgegen zu steuern, hat Asus für das Zenith ein optional erhältliches Cooling Kit veröffentlicht. Es enthält einen passiven Kühlkörper für die drei SoC-VRMs und einen zusätzlichen 40-mm-Lüfter für die VCore-VRMs. Auf einem von AMD dieses Jahr bereitgestellten weiteren Zenith Extreme war der passive Kühlkörper bereits installiert.

Der passive Kühlkörper für die SoC-VRM ist ohne Einsatz einer Grafikkarte im ersten Slot und unter Verwendung einer AiO im offenen Aufbau allerdings keine große Hilfe. Seine Oberflächentemperatur fällt zusammen mit dem 2990WX zwar auf 83 °C, das Wärmebild zeigt allerdings deutlich, dass die VRMs darunter weiterhin deutlich heißer sind. In PCs mit aktiv gekühlter Grafikkarte und/oder Luftkühlung wird der große passive Kühlkörper allerdings einen Effekt haben.

Mit dem Cooling Kit fallen insbesondere die VCore-VRM-Temperaturen
Mit dem Cooling Kit fallen insbesondere die VCore-VRM-Temperaturen

Den hat schon im offenen Aufbau in jedem Fall der zusätzliche 40-mm-Lüfter, der die Temperatur der VCore-VRMs laut Sensor von vormals 117 °C auf 97 °C fallen lässt. Die Oberflächentemperatur des Kühlkörpers liegt neben dem Lüfter nur noch bei 67 statt vormals 87 °C, direkt unter dem Lüfter noch niedriger. Weil der 40-mm-Lüfter in der I/O-Blende nur bis maximal 95 °C stillgelegt werden kann, blieb er dabei allerdings weiterhin aktiv.

Kühlung Temp. VRM Sockel (Kühler) Temp VRM PCIe (Kühler)
Ryzen Threadripper 2950X (16K/32T)
Ohne Cooling Kit 63 °C 78 °C
Ryzen Threadripper 2990WX (32K/64T)
Ohne Cooling Kit 87 °C 105 °C
Cooling Kit exkl. Lüfter 87 °C 83 °C
Cooling Kit inkl. Lüfter 67 °C 73 °C

ComputerBase wird das Thema Kühlung der VRM beim größten Threadripper auch auf anderen Platinen im Auge behalten, eine weitere Veröffentlichung ist nicht ausgeschlossen.

Overclocking: Manuell oder mit Precision Boost Overdrive

Für Ryzen Threadripper 2000 hat AMD endlich Precision Boost Overdrive (PBO) freigeschaltet, das bereits mit Ryzen 2000 angekündigt worden war. Es kann mit Ryzen Master 1.4 genutzt werden. Aus Windows heraus soll sich damit noch ein wenig mehr Leistung aus den Prozessoren kitzeln lassen. Allerdings stellt AMD auch dort gleich klar: Wer in PBO Parameter an der Spannungs- und Stromzufuhr ändert, übertaktet damit die CPU – und verliert die Garantie. Mainboards müssen PBO unterstützen.

Mit Precision Boost Overdrive an feste Grenzen gehen

PBO setzt am Power-Target an. Das ist sinnvoll, denn alle neuen Threadripper-Prozessoren werden in der Regel immer durch das Power-Target eingebremst, das laut AMD und Darstellung in Ryzen Master der offiziellen TDP der CPU entspricht. Wird es gelockert, sprich manuell erhöht, taktet die CPU insbesondere in Mehr-Kern-Szenarien höher, ohne jedoch die maximal mögliche Taktrate zu sprengen, die für die CPU definiert ist – „übertaktet“ wird der Prozessor also noch nicht. Vorher greift allerdings in der Regel ohnehin die Zieltemperatur von 68 Grad, die bestmögliche Kühlung für den Sockel TR4 ist zur Nutzung von PBO also Pflicht.

2990WX in Prime: Nah am Power- und Temperaturlimit nur noch 75 MHz im Plus
2990WX in Prime: Nah am Power- und Temperaturlimit nur noch 75 MHz im Plus

Wer PBO nutzt, kann mit dem Ryzen Threadripper 2950X aber auch dem 2990WX 150 bis 250 MHz zusätzlichen Takt unter Last freischalten. Geift das Temperatur-Limit früher, sind es aber auch nur 100 MHz. In einem Kühlertest für den Sockel TR4 wird sich ComputerBase diesem Thema in naher Zukunft noch einmal etwas ausführlicher widmen.

Klassisches Overclocking aber weiterhin auch möglich

Auch der komplett manuelle OC-Modus lässt sich in Ryzen Master aber weiterhin freischalten. Und hier überraschen AMDs Neulinge durchaus. Der 16-Kerner Ryzen Threadripper 2950X lässt sich mit 4,25 GHz über alle Kerne betreiben, bevor er die Grenzen der Kühlung im Test erreicht. Mehr Spannung war mit der AiO von Enermax oder dem großen Luftkühler von Nocuta nicht möglich, denn dann kam die Temperaturschwelle noch schneller näher und griff ultimativ bei 95 °C (ohne Offset) ein. Mit lediglich 1,375 Volt wurde das ComputerBase-Sample bei rund 80 Grad mit einer AiO-Wasserkühlung gehalten, die Leistungsaufnahme lag bei rund 400 Watt.

Der 32-Kern-Prozessor taktet erwartungsgemäß nicht so hoch, wenngleich stabile 3,9 GHz für 64 Threads ebenfalls eine positive Überraschung darstellen. Das Netzteil ist dabei aber noch mehr gefordert, denn nur durch CPU-Last bewegt man sich spielend leicht jenseits der 750-Watt-Marke. Kommt mit einer potenten Grafikkarte noch zusätzliche Last hinzu, ist der Griff zum Kilowatt-Netzteil anzuraten.

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