iOS 12 im Test: Apple macht iPhones von alt bis neu schneller

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Nicolas La Rocco 285 Kommentare

Besser nach Fotos suchen

Neue Funktion für die Fotos-App gibt es mit so gut wie jedem iOS-Update, diesmal widmet sich Apple jedoch primär dem Suchen und Finden von Fotos. Den Anfang machen intelligente Suchvorschläge, die parallel zur manuellen Suche durch den Anwender erscheinen. Im besten Fall ist erscheint ein passender Vorschlag bereits in der Liste, noch bevor der Nutzer seine Anfrage abgeschickt hat. Zu den intelligenten Suchvorschlägen zählen zum Beispiel Events, Ort und relative Datumsangaben.

Neue Suchfunktionen in Fotos
Neue Suchfunktionen in Fotos

Wer im Detail nach Fotos von Events oder speziellen Orten suchen möchte, erhält unter iOS 12 mehr Optionen. Wird zum Beispiel nach allen Fotos des Oktoberfestes gesucht, kann iOS 12 diese Aufnahmen nun bei entsprechender Suchanfrage finden. Bei der Suche nach Orten werden nun nicht mehr nur Städte, sondern auch Geschäfte und Restaurants mit einbezogen, wobei hier noch nicht einmal der genaue Name bekannt sein muss. Eine Suche nach „mexikanischen Restaurants“ führt ebenso zum Ergebnis wie der genaue Name des gesuchten Restaurants, wenngleich durch die zweite Methode das Ergebnis aufgrund der Spezifizierung weiter eingeschränkt wird.

Die Suche mit Hilfe von Schlagwörtern wird durch die Verkettung von Suchbegriffen aufgewertet. So lassen sich mit iOS 12 zum Beispiel die Suchbegriffe „Sommer“, „Golfen“ und „USA“ miteinander verknüpfen, um bessere Ergebnisse zu erhalten.

Die Fotogalerie denkt mit

Die Fotogalerie agiert unter iOS 12 auch ein bisschen selbstständig, indem sie in dem neuen Tab „Für dich“ automatisch Rückblicke, gemeinsame Albumaktivitäten und die besten Momente aus der Mediathek versammelt. Die laut Meinung des Betriebssystems besten Fotos werden hier noch einmal in den Fokus gerückt, und Effekt­vorschläge zeigen auf, wie im Nachhinein mehr aus diesen Aufnahmen geholt werden kann. Die neue Fotos-App mach zudem Vorschläge zum Teilen von Bildern, etwa wenn automatisch erkannt wurde, dass etwas Besonderes vom Nutzer gemacht wurde, etwa ein Reise oder der Besuch eines Events. Die Fotos-App erkennt, wer auf den Aufnahmen zu sehen ist und schlägt diese Personen zum Teilen vor. Das funktioniert auch aus der anderen Richtung, wenn Fotos von einer anderen Personen an einen selbst verschickt wurden.

Für-dich-Seite in Fotos
Für-dich-Seite in Fotos

Den Import von Fotos hat Apple ebenfalls überarbeitet. So ist es nun möglich, RAW-Fotos auf ein iPhone oder iPad zu importieren und von dort aus zu bearbeiten.

Siri ist schlauer geworden

Apples Sprachassistentin Siri wurde bisher häufig für ihr teils dummes Verhalten gerügt, und immer wieder verspricht Apple, mit dem nächsten iOS-Update Besserung. Auch in iOS 12 gibt es eine Reihe von Veränderungen, die Siri etwas schlauer machen.

Siri lernt Kurzbefehle und verknüpft sie

Siri lernt aus den täglichen Routinen des Anwenders und schlägt passend dazu auf dem Sperrbildschirm oder in der Suche Kurzbefehle vor. Apple erklärt, dass darin genau das vorgeschlagen werden soll, was der Anwender braucht und wenn er es brauchst. Für Kurzbefehle gibt es nun auch eine eigens von Apple entwickelte App mit dem Namen „Siri Shortcuts“, um mehrere Schritte auf einmal statt einzeln durchführen zu können.

Siri Shortcuts App und Kurzbefehl auf dem Sperrbildschirm
Siri Shortcuts App und Kurzbefehl auf dem Sperrbildschirm (Bild: Apple)

Dabei ähnelt das Vorgehen und die Verknüpfung von Befehlen an IFTTT. Damit die Verknüpfungen mit möglichst vielen Apps funktionieren, bietet Apple Entwicklern eine neue SiriKit API an, die damit ihre Anwendungen für Kurzbefehle optimieren können. Kurzbefehle können nicht nur über die neue App ausgelöst werden, sondern sind auch über eigene Sprachbefehle auf iPhone, iPad, iPod touch und HomePod ausführbar.

Siri kennt jetzt Nährwerte und Promis

Mehr Wissen spendiert Apple Siri über Datenbankeinträge des USDA, dem Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten. Siri können damit Fragen zu Lebensmitteln gestellt werden, etwa zu den Nährwerten. Siri beantwortet aber auch fragen wie „Wie gesund ist Fisch?“ oder „Wie viel Koffein ist in Kaffee?“.

Siri weiß jetzt zudem mehr über Prominente, sodass die Assistentin gefragt werden kann, wie ein neues Buch eines bestimmten Autors heißt oder wo der Geburtsort eines Schauspielers liegt. Und auch mit Motorsport kennt sich Siri nun aus, wie Live-Tabellen, Zeitpläne, Statistiken und Fahrer­aufstellungen für NASCAR und andere Rennserien zeigen.

Darüber hinaus ist das Übersetzen von Text nun in über 40 Sprachkombinationen möglich. Siri kann außerdem dabei helfen, nach Passwörtern zu suchen. Und per Siri lassen sich unter iOS 12 Rückblicke in der Fotos-App suchen, etwa basierend auf Leuten, Orten, Events, Datum und Schlagwörtern zu Objekten und Szenen, die auf den Fotos zu sehen sind.

Neue Apps von Apple

Drei der eigenen iOS-Apps hat Apple für iOS 12 überarbeitet, eine weitere ist neu hinzugekommen. Ein vollständiger Neuanfang ist die App für Apple Books. In dem neuen Bereich „Jetzt lesen“ finden Anwender stets das aktuell gelesene Buch sowie eine Auswahl neuer. Komplett überarbeitet wurde der Store für Bücher, der das Suchen und Kaufen von Büchern sowie das Organisieren in Sammlungen einfacher machen soll.

Für Aktien gibt es ebenfalls eine neue App. Hier hat Apple die Anwendung um eine anpassbare Beobachtungsleiste ergänzt, die auf einen Blick die wichtigsten Kurse sichtbar machen soll. Über einen neuen Ticker lassen sich die wichtigsten Details und interaktive Tabelle zur Kursentwicklung einsehen. Zum ersten Mal gibt es Aktien nicht mehr nur auf dem iPhone, sondern auch für das iPad und auch auf dem Mac.

Sprachmemos gibt es mit iOS 12 ebenfalls in einer Variante für Tablets. Durch das App-Update gestaltet Apple schnelle Aufnahmen, das Bearbeiten von Sprachmemos und das Teilen selbiger einfacher als noch unter iOS 11. Letzteres ist über iCloud auch an einen Mac möglich, um das Sprachmemo dort weiterführend zu verarbeiten.

Um die Fähigkeiten von ARKit 2 zu demonstrieren, legt Apple iOS 12 eine eigene App sozusagen als Demo bei: die Maßband-App. Diese nutzt die Kamera eines iPhone oder iPad um automatisch flache rechteckige Oberflächen zu vermessen. Außerdem lassen sich auf flachen Oberflächen selbst Linien ziehen, um Distanzen zu messen.

Mehr Datenschutz und Sicherheit

Den sorgfältigen Umgang mit Daten des Anwenders stellt Apple bei iOS 12 erneut in den Fokus. Nach dem Thema Differential Privacy (PDF) im letzten Jahr gibt das neue Betriebssystem vor allem Tipps zur besseren Absicherung von Daten. Zum Beispiel werden wiederverwendete Passwörter in der Passwortliste hervorgehoben, damit diese schnell durch automatisch erstellte, starke Passwörter ersetzt werden können.

Durch das Betriebssystem automatisch erstellte Passwörter werden im iCloud-Schlüsselbund (iCloud Keychain) abgelegt und sind dadurch auf allen Apple-Geräten mit demselben Konto verfügbar. Mit iOS 12 ist zudem das Teilen von Passwörtern mit Apple-Geräten in der Nähe möglich, zum Beispiel von iOS zu iOS, von iOS zu macOS oder von iOS an tvOS. So lässt sich sich etwa das Passwort für Netflix einfach vom Smartphone zum Apple TV übertragen. Und wenn doch einmal das Passwort selbst benötigt wird, lässt sich dieses nun bei Siri anfragen.

Passwörter und Code im Schnellzugriff

Im Rahmen der Zwei-Faktor-Authentifizierung via SMS landen diese Sicherheitscodes nach dem Erhalt nun automatisch in den Vorschlägen der Tastatur, sodass sie ohne Umwege oder schnelles Merken in das Eingabefeld übertragen werden können. Eine neue Password Manager API hilft zudem dabei, die Passwörter aus anderen Passwortmanagern in die QuickType-Leiste zu übernehmen. Dafür müssen die Apps der Drittanbieter jedoch für die neue API angepasst werden.

Neuer Tracking-Schutz in Safari
Neuer Tracking-Schutz in Safari (Bild: Apple)

Apples Browser Safari bietet unter iOS 12 und macOS 10.14 Mojave einen verbesserten Tracking-Schutz. Dieser verhindert unter anderem, dass Tasten zum Teilen von Beiträgen und Kommentar-Widgets den Anwender ohne vorherige Erlaubnis verfolgen. Werbetreibende sollen zudem nicht länger spezifische Eigenschaften des Gerätes auslesen können. Dies kann zum Beispiel ein Hinweis für Cookies sein. Dadurch wird verhindert, dass sich dem Nutzer auf Basis dieser Daten eine eindeutige ID zuordnen lässt, die das Nachverfolgen für gezielte Werbung im Netz ermöglichen würde.

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