iOS 12 im Test: Apple macht iPhones von alt bis neu schneller

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Nicolas La Rocco 285 Kommentare

Kamera mit neuer API

Kleinere Anpassungen erhält die Kamera-App, die nun ein verbessertes Porträtlicht bietet. Die Kamera erstellt dafür jetzt eine Maske, sobald eine Person im Sucher erkannt wird. Daraufhin wird die Person „intelligent“ von der Umgebung getrennt. Für Entwickler von Drittanbieter-Apps dürfte hingegen eher eine neue API für die Porträtsegmentierung wichtig sein. Damit ist es in Apps von Drittanbietern fortan möglich, die Ebenen eines Fotos voneinander zu trennen, etwa den Hintergrund vom Vordergrund.

Seit der Veröffentlichung von iOS 11 ist die Kamera-App mit einem integrierten QR-Code-Scanner ausgerüstet, der sich automatisch aktiviert, sobald ein QR-Code im Sucher gefunden wird. In einen anderen Kameramodus müssen Anwender für die Nutzung somit nicht wechseln. Für iOS 12 gibt es nun eine optische Hervorhebung von QR-Codes im Sucher, damit diese einfacher über den Sucher gescannt werden können.

Memoji in Nachrichten

Apples Nachrichten-App alias iMessage ist für iOS 12 vor allem um Features ergänzt worden, die mit der Nutzung des iPhone X (Test) und der neuen Modelle iPhone Xs, Xs Max und iPhone Xr zum Tragen kommen, da sie die Nutzung des Face-ID-Kamerasystems voraussetzen.

Auf die Animoji aus iOS 11 folgen in iOS 12 nun die Memoji, sozusagen die Animoji auf Basis des eigenen Selfies. Ebenso wie bei den Animoji werden Gesichtszüge des Anwenders vom Face-ID-Kamerasystem erkannt und auf das virtuelle Alter Ego übertragen. Für die Erstellung des eigenen Memoji gibt es den Memoji Maker, der viele individuelle Möglichkeiten zur persönlichen Anpassung des Gesichts bietet.

Memoji und vier neue Animoji
Memoji und vier neue Animoji (Bild: Apple)

Neue Animoji gibt es dennoch, darunter einen T-Rex, Geist, Koala und Tiger. Zudem können Animoji-Clips jetzt bis zu einer Länge von 30 Sekunden aufgenommen werden. Außerdem erkennt die Kamera nun das Herausstrecken der Zunge und Zwinkern.

App Store in iMessage wird kleiner

Beim Versenden von Fotos über iMessage stehen neue Kameraeffekte und Stickerpakete zur Auswahl, die sich über den mit iOS 10 eingeführten App Store für iMessage herunterladen lassen. Die Sticker verfolgen die Mimik des Gesichts und folgen den Bewegungen des Nutzers. Die Integration des App Stores in iMessage nimmt nun jedoch weniger Platz in der App ein: Apple hat den sogenannten App Strip in iOS 12 verkleinert, damit mehr Platz für die eigentlichen Inhalte zur Verfügung steht.

Für Fotos in iMessage gibt es neue Filter wie Schwarz-Weiß, Comicbuch oder Aquarell und Formen wie Sterne, Herzen und Pfeile. Außerdem kommt in iMessage Apples auf dem Gerät abgewickelte KI stärker zum Einsatz, indem Fotovorschläge passend zu Personen aus der Unterhaltung gemacht werden.

Kleine Updates unter der Haube

iOS 12 bringt eine Reihe von Veränderungen mit, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind oder die erst in einem spezifischen Nutzungsszenario auffallen. Ein sehnsüchtig erwartetes Feature zahlreicher CarPlay-Nutzer ist die Unterstützung von Navigations-Apps von Drittanbietern. Mit iOS 12 wird nicht mehr die Nutzung von Apple Maps vorgeschrieben, es lassen sich auch Google Maps, Waze und andere Dienste verwenden, sofern diese vom Entwickler in einer Version für CarPlay vorliegen und von Apple freigegeben wurden. Die aktuelle Beta von Google Maps für iOS läuft bereits auf CarPlay, noch ist aber nicht bekannt, wann von der App die finale Version folgen soll.

Der mit iOS 11.3 eingeführte Einblick in die Gesundheit des Akkus wird in iOS 12 um ein Diagramm zum Batterie­verbrauch erweitert. Anwender können sich nun den Verbrauch der letzten 24 Stunden oder 10 Tage ansehen. Das Antippen des jeweiligen Balkens führt zur einer Ansicht aufgeschlüsselt nach der App-Nutzung für diese Zeit.

Neue Gesten für das iPad

Auf dem iPad gibt es mit iOS 12 neue Gesten, die die Navigation vereinfachen sollen. Um zurück auf den Homescreen zu gelangen, kann jetzt an beliebiger Stelle des Docks nach oben gewischt werden. Das Kontrollzentrum wird nun ähnlich wie beim iPhone X aufgerufen, indem eine Wischgeste von der oberen rechten Ecke nach unten durchgeführt wird. Unter iOS 11 war das Kontrollzentrum noch über die Ansicht der aktuell geöffneten Apps erreichbar, was im Vergleich unübersichtlich wirkte.

FaceTime mit bis zu 32 Personen
FaceTime mit bis zu 32 Personen (Bild: Apple)

Darüber hinaus bringt iOS 12 einen Englischen Thesaurus für Synonyme und verwandte Konzepte für Wörter sowie drei neue Wörterbücher mit: ein zweisprachiges Wörterbuch für Arabisch und Englisch sowie Hindi und Englisch und ein Wörterbuch für Hebräisch.

Neues FaceTime ist noch nicht fertig

Zu guter Letzt hat es die seit Jahren größte Veränderung für FaceTime nicht mehr in den finalen Release von iOS 12 geschafft: Gruppengespräche (mit bis zu 32 Teilnehmern). Bis zur sechsten Beta von iOS 12 noch enthalten, hat Apple sich ab der siebten Beta dazu entschlossen, das Feature vorerst wieder aus dem Betriebssystem zu entfernen – Gründe unbekannt. Es soll mit einem zukünftigen Update für iOS 12 im späteren Verlauf des Herbstes nachgeliefert werden. Es ist nicht das erste Mal, dass ein von Apple zur WWDC angekündigtes iOS-Feature nicht bis zum finalen Release fertig wird. Gleiches war mit Apple Pay Cash, Messages in iCloud und zuletzt AirPlay 2 passiert.

Fazit

Apples viele kleine Veränderungen für iOS 12 summieren sich unterm Strich doch zu einem nicht zu verachtenden Update mit vielen sinnvollen Neuerungen. Das Betriebssystem ist durch die Bank auf alten und neuen Geräten schneller geworden, sodass von den Vorteilen diesmal nicht nur ein kleiner Kreis von Nutzern profitiert. Veränderungen wie gruppierte Mitteilungen, Bildschirmzeit, die allgemein durch KI profitierenden Features wie Suche und Kurzbefehle, neue Apps sowie der erhöhte Datenschutz werten das Betriebssystem spürbar auf.

Verschlimmbesserungen waren im Test nicht festzustellen, wenngleich wie im Falle von Auszeit manchmal der Feinschliff fehlt. Dennoch ist iOS 12 ein guter Schritt nach vorne für iPhone, iPad und iPod touch.

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