iOS 12 im Test: Apple macht iPhones von alt bis neu schneller

Nicolas La Rocco 284 Kommentare
iOS 12 im Test: Apple macht iPhones von alt bis neu schneller
Bild: Apple

tl;dr: Apple wird das zur WWDC im Juni vorgestellte iOS 12 heute Abend gemeinsam mit watchOS und tvOS zum Download in finaler Version freigegeben. Alle Apple-Geräte mit 64-Bit-SoC erhalten das Update. ComputerBase gibt einen Überblick der wichtigsten Veränderungen des Betriebssystems für iPhone, iPad und iPod touch.

iOS 12 kommt für 26 Apple-Geräte

Apple ist für einen langjährigen Software-Support bekannt und bietet iOS 12 für viele Smartphones, Tablets und Mediaplayer an, die teilweise seit fünf Jahren auf dem Markt sind. Grundsätzlich lässt sich iOS 12 auf allen Apple-Geräten mit einem 64-Bit-SoC installieren. Das bedeutet: iOS 12 kann selbst auf dem im September 2013 vorgestellten iPhone 5s mit A7-Prozessor noch installiert werden. Weil dieselbe Hürde auch schon für iOS 11 galt, bleiben damit alle iOS-11-Geräte weiterhin mit an Bord. Neuvorstellungen wie das iPhone Xs, Xs Max und iPhone Xr werden ab Werk mit iOS 12 ausgeliefert.

Diese Apple-Geräte unterstützen iOS 12
Smartphones Tablets Mediaplayer
iPhone Xs Max iPad Pro 12,9" (2. Generation) iPod touch (6. Generation)
iPhone Xs iPad Pro 12,9" (1. Generation)
iPhone Xr iPad Pro 10,5"
iPhone X iPad Pro 9,7"
iPhone 8 iPad (6. Generation)
iPhone 8 Plus iPad (5. Generation)
iPhone 7 iPad Air 2
iPhone 7 Plus iPad Air
iPhone 6s iPad mini 4
iPhone 6s Plus iPad mini 3
iPhone 6 iPad mini 2
iPhone 6 Plus
iPhone SE
iPhone 5s

Schneller als iOS 11

Dass Apple ein neues iOS für zahlreiche ältere Geräte anbietet, ist lobenswert, bei früheren Updates hat darunter unter Umständen aber die Leistung des Smartphones oder Tablets gelitten. iOS 12 soll sich in diesem Punkt anders verhalten und wurde von Apple speziell hinsichtlich der Leistung und dort insbesondere für ältere Geräte optimiert.

Apple gibt an, dass Apps mit iOS 12 bis zu 40 Prozent schneller starten, die Kamera bis zu 70 Prozent schneller durch Wischen über den Sperrbildschirm erreichbar ist, die Tastatur bis zu 50 Prozent schneller bei Eingabefeldern erscheint und die Anzeige zum Teilen von Inhalten nun bis zu doppelt so schnell angezeigt wird. Die Messungen hat Apple auf einem im September 2014 vorgestellten iPhone 6 Plus (Test) mit A8-SoC und 1 GB RAM durchgeführt. Aber selbst auf einem nur ein Jahr alten und bisher stets schnellen iPhone 8 Plus (Test) der Redaktion agiert iOS 12 durchweg flotter als iOS 11.

Ein iPhone 5s profitiert spürbar

Auch auf einem iPhone 5s (Test) mit 16 GB ließen sich nach dem Update in der Tat deutlich reduzierte Boot- und Ladezeiten feststellen, auch die Kamera und viele UI-Elemente waren schneller bereit. Das Spiel Temple Run stockte wiederum beim Anflug auf das bereits in Spielgrafik dargestellte Menü, im Spiel selber war davon dann aber nichts mehr zu sehen.

Endlich gruppierte Mitteilungen

Endlose Listen aufeinanderfolgender Benachrichtigungen gehören mit iOS 12 endlich der Vergangenheit an. Durch das Gruppieren von Benachrichtigungen geht Apple eines der größten Ärgernisse früherer iOS-Generationen an und zieht mit Googles Android gleich, das diese Funktion schon länger bietet. Die nun in Stapeln sortieren Benachrichtigungen lassen sich auf Wunsch einzeln betrachten und können zudem mit einem Wisch als Ganzes entfernt werden.

Gruppierte Mitteilungen
Gruppierte Mitteilungen

Außerdem gibt es nun sogenannte Sofortanpassungen für Benachrichtigungen, um Einstellungen für Mitteilungen im Moment des Erhalts vornehmen zu können. So lässt sich zum Beispiel definieren, dass bestimmte Benachrichtigungen als leise Mitteilungen in der Mitteilungszentrale ankommen sollen, sodass diese beim Erhalt keine potenziell störenden Hinweise mehr ausgeben. Analog dazu gibt es eine neue Regelung für besonders kritische Hinweise, die auch dann erscheinen, wenn der Nicht-stören-Modus aktiv ist.

Das iPhone mal weniger nutzen

Dass zu viele Informationen störend sein können, spielt auch bei dem vollständig neuen Feature Bildschirmzeit eine Rolle. Mehrere Werkzeuge in iOS 12 sollen es dem Nutzer ermöglichen, besser zu verstehen und gegebenenfalls zu limitieren, wie viel Zeit mit Apps, Webseiten und ultimativ dem Smartphone oder Tablet verbracht wird. Auch Google bietet für Android 9 Pie ähnliche Werkzeuge zur Selbst­be­gren­zung an. Huawei arbeitet bei dem neuen EMUI 9.0 des Mate 20 (Pro) zudem an einer eigenen Umsetzung speziell für den chinesichen Markt.

Bildschirmzeit liefert dem Anwender Aktivitätsberichte zur Nutzung des Smartphones. Darin wird für den Nutzer im Detail aufgeschlüsselt, auf welche Apps sich die Nutzung der letzten 24 Stunden und 7 Tage verteilt und wie lange jede App verwendet wurde. Auch Mitteilungen und wie oft das Gerät in die Hand genommen wurde fließen mit in die Berechnung ein.

Eine Auszeit nehmen

Basierend auf diesen Informationen lässt sich entscheiden, ob es nicht vielleicht besser wäre, gewisse Apps zeitlich zu beschränken. In den App-Einschränkungen lässt sich festlegen, wie viel Zeit in Apps und auf Webseiten verbracht werden darf. Auf Wunsch können mit Auszeit auch ganze (oder alle) Apps und Mitteilungen vollständig blockiert werden. Im Gegenzug dazu lässt sich genauso festlegen, welche Apps immer erlaubt und nicht von Auszeit betroffen sind. Wird eine eigentlich blockierte App aufgerufen, klärt ein Sanduhrsymbol darüber auf, dass die Zeit eigentlich abgelaufen ist. Der Anwender kann diese Sperre auf Wunsch für den Rest des Tages oder die nächsten 15 Minuten umgehen. In Safari gilt diese Ausnahme daraufhin allerdings nur auf Domain-Ebene – jede Domain muss also separat freigegeben werden.

Bildschirmzeit und Auszeit
Bildschirmzeit und Auszeit

All diese neuen Funktionen lassen sich auch speziell für Kinder einrichten, indem die Apple IDs der Familie für Bildschirmzeit eingerichtet werden. So können Eltern im Auge behalten, wie viel Zeit die Kinder mit den Geräten, Apps respektive auf Webseiten verbringen. Kinder wiederum haben die Option, bei ihren Eltern nach mehr Nutzungszeit zu fragen, was diese dann über das eigene Endgerät bestätigen oder ablehnen können. Selbst aufheben können Kinder die Sperre des Betriebssystems hingegen nicht.

Ist das Limit für eine App aufgehoben und noch nicht erneut freigeschaltet worden, sind die Auswirkungen nicht nur direkt in der App sichtbar: Der Mediaplayer auf dem Homescreen kann dann beispielsweise die Wiedergabe eines Liedes nicht mehr starten oder das Wetter-Widget keine Wetterinformationen mehr ausgeben. Während das Wetter-Widget den Grund nennt, kann der Media-Player, der ohne Hinweis von Play immer wieder sofort zurück zu Pause springt, anfänglich schon verwirren.

Neuer Nicht-stören-Modus

In dieselbe Kategorie wie Bildschirmzeit fallen von Apple durchgeführte Veränderungen am Nicht-stören-Modus. Hier gibt es einen neuen Modus speziell für die Schlafenszeit, der den Bildschirm dimmt und Benachrichtigungen über Nacht stumm schaltet. Der Nicht-stören-Modus lässt sich zudem automatisch nach einer Stunde, zum Ende des Tages oder verknüpft an Orte sowie Meetings im Kalender ein- und ausschalten.

Mehr Power für Augmented Reality

Augmented Reality spielt für Apple seit der Einführung von ARKit eine stetig wachsende Rolle, wenngleich man von der eigenen AR-Brille wohl noch weit entfernt ist. Dabei macht sich Apple die Rechenleistung der A-Prozessoren und die Fähigkeiten von Kamera und Software zunutze und schiebt das Smartphone oder Tablet zwischen Anwender und Realität.

In iOS 12 gibt es für Augmented Reality Detailanpassungen, etwa dass sich AR-Erlebnisse nun über längere Zeit hinweg teilen und an Standorten der realen Welt verankern lassen. Vom Anwender erschaffene AR-Kunstwerke können so von einer anderen Person mit iPhone oder iPad am selben Ort betrachten werden. Auch können mehrere Spieler mit mehreren iOS-12-Geräten zusammen an einer AR-Erfahrung teilnehmen, zum Beispiel um gemeinsam ein AR-Spiel zu bestreiten, wie es das folgende Bild verdeutlich.

Neue Features für Augmented Reality dank ARKit 2
Neue Features für Augmented Reality dank ARKit 2 (Bild: Apple)

Leistungsfähiger wird Augmented Reality durch eine Gesichtserkennung, die erkennt, wohin der Nutzer blickt oder ob dieser die Zunge herausstreckt und zwinkert. Dieses Feature gibt es auch bei den Animoji. Neu sind Umgebungsspiegelungen, sodass sich nun auf eingefügten virtuellen Objekten in der AR-Umgebung die reale Welt spiegelt.

Apple erweitert Dateiformat von Pixar

All diese Features sind Bestandteile von ARKit 2, Apples neuer Augmented-Reality-Plattform für Entwickler. Dazu gehört mit USDZ auch ein neues Dateiformat, das für die Erstellung von detaillierten Inhalten und Animationen speziell für mobile Geräte entwickelt wurde. Das Dateiformat basiert auf Pixars Universal Scene Description (USD), wobei das „Z“ im Namen das Packen in einer nicht komprimierten, unverschlüsselten ZIP-Datei beschreibt. Weitere Details hierzu liefert die Webseite von Pixar.

Auf der nächsten Seite: Besser nach Fotos suchen