AMD Adrenalin 2019 im Test: Mit WattMan im Overlay und weiteren Verbesserungen

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Wolfgang Andermahr 278 Kommentare

Besseres Overlay mit WattMan

Das vor einem Jahr eingeführte Overlay hat aber auch abseits des „Game Advisor“ einen guten Schritt nach vorne gemacht. Es gibt neue Funktionen und das Aussehen lässt sich besser konfigurieren. So ist es nun zum Beispiel möglich, „Enhanced Sync“ sowie die Farbeinstellungen pro Spiel und nicht mehr nur global für alle Anwendungen einzustellen.

Darüber hinaus hat WattMan den Einzug ins Overlay gehalten. Damit lassen sich sämtliche Optionen nun auch im Spiel direkt ändern. Das fängt beim GPU- sowie Speichertakt an und geht über Spannungen bis hin zur Temperatur- und Lüfterkontrolle. Die WattMan-Kontrolle ist besonders praktisch für die Konfiguration, weil sich jede Änderung in Echtzeit im Spiel nachverfolgen lässt.

AMD hat zudem die Performance-Überwachung erweitert. Sie ist nun deutlich flexibler einsetzbar, weil sich nun die Größe der Anzeige verändern lässt, die je nach Auflösung und Monitor gerne zu groß oder auch mal zu klein war. Allerdings sind die Schritte mit 50 %, 100 %, 150 % und 200 % noch weit. Doch auch wer die Informationen nicht in einer langen, sondern lieber in mehreren breiten Spalten haben möchte, kann dies nun flexibel einstellen. Maximal acht Spalten sind möglich. Zudem lässt sich die Transparenz in 10-Prozent-Schritten zwischen 0 % und 100 % ändern.

Bis zu vier Abfragen in der Sekunde

Auch verschiedene Farben (Weiß, Blau, Grün, Magenta, Hexadezimalwert) sind einstellbar, dasselbe gilt für die Position der Anzeige (oben links, unten links, oben rechts, unten rechts oder eine pixelgenaue Position). Und zu guter Letzt lässt sich das Abtastintervall verkürzen. Der alte Adrenalin hat maximal eine Abfrage in der Sekunde zugelassen. Mit dem Adrenalin 2019 ist auch eine Abfrage alle 0,75, 0,50 und 0,25 Sekunden, also vier Mal in der Sekunde, möglich.

WattMan mit mehr Auto-Funktionen und manueller Kontrolle

Auch abgesehen von der Integration ins Overlay hat der ohnehin schon mächtige WattMan weitere Einstellungsmöglichkeiten erhalten. So gibt es auf einer Radeon RX Vega nun Zugriff auf noch niedrigere DPM-States, sodass sich das Taktverhalten bei Teillast besser kontrollieren lässt.

Ab der Polaris-Generation ist das Einstellen zweier Speicher-Timing-Presets möglich. Standardmäßig funktioniert eine Automatik. Die zwei zusätzlichen Presets sollen laut AMD die Speicher-Timings aggressiver setzen, sodass in Bandbreiten-intensiven Programmen und bei Blockchain-Berechnungen Leistungsvorteile auftreten sollen. Zumindest in Spielen konnte die Redaktion aber keine Unterschiede ausmachen.

Zu einem Großteil neu gestaltet hat AMD die Temperatur- und Lüftersektion. Die einzige gleich gebliebene Option ist die für das Powerlimit. Ab einer Polaris-Grafikkarte lässt sich nun manuell eine Lüfterkurve mit fünf verschiedenen Steuerungspunkten erstellen, die recht frei bezüglich Lüfterdrehzahl und Temperatur konfiguriert werden können. Für Enthusiasten lassen sich damit die Lautstärke beziehungsweise Temperaturentwicklung deutlich besser beeinflussen.

Zwei Nachteile gibt es aber. So hat AMD keine Hysterese implementiert, sodass es passieren kann, dass die Grafikkarte andauernd zwischen zwei verschiedenen Drehzahlen hin und her wechselt. Darüber hinaus fallen die weiteren Optionen wie die Ziel-Temperatur weg. Wer die Lüfterkurve konfiguriert, benötigt die Option zwar nicht mehr. Allerdings war die Ziel-Temperatur eine deutlich einfachere Möglichkeit, den Geräuschpegel nach den eigenen Wünschen anzupassen. Hier wäre es besser, AMD würde einfach beide Möglichkeiten anbieten. Verfügt die eigene Grafikkarte über einen Zero-RPM-Mode, schaltet die Lüfter bei niedrigen GPU-Temperaturen also ab, lässt sich die Option im Treiber nun deaktivieren.

Mit dem WattMan kann man nun automatisch übertakten und undervolten

Exklusiv für Besitzer einer Grafikkarte vom Typ Radeon RX Vega bietet der Adrenalin 2019 eine automatische Übertaktungsfunktion für GPU und Speicher, Nvidias neuer OC-Scanner für Turing beherrscht nur die GPU. Zudem gibt es eine weitere Automatik, um die GPU mit einer niedrigeren Spannung zu betreiben. Zwei der drei Funktionen bereiteten während des Testens aber noch Probleme.

Einwandfrei funktioniert hat schlussendlich nur das automatische Absenken der Spannung. Dazu muss im WattMan einfach nur das benutzerdefinierte Profil aktiviert werden. Daraufhin wird sofort der komplette restliche WattMan gesperrt und der Prozess beginnt. Inwieweit die Funktion die Spannung genau reduziert hat, verrät der Treiber aber nicht.

Die Auto-OC-Optionen bereiten noch Probleme

Weil die Automatik auf Nummer sicher geht, seien händisch allerdings noch deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen, sagt AMD. Und so ist es auch. Mit der manuell reduzierten Spannung bleibt auf einer Vega-Grafikkarte unter Volllast zwar die Leistungsaufnahme identisch (weil die Grafikkarte ohnehin am Powerlimit operiert), aber die Taktrate und damit die Performance steigt etwas an.

Das automatische Übertakten wollte dagegen nicht funktionieren. Nach dem Klicken auf die GPU-OC-Funktion übertaktet der Treiber die GPU, bis ein Absturz registriert wird. Nach dem automatischen Reset des Treibers wird ein laut AMD sichererer Wert genommen. Für die Radeon RX Vega 64 im Test war dieser aber offenbar immer noch zu viel des Guten, denn teilweise gab es bereits beim Booten einen Blackscreen, spätestens kam er nach einer kurzen Lastphase.

In mehreren Versuchen stellte der Treiber den maximalen DPM-State auf 1.700 MHz (Standard: 1.630 MHz), bei einem einzigen auf 1.690 MHz. Aber auch der Wert war zu hoch für die Grafikkarte. Nur für einen Benchmark-Durchlauf hat es gereicht. Doch da die Grafikkarte ohnehin ins Powerlimit rennt und dieses von der Funktion nicht erhöht wird, gibt es quasi keinen praktischen Nutzen.

Auch das automatische Speicher-OC hat nur in einem von fünf Fällen funktioniert. Nach dem Klicken dreht auf der Radeon RX Vega 64 für wenige Sekunden der Lüfter mit voller Drehzahl und daraufhin wird ein höherer Speichertakt eingestellt. Zumindest in der Theorie, denn meistens bleibt der Standardtakt bestehen. In dem Fall, in dem sich was tat, fiel der Takt mit 1.085 MHz (+140 MHz) erstaunlich hoch aus. Er lief in Spielen allerdings in der Tat stabil und erzielte ein Leistungsplus von bis zu drei Prozent.

Alle drei Features blockieren den restlichen WattMan

Alle drei Features sind in der Theorie gut, leiden zurzeit aber noch unter (zu) wenig Effekt beziehungsweise funktionieren einfach noch nicht problemfrei. Doch selbst wenn sie besser funktionieren würden, gäbe es noch ein Problem: Alle drei Optionen sperren den kompletten WattMan, Änderungen lassen sich dann nicht mehr vornehmen.

AMD ReLive kann nun GIFs und mehr Streaming

Mit ReLive ist es nun möglich, eine zuvor aufgenommene Sequenz direkt abzuspielen – auf dem Monitor, während das Spiel noch läuft. Die Länge dieser Frequenz lässt sich im Treiber von 5 bis maximal 30 Sekunden einstellen. Wer Spiele live ins Internet überträgt, kann ab dem Adrenalin 18.12.2 das zu übertragende Bild einfacher in verschiedene Elemente für zum Beispiel Overlays und ein Kamerabild aufteilen.

Völlig neu ist die Möglichkeit, mit ReLive nicht nur Screenshots sowie Videos zu erstellen, sondern auch kleine GIFs. Diese können zwischen 5 und 30 Sekunden lang sein und unter anderem mit der im Treiber integrierten Bildergalerie abgespielt werden.

Auch an weiteren Kleinigkeiten hat AMD gearbeitet. So kann der neue Treiber Mehrkanal-Ton aufnehmen und bei Videos spezielle Seitenverhältnisse erzwingen. Zu guter Letzt unterstützt AMD vier weitere Streaming-Anbieter, wobei diese in Deutschland eine eher kleine Rolle spielen.

Spiel-Streaming geht nun auch aufs Handy und Tablet

Mit ReLive lassen sich Spiele nun nicht mehr nur ins Internet übertragen, sondern auch auf ein Smartphone oder Tablet. Das Spiel kann dann entweder per angeschlossenem Controller oder per aufs Display eingeblendeter Steuerung bedient werden. Dazu werden ein Android- oder iOS-Gerät und eine separate App von AMD benötigt.

Der Radeon-Entwickler spricht von Streaming in Ultra HD mit 60 FPS und „Low Latency“. Ein Test von AMD bescheinigt eine 70 Prozent bessere Latenz im Vergleich zur Streaming-Lösung von Steam (Test).

Oder auch auf eine VR-Brille

Und zu guter Letzt lässt sich das Spiel auch auf eine VR-Brille streamen. Dafür benötigt es mindestens eine Polaris-Grafikkarte, ein Smartphone oder Tablet, das Samsung Gear VR oder Google Daydream unterstützt, und eine entsprechende VR-Brille wie Samsung Gear VR, Google Daydream, HTC Vive Focus oder Oculus Go. Nachtrag: AMD hat im Nachhinein mitgeteilt, dass doch keine Oculus-Geräte unterstützt werden.

AMD hat die Link-App überarbeitet und will vor allem die Verbindungsstabilität verbessert haben. Darüber hinaus hat nun auch der WattMan Einzug in die App gefunden, sodass sich die Grafikkarte zum Beispiel mit dem Smartphone übertakten lässt. Ferner wurde die Darstellung der aktuellen Framerate verbessert. So lassen sich nun auch Durchschnitts-, Maximal- und Minimum-FPS vom mobilen Gerät aus protokollieren.

Und zu guter Letzt hat es eine Sprachsteuerung in Link geschafft – wenn auch erstmals nur in Englisch, Mandarin und Kantonesisch. Mit dem Weckruf „Radeon“ und dann dem eigentlichen Befehl lassen sich mehrere Optionen ausführen. Darunter fallen Messwerte wie die aktuelle Framerate, Temperaturen, Taktraten und Lüfterdrehzahlen. Es können jedoch ebenso Funktionen wie das Aufnehmen eines Videos gestartet und beendet werden.

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