MacBook Pro: Designfehler führt zu teuren Display-Defekten

Michael Schäfer 193 Kommentare
MacBook Pro: Designfehler führt zu teuren Display-Defekten
Bild: Apple

Apple setzt beim MacBook Pro des Baujahrs 2016 mit integrierter Touch Bar laut Erkenntnissen von iFixit auf eine zu straff gespannte Monitorverbindung. Der als „Flexgate‟ bezeichnete Designfehler kann unter Umständen durch eine Überbelastung der Kabel nach einer gewissen Zeit für eine kostspielige Reparatur sorgen.

Komplettausfall möglich

Der potenzielle Schaden ist laut dem Reparaturdienstleister iFixit auf ein „fragiles Flachbandkabel‟ zurückzuführen. Dieses sei um den Display-Controller gewickelt und würde zu stark spannen, wenn der Klappwinkel des Bildschirm mehr als 40 Grad beträgt. Die Folge ist eine Materialermüdung, bei der Nutzer im günstigsten Fall nur mit einer ungleichmäßigen Ausleuchtung am unteren Bildschirmrand zu kämpfen haben. Durch ständige Abnutzung kann die Verbindung auch komplett versagen, so dass Anwender schließlich vor einem schwarzen Bildschirm sitzen. Diese Probleme sollen bisher nur bei Nutzern der Notebook-Modelle mit Apples Touch Bar auftreten.

Handhabung unterschiedlich

Laut den Reparaturprofis fällt dabei besonders ins Auge, dass die meisten Probleme erst nach der von Apple gewährten einjährigen Hardware-Garantie auftreten. Die Reaktionen des Apple-Services fallen laut Nutzerberichten aus den USA unterschiedlich aus: So soll Apple in manchen Fällen den Fehler auch ohne AppleCare kostenlos behoben haben, anderen betroffenen Besitzern wurde dagegen eine teure Reparatur angeboten.

Ein zu straff gespanntes Display-Kabel als Ursache für Ausfälle
Ein zu straff gespanntes Display-Kabel als Ursache für Ausfälle (Bild: iFixit)

Neues Design als Ursache

Die Reparatur ist vor allem deswegen so kostspielig, weil Apple, im Gegensatz zu den Vorgängern, das Kabel aus Gründen der Dicke nicht mehr aufsteckt, sondern fest in das Display integriert. Wo früher somit nur ein Kabel für ein paar Euro ausgetauscht wurde, muss nun das komplette Display für mehrere hundert Euro gewechselt werden.

MacBook Air eventuell auch betroffen

Laut iFixit könnten von dem Problem auch Nutzer des 2018er Modells des MacBook Air betroffen sein. Hier soll Apple zwar nicht die gleiche Kabel-Lösung verwenden, diese soll aber ähnlichen Belastungen unterliegen. Der Dienst hält es daher für durchaus möglich, dass auch bei diesen Besitzern in absehbarer Zukunft das Problemen auftreten kann.

Petition fordert Austauschprogramm

In den USA haben Nutzer indes Apple aufgefordert, für das genannte Problem ein kostenloses Austauschprogramm zu starten. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde gleichzeitig eine Petition ins Leben gerufen, welche in vier Monaten erst knapp über 4.200 Mal unterzeichnet wurde, infolge der aktuellen Berichterstattung jedoch rasant wächst.

Kühlprobleme Monate nach Verkaufsstart

Dies ist nicht das erste Problem, mit welchem Apple mit der aktuellen Generation des MacBook Pro zu kämpfen hat: Bereits eine Woche nach Markteinführung musste der Hersteller bei Modellen mit Intels Core i9 Probleme mit der Kühlung der Prozessoren unter Vollast bei Verwendung aller Kerne einräumen. Dies hatte zur Folge, dass die CPUs bereits nach kurzer Zeit die Taktfrequenz teilweise erheblich drosselten, so dass das neue Modell am Ende sogar langsamer war als der Vorgänger respektive das Modell mit Core i7. Später veröffentlichte Apple ein Firmware-Update, welches das Problem lösen sollte. Ein aktueller Test von Notebookcheck zeigt aber, dass der Core i9 abgesehen von kurzen Single-Core-Belastungen nach wie vor langsamer ist als der Core i7. Die 340 bis je nach Modell 480 Euro Aufpreis lohnen sich deshalb nicht.

Update 05.03.2019 16:09 Uhr

Wie iFixit berichtet, hat Apple die Ursache für den Ausfall der Hintergrundbeleuchtung in den flachen MacBook Pro der Jahrgänge 2016 und 2017 im Jahrgang 2018 möglicherweise stillschweigend ausgeräumt.

Nachdem Bilder eines Anwenders im Forum von MacRumors Ende Februar nahgelegt hatten, dass das betroffene Flachbandkabel im 13-Zoll-Modell aus dem Jahr 2018 etwas länger als in den Vorgängern ist, konnte iFixit diese Beobachtung in einem 15-Zoll-Modell nachvollziehen: Ein zwei Millimeter längeres Flachbandkabel führt in der aktuellen Generation dazu, dass das Kabel nicht mehr (so stark) an der Platine für die Ansteuerung des Displays scheuert, wenn das Displayscharnier um mehr als 90 Grad geöffnet wird. Das könnte den Ausfall durch Abnutzung verhindern, schlussfolgert iFixit, auch wenn erst die Zeit zeigen wird, ob dem wirklich so ist.

Das Kabel im MacBook Pro 15 Zoll 2018 ist 2 mm länger
Das Kabel im MacBook Pro 15 Zoll 2018 ist 2 mm länger (Bild: iFixit)

Apple hat das Problem bis heute nicht bestätigt. Sollte die jetzt entdeckte Anpassung von Apple an der gesamten Serie aber mit dem Ziel vorgenommen worden sein, das Problem zu beheben, hätte der Konzern bereits davon gewusst, bevor das Thema im Januar 2019 an die Öffentlichkeit kam – und dennoch dazu geschwiegen.

Es wäre nicht die einzige Anpassung am MacBook Pro des Modelljahres 2018, die Ausfälle beim Kunden verhindern kann, aber schon die zweite, bei der es der Konzern vermeidet, einen Fehler einzugestehen. So bleibt Apple bis heute bei der Aussage, dass die feine Membran unter jeder Taste der extrem flachen Tastatur nur mit dem Ziel, den Geräuschpegel beim Tippen zu reduzieren, eingeführt wurde, nicht aber um das Eindringen von Schmutz zu verhindern. Immerhin hatte Apple bereits im Sommer 2018 ein kostenloses Reparaturprogramm für betroffene MacBook (Pro) initiiert und in diesem Zusammenhang von Problemen mit der Tastatur bei einem geringen Prozentsatz von Geräten gesprochen.