Roccat Noz im Test: Leichtes Headset ohne optischen Firlefanz

Michael Schäfer 32 Kommentare
Roccat Noz im Test: Leichtes Headset ohne optischen Firlefanz

tl;dr: Mit nur 210 Gramm ist das Roccat Noz ein extrem leichtes Gaming-Headset. Doch nicht nur beim Gewicht sind die Defizite im Test am Ende groß: Materialwahl, Klang und Mikrofonqualität können in Summe nicht überzeugen. Es gibt bessere Alternativen am Markt.

Design und Verarbeitung

Bei dem zu einem UVP von 69,99 Euro angebotenen Noz verfolgt Hersteller Roccat ein schlichtes, aber vor allem kompaktes Designkonzept, das weder in Sachen Farbe noch bei der Gestaltung besondere Akzente setzt. Das macht das Noz an anderer Stelle: Mit gerade einmal 210 Gramm stellt es in seiner Klasse ein extremes Leichtgewicht dar.

Mit nur 210 Gramm ist das Noz ultraleicht und liefert einen reichhaltigen, natürlich klingenden Stereosound sowie außergewöhnlichen Komfort. Das innovative Designkonzept mit ellipsenförmigen Ohrmuscheln erzeugt eine beeindruckende Akustik, ergänzt durch einen hochwertigen Stoffbezug für ein angenehm kühles Tragegefühl.

Roccat zum Noz

Die Gewichtsklasse wird jedoch durch die hauptsächliche Verwendung von Kunststoff als Fertigungsmaterial erkauft. Lediglich der Kopfbandschieber und die von ihm übergehenden Scharniere für die horizontale Ausrichtung der Ohrmuscheln sind aus Edelstahl gefertigt. Das Gefühl, ein hochwertiges Headset auf dem Kopf zu haben, bleibt so aus.

Roccat Noz im Test
Roccat Noz im Test

Wenig Vertrauen in Belastbarkeit

Dabei ist der Neuling der mittlerweile zu Turtle Beach gehörenden Marke gut verarbeitet, nichts klappert oder wackelt. Dennoch schreckt man davor zurück, das Headset zu stark zu beanspruchen, das Vertrauen ist einfach nicht da. Das liegt unter anderem auch an den Aufhängungen der Ohrmuscheln. Während andere Hersteller hier selbst bei günstigeren Headsets für eine bessere Stabilität auf Metall zurückgreifen, sind diese beim Noz ebenfalls komplett aus Kunststoff gefertigt.

Modell: Roccat Noz Razer Kraken 2019 Logitech G635 Lioncast LX55 LX55 USB
Typ: Over-Ear geschlossen Over-Ear halb offen Over-Ear geschlossen
Treiber: 50 mm Neodymium Pro-G 50 mm 53 mm High-Performance-Neodymium
Frequenzbereich: 10–20.000 Hz 12–28.000 Hz 20–20.000 Hz
Anschluss: 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke
Kabel abnehmbar: Nein Ja
Kabel-Fernbedienung: Nein Ja Nein Ja
Bedienelemente am Headset: Ja Nein Ja Nein
Integrierte Soundkarte: Nein Ja Nein Ja
Raumklang: Nein Ja Nein Ja
Frequenzbereich
Mikrofon:
100–10.000 Hz 100–10.000 Hz
Mikrofon abnehmbar: Ja Nein Ja
Gewicht (ohne Kabel): 210 g 322 g 344 g 305 g 325 g
RGB-Beleuchtung: Nein Ja Nein Ja
UVP: 69,99 Euro 79,99 Euro 149 Euro 59,95 Euro 79,95 Euro

Guter Sitz und kleine Ohrmuscheln

Die immerhin austauschbaren Polster der Ohrmuscheln sind mit Stoff überzogen, was gegenüber den Lösungen anderer Hersteller mit Kunstleder für keine verschwitzten Ohren sorgt. Dafür fällt die Größe der Ohrmuscheln generell geringer aus als bei der Konkurrenz – trotz der Verwendung von Standard-50-mm-Treibern. Je nach Ohrgröße kann es somit passieren, dass sich die Ohrmuscheln nicht wie von anderen Headsets gewohnt komplett um die Hörorgane legen. Generell sitzt das Noz bequem, der Anpressdruck ist nicht zu stark und dennoch verrutscht das Headset auch bei schnellen und plötzlichen Bewegungen nicht.

Die Ohrmuscheln des Roccat Noz fallen recht klein aus
Die Ohrmuscheln des Roccat Noz fallen recht klein aus

Langes, aber dünnes Kabel

Das fest mit dem Headset verbundene Kabel fällt trotz der Stoffummantelung recht dünn aus, allzu oft sollte mit dem Schreibtischstuhl nicht darüber gefahren werden. An der Länge von rund 2,40 m können sich dagegen andere Hersteller ein Beispiel nehmen. Bei dem beiliegenden Adapter, der die Kabellänge noch einmal um 15 cm erweitert, geht Roccat jedoch eigene Wege: Während andere Hersteller in den meisten Fällen das Headset mit einem vierpoligen, 3,5 mm dicken Stecker ausstatten und einen Y-Adapter für einen getrennten Kopfhörer- und Mikrofonstecker beilegen, stattet der Hersteller das Noz mit eben diesen beiden Anschlüssen und einem Adapter auf einen vierpoligen Stecker aus.

Mikrofonschalter mit Eigendynamik

Als rein analoges Headset führt das Noz nur wenige Bedienelemente direkt am Gerät mit sich: So ist über einen Drehregler in der linken Ohrmuschel lediglich die Einstellung der Lautstärke möglich, direkt daneben befindet sich ein Push-Push-Taster zur Stummschaltung des Mikrofons. Dieser besitzt, wie den Hörbeispielen zu entnehmen ist, die unschöne Eigenschaft, bei Betätigung ein lautes Knackgeräusch zu erzeugen, was der Nutzer selbst nicht, andere Mitspieler jedoch umso lauter hören. So etwas muss bei der Qualitätskontrolle auffallen und darf nicht passieren.

Darüber hinaus weist das abnehmbare Mikrofon des Noz zu Anfang am Stecker einen unangenehmen Gummigeruch auf, welcher vor allem daher stark auffällt, weil einem das Mikrofon quasi die ganze Zeit unter die Nase gehalten wird. Dieser verfliegt jedoch nach einigen Tagen.

Klang

Das Noz soll laut Hersteller mit einem natürlichen Klang überzeugen. Ein „neu definiertes Stereo“ soll dem Anwender Klänge so hören lassen, „wie sie eigentlich klingen sollen“ – mit „gestochen scharfen Höhen, kräftigen Mitten und tiefen Bässen“.

Wie so oft klaffen zwischen Werbeversprechen und Realität allerdings große Lücken. Laut Hersteller verfügen die beiden Neodymium-Treiber mit einer Größe von 50 mm über einen Frequenzbereich von 10 Hz bis 20.000 Hz. Doch auch wenn es die Spezifikationen damit anders angeben, bleibt eine knackige Tieftonwiedergabe beim Noz aus – das Headset offenbart einen hörbaren, aber nicht allzu präsenten Bass. Dies könnte für Anwender, die ein dezentes Bassfundament bevorzugen, ein Pluspunkt sein. Dass es zu mehr „Wumms“ fähig ist, wird deutlich, wenn per Klangeinstellung die tiefen Frequenzen etwas angehoben werden – dabei beginnt das Noz erst spät zu verzerren. Bei den Mitteltönen werden Defizite dann recht deutlich, denn diese klingen teilweise etwas blechern und schwammig, während die Höhen teils zu dominant und dadurch grell erscheinen.

Lautstärkeregler und Mikrofonstummschaltung als einzige Bedienelemente beim Roccat Noz
Lautstärkeregler und Mikrofonstummschaltung als einzige Bedienelemente beim Roccat Noz

In Summe ist das Klangbild somit nicht gut aufeinander abgestimmt. Dass Roccat das Noz explizit als Gaming-Headset konzipiert hat, wird deutlich, weil gerade bei Shootern die Schwachpunkte kaum auffallen. Geht es jedoch um eine durch Klangteppiche oder Musik erzeugte Atmosphäre, muss das Noz recht schnell die Segel streichen. Ein Mittendringefühl will sich hier nicht einstellen, auch deshalb nicht, weil das Stereobild an vielen Stellen überzeichnet und damit unnatürlich erscheint.

Anwender, die mit dem Headset auch einmal einen Film schauen oder etwas Musik hören wollen, werden mit dem Noz aufgrund des Klangbildes ebenfalls nicht sonderlich glücklich werden.

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