Oculus Rift S im Test: Ergonomie, Klang und Controller

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David Pertzborn 341 Kommentare

Bei der Ergonomie macht die Rift S einiges besser als der Vorgänger, bietet jedoch nicht alle Komfortoptionen der Vive Pro. Dafür ist die Oculus Rift S deutlich leichter.

Die Kabelführung, bei der das Kabel zur Seite weggeht, fühlt sich auf dem Kopf des Testers äußerst störend an. Nachdem das Kabel von Hand durch die Schlaufe am Kopfband an der Rückseite des Headsets gezogen wurde, hat sich dieses Problem gelöst und der restliche Test wurde in dieser Konfiguration durchgeführt. Warum Oculus eine ähnliche Lösung nicht selbst implementiert, ist nicht ersichtlich.

Ähnlich wie die Vive Pro hat die Oculus Rift S nun ein Drehrad am Hinterkopf, mit dem die Weite des Haltebügels eingestellt wird. Dies erleichtert das An- oder Ausziehen des Headsets speziell mit Brille. Oculus verzichtet jedoch auf die Möglichkeit, das Headset vorne wie ein Visier hochzuklappen, was – insbesondere mit Brille – nochmals für einen Komfortgewinn sorgt. Im Gegensatz zur klassischen Oculus Rift und HTC Vive Pro wirkt die Verarbeitung der Rift S etwas weniger solide, trotzdem ist der Tragekomfort höher als beim Vorgänger. Im Vergleich zur Vive Pro ist der Einstieg in die virtuelle Welt mit der Rift S etwas komplizierter, dafür ist das niedrige Gewicht der Rift S bei längeren Spielzeiten von Vorteil.

Der Klang ist maximal akzeptabel

Statt der ohraufliegenden Kopfhörer der klassischen Oculus Rift kommt ein Audiosystem ähnlich dem der Oculus Go zum Einsatz, bei dem die Lautsprecher im vorderen Bereich des Headsets sitzen und der Schall über die Bügel zu den Ohren geleitet wird. Gegenüber den eingebauten Kopfhörern der normalen Oculus Rift hat die Lösung der Oculus Rift S eindeutig das Nachsehen.

Das fällt bei einem Musikrhythmus-Spiel wie Beat Saber besonders negativ auf. Es gibt praktisch keine Basswiedergabe. Selbst die integrierten Lautsprecher der Oculus Quest (Test) klingen noch besser. Damit reicht die Qualität zwar grundsätzlich aus, soll der Klang jedoch etwas Positives zum Spielgefühl beitragen, sind zusätzliche Kopfhörer Pflicht.

Die einzigen positiven Aspekte an der aktuellen Lösung sind, dass man im Notfall auch mal ohne Kopfhörer auskommt und jeder, der schon Kopfhörer zu Hause hat, sicher sein kann, dass das Headset nicht auf Grund einer zusätzlichen integrierten Audiolösung unnötig teurer ist.

Gute Controller mit teils lockerem Batteriefach

Erneut sehr gut gelungen sind die Controller. Auch wenn der nun nach oben zeigende Tracking-Ring etwas ungewohnt ist und Rift-Nutzer die Controller instinktiv vermutlich mehr als einmal falsch herum in die Hand nehmen werden, ist die Ergonomie insgesamt sehr gut. Ähnlich wie die Vorgänger liegen auch die Controller der Oculus Rift S sehr natürlich in der Hand und erkennen rudimentäre Gesten mit den Fingern wie etwa Zeigen, Zugreifen oder Faustballen.

Die veränderte Position des Tracking-Ringes stört nicht – weder im Spiel, noch wenn es darum geht, das Headset schnell neu zu justieren oder nach einer Tasse Kaffee zu greifen. Im Vergleich zu den Controllern der klassischen Oculus Rift wurde das Gewicht je Controller um gut 20 Prozent reduziert.

Mit den Controllern der Oculus Rift teilen sich die Neuankömmlinge leider auch die Nutzung von AA-Batterien oder Akkus. Die Verwendung integrierter und austauschbarer Akkus, die wie bei den Controllern der HTC Vive (Pro) direkt im Controller geladen werden können, wäre hier vorzuziehen gewesen.

Oculus Quest – Touch-Controller
Oculus Quest – Touch-Controller (Bild: Oculus VR)

Einen weiteren Kritikpunkt gibt es in Bezug auf die Umsetzung des haptischen Feedbacks. Während dies bei der normalen Oculus Rift relativ präzise ist, liefern die Controller der Oculus Rift S nur ein allgemein schwammiges Vibrieren, das weniger immersionsfördernd ist. Dies unterscheidet sich interessanterweise teilweise vom dem der Oculus Quest, obwohl die Controller auf die gleiche Hardware setzen. Hier spielt wohl auch die Software eine Rolle und dank dieser ist das Ergebnis bei der Rift S etwas besser als bei der Oculus Quest, wenn auch nicht auf dem Niveau der klassischen Oculus Rift.

Ein zusätzlicher Kritikpunkt fiel im Test der Oculus Rift S auf, der bei der Oculus Quest übersehen wurde: In sehr hektischen Situationen mit vielen schnellen Controller-Bewegungen kann der Deckel des Batteriefachs leicht verrutschen. Dies sollte nicht passieren, kann aber durch ein Stück Klebefolie gelöst werden.

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