Raspberry Pi 4: Kleinst-PC wird „vollständiger Schreibtischcomputer“

Jan-Frederik Timm 478 Kommentare
Raspberry Pi 4: Kleinst-PC wird „vollständiger Schreibtischcomputer“
Bild: Raspberry Foundation

Sieben Jahre gibt es den Einplatinencomputer Raspberry Pi mittlerweile, jetzt kommt er in vierter Generation auf den Markt. Der neue Raspberry Pi 4 soll den nur 31 Euro teuren Kleinst-PC dabei noch mehr Menschen zugänglich machen, denn erstmals biete er „den vollständigen Funktionsumfang eines traditionellen Computers“.

Ein vollständiger Multimedia-PC

Von „superschnellem File-Sharing“ über „Multi-Tab-Surfen“ und „fortschrittliche Video- und Foto-Bearbeitung“ bis hin zur parallelen Ansteuerung von zwei Ultra-HD-Displays bietet die neue Generation gemäß der Raspberry Pi Foundation all das, was Anwender von einem Multimedia-PC erwarten.

Ermöglichen soll das ein durchaus beachtlicher Sprung in der Leistungsfähigkeit: Gegenüber dem Raspberry Pi 3B+ soll der Neuling die dreifache CPU- und vierfache Multimedia-Leistung bieten. Verantwortlich ist dafür neben dem neuen Quad-Core-SoC Broadcom BCM2711 (4× Cortex-A72 mit 1,5 GHz) auch der Wechsel von 1 GB LPDDR2 auf 1 GB, 2 GB oder gar 4 GB LPDDR4. Der Raspberry Pi 4 ist damit auch das erste Modell der Serie, das es in verschiedenen Konfigurationen zu kaufen gibt. Das kleinste Modell wird 31 Euro, das größte circa 51 Euro kosten.

Einige Eckdaten des Raspberry Pi 4
Einige Eckdaten des Raspberry Pi 4 (Bild: Raspberry Foundation)

Neben zweimal Micro-HDMI für bis zu einmal Ultra HD mit 60 Hertz oder zwei Mal Ultra HD mit 30 Hertz, USB Typ C zum Laden, viermal USB Typ A (2× 2.0 und 2× 3.0) und Gigabit-Ethernet funkt die Platine auch über WLAN nach 802.11ac und Bluetooth 5.0. Massenspeicher können weiterhin über einen microSD-Kartenleser nachgerüstet werden.

Dem Desktop Set fehlt nur das Display

Das „Desktop Set“ für gut 100 Euro enthält bereits eine 32 GB große microSD-Karte, ein Gehäuse für die Platine, eine Maus sowie eine Tastatur und ein USB-Typ-C-Netzteil: Nur einen Bildschirm benötigt der Käufer dann noch für den Betrieb.

Der Raspberry Pi 4 mit Desktop Kit
Der Raspberry Pi 4 mit Desktop Kit (Bild: Raspberry Foundation)

Wie alle Raspberry Pi-Modelle ist Raspberry Pi 4 rückwärtskompatibel, so dass die meisten älteren Projekte unverändert auf dem neuen Gerät laufen sollen. In Deutschland ist die neue Variante ab sofort bei Conrad zu bekommen.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von der Raspberry Pi Foundation unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

Update 26.06.2019 10:24 Uhr

Über BerryBase, Conrad und Reichelt ist die neue Generation ab sofort auch in Deutschland verfügbar. BerryBase und Reichelt wollen noch diese, Conrad kommende Woche liefern können. Die in der Pressemitteilung in Aussicht gestellten Preise werden dabei allerdings noch nicht erreicht. Bei Conrad wird der offiziell verkündete Einstiegspreis von 31 Euro für das 1-GB-Modell um zehn, bei Reichelt um fünf Euro übertroffen. BerryBase liegt dazwischen.

Update 12.07.2019 10:10 Uhr

Die aktuell ausgelieferte Variante des Raspberry Pi 4 nutzt einen nicht vollständig standardkonformen USB-Typ-C-Anschluss. Das führt dazu, dass das Gerät entgegen der Erwartung nicht mit jedem standardkonformen USB-Typ-C-Ladegerät betrieben werden kann, beispielsweise denen für das MacBook (Pro).

Eine Erklärung liefert Scorpia: Das Problem liegt in der Verschaltung zweier Widerstände in der Logik zur Erkennung von Ladegeräten, die immer dann zu einem Fehler führt, wenn das Ladegerät zwei Leitungen zum Laden verwendet – was bei kleinen Ladegeräten mit bis zu 15 Watt selten, bei größeren aber immer der Fall ist. Hintergrund ist, dass diese Ladegeräte den Raspberry Pi 4 als Audio-Accessoire erkennen, der nicht geladen werden soll.

Google-Mitarbeiter Benson Leung, der seit Jahren für die standardkonforme Umsetzung von USB Typ C kämpft, kritisiert die Umsetzung, die ganz eindeutig gegen die Vorgaben der Spezifikationen verstößt und sich deshalb nicht USB-Typ-C-Anschluss nennen dürfte. Anstelle das eigene System besser machen zu wollen, hätten die Entwickler einfach das tun sollen, was man mit Spezifikationen tut: Sie 1:1 übernehmen.

Die Raspberry Pi Foundation hat das Problem inzwischen gegenüber TechRepublic bestätigt und in Aussicht gestellt, in einer zukünftigen Hardware-Revision einen standardkonformen Anschluss zu nutzen.