be quiet! Dark Rock Pro 4 im Test: Leiser Kühler für hitzköpfige Prozessoren

Thomas Böhm 175 Kommentare
be quiet! Dark Rock Pro 4 im Test: Leiser Kühler für hitzköpfige Prozessoren

tl;dr: Der be quiet! Dark Rock Pro 4 ist ein starker Kühler für Prozessoren, die nach einer potenten Kühlung verlangen. Leistungsrekorde gibt es nicht, dafür aber einen in allen Lebenslagen leisen Doppelturm-Luftkühler. Beim Montagesystem hinkt der Kühler seiner Konkurrenz allerdings weiter hinterher.

Leistungsspitze von be quiet! in vierter Generation

Vor gut einem Jahr hat be quiet! die Flaggschiffe seiner CPU-Kühler neu aufgelegt. Der Tower-Kühler be quiet! Dark Rock 4 musste sich bereits im Test behaupten. Nun steht der größere Bruder ebenfalls auf dem Prüfstand: Der Dark Rock Pro 4 ist der größte und stärkste Luftkühler aus dem Hause be quiet!.

be quiet! Dark Rock Pro 4: Kühler im klassischen be-quiet!-Design
be quiet! Dark Rock Pro 4: Kühler im klassischen be-quiet!-Design

Dabei führt be quiet! die minimalistische Evolution fort, die auch für die vierte Generation des Dark Rock Non-Pro Anwendung gefunden hat: Änderungen zum Vorgänger müssen mit der Lupe gesucht werden. In der Ansicht von oben bleibt die Dark-Rock-typische massive Abschlussplatte erhalten, die den silbernen Schriftzug des Herstellers trägt. Ebenfalls vom Vorgänger übernommen wird die asymmetrische Lüfterbestückung mit einem zentralen 135-mm-Ventilator sowie einem 120-mm-Lüfter vor dem Kühler.

Die einzige Revolution stellt beim Dark Rock Pro 4 das betagte Montagesystem des alten Dark Rock Pro 3 (Test) dar, das mit der vierten Generation eine Überarbeitung erfährt. Der Test verrät, wie sich der Kühler im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz schlägt.

be quiet! Dark Rock Pro 4 be quiet! Dark Rock Pro 3
Bauform: Tower
Größe (L × B × H):
124 × 136 × 163 mm (ohne Lüfter)
146 × 136 × 163 mm (mit Lüfter)
Variante
121 × 136 × 163 mm (ohne Lüfter)
146 × 136 × 163 mm (mit Lüfter)
127 × 133 × 163 mm (ohne Lüfter)
137 × 148 × 163 mm (mit Lüfter)
Gewicht:
1.130 g (mit Lüfter)
Variante
1.180 g (mit Lüfter)
940 g (ohne Lüfter)
1.200 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (beschichtet), 7 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis (vernickelt)
Kupfer (vernickelt), 7 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis (vernickelt)
Lamellen: Aluminium (beschichtet) Aluminium (vernickelt)
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte Einstufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 135 × 135 × 22,0 mm
Öldruck Lager
1.200 U/min
4-Pin-PWM
Lochabstand 105 mm (analog 120mm-Lüfter)
1 × 135 × 135 × 22,0 mm
Magnetlager
1.400 U/min
113,8 m³/h
4-Pin-PWM
Lochabstand 105 mm (analog 120mm-Lüfter)
Lüfter (Modell 2): 1 × 120 × 120 × 25 mm
Öldruck Lager
1.500 U/min
4-Pin-PWM
1 × 120 × 120 × 25 mm
Magnetlager
1.700 U/min
93,3 m³/h
4-Pin-PWM
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Gummiband
weitere Halterung beigelegt
Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Entkoppler-Pads
weitere Halterung beigelegt
Kompatibilität:
AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/1366/115x
Variante
AMD: Sockel TR4/
AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)AM1?
Intel: LGA 2011/1366/115x/775
Preis: ab 70 € / ab 71 € 74 €

be quiet! Dark Rock Pro 4 im Detail

be quiet! hält an der bekannten Optik des Dark Rock Pro fest: So ist auch die vierte Iteration ein Doppelturm-Luftkühler, der aus schwarz beschichteten Aluminiumlamellen besteht, die über sieben Heatpipes mit einer vernickelten Bodenplatte Kontakt aufnehmen. Unter der massiven Zierblende sind sowohl die Enden der Heatpipes als auch die Zugänge zu den Schrauben versteckt, mit denen der Kühler befestigt wird.

Die Verarbeitung des Kühlers ist erstklassig und gibt keinerlei Anlass zur Kritik: Lackierung und Vernickelung sind einwandfrei und die Bodenplatte ist sauber verarbeitet. An den Kühltürmen befinden sich schwarze Gummistreifen, die zur Entkopplung der Lüfter dienen. Einen asymmetrischen Aufbau des Kühlturms gibt es wie auch beim Vorgänger nicht. be quiet! vertraut auf einen kleineren Frontlüfter, um die Kompatibilität zu hohem Arbeitsspeicher zu verbessern.

Serienlüfter und Lieferumfang

Als Lüfter gibt es für den Dark Rock Pro 4 zwei Silent Wings 3, von denen einer in einer Rahmenbreite von 135 mm ausgeführt ist, während der zweite auf das kleinere 120-mm-Format setzt. Die PWM-Lüfter kommen mit der bekannten Einschränkung, dass sie nicht von der Lüftersteuerung Aqua Computer Aquaero 6 (Test) via PWM gesteuert werden können. Eine PWM-Steuerung per Mainboard funktioniert einwandfrei: Der kleinere Lüfter erreicht ein Drehzahlintervall von 200 bis 1.450 U/min und der größere Ventilator 250 bis 1.200 U/min. Beim Betriebsgeräusch ist der Name be quiet! Programm: Die Silent Wings eignen sich ohne Einschränkungen für Silent-Systeme.

Als Zubehör gibt es den üblichen Standard, der für einen größeren Tower-Kühler vorausgesetzt wird: das notwendige Montagematerial für AMD und Intel, Wärmeleitpaste und ein Schraubendreher mit magnetischer Spitze. be quiet! legt dem Dark Rock Pro 4 außerdem einen zusätzlichen Satz Lüfterklammern bei, sodass theoretisch ein dritter Ventilator auf dem Kühler befestigt werden kann. Allerdings mit der Einschränkung, dass ausschließlich Lüfter aus dem eigenen Portfolio passen: Die Lüfterklammern sind auf den proprietären Rahmen der Silent Wings zugeschnitten.

Montage im Testsystem

Die auffälligste Neuerung zwischen Dark Rock (Pro) 3 und 4 ist das Montagesystem – doch wie beim kleinen Bruder be quiet! Dark Rock 4 (Test) kommt be quiet! nicht über den Entwicklungsstand hinaus, der bei anderen Herstellern bereits seit Jahren überholt ist: Für den Dark Rock Pro 4 wird im AMD-Testsystem die beim Mainboard mitgelieferte Backplate mit zwei Metallbügeln verschraubt. Mit letzteren wird der Kühler verbunden – so weit, so üblich. Damit das allerdings funktioniert, muss ein loser Steg auf die Bodenplatte gelegt werden und Schrauben zwischen den Kühltürmen nach unten geführt werden. Das erfolgt mit zwangsläufig eingeschränkter Sicht, denn von oben ist die massive Abschlussplatte im Weg.

Der Schraubendreher bahnt sich seinen Weg durch Löcher in besagter Deckellamelle. Dass die Schrauben am magnetischen Schraubendreher haften, ist hier also keine nette Zugabe, sondern eine zwingende Notwendigkeit. Wegen der ununterbrochenen Abdeckung zwischen beiden Radiatoren muss der zentrale 135-mm-Lüfter außerdem seitlich zwischen die Kühltürme geschoben werden. Dafür muss die Grafikkarte auf jeden Fall ausgebaut oder der Kühler bei ausgebauter Hauptplatine installiert werden. Auch die Lüfterklammern tun sich nicht mit Nutzerfreundlichkeit hervor, denn sie fallen von den Ventilatoren ab, solange sie nicht gleichzeitig auch am Kühler eingehakt sind.

Function follows form

Zusammengefasst lässt sich die Montage des Dark Rock Pro 4 als (im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz) unpraktisch bezeichnen. Insbesondere Scythe mit dem Fuma 2 (Test) ist hier als positives Beispiel zu nennen, das zeigt, wie einfach die Montage eines Doppelturm-Luftkühlers funktionieren kann. be quiet! setzt die Priorität hingegen auf die Optik – und das merkt man. Ein Kühler wird im Regelfall nur sehr selten (de)montiert, aber dieser Punkt geht dennoch an die Konkurrenz.

Der Kühler überragt im eingebauten Zustand alle vier Speichermodule, lässt aber dank Ausschnitt im Kühlturm sowie dem kleinen 120-mm-Frontlüfter ausreichend Platz für RAM. Vom Kühler ausgehend stehen knapp 47 mm zur Verfügung und der Frontlüfter kann in der Höhe verschoben werden. Zu den Erweiterungskarten hin gibt es keine Einschränkungen, da der Kühler bündig auf Höhe des Arbeitsspeichers endet.

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