Mesh-WLAN-Systeme im Test: Übertragungsraten, Leistungsaufnahme und Fazit

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Frank Hüber 98 Kommentare

Übertragungsraten im Vergleich

Die Übertragungsraten im Netzwerk werden im Test mit iPerf gemessen, wobei sechs parallele Datenströme gestartet werden. Im Test werden beide Richtungen der Datenübertragung getestet, vom als iPerf-Server fungierenden Rechner zum Client und vom Client zum Server.

Maximale Übertragungsraten bei optimalen Bedingungen

Im ersten Test werden die Komponenten jedes Systems einzeln in einem einzigen Raum ohne Hindernisse aufgebaut. Die Komponenten mit Powerline-Funktionalität werden alle an eine Mehrfachsteckdose angeschlossen. Dieser Test symbolisiert die maximal mögliche Datenübertragungsrate im Idealfall und dient eher als theoretische Orientierung für das, was unter sehr guten Bedingungen mit den Systemen möglich ist. Client- und Server-PC sind an den Mesh-Komponenten per LAN-Kabel angeschlossen.

Maximale Übertragungsraten über LAN im Vergleich
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devolo Magic 2 WiFi 631 Mbit/s 610 Mbit/s
TP-Link Deco P9 651 Mbit/s 641 Mbit/s
eero Pro 471 Mbit/s 482 Mbit/s
Netgear Orbi Voice 598 Mbit/s 651 Mbit/s
Google WiFi (1. Gen.) 342 Mbit/s 354 Mbit/s

Ohne Hindernisse liegen die drei Systeme devolo Magic 2 WiFi, TP-Link Deco P9 und Netgear Orbi Voice eng beieinander an der Spitze. Insgesamt in beide Richtungen betrachtet ist das Set von TP-Link, der Deco P9, am schnellsten und erreicht jeweils reale Übertragungsraten von rund 650 Mbit/s. eero Pro erzielt ebenfalls schnelle Übertragungsraten, kommt aber nicht an die Spitze heran. Eine Stufe langsamer ist wiederum das Mesh-System der ersten Generation von Google, das selbst bei bestmöglichen Bedingungen nur 350 Mbit/s erzielt.

Geschwindigkeit durch 5 Trockenbauwände über 15 Meter hinweg

Beim zweiten Test werden die Netzwerkkomponenten jedes Systems im Büro verteilt. Zwischen Server und Client liegen dabei rund 15 Meter und das WLAN-Signal muss fünf Trockenbauwände mit Metallständerwerk überwinden. Powerline-Komponenten sind wie in der Praxis an das normale, weit verzweigte Büro-Stromnetz an Wandsteckdosen angeschlossen. Sofern das Mesh-System über drei Komponenten verfügt, wird auf halber Strecke in einem Raum ein Mesh-Access-Point aufgestellt, mit dem jedoch keine Geräte verbunden werden. Er dient – sofern das System diesen Weg für schneller hält – nur als Repeater und Durchgangsstation.

Client- und Server-PC sind mit den Access-Points jeweils per LAN-Kabel verbunden, so dass im Test die Übertragungsgeschwindigkeit zwischen den Mesh-Komponenten getestet wird.

Übertragungsraten bei Anschluss der PCs über LAN im Vergleich
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devolo Magic 2 WiFi 306 Mbit/s 239 Mbit/s
TP-Link Deco P9 580 Mbit/s 562 Mbit/s
eero Pro 431 Mbit/s 438 Mbit/s
Netgear Orbi Voice 480 Mbit/s 567 Mbit/s
Google WiFi (1. Gen.) 175 Mbit/s 169 Mbit/s

Bei dem realitätnahen Test mit stationären PCs an beiden Enden der Mesh-WLAN-Systeme verschiebt sich dieses Bild. devolo Magic 2 WiFi hat nun mit der Dämpfung des schnellen Powerline im Stromnetz zu kämpfen, wodurch die Datenrate mehr als halbiert wird. Zusätzliche Komponenten im Netzwerk können dies verbessern, müssen es je nach Verkabelung aber keineswegs. Weiterhin sehr schnell unterwegs ist das Deco P9 von TP-Link, das am wenigsten Geschwindigkeit einbüßt. Die Einbußen fallen bei Netgear höher aus, dennoch ist die Geschwindigkeit überzeugend. eero Pro stört sich an den Trockenbauwänden und dem höheren Abstand zwischen den Access-Points hingegen so gut wie gar nicht und hält nahezu die Übertragungsrate, die auch bei optimalen Bedingungen erreicht wird. Googles WiFi büßt hingegen die Hälfte der Übertragungsrate ein und liegt nur noch bei rund 170 Mbit/s.

Im nächsten Test ist der Testaufbau identisch, der Client-PC wird nun aber per WLAN mit einem Abstand von rund vier Metern zum nächsten Access-Point in das Netzwerk integriert. Der Server ist weiterhin per LAN-Kabel an das 15 Meter entfernte Netzwerkgerät des jeweiligen Mesh-Systems angeschlossen.

Übertragungsraten bei Anschluss des Clients über WLAN im Vergleich
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devolo Magic 2 WiFi 192 Mbit/s 104 Mbit/s
TP-Link Deco P9 158 Mbit/s 112 Mbit/s
eero Pro 190 Mbit/s 145 Mbit/s
Netgear Orbi Voice 280 Mbit/s 322 Mbit/s
Google WiFi (1. Gen.) 99 Mbit/s 82 Mbit/s

Bei der Übertragung zum und vom Client per WLAN, der selbst maximal 1.300 Mbit/s über die Funktechnologie erreichen kann, reduzieren sich die Übertragungsgeschwindigkeiten deutlich. Nur der Netgear Orbi Voice erreicht im Schnitt noch 300 Mbit/s, die anderen Systeme fallen teilweise auf 100 Mbit/s zurück. Netgear liegt in diesem Test vor eero auf dem zweiten, devolo auf dem dritten und TP-Link nun nur noch auf dem vierten Platz.

Übertragungsrate im Einfamilienhaus über je drei Etagen und Decken hinweg

Für den nächsten Test wurden alle Mesh-Systeme in einem Einfamilienhaus aufgebaut. Die erste Komponente, die mit dem Modem/Router verbunden ist, befindet sich dabei im Erdgeschoss, die zweite in der ersten Etage, wobei an diese keine Geräte angeschlossen wurden. Die dritte Komponente ist in der zweiten Etage platziert. Gegebenheiten, bei denen ein einzelner Router wie die Fritz!Box 7490 im Erdgeschoss nicht in der Lage ist, zuverlässiges WLAN bis in die zweite Etage zu übertragen. Alle Access-Points der Mesh-Systeme sind für eine gute WLAN-Abdeckung möglichst zentral auf jeder Etage aufgestellt. Es gilt somit drei Decken und einen Höhenunterschied von rund 14 Metern in einem Haus aus den 1960er-Jahren zu überwinden. Während des Tests waren viele Verbraucher inklusive Licht und Waschmaschine eingeschaltet, um ein realistisches Einsatzszenario auch für Powerline-Komponenten zu schaffen. Ein Phasenkoppler ist nicht installiert.

Client und Server sind für diese Messungen erneut über ein LAN-Kabel mit den Mesh-Komponenten verbunden, um deren Übertragungsgeschwindigkeit zu ermitteln.

Übertragungsraten EFH bei Anschluss der PCs über LAN im Vergleich
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devolo Magic 2 WiFi 116 Mbit/s 109 Mbit/s
TP-Link Deco P9 94,1 Mbit/s 84,6 Mbit/s
eero Pro 241 Mbit/s 305 Mbit/s
Netgear Orbi Voice 185 Mbit/s 101 Mbit/s
Google WiFi (1. Gen.) 113 Mbit/s 109 Mbit/s

Die Ergebnisse im Einfamilienhaus über drei Etagen mit massiven Wänden und Decken unterscheiden sich signifikant von den Testergebnissen im Büro mit Trockenbauwänden. Nunmehr ist es das Mesh-System eero Pro, das mit Abstand die schnellsten Übertragungsraten liefert und selbst durch drei Decken hindurch noch mit durchschnittlich mehr als 250 Mbit/s überträgt. Das Mesh-System Deco P9 von TP-Link kann in diesem Fall weder mit Powerline noch über WLAN mit der Konkurrenz mithalten und bildet nach den zuvor sehr guten Ergebnissen plötzlich mit weniger als 100 Mbit/s das Schlusslicht. Netgear vermag es immerhin, mit nur einer direkten Funkverbindung die Etagen zu verbinden.

Leistungsaufnahme im Vergleich

Zu guter letzt müssen sich alle Mesh-WLAN-Systeme bei der Leistungsaufnahme im Leerlauf und bei aktiver Datenübertragung messen. Sowohl WLAN als auch Powerline, sofern vorhanden, sind am Access-Point aktiviert, Stromsparmodi hingegen nicht. Die LEDs sind wie beim Auslieferungszustand eingeschaltet. Gemessen wird die Leistungsaufnahme eines einzelnen Access-Points des jeweiligen Mesh-WLAN-Systems.

Leistungsaufnahme eines einzelnen Access-Points im Vergleich
Leerlauf Datenübertragung
devolo Magic 2 WiFi 7,4 Watt 8,6 Watt
TP-Link Deco P9 7,1 Watt 9,5 Watt
eero Pro 5,6 Watt 8,2 Watt
Netgear Orbi Voice 8,0 Watt 11,2 Watt
Google WiFi (1. Gen.) 3,3 Watt 4,5 Watt

Deutliche Unterschiede gibt es bei der Leistungsaufnahme der Systeme nicht. Nur die erste Generation von Google WiFi kann sich mit einem nur rund halb so hohen Strombedarf hervortun. Im Leerlauf ohne Netzwerkverkehr sind zudem die Komponenten des eero Pro sparsamer als die der anderen Mesh-WLAN-Systeme.

Die Preise im Vergleich

Preislich unterscheiden sich die Mesh-WLAN-Systeme von Netgear, eero, devolo, TP-Link und Google ebenfalls teils deutlich, was mitunter auch auf die Verwendung von Dual-Band- oder Tri-Band-WLAN zurückzuführen ist.

Kosten der Mesh-WLAN-Systeme im Vergleich
Preis
devolo Magic 2 WiFi Multiroom-Kit 286 Euro
TP-Link Deco P9 (3er-Set) 250 Euro
eero Pro (3er-Set) 499 Euro
Netgear Orbi Voice (RBK50V) 427 Euro
Google WiFi 1. Gen. (3er-Set) 345 Euro

Die günstigsten Mesh-WLAN-Systeme im Testfeld sind die beiden Produkte, die zusätzlich auf eine interne Übertragung per Powerline setzen, dafür aber auf Tri-Band-WLAN verzichten. Mit einer offiziellen unverbindlichen Preisempfehlung von 250 Euro ist insbesondere das 3er-Set des Deco P9 von TP-Link vergleichsweise günstig.

Mit einer UVP von 499 Euro und einem Straßenpreis von 427 Euro sind die beiden Tri-Band-Systeme eero Pro und Netgear Orbi Voice deutlich teurer. Das eero Pro ist derzeit allerdings für 349 Euro im Angebot bei Amazon. Während man bei eero Pro einen Access-Point mehr erhält als beim System von Netgear, bekommt der Käufer bei Netgear einen vollwertigen Alexa-Lautsprecher im Access-Point.

Das lediglich als Vergleich im Test aufgeführte Google WiFi ist kaum noch im Handel verfügbar und wird in Kürze durch den Nachfolger, Google Nest WiFi, ersetzt. Google Nest WiFi kostet mit zwei Access-Points 398 Euro, da für das Paket aus Router und einem Access-Point 259 Euro verlangt werden und ein weiterer Access-Point für 139 Euro erworben werden muss.

Fazit

Eine unkomplizierte Einrichtung und einen reibungslosen Betrieb bieten alle getesteten Mesh-WLAN-Systeme.

Das devolo Magic 2 WiFi verrichtet unauffällig und unaufgeregt seinen Dienst. Wünschenswert wären jedoch auch an der Router-Komponente ein weiterer LAN-Anschluss und eine WLAN-Funktion, damit diese nicht nur als reines Bindeglied zwischen Internet und Powerline-Netzwerk fungiert. In diesem Punkt wissen die Systeme von TP-Link, eero und Netgear zu überzeugen, denn die Haupt-Einheit ist entweder identisch zu den Access-Points (TP-Link und eero) oder bietet selbst umfangreiche Netzwerkfunktionen (Netgear).

Mesh-WLAN-Systeme von devolo, eero, Google, Netgear und TP-Link
Mesh-WLAN-Systeme von devolo, eero, Google, Netgear und TP-Link

Die App vom eero Pro wirkt in der frisch überarbeiteten Version noch nicht ganz fertig und zeigt unter „Erkennen“ einen leeren Reiter an. Nichtsdestoweniger funktionieren die anderen Funktionen reibungslos, was auch für das eigentliche Netzwerk gilt.

Beim Netgear Orbi Voice fällt hingegen negativ auf, dass Funktionen wie eine Einschränkung des Zugriffs und eine Kindersicherung an ein Abomodell (Circle with Disney) gekoppelt sind. Zusammen mit Netgear Armor, das in Kooperation mit Bitdefender das Netzwerk schützen soll, werden so schon zwei Abonnements fällig. Zudem ist die mattweiße Oberfläche des Routers (RBR50) sehr anfällig für Kratzspuren, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. Kleinste Berührungen mit Metall oder anderen Gegenständen hinterlassen anthrazitfarbene Spuren, die kaum noch wegzubekommen sind. Mit dem Alexa-Lautsprecher im Access-Point hat das Netgear Orbi Voice dafür ein Alleinstellungsmerkmal im Test und zeigt Amazon im Grunde den Weg, den das Unternehmen mit den Echo-Lautsprechern und der neuen Hausmarke eero gehen könnte: ein sich aus Echo-Lautsprechern aufspannendes Mesh-WLAN.

Messungen als Anhaltspunkt, keine Allgemeingültigkeit

Die Messungen zu den Übertragungsraten im Netzwerk zeigen ein generelles Problem der Tests von Mesh-WLAN-Systemen. Zwar sind die Mesh-Systeme untereinander vergleichbar, das Ergebnis ist aber nicht uneingeschränkt auf andere Standorte übertragbar.

Denn während beispielsweise das TP-Link Deco P9 im ersten Szenario im Büro auf einer Etage vollends überzeugt und eine sehr schnelle Übertragung gewährleistet, fällt diese im Einfamilienhaus mit massiven Wänden und Decken auf unter 100 Mbit/s und bildet das Schlusslicht im Testfeld.

Gleiches gilt für die Powerline-Verbindungen des devolo Magic 2 WiFi und des TP-Link Deco P9. Wie schnell diese in der Praxis ausfallen, hängt stark von der Verkabelung der Wohnung oder des Hauses ab und lässt sich nicht pauschalisieren. Sie können die bessere Alternative zu WLAN darstellen, müssen es aber nicht, wie der Test ebenso gezeigt hat. Denn trotz dreier Decken ist es schlussendlich das eero Pro, das über WLAN über drei Etagen hinweg die schnellsten Übertragungsraten bietet. Darüber hinaus lässt sich keine allgemeine Aussage darüber treffen, wie viele Access-Points installiert werden müssen, da dies auch von der Technik des Mesh-Netzwerks abhängt. Eine WLAN-Übertragung mit 5 GHz ist zwar schneller, reicht aber weniger weit, ohne Tri-Band können nur je ein Router und Access-Point beim Überbrücken mehrerer Etagen schnell zu wenig sein.

Als Fazit werden deshalb zwei Systeme empfohlen, die sich keinen Patzer erlauben, einen reibungslosen Betrieb gewährleisten und im Test auf unterschiedliche Weise in Summe am meisten überzeugt haben: das TP-Link Deco P9 und das eero Pro.

Das TP-Link Deco P9 ist zu einem Preis von nur 250 Euro ein vergleichsweise günstiges Dual-Band-WiFi-Mesh-System, das mit allen anderen Deco-Geräten von TP-Link kombiniert werden kann und eine sehr schnelle Datenübertragung ermöglicht, wenn ihm die baulichen Gegebenheiten liegen. Ist dies nicht der Fall, fällt sie hingegen deutlich ab. Dort setzt das eero Pro als Tri-Band-WiFi-Mesh-System an, denn es liefert zwar im ersten Testszenario nicht die schnellsten, aber dennoch sehr gute Übertragungsraten und büßt davon im Vergleich zu den anderen Systemen im zweiten Testszenario am wenigsten ein, wodurch es sich dort sogar an die Spitze setzt. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 499 Euro ist es allerdings doppelt so teuer wie das 3er-Set des Deco P9, auch wenn es noch für kurze Zeit für 350 Euro im Angebot ist. Vor allem bei schwierigen Umgebungen ist das 3er-Set mit Tri-Band-WLAN eine gute Wahl, die erweiterten Konfigurationsmöglichkeiten des Systems sind im Vergleich jedoch beschränkt, dafür ist es einfach in Betrieb zu nehmen, läuft sehr stabil und funktioniert zu jeder Zeit so, wie es soll.

Abzuwarten bleibt, wie sich das Google Nest WiFi schlägt, das im Dezember dieses Jahres in Deutschland auf den Markt kommt. ComputerBase wird hierzu im genannten Monat einen Test veröffentlichen.

ComputerBase hat die Mesh-WLAN-Systeme leihweise von devolo, Amazon (eero), Netgear und TP-Link zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme der Unternehmen auf den Artikel fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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