Windows 7: Bund zahlt 800.000 Euro für 12 Monate länger Support

Sven Bauduin 446 Kommentare
Windows 7: Bund zahlt 800.000 Euro für 12 Monate länger Support
Bild: Microsoft

Wie das Handelsblatt unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesinnenministeriums berichtet, muss der Bund für mehr als 33.000 PCs, die in Ämtern und Ministerien noch mit Windows 7 laufen, erweiterten Support von Microsoft kaufen. Die Kosten belaufen sich auf rund 800.000 Euro. Dies ergab eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen.

Demnach sei die Umstellung auf Windows 10 noch längst nicht abgeschlossen, wie die Wirtschaftszeitung schreibt. Der Parlamentarische Staatssekretär und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Günter Krings teilte zudem mit, dass sich die Kosten von rund 800.000 Euro nur auf das laufende Jahr beziehen. Das Handelsblatt selbst geht allerdings von einer „erhebliche Dunkelziffer“ aus.

Kosten können noch höher ausfallen

Wie bereits bei Windows XP (*2001 – †2014) und Windows Vista (*2007 – †2017) zuvor, war auch das unvermeidliche Support-Ende von Windows 7 (*2009 – †2020) hin zum Stichtag am 14. Januar 2020 bereits seit drei Jahren offiziell bekannt.

Aus diesem Grund wirft der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Konstantin von Notz der Bundesregierung im Gespräch mit dem Handelsblatt vor, „keinerlei Überblick über die momentane Gesamtsituation“ zu haben, woraus sich durchaus noch weitaus höhere Kosten für Bund und Steuerzahler ergeben können.

Sie [die Bundesregierung] hat keinerlei Überblick über die Gesamtsituation. Daher ist davon auszugehen, dass das Ausmaß der Probleme noch sehr viel größer ist, als auch so schon deutlich wird.

Konstantin von Notz, Bündnis 90/Die Grünen

Sicherheitsprobleme und Millionenkosten

Der Grünen-Politiker wirf der Bundesregierung vor, grob fahrlässig gehandelt zu haben und damit sowohl für Millionenkosten als auch für die aus dem Support-Ende resultierenden Sicherheitsprobleme verantwortlich zu sein. Zudem seien fünf der 14 Bundesministerien gar nicht in dem Bericht aufgelistet.

Durch ihre massiven Versäumnisse ist die Bundesregierung dafür verantwortlich, dass die IT-Systeme von Kanzleramt, Bundesministerien und Bundesbehörden nur unzureichend geschützt sind. Das ist angesichts eines anhaltend hohen Bedrohungspotentials grob fahrlässig.

Konstantin von Notz, Bündnis 90/Die Grünen

Auch Landesregierungen betroffen

Wie das Wirtschaftsmagazin weiter berichtet, sind auch unzählige Systeme in Landesregierungen betroffen. Allein in der Landesverwaltung Berlin seien beispielsweise noch rund 20.000 der mehr als 85.000 Verwaltungsrechner mit Windows 7 im Einsatz. Auch hier ist mit hohen Kosten für den Kauf der bis zum Januar 2023 ausgedehnten Extended Security Updates für Windows 7 zu rechnen.

Die Behörden seien selbst für die Migration ihrer Systeme verantwortlich, die Umstellung erfolge aber „chaotisch und unkoordiniert“, wie von Notz im Interview betonte. Auch hier sieht er schwere Versäumnisse:

Der schlichte Verweis darauf, dass die Ministerien für die IT-Ausstattung selbstverantwortlich sind, ist angesichts der extra geschaffenen Koordinationsgremien und der Tatsache, dass dem Steuerzahler durch die Versäumnisse ein Millionenschaden entsteht, ein starkes Stück.

Konstantin von Notz, Bündnis 90/Die Grünen

Unklare Lage bei BND und Bundesgrenzschutz

Dem Bericht zufolge gestaltet sich die Lage beim Bundesnachrichtendienst und Bundesgrenzschutz noch undurchsichtiger. Hier liegen bislang noch überhaupt keine Zahlen vor.

Die Bundesregierung verweigert strikt jede Auskunft zur IT-Infrastruktur der Sonderpolizei und des Nachrichtendienstes, da diese genutzt werden könnten, um „Rückschlüsse auf Vorgehensweisen und spezifische Fähigkeiten“ der Polizei- und Geheimdienste zu ziehen, argumentierte der Staatssekretär Günter Krings und ergänzte „im Wesentlichen rechnet die Bundesregierung derzeit mit keinen Problemen“ nach Ablauf des Supports für Windows 7.

Die Linke fordert Alternative zu Microsoft

Victor Perli, Haushaltspolitiker der Linken, forderte die Bundesregierung dazu auf, gemeinsam mit anderen EU-Staaten eine sichere und preisgünstige Alternative zu den Produkten von Microsoft zu entwickeln. Bequemlichkeit dürfe hierfür keine Ausrede rein.

Wenn nicht einwandfrei geklärt ist, dass der Einsatz von Microsofts Produkten auf Rechnern von Bundesbehörden kein Sicherheitsrisiko darstellt, dann muss die Regierung Alternativen in Erwägung ziehen - auch zum großen Microsoft-Konzern. Die Bürger müssen sich drauf verlassen können, dass mit sensiblen Daten verantwortungsvoll umgegangen wird.

Victor Perli, Die Linke
Update 05.02.2020 22:32 Uhr

1,3 Millionen Euro für Sicherheitsupdates in NRW

Laut einem Bericht der Rheinischen Post, fallen auch bei der NRW-Landesregierung Kosten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro für ausstehende Sicherheitsupdates an.

In den Ämtern und Ministerien Nordrhein-Westfalens sollen demnach noch rund 20.000 der circa 150.000 PCs nach dem Stichtag mit Windows 7 in Einsatz sein.

Dies gab der NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) jetzt auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hin bekannt.

Bund, Berlin und NRW betroffen

Neben den rund 33.000 PCs in Bundesbehörden und den rund 20.000 Rechnern in Nordrhein-Westfalen, sollen auch knapp 18.000 Systeme der Berliner Landesregierung am kostenpflichtigen Extended Security Update Program (ESU) teilnehmen, da sie nicht rechtzeitig auf Windows 10 umgestellt werden konnten. Dies berichtete zuletzt der Rundfunk Berlin-Brandenburg.