Ryzen Threadripper 3990X im Test: Leistung und Effizienz bei weniger TDP

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Volker Rißka et al. 437 Kommentare

Zuletzt stieß der Spezialtest des Threadripper 3000 mit gesenkter TDP auf großes Interesse. Deshalb wird diese kleine Serie zur heutigen Neuvorstellung fortgesetzt.

64 Kerne und exakt ausgewählte Taktraten hatten in den regulären Tests bereits offenbart, dass sie sehr nah auf Kante genäht sind. Das heißt, dass in dem Spezialtest deutlich größere Abweichungen als zuletzt zu erwarten sind, denn der 64-Kern-Prozessor lief bereits im normalen Alltag in die Limits von Spannung und Stromstärke.

Am leichtesten ablesbar ist das beim Verhalten der Taktfrequenz. Im Blender-Benchmark arbeitet der reguläre Ryzen Threadripper 3990X mit knapp über 3 GHz. Limitiert man die TDP auf 250 Watt, ändert sich der Takt nur um rund 100 MHz – hier kommt dem Modell noch zugute, dass die CPU in dem Fall zuerst an der TDC und nicht TDP limitiert. Unterhalb von 250 Watt fällt der Takt deutlicher ab, bei 180 Watt TDP liegen keine 2 GHz mehr an. Unterm Strich ist das Verhalten aber nahezu linear: Für 35 Prozent weniger TDP gibt es auch 35 Prozent weniger Takt.

CPU TDP Takt in Blender Benchmark (Durchschnitt)
3990X 280 Watt 3.015 MHz
Delta –11 % –4 Prozent
3990X 250 Watt 2.892 MHz
Delta –14 % -11 Prozent
3990X 215 Watt 2.570 MHz
Delta –16 % -23 Prozent
3990X 180 Watt 1.980 MHz

Aus den Diagrammen lassen sich mehrere Dinge ablesen. Natürlich verliert ein Prozessor von AMD Leistung mit angepasster TDP, doch interessant ist dabei, dass der 32-Kerner bei 180 Watt exakt so schnell ist wie ein 64-Kerner bei 180 Watt. Denn der 32-Kerner darf mit 3,3 bis 3,4 GHz durchgehend zu Werke gehen, der 64-Kerner nur mit knapp 2 GHz. Die Taktraten der CPUs im Blender-Benchmark zeigen das:

Preis-Leistungs-Verhältnis

Aussagen zum Preis-Leistungs-Verhältnis sind im HEDT-Segment eine schwierige Angelegenheit, das gilt für die kleinsten Modelle, aber noch weitaus mehr für die großen. Sie müssen deshalb mindestens zweigeteilt getroffen werden. Klar ist: Für den normalen Anwender und Gamer daheim sind die Plattform und vor allem auch ein 64-Kern-Prozessor heute nichts, diese Kundschaft ist im „Mainstream“ perfekt aufgehoben, zumal sie mit dem Ryzen 9 3950X selbst dort schon eine CPU findet, die den herkömmlichen Privatbedarf an CPU-Leistung deutlich übersteigt. Die neuen Threadripper 3000 richten sich hingegen ganz klar an die Kundschaft, die weiß, wie solche CPUs möglichst häufig voll ausgelastet werden.

AMD-CEO Lisa Su mit Ryzen Threadripper 3990X
AMD-CEO Lisa Su mit Ryzen Threadripper 3990X (Bild: AMD)

In diesem HEDT- und Workstation-Bereich geht es am Ende primär nach der gebotenen (Mehr-)Leistung, die Kosten für die Anschaffung rücken in den Hintergrund. Denn wo Zeit Geld ist, sind Mehrkosten für einen viel schnelleren Prozessor bei der Anschaffung schnell wieder drin.

So verwies auch Intel in den Hochzeiten seiner HEDT-CPUs zu Recht darauf, dass in erster Linie doch die eingesparte Zeit in Anwendungen ins Gewicht fallen sollte, wenn diese Prozessoren bewertet werden. Diesem Ansatz folgend, führt an den Modellen von AMD Anfang 2020 kein Weg vorbei, auch wenn sie teuer sind. In Multi-Core-Anwendungen sinkt die Zeit zur Bearbeitung je nach Ausganspunkt um gut ein Drittel. Schnell sind also viele Stunden pro Woche eingespart bzw. mit zusätzlicher Auftragsarbeit belegt, die anfänglich sehr hohe Investition nach einigen Wochen und Monaten quasi wieder herausgearbeitet.

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