Ryzen Threadripper 3990X im Test: Benchmarks in Anwendungen und Spielen

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Volker Rißka et al. 437 Kommentare

Für alle Tests kommt das mit AMD Ryzen 3000 (Test) im Sommer aufgebaute neue Testsystem zum Einsatz. Alle wesentlichen Parameter sind identisch, um die Vergleichbarkeit gewährleisten zu können. Windows 10 wurde deshalb noch nicht auf Version 1909 aktualisiert und der Treiber für die GeForce ist auf dem Stand Juli. Windows hat in neuer Variante keinen relevanten Einfluss auf AMDs neue CPUs, der Hersteller empfiehlt deshalb auch die Nutzung von 1903.

Das Asus Zenith II Extreme musste auf ein neues BIOS inklusive AGESA 1.0.0.3 aktualisiert werden, sonst wird der 64-Kerner schlichtweg nicht erkannt. Das Mainboard mit vier DDR4-3200-Speicherriegeln samt gleichen Timings wie in den Dual-Channel-Konfigurationen stellt mit ansonsten identischen Einstellungen wie zuvor erneut die Basis für Threadripper 3000 dar.

AMD Ryzen Threadripper 3990X
AMD Ryzen Threadripper 3990X

Benchmarks in Anwendungen

128 Threads sind zweifelsohne für eine Aufgabe geschaffen: moderne Software. In dieser können alle Kerne inklusive SMT zum Einsatz kommen und die Leistung, die dabei zum Vorschein kommt, ist schlichtweg brutal. AMD war bereits der König im Desktop. Doch das bisherige Flaggschiff je nach Anwendung zu übertreffen, ist in Form des Ryzen Threadripper 3990X einmal mehr einzigartig.

Vor allem Render-Tests, die Paradedisziplin von AMD seit der Einführung von Zen, skalieren auch heute extrem gut. Allen voran geht Corona, von 30 auf 17 Sekunden verbessert sich das Ergebnis mit dem Wechsel von 32 auf 64 Kerne. Werden die Aufträge komplexer, schrumpft der Vorsprung ein wenig, doch weitere Render-Tests wie Cinebench und Blender bleiben die besondere Stärke.

AMD bewirbt die CPU als die beste Render-Lösung
AMD bewirbt die CPU als die beste Render-Lösung (Bild: AMD)

Doch es gibt auch Schatten, denn mit 64 Kernen glänzt es nicht überall, die vielen Threads werden mitunter zum Luxusproblem, wie auf der vorangegangenen Seite dargelegt. Nicht jede Software ist schließlich schon bereit, auch mit 128 Threads zu arbeiten. Selbst populäre Benchmarks wie POV-Ray sind es in der regulären Version nicht, dort liefert der 64-Kerner das gleiche Ergebnis wie ein 32-Kerner, weil die Anwendung bei 64 Threads dicht macht. AMD hat deshalb die Software optimiert und diese Version der Presse zur Verfügung gestellt, in der Erwartung, dass die Autoren von POV-Ray den Commit via GitHub auch in eine finale Version einpflegen werden. Parallel dazu hat derselbe Autor auch VeraCrypt für einen Support von CPUs mit 64 Kernen und mehr im Blick.

Doch unterm Strich kann ganz klar festgehalten werden, dass die heutigen Probleme nur von geringer Natur sind, kein Vergleich insbesondere zur ersten Generation Threadripper, aber auch teilweise noch zur zweiten. Die Pionierarbeit von AMD in den letzten Jahren zahlt sich hier nun aus. Letztlich wird es bei so gewaltigen Sprüngen aber nie ohne kleinere Macken gehen, alles andere ist naiver Irrglaube. Denn das zeigt schließlich auch das Intel-Xeon-System mit 56 Kernen und 112 Threads, das in POV-Ray exakt die gleichen Macken antrifft wie Threadripper und so wiederum auch von demselben Fix profitiert.

Benchmarks in Spielen (Full HD und UHD)

Darf man mit einem Threadripper spielen? Klar, warum nicht? Aber kann man es auch? Threadripper und Gaming, das stand in den ersten beiden Generationen oft auf Kriegsfuß. Im vorletzten Jahr bedurfte es bei 24 und 32 Kernen oft manueller Eingriffe in AMD Ryzen Master, damit die bisherigen Modelle ähnlich abschneiden konnten wie klassische Ryzen-CPUs. So richtig an die Leistung heran kamen sie aber nie. Doch auch das gehört mit Threadripper 3000 der Vergangenheit an – und das sogar bei 64 Kernen. Ohne zusätzliche Software oder manuelle Eingriffe funktioniert Gaming.

So war in einigen Spielen inbesondere in geringerer Auflösung hier und da ein Haken zu verspüren. In Ultra HD verschwanden diese Ruckler jedoch. Am Ende reiht sich die CPU knapp hinter den anderen beiden Threadripper-3000-Lösungen ein, der etwas geringere Durchschnittstakt macht sich hierbei bemerkbar.

Was bei den Anwendungen gilt, greift letztlich auch bei Spielen. Zu alte und nicht optimierte Software, besonders sichtbar am Beispiel FarCry: New Dawn, stellt sich schneller quer als neue und noch gut gepflegte Titel. Das ist am Ende nicht AMDs Schuld, das Versagen liegt hier bei den Spieleherstellern. Die Lösung bleibt in dem Fall der Eingriff über Ryzen Master (der aktuell für die 64-Kern-Version noch nicht vorliegt), denn einen Game-Mode bietet das Tool auch für die neuen Prozessoren weiterhin an, in der Regel sollte er jedoch nicht benötigt werden.

Doch unterm Strich kann am Ende festgehalten werden, dass das Gaming nicht die Zielgruppe für diese CPU ist. Es funktioniert, aber die Stärken sind ganz klar andere.

Die Zielgruppe für den Prozessor sind Profis, nicht Gamer
Die Zielgruppe für den Prozessor sind Profis, nicht Gamer (Bild: AMD)

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