Fractal Design Define 7 (XL) im Test: Testergebnisse und Fazit

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Valentin Karnehm
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Testmethodik und Testsystem

Für den Test wurden die im Lieferumfang enthaltenen Lüfter an ihren angestammten Plätzen, einer hinten und zwei in der Front, belassen. Die CPU, ein Ryzen 7 2700X, wurde mit einer AiO-Wasserkühlung, der Corsair Hydro H100i Platinum 240 mm, gekühlt. Letztere wurde so im Deckel montiert, dass die Lüfter die Luft von unten nach oben aus dem Gehäuse befördern. Selbstverständlich wurde zu diesem Zweck das perforierte Topcover und nicht die geschlossene Variante verwendet.

Aus Gründen der Vergleichbarkeit zu anderen kürzlich erschienenen Gehäuse-Tests auf ComputerBase wurde mit Hardware getestet, die eigentlich für ein ITX-System vorgesehen ist. Dank der großen Modularität des Define 7 war dies ohne Probleme möglich. Für die Zukunft sieht die Redaktion einen Wechsel auf ein ATX-Testsystem vor.

Verwendetes Messsystem
Komponente
CPU Ryzen 7 2700X
Mainboard MSI B350I PRO AC
Arbeitsspeicher G.Skill TridentZ DDR4-3200
Grafikkarte Gigabyte GeForce RTX 2070 Mini ITX 8G
CPU-Kühler Corsair Hydro H100i Platinum 240 mm
Netzteil Enermax Digifanless 550W
Lüfter 3 x Dynamic X2 GP-14
Datenträger SanDisk Ultra SSD (256 GB)
Gehäuse riesig – Hardware niedlich
Gehäuse riesig – Hardware niedlich

Die Lautstärke wurde im Abstand von einem Meter zur Gehäusewand aufseiten der Grafikkarte gemessen. Der Geräuschpegel ohne aktive Geräuschquellen im Raum lag bei 28 dB. Die Skalierung der Einheit Dezibel (dB) erfolgt logarithmisch. Das bedeutet, dass eine Steigerung von 10 dB für das menschliche Empfinden etwa einer Verdopplung der Lautstärke entspricht.

Temperaturen und Lautstärke

Für den Test wurde relativ leistungshungrige Hardware verbaut, um das Gehäuse an seine Grenzen zu bringen. Der verwendete CPU-Kühler Corsair Hydro H100i Platinum 240 mm schafft es ohne Mühe, auch unabhängig von der guten Durchlüftung des Gehäuses, den verbauten Ryzen 7 2700X mit einer TDP von 105 W unter Volllast zu bändigen. Der im Desktop mit potenter Kühlung immer mögliche Multi-Core-Turbo von 4,3 GHz wird auch im Extremszenario Prime95 dauerhaft erreicht.

Die verwendete Grafikkarte, die Gigabyte GeForce RTX 2070 Mini ITX 8G, ist trotz ihrer geringen Größe erstaunlich leistungsfähig. Die Taktraten unter Dauerlast lagen im Test mit 1.700 bis 1.890 MHz im Rahmen der Erwartungen. Die Grafikkarte wirkt angesichts der schieren Größe des Gehäuses allerdings etwas verloren im Define 7. Wie im Bild mit dem Untertitel „Gehäuse riesig – Hardware niedlich“ zu sehen, würde das Define 7 mehr als ausreichend Platz für eine deutlich größere, sogar mehr als doppelt so lange und damit auch noch leistungsfähigere und leisere Grafikkarte bieten.

Für den Test wurden die Betriebspunkte Idle (also ohne Last auf dem Windows Desktop), Office und YouTube, „Fordernde Last“ im Spiel Shadow of the Tomb Raider sowie „Synthetische Last“ unter Prime95 und FurMark ausgewählt. Die Raumtemperatur lag zum Zeitpunkt des Tests bei 25 °C.

Temperatur

Im Idle und Office-Betrieb liegen die Temperaturen der GPU erwartungsgemäß unter 40 °C, trotz Zero-Fan-Mode der Grafikkarte. Auffällig verhält sich jedoch die CPU, die im Office-Betrieb mit 47 °C nur knapp unterhalb der Temperatur im Spiel Shadow of the Tomb Raider mit 48,9 °C liegt. Ein Blick auf die Taktraten verrät, dass Windows sich ein Update genehmigt hat, was die CPU etwas mehr ins Schwitzen gebracht hat als Firefox und Word. Doch auch unter synthetischer Volllast von Prime95 steigen die Temperaturen der CPU nicht über eine Maximaltemperatur von 61 °C. Diese liegt damit weit unterhalb des kritischen Bereichs.

Auch die Grafikkarte bewegt sich unter anliegender Dauerlast im Spiel Shadow of the Tomb Raider mit einer Maximaltemperatur von 70 °C absolut im grünen Bereich. So wäre für CPU wie auch GPU noch Spielraum für Übertaktung oder eine Reduzierung der Lautstärke auf Kosten der Temperatur möglich.

Temperaturen
Einheit: °C
  • Leerlauf:
    • GPU
      38,0
    • CPU
      36,0
  • Office/YouTube:
    • GPU
      39,0
    • CPU
      47,0
  • Last:
    • GPU (Shadow of the Tomb Raider)
      70,0
    • CPU (Shadow of the Tomb Raider)
      48,9
    • GPU Prime95+FurMark
      66,0
    • CPU Prime95+FurMark
      61,0

Lautstärke

Der Lautstärke im Leerlauf kommt zugute, dass die Grafikkarte einen Idle-Modus besitzt. Dieser schaltet den Lüfter komplett ab, wenn die Temperatur der GPU unter 55 °C verweilt oder fällt. Im Idle stellt die AiO-Wasserkühlung mit ihrer Pumpe daher die Hauptgeräuschquelle dar. Die Pumpe ist mit gespitzten Ohren im Idle tatsächlich aus dem System herauszuhören, es resultieren 30 dB. Im direkten Vergleich zu meist sehr offen gehaltenen SFF-Gehäusen kann die Dämmung des Define 7 hier also einiges bewirken. Die gemessenen Werte entsprechen immerhin einer Reduzierung um circa 3 dB. Die Lautstärke des Systems befindet sich im Idle sowie auch im Office-Betrieb oder in YouTube im nicht störenden Bereich. Die Gehäuselüfter hört man nicht.

Unter Last hingegen, gleich ob synthetisch oder in Spielen, übertönt die Grafikkarte mit bis zu knapp 39 dB die restliche Hardware deutlich. Auch in diesem Fall wirkt die Dämmung des Gehäuses dem Lärm der Grafikkarte entgegen und reduziert die Lautstärke abermals um circa 3 dB.

Lautstärke
Einheit: dB(A)
  • Maximalwerte:
    • Idle
      30,0
    • Office/YouTube
      30,0
    • Prime95+FurMark
      38,0
    • Spiele (Shadow of the Tomb Raider)
      38,7
  • Durchschnittswerte:
    • Idle
      30,0
    • Office/YouTube
      30,0
    • Prime95+FurMark
      36,5
    • Spiele (Shadow of the Tomb Raider)
      38,0

Fazit

Fractal Design ist mit dem Define 7 erneut ein Gehäuse gelungen, das sehr wenige Wünsche offen lässt, wenn man sich mit den Genen der Define-Serie grundsätzlich zufrieden gibt. RGB-Leuchteffekte oder ein rigides Metallchassis, wie es ein Phanteks Evolve (X) bietet, sollten also nicht auf dem Wunschzettel stehen. Dafür gibt es beim Define 7 alte Tugenden der Serie: Schlichtheit, Vielseitigkeit, Laufruhe.

Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend, die Modularität des Gehäuses sucht ihresgleichen. Der Hersteller hat an viele kleine Details gedacht, die den Anwendern das Leben leichter machen werden. Der Einbau neuer Hardware geht leicht von der Hand, anstatt zu frustrieren.

Doch auch in der siebten Revision ist das Gehäuse nicht über jede Kritik erhaben. Die hohe Modularität erkauft sich Fractal Design beispielsweise mit einem fast schon verschwenderischen Umgang mit Platz: Für einen Midi-Tower ist das Define 7 sehr groß. Auch müssen viele interessante Erweiterungen wie extra Laufwerkschächte oder ein zweites Seitenteil aus Glas, falls dies gewünscht ist, nachgekauft werden. Das treibt den Preis eines voll bestückten Define 7 schnell in Richtung 300 Euro.

Das schwarze Testmuster mit dunklem Seitenfenster und geschlossenem Cover
Das schwarze Testmuster mit dunklem Seitenfenster und geschlossenem Cover

Einen weiteren Kritikpunkt leistet sich das Define 7 bei der Lüftersteuerung. Ein Großteil der Lüfter setzt inzwischen auf die Steuerung mittels PWM (4-Pin-Stecker), davon werden allerdings nur drei Lüfter unterstützt. Das zwingt den Kunden, andere Anschlüsse am Mainboard oder Splitter zu verwenden, was den Vorteil einer integrierten Lüftersteuerung schnell zunichte macht.

Auch ist der Preis der günstigsten Version im Vergleich zur günstigsten Version des Define R6 von 129,99 Euro auf 164,99 Euro UVP angestiegen, das entspricht einer Steigerung von 35 Euro oder knapp 27 Prozent. Weil das Echtglas-Seitenfenster nur noch 10 Euro statt vormals 20 Euro mehr kostet, schrumpft der Aufpreis in diesem Fall auf 25 Euro zusammen. Und wird auch noch berücksichtigt, dass das R6 mit USB Typ C 10 Euro teurer als die Standardversion war, sind es am Ende 15 Euro Aufpreis.

Schlicht heißt Anfang 2020 indes nicht, dass der Kunde keine Auswahl hat: Das Gehäuse erscheint in insgesamt zwölf Farb- und/oder Größenvarianten, in denen sich die meisten Nutzer schlichter Midi-Tower wiederfinden werden. Die Preisspanne reicht von 164,99 bis 219,99 Euro.

Alle Varianten des Fractal Design Define 7 (XL) im Überblick
Gehäuse Farbe außen Farbe innen Glasfenster Preis (UVP in Euro)
Define 7 Black Solid Schwarz Schwarz nein 164,99
Define 7 Black TG Light Tint Schwarz Schwarz ja, hell 174,99
Define 7 Black TG Dark Tint Schwarz Schwarz ja, dunkel 174,99
Define 7 Black/White Solid Schwarz Weiß nein 164,99
Define 7 Black/White TG Clear Tint Schwarz Weiß ja, hell 174,99
Define 7 White Solid Weiß Weiß nein 164,99
Define 7 White TG Clear Tint Weiß Weiß ja, hell 174,99
Define 7 Gray Solid Grau Grau nein 164,99
Define 7 Gray TG Light Tint Grau Grau ja, hell 174,99
Define 7 XL Black Solid Schwarz Schwarz nein 209,99
Define 7 XL Black TG Light Tint Schwarz Schwarz ja, hell 219,99
Define 7 XL Black TG Dark Tint Schwarz Schwarz ja, dunkel 219,99

In Summe ist auch das Fractal Define 7 ein sehr gutes Gehäuse, das ganz bewusst keine Experimente wagt. Damit fällt es immer deutlicher aus der Zeit, doch in diesem Fall ist das so gewollt. Aufpassen müssen die Schweden allerdings beim Preis: Je höher der Preis, desto eher blicken Interessenten auch nach links und rechts und dort locken für etwas unter 200 Euro sehr viele Konkurrenten zwar nicht mit denselben, aber anderen Tugenden – der ein oder andere Interessent könnte da doch schwach werden. Auch weil das Define 7 eben nicht ohne Makel ist.

ComputerBase wurde das Define 7 von Fractal Design leihweise zum Testen unter NDA zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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