Snapdragon X60: Qualcomms 5-nm-Modem unterstützt 5G-Telefonie

Nicolas La Rocco
22 Kommentare
Snapdragon X60: Qualcomms 5-nm-Modem unterstützt 5G-Telefonie
Bild: Qualcomm

Das Snapdragon X60 läutet bei Qualcomm die dritte Generation der 5G-Modems ein und soll 2021 als Nachfolger des Snapdragon X55 an den Start gehen. Wesentliche Neuerungen sind die Unterstützung der Aggregation von Sub-6 mit mmWave und das Telefonieren über 5G. Ein kleineres mmWave-Antennenmodul ist ebenfalls neu.

Während erste Smartphones mit Snapdragon-X55-Modem dieser Tage zum Beispiel in Form des US-Modells des Samsung Galaxy S20 auf den Markt kommen, bereitet Qualcomm die Markteinführung des Nachfolgers Snapdragon X60 für das kommende Jahr vor. Im Laufe des ersten Quartals dieses Jahres will Qualcomm Muster des Snapdragon X60 ausliefern, den Einsatz in Endgeräten stellt das Unternehmen für Anfang 2021 in Aussicht. Das Snapdragon X60 wird in 5 nm gefertigt, wenngleich der Fertiger – Samsung oder TSMC – noch nicht bekannt ist. Das Snapdragon X55 wird in 7 nm bei TSMC hergestellt. Mit beiden Fertigern hat Qualcomm langjährige Verträge.

Auf Nachfrage seitens ComputerBase erklärte Qualcomm, dass das Baseband des gesamten Modem-RF-Systems in 5 nm gefertigt werde und dass dies zu einer Reduzierung der Größe des Dies und einer höheren Energieeffizienz geführt habe. Konkrete Zahlen hält Qualcomm angesichts der erst in einem Jahr erwarteten Markteinführung noch unter Verschluss.

Sub-6-GHz-Bereich mit mmWave bündeln

Zu den Neuerungen des 5G-Modems zählt die Aggregation von Spektrum im Sub-6-GHz-Bereich mit Spektrum über mmWave. So lassen sich die Datenkanäle aus dem Low-Band (600 MHz bis 2 GHz) und Mid-Band (2 GHz bis 6 GHz) mit den Datenkanälen im Frequenzbereich oberhalb von 24 GHz für höhere Geschwindigkeiten und eine breite Netzabdeckung koppeln. Zusätzlich ist die Carrier Aggregation nur im Sub-6-GHz-Bereich über FDD und TDD hinweg möglich. In Deutschland kommt derzeit ausschließlich Sub-6 zum Einsatz.

Telefonieren über 5G

Das Snapdragon X60 ist Qualcomms erstes 5G-Modem mit Unterstützung für Voice over New Radio (VoNR), sodass damit neben der Datenverbindung das Telefonieren über den neuen Mobilfunkstandard 5G möglich ist. Die Einführung von VoNR ist vergleichbar mit der von VoLTE bei 4G, das im Anfangsstadium ebenfalls erst einmal ein reiner Datenkanal war, während die Telefonie noch über 3G und 2G abgewickelt wurde.

Snapdragon X60 führt erstmals VoNR ein
Snapdragon X60 führt erstmals VoNR ein (Bild: Qualcomm)

Mit der Unterstützung von VoNR, das im aktuellen 3GPP Release 15 standardisiert wurde, bereitet sich Qualcomm auf die Einführung von 5G Standalone vor, die mit dem 3GPP Release 16 erfolgen soll. Bei 5G Standalone können in der Theorie alle derzeit mit 2G, 3G und 4G angebotenen Dienste vollständig über 5G abgewickelt werden, sodass die alten Netze abgeschaltet werden könnten. In der Praxis wird vor allem LTE noch längere Zeit neben 5G existieren, während 2G und 3G früher verschwinden dürften.

Kleineres Antennenmodul für mmWave

Parallel zum Snapdragon X60 hat Qualcomm ein neues mmWave-Antennenmodul vorgestellt, das erneut kompakter baut und damit eine der größten Herausforderungen der mmWave-Technik angehen soll. Bei mmWave müssen mehrere Antennenmodule im Smartphone verbaut werden, um zu verhindern, dass beim Umgreifen des Telefons das Signal blockiert wird. Der Frequenzbereich oberhalb von 24 GHz reagiert empfindlich auf Verdeckung, sodass von den Antennenmodulen drei, besser noch vier verbaut werden müssen. Das wiederum führt selbst in größer werdenden Smartphones zu Platzproblemen, wie es zum Beispiel der Verzicht auf mmWave im kleinsten der drei neuen Galaxy S20 (Hands-On) zeigt. Diese Problematik will Qualcomm mit dem QTM535 angehen, das schmaler konstruiert wurde.

Das QTM535 baut kompakter als das QTM525
Das QTM535 baut kompakter als das QTM525 (Bild: Qualcomm)

Das QTM535-Antennenmodul bringt den dritten Shrink bei Qualcomms mmWave-Lösungen, nachdem die erste Generation QTM052 im Sommer 2018 vorgestellt, im Herbst desselben Jahres verkleinert und im Frühjahr 2019 schließlich durch das noch kleinere QTM525 abgelöst wurde. Die vierte Generation QTM535 baut nochmals kompakter, wenngleich genaue Zahlen im Vergleich zum QTM525 noch nicht vorliegen. Ein von Qualcomm zur Verfügung gestelltes Vergleichsbild ist nicht maßstabsgetreu.

Samples des QTM535 sollen wie beim Snapdragon X60 im ersten Quartal dieses Jahres ausgeliefert werden, der Einsatz in Smartphones ist für Anfang 2021 geplant.

Update 18.02.2020 15:22 Uhr

Einem Bericht von Reuters zufolge soll die 5-nm-Fertigung des Snapdragon X60 zwischen Samsung und TSMC aufgeteilt werden.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.