Grafikkarten-Benchmarks: AMD und Nvidia in 12 beliebten Online-Spielen im Vergleich

Wolfgang Andermahr
101 Kommentare
Grafikkarten-Benchmarks: AMD und Nvidia in 12 beliebten Online-Spielen im Vergleich
Bild: Valve

tl;dr: Über zwei Monate hatte ComputerBase Grafikkarten und iGPUs von AMD, Nvidia und Intel in beliebten Online-Spielen im Vergleich. Sowohl High-End- als auch Einsteiger- sowie ältere Modelle nahmen an den Benchmarks teil. Dieser Artikel liefert eine Zusammenfassung der Benchmark-Test-Serie.

Das große Finale

Zwei Monate lang hat ComputerBase zuletzt einen beliebten Online-Multiplayer-Titel nach dem anderen im Benchmark gehabt. In den elf Spielen wurden je 29 Grafikkarten sowie 5 in Prozessoren integrierte GPUs in zwei verschiedenen Qualitätseinstellungen getestet. Folgende Artikel sind im Rahmen dieser Serie erschienen:

Dieser Artikel ist der letzte Teil der Serie und liefert eine Zusammenfassung. Sein Ziel ist es, einen Überblick über die zahlreichen Messwerte zu geben und zu zeigen, wie sich die Grafikkarten unter diesem für ComputerBase doch eher untypischen Umfeld schlagen. Basis sind Performance-Ratings, also Durchschnittsbetrachtungen über alle getesteten Titel. Und auch ein Vergleich zu den klassischen AAA-Spielen steht an.

Erstmals dabei: League of Legends

Die Redaktion hat immer von zwölf Spielen gesprochen, bis jetzt aber nur deren elf getestet. Das zwölfte im Bunde ist League of Legends, das eine Sonderrolle einnimmt. Der Grund: Das Spiel hat so geringe Anforderungen, dass es schlicht kaum aktuelle Hardware gibt, mit der man aus dem CPU-Limit herauskommt. Deshalb erreichen die meisten 3D-Beschleuniger dieselbe Leistung, was nicht nur einen Einzeltest wenig sinnvoll macht, sondern auch die Zusammenfassung negativ beeinflussen würde. Deshalb wird LoL aus den Ratings herausgenommen und stattdessen werden die Messwerte in diesem Artikel kurz gesondert behandelt.

Die AMD- und Nvidia-Grafikkarten im Test

Bei den getesteten 29 Grafikkarten handelt es sich um 13 3D-Beschleuniger von AMD und um 16 von Nvidia. Darüber hinaus sind drei APUs von AMD vertreten und auch zwei CPUs von Intel, die jeweils die integrierten Grafikeinheiten für die Benchmarks bemühen müssen. Zudem gibt es Tests mit einer sehr preiswerten CPU, die jeweils mit einer günstigen Radeon oder GeForce zeigen muss, ob solch ein Doppelgespann gegenüber einer teureren APU lohnenswert ist.

Grafikkarten von Nvidia Grafikkarten von AMD iGPUs von AMD und Intel
Nvidia GeForce RTX 2080 Ti
Nvidia GeForce RTX 2080 Super
Nvidia GeForce RTX 2070 Super
Nvidia GeForce RTX 2060 Super
Nvidia GeForce RTX 2060
Nvidia GeForce GTX 1660 Super
Nvidia GeForce GTX 1650 Super
Nvidia GeForce GTX 1650
Nvidia GeForce GTX 1080 Ti
Nvidia GeForce GTX 1080
Nvidia GeForce GTX 1070
Nvidia GeForce GTX 1060
Nvidia GeForce GTX 1050 Ti
Nvidia GeForce GTX 1050
Nvidia GeForce GT 1030 GDDR5
Nvidia GeForce GTX 970
AMD Radeon RX 5700 XT
AMD Radeon RX 5700
AMD Radeon RX 5600 XT
AMD Radeon RX 5500 XT 8 GB
AMD Radeon VII
AMD Radeon RX Vega 64
AMD Radeon RX Vega 56
AMD Radeon RX 590
AMD Radeon RX 580
AMD Radeon RX 570
AMD Radeon RX 560
AMD Radeon RX 550
AMD Radeon R9 390
AMD Ryzen 5 3400G
(Vega 11)

AMD Ryzen 3 2200G
(Vega 8)

AMD Athlon 3000G
(Vega 3)

Intel Core i3-9100
(UHD Graphics 630)

Intel Pentium Gold G5400
(UHD Graphics 610)

Alle GeForce- und Radeon-Grafikkarten halten sich an die Referenzvorgaben, übertaktete Modelle für mehr Performance nehmen nicht an dem Vergleich teil. Wie viel schneller sie sind, verraten die vielen Grafikkarten-Tests oder die Grafikkarten-Rangliste auf ComputerBase.

Als Testsystem halten ein AMD Ryzen 7 3700X und das MSI MEG X570 Godlike mit dem gleichnamigen X570-Chipsatz her. 16 Gigabyte Arbeitsspeicher (2 × 8 GB, DDR4-3200-14-14-14-32-1T, Single Rank) stehen dem System zur Verfügung. Windows 10 1909 mitsamt sämtlichen Updates ist aufgespielt. Alle Details zu den genauen Qualitätseinstellungen lassen sich in den einzelnen Artikeln spielespezifisch im Detail nachschlagen.

Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Full HD mit Einsteiger-Grafikkarten & iGPUs

Wie die Testergebnisse zeigen, schaffen es die schnellsten, in Prozessoren integrierten GPUs noch nicht ganz, an diskrete Grafikkarten heranzukommen. So sind die im Durchschnitt absolut gleich schnellen GeForce GT 1030 GDDR5 und Radeon RX 550 immer noch 16 (FPS) beziehungsweise 25 Prozent flotter als die Radeon Vega 11 im Ryzen 5 3400G. Allerdings ist die Chance hoch, dass AMDs zukünftige Desktop-APUs auf Basis von Renoir diese Lücke schließen werden. Darauf deutet zumindest der erste Test der iGPU im Ryzen 9 4900HS hin. Absolut chancenlos sind dagegen Intels integrierte GPUs für den Desktop-Markt. Der Core i3-9100 mit der Graphics UHD 630 ist selbst dem Athlon 3000G mit der langsamen Radeon Vega 3 um 24 Prozent unterlegen.

Eine günstige CPU in Verbindung mit einer Grafikkarte lohnt sich nicht

Falls Anfang 2020 immer noch jemand mit dem Gedanken spielt, den günstigen Athlon 3000G mit einer GeForce GT 1030 oder einer Radeon RX 550 zu kombinieren, um so den Ryzen 5 3400G zu schlagen, kann das Unterfangen gleich wieder begraben. Auch wenn die diskreten Grafikkarten ein gutes Stück schneller als die GPU der APU sind, ist offenbar schlicht der Athlon 3000G überfordert, die dafür nötige Rechenleistung zu stellen. Denn während zum Beispiel die Radeon RX 550 in Kombination mit dem Ryzen 7 3700X 25 Prozent flotter als der Ryzen 5 3400G ist, liefert dieselbe Grafikkarte auf dem Athlon 3000G eine 23 (FPS) bis gar 28 Prozent (Frametimes) schlechtere Leistung als der Ryzen 5 3400G.

GeForce GTX 1050 und GeForce GTX 1050 Ti sind klar die schnellsten Grafikkarten der Einsteigerklasse. Die Radeon RX 560 kann in AAA-Spielen und damit auch in den Multiplayer-Titeln nicht mit den Konkurrenzmodellen von Nvidia mithalten. Allerdings kosten die GeForce-Beschleuniger auch ein gutes Stückchen mehr, sodass die drei Produkte nicht wirklich miteinander konkurrieren.

WQHD mit Mittelklasse-Grafikkarten

In der Mittelklasse gibt es mehrere enge Duelle, die schlussendlich Nvidia durchweg für sich entscheiden kann, was sich durch alle Altersklassen zieht. Das fängt bei der GeForce GTX 970 an, die sich ein knappes Prozent vor die Radeon R9 390 setzen kann. Die GeForce GTX 1060 arbeitet dann 4 Prozent schneller als die Radeon RX 580 und die GeForce GTX 1070 liefert 1 Prozent mehr FPS als die Radeon RX Vega 56. Schlussendlich liegt auch die GeForce GTX 1650 Super ein hauchdünnes Prozent vor der Radeon RX 5500 XT. In klassischen AAA-Spielen platzieren sich die AMD-Probanden dagegen genau andersherum durchweg vor den GeForce-Karten.

Bei den Frametimes gibt es minimale Verschiebungen, meistens für AMD, die aber nicht wirklich etwas am Abschneiden ändern. Die Radeon RX Vega 56 liegt dann zum Beispiel zwar vor der GeForce GTX 1070, ist von ihrem gewohnten Niveau aber immer noch ein Stück entfernt.

Ultra HD mit Oberklasse-Grafikkarten

In der Oberklasse zeigt sich ein sehr ähnliches Bild. GeForce-Grafikkarten schneiden in den beliebten Online-Multiplayer-Spielen besser als im AAA-Schnitt ab, die Unterschiede sind hier aber gering. So ist die GeForce RTX 2070 Super nicht 11 Prozent schneller als die Radeon RX 5700 XT, sondern 13 Prozent. Die Radeon RX Vega 64 ist nicht 2 Prozent schneller als die GeForce RTX 2060, sondern gleich schnell.

Damit gibt es auch kaum Verschiebungen. Die Radeon RX 5700 ist immer noch leicht schneller als die GeForce RTX 2060, muss sich der GeForce RTX 2060 Super aber knapp geschlagen geben. Diese wiederum ist langsamer als die Radeon RX 5700 XT. Es zeigt sich: Die Abstände variieren leicht, die Reihenfolge aber nicht.

Nvidia Pascal liegen diese Spiele noch

Für eine Modellreihe gilt diese Beobachtung aber nicht: Nvidias Pascal-Generation. Genau genommen wird Pascal gar nicht schneller, die Architektur verliert anders als in aktuellen AAA-Titeln nur keine Leistung. Denn während AAA-Spiele die Verbesserungen von Turing ausnutzen, tun dies die zum Teil alten Multiplayer-Titel nicht. Darum ist die GeForce GTX 1080 dann plötzlich 9 Prozent schneller als die GeForce RTX 2060, während das Plus in Großproduktionen nur 2 Prozent beträgt.

Benchmarks in Full HD über alle Klassen

Bei den Benchmarks in Full HD über alle Klassen hinweg verschieben sich die Anforderungen an die Grafikkarten. Denn die reine Rechenlast ist für die schnelleren Modelle deutlich geringer als bei den Tests in den höheren Auflösungen. Damit geht es weniger um die reine Rechenleistung, sondern vielmehr darum, die Recheneinheiten dennoch auslasten zu können, und ebenso, wie gut GPU und Treiber mit einem steigenden CPU-Limit zurechtkommen.

Und das schafft nicht jeder Kandidat gleich gut. Die größten Probleme hat dabei die Radeon VII. Diese liegt in 3.840 × 2.160 bei reduzierten Details noch 8 Prozent vor der Radeon RX 5700 XT, in 1.920 × 1.080 bei maximalen Details fängt sich die Radeon VII dann aber einen Rückstand von 4 Prozent ein.

Das passiert aber nicht nur der Radeon VII. Während AMDs und Nvidias neue Architekturen RDNA und Turing auch in Full HD gut zurechtkommen, gilt das nicht für AMDs ältere Technik GCN. Auch Radeon RX 580 und Radeon RX 590 sind davon betroffen, die schnelleren Karten aber mehr. So reicht es in Ultra HD noch zu einem Gleichstand mit der GeForce RTX 2060, in Full HD ist die Nvidia-Karte dann plötzlich 6 Prozent schneller. Nvidias Pascal-Generation fällt zwar ebenso in Full HD etwas zurück, aber nicht so viel wie die Konkurrenzmodelle von AMD.

Bei den Frametimes rückt das gesamte obere Viertel an Grafikkarten deutlich näher zusammen. Die GeForce RTX 2080 Ti bleibt zwar immer noch klar das schnellste Modell, doch schrumpft der Vorsprung aufgrund des größer werdenden CPU-Limits immer enger zusammen. Bereits bei der Framerate ist die GeForce RTX 2080 Ti nur noch 21 Prozent schneller als die GeForce RTX 2070 Super – in Ultra HD bei deutlich höherer GPU-Last sind es 34 Prozent. Bei den Frametimes beträgt das Plus aber nur noch 14 Prozent. Das scheint den Radeons, allen voran Radeon RX 5700 und Radeon RX 5700 XT auf Basis von RDNA, wenig auszumachen. So rückt das schnellere AMD-Modell auf bis zu 4 Prozent an die GeForce RTX 2070 Super heran und kann sich plötzlich um 8 Prozent von der GeForce RTX 2060 absetzen. Bei den FPS liegen die Abstände noch bei 10 und 2 Prozent.

Der direkte Vergleich: AAA- vs. Multiplayer-Performance

In dem Artikel spielt der Vergleich der Performance in AAA- und beliebten Online-Multiplayer-Spielen eine große Rolle. Bis jetzt gab es aber noch kein Diagramm und keine Tabelle zu sehen, die diesen direkten Vergleich zeigen. Folgende Tabelle holt das nun nach und bildet die Oberklasse sowohl in Full HD als auch in höheren Auflösungen im direkten Vergleich ab.

AAA-Rating
WQHD
Multiplayer-Rating
UHD
AAA-Rating
FHD
Multiplayer-Rating
FHD
GeForce RTX 2080 Ti 183 % 181 % 170 % 153 %
GeForce RTX 2080 Super 156 % 152 % 149 % 137 %
GeForce RTX 2070 Super 139 % 135 % 133 % 126 %
GeForce GTX 1080 Ti 135 % 140 % 130 % 127 %
Radeon VII 130 % 128 % 123 % 110 %
Radeon RX 5700 XT 125 % 119 % 122 % 115 %
GeForce RTX 2060 Super 116 % 116 % 113 % 112 %
Radeon RX 5700 112 % 105 % 109 % 104 %
GeForce GTX 1080 102 % 109 % 102 % 105 %
Radeon RX Vega 64 102 % 100 % 101 % 94 %
GeForce RTX 2060 100 % 100 % 100 % 100 %
Radeon RX 5600 XT 97 % 92 % 96 % 91 %

Und was ist mit League of Legends?

Außen vor geblieben in den Benchmarks ist bis jetzt der meistgespielte Titel im Vergleich: League of Legends. Und das liegt schlicht daran, dass das Spiel quasi keine GPU benötigt, da entweder die CPU oder – vermutlich eher – die Spiel-Engine zu früh limitiert. Selbst integrierte Grafikeinheiten schaffen es teilweise, bei maximalen Details 100 FPS oder nur etwas weniger zu stemmen. Für einen alleinigen Artikel wäre das aber wenig spannend, da die meisten Produkte genau gleich schnell wären. LoL findet entsprechend keine Betrachtung in den Ratings. Für einen Kurzauftritt in der Zusammenfassung reicht es aber allemal.

Am Testsystem oder dem Testverfahren hat sich nichts geändert. Auch die Treiber sind gleich geblieben, wobei es sich im Falle von LoL um den Adrenalin 19.12.3, den GeForce 441.87 oder den 26.20.100.7584 (Intel) handelt. Als Testsequenz wurde ein Replay benutzt, da nur dieses sowohl reproduzierbare als auch verhältnismäßig fordernde Szenen auf den Bildschirm zaubert.

Schlussworte

Schlussendlich lässt sich sagen, dass moderne Grafikkarten in den getesteten, äußerst beliebten Online-Multiplayer-Spielen sehr ähnlich abschneiden wie in den AAA-Produktionen. GeForce-Beschleuniger arbeiten im Vergleich wenige Prozentpunkte schneller, die Unterschiede sind aber gering. Die einzige positive Ausnahme ist Nvidias alte Pascal-Generation: Den GeForce-GTX-1000-Modellen scheinen die etwas unterschiedlichen Anforderungen gut zu schmecken. Die gesamte Produktpalette schneidet besser als gewohnt ab.

In den einzelnen Spielen kann es dann aber doch mal größere Unterschiede geben. Meist in der Form, dass entweder Radeon- oder GeForce-Grafikkarten deutlich schneller als die Konkurrenzmodelle arbeiten. Oder gelegentlich auch, dass AMDs alte GCN-Generation verhältnismäßig weit zurückfällt.

Für denjenigen, der explizit „nur das eine Spiel“ spielt, kann es daher sinnvoll sein, eine bestimmte Grafikkarte zu kaufen, die vielleicht nur in dem Spiel schnell ist. Wer dagegen mehrere Titel nutzt, kann bedenkenlos den ermittelten Schnitt in den Benchmarks nutzen. Und das Gute dabei: Wer da solide abschneidet, ist auch in großen AAA-Produktionen ähnlich schnell.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung durch ComputerBase Pro und deaktivierte Werbeblocker. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.