AMD Ryzen 9 4900HS iGPU im Test: Renoir mit 35 Watt gegen Picasso mit 65 Watt in Spielen

Volker Rißka
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AMD Ryzen 9 4900HS iGPU im Test: Renoir mit 35 Watt gegen Picasso mit 65 Watt in Spielen
Bild: AMD

tl;dr: Obwohl die integrierte Grafikeinheit der mobilen Ryzen 4000 „Renoir“ weiterhin auf Vega und maximal sogar weniger Shader setzt, legt die Leistung deutlich zu. Und das gilt nicht nur im Vergleich des Ryzen 9 4900HS mit 35 Watt TDP zu alten U-Modellen mit 15 Watt, sondern auch zu Picasso mit 65 Watt für AM4.

Im ersten Test des Ryzen 9 4900HS zum Wochenanfang konnte die iGPU zusammen mit den acht Zen-2-Kernen bereits über 60 Prozent mehr Leistung gegenüber einem Ryzen 7 3700U mit 25 Prozent mehr Shadern (604 statt 512) zeigen, die TDP der U-CPU lag mit 15 Watt allerdings deutlich niedriger. Unbestritten profitiert Renoir von der neuen 7-nm-Fertigung, den Zen-2-Kernen und dem schneller angebundenen Arbeitsspeicher. Aber die mehr als doppelt so hohe TDP hat das Bild verzerrt.

Renoir mit 35 Watt gegen Picasso mit 65 Watt

Zum Wochenausklang liefert die Redaktion deshalb noch die Antwort auf die Frage „Wie schlägt sich der Neuling gegen 65-Watt-Desktop-CPUs?“ nach. ComputerBase hat dafür vier Spiele ausgewählt, die aus der seit Wochen laufenden, zwölfteiligen Benchmark-Test-Serie stammen und sich von Homeoffice zu Homeoffice gut übergeben ließen: Counter-Strike: GO, Destiny 2, Fortnite und Overwatch. Da in diesen Artikeln bereits explizite Einstellungen für iGPUs genutzt und aktuelle Desktop-APUs vom Typ Picasso mit 65 Watt TDP getestet wurden, bildet die Serie eine perfekte Basis für die Beantwortung der Frage.

Für den Test wollte ComputerBase ursprünglich auf den neuesten AMD Adrenalin 20.4.1 (Download) setzen, der kann mit Renoir aber noch nicht umgehen. AMD hat dafür in dieser Woche noch einen zusätzlichen Grafikkartentreiber veröffentlicht, der explizit für die neuen Ryzen 4000 aus dem mobilen Bereich ist.

Spezialtreiber für Renoir auf aktuellem Stand
Spezialtreiber für Renoir auf aktuellem Stand

Im ROG Zephyrus G14 ist bei 512 MB Schluss

Eine klare Einschränkung, die auf dem Screenshot des Treibers bereits ersichtlich wird, gab und gibt es bei der Auswertung der Benchmarks allerdings noch zu bedenken: Das Testgerät war nach wie vor das von AMD bereitgestellte Asus Zephyrus G14, das neben dem AMD Ryzen 9 4900HS eine Nvidia GeForce RTX 2060 Max-Q besitzt. Diese kann deaktiviert werden, dann arbeitet nur noch die integrierte Grafik. Allerdings werden ihr im konkreten Fall immer nur 512 MByte Speicher des 16 GByte großen DDR4-3200-RAM in Dual-Channel-Konfiguration zur Verfügung gestellt. Er passt sich nicht dynamisch an, wie es vor einigen Tagen noch vermutet wurde. Inwiefern das die Entscheidung des OEMs oder seitens AMD ist, konnte noch nicht geklärt werden. Bisher ließen sich APUs auf bis zu 2.048 MB einstellen. Das dürfte auch weiterhin der Fall, bei einem Notebook mit dedizierter GPU aber in der Regel nicht vonnöten sein.

512 MB Grafikspeicher sind wenig, auch in den getesteten Anwendungen. Fortnite zum Beispiel reichte der Speicher absolut nicht aus, es wurden die Bäume „ausgeblendet“ und somit das Ergebnis definitiv verzerrt. Die anderen Benchmarks zeigten keine sichtbaren Einschnitte, das Testergebnis könnte aber trotzdem durchaus noch in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Fortnite stört sich am zu geringen Grafikspeicher
Fortnite stört sich am zu geringen Grafikspeicher

Notebooks, die nur mit einer AMD-APU ohne zusätzliche diskrete GPU ausgerüstet sind, dürften wie bisher die Option auf die Anpassung des genutzten Videospeichers bieten – meistens ist dies im BIOS möglich. Die im Vergleich enthaltenen Desktop-APUs von AMD (3400G, 2200G, 3000G) wurden beispielsweise mit stets festgelegten 1.024 MByte vermessen.

Die Einstellungen der APUs im Vergleich
Prozessor Grafikeinheit Shader Takt Speicher (eingestellt) TDP
AMD Ryzen 9 4900HS Vega8 512 Shader max. 1.750 MHz max. 512 MByte VRAM 35 Watt
AMD Ryzen 5 3400G Vega11 704 Shader max. 1.400 MHz max. 1024 MByte VRAM 65 Watt
AMD Ryzen 3 2200G Vega8 512 Shader max. 1.100 MHz max. 1024 MByte VRAM 65 Watt
AMD Athlon 3000G Vega3 192 Shader max. 1.100 MHz max. 1024 MByte VRAM 65 Watt

Fortnite ist aus besagten Gründen nicht mehr in den nachfolgenden Benchmarks enthalten, aber auch Counter-Strike: GO, Destiny 2 und Overwatch reichen aus, um das positive Bild der Leistungsfähigkeit der Renoir-iGPU bei 35 Watt TDP zu untermauern.

Bis zu 18 Prozent schneller als ein AMD Ryzen 3400G mit Vega11 ist der AMD Ryzen 9 4900HS mit Vega8-Grafikeinheit – und das trotz 35 Watt gegen 65 Watt TDP. Gegenüber der Vega8 im Ryzen 3 2200G liegt der Vorsprung bei bis zu 50 Prozent bei gleichem TDP-Gefälle.

Diese Erkenntnisse stützen die Betrachtung des ersten Tests, die der neuen Generation eine deutliche Leistungssteigerung bescheinigen können. Denn bei annähernd halber TDP noch viel mehr Leistung zu bieten, setzt in puncto Effizienz einen ganz neuen Maßstab bei AMD. Wie viel Einfluss darauf die iGPU, der schnellere RAM, Zen 2 oder der Aufbau von Renoir im Einzelnen hat, lässt sich anhand der bisher erhobenen Daten dabei noch nicht feststellen.

Das Ergebnis ist hingegen klar: Casual Gaming auf integrierten GPUs wird damit zunehmend salonfähig und Renoir macht weitere aktuelle kleine diskrete Grafikkarten obsolet: Radeon RX 550 und GeForce GT 1030 bieten selbst mit schneller Desktop-CPU nicht immer mehr Leistung in Spielen.

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