Honor Magic Earbuds im Test: Effektives ANC, aber Schwächen beim Klang

Frank Hüber 13 Kommentare
Honor Magic Earbuds im Test: Effektives ANC, aber Schwächen beim Klang

tl;dr: Die Honor Magic Earbuds bieten ein sehr effektives ANC mit nur leichtem Rauschen, weisen aber bei Akkulaufzeit, Bedienung und Klang zu viele Schwächen auf, um insgesamt zu überzeugen. Für iOS fehlt zudem weiterhin eine App zur Anpassung und für Updates.

Mit den Magic Earbuds bringt Honor kabellose In-Ear-Kopfhörer auf den Markt, die über eine aktive Geräuschunterdrückung verfügen. Wie die neuen Huawei FreeBuds 3i und anders als die Huawei FreeBuds 3 (Test) der Markenmutter verfügen sie über Silikon-Ohreinsätze, um den Träger besser von Außengeräuschen zu isolieren. Beim Design sind sie allerdings nicht nur deutlich kantiger als die AirPods Pro, sondern der Stift, der aus den Ohren ragt, ist auch deutlich länger.

Die Magic Earbuds sind in den Farben „Pearl White“ und „Robin Egg Blue“ seit April 2020 für 99 Euro (UVP) erhältlich – ursprünglich hatte Honor sie für 129 Euro angekündigt. Der Hersteller liefert die Magic Earbuds mit vier unterschiedlich großen, oval geformten Silikon-Passstücken aus. Zusätzlich liegen den In-Ears ein USB-A-auf-USB-C-Ladekabel und das Ladecase bei. Die Verarbeitung der Ohrhörer ist gut, weist aber minimale Kanten an den Verbindungsstellen auf. Haptisch und optisch vermitteln sie eher einen günstigen als einen wertigen Eindruck.

Honor Magic Earbuds
Honor Magic Earbuds
Honor Magic Earbuds
Honor Magic Earbuds

Technische Daten im Vergleich

Der Akku des Ladecases misst eine Kapazität von 410 mAh und wird über USB-C an der Rückseite geladen. Kabelloses Laden bieten die Magic Earbuds nicht. Der Akku in jedem Ohrhörer hat 37 mAh. Das Ladecase misst 35,4 × 80,7 × 29,2 mm (H × B × T), was es vergleichsweise dick und breit macht. Das Exemplar der Apple AirPods Pro (Test) hat Abmessungen von 60,6 × 45,2 × 21,7 mm, bei den Samsung Galaxy Buds+ (Test) sind es 38,8 × 70,0 × 26,5 mm und bei den Jabra Elite 75t (Test) 36,6 × 62,4 × 27,0 mm. In der Hosentasche trägt das Ladecase der Honor-In-Ears somit etwas auf, passt aber auch dank vieler Rundungen meist noch hinein.

Kurze Akkulaufzeit von weniger als 3 Stunden

Die Akkulaufzeit der Ohrhörer gibt Honor mit bis zu 3,5 Stunden an – bei deaktiviertem ANC wohlgemerkt. Über das Ladecase können sie knapp drei Mal voll aufgeladen werden, so dass weitere 9,5 Stunden zur Verfügung stehen. Die Gesamtlaufzeit beträgt laut Honor 13 Stunden. Selbst die offiziellen Angaben bescheinigen den Ohrhörern somit nur eine Akkulaufzeit, die maximal halb so lang ist wie bei anderen aktuellen kabellosen In-Ear-Kopfhörern. Die Samsung Galaxy Buds+ halten mit einer einzigen Ladung der Ohrhörer 12 Stunden und somit fast genauso lange wie die Honor Magic Earbuds inklusive Ladecase durch. Wird ANC aktiviert, verspricht Honor eine Akkulaufzeit von 3 Stunden.

Im Test hielten die Honor Magic Earbuds bei mittlerer Lautstärke und aktiviertem ANC 2 Stunden und 50 Minuten durch.

TWS-In-Ears und -Earbuds im Vergleich
Honor Magic Earbuds Anker SoundCore Liberty Air 2 Sony WF-1000XM3 Sennheiser Momentum True Wireless 2 Samsung Galaxy Buds+ Bose SoundSport Free Jabra Elite 75t Apple AirPods Pro Apple AirPods (2. Gen.) Huawei FreeBuds 3
Akkulaufzeit Ohrhörer 3,5 h 7 h 8 h 7 h 11 h 5 h 7,5 h 5 h 5 h 4 h
Akkulaufzeit mit Ladecase 13 h 28 h 32 h 28 h 22 h 15 h 28 h 24 h 24 h 20 h
Wireless Charging Nein Ja Nein Ja Nein Ja Nein/Ja Ja
ANC Ja Nein Ja Nein Ja Nein Ja
Bluetooth-Standard 5.0 5.1 5.0 4.1 5.0 5.1 LE
Audio-Codecs SBC, AAC SBC, aptX, AAC SBC, AAC SBC, AAC, aptX, aptX LL SBA, AAC, SSC SBC, AAC SBC, AAC SBC, AAC SBC
USB-Typ USB-C Micro-USB USB-C Lightning USB-C
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase 5,4 g / 51 g 5,0 / 43 g 8,5 / 77 g 6,0 / 58 g 6,3 / 39,6 g 9 / 80 g 5,5 / 35 g 5,5 / 46 g 4 / 40 g 4,5 / 48 g
Zertifizierung Keine IPX5 Keine IPX4 IPX2 IPX4 IP55 IPX4 Keine Keine
Preis 99 Euro 130 Euro* 190 Euro 299 Euro 140 Euro 170 Euro 180 Euro 280 Euro 140 / 170 Euro 145 Euro

Ladecase im Alltag unpraktisch

Jeder Ohrhörer wiegt 5,4 g, das Ladecase wiederum 51 g. In dieser Hinsicht sind die Magic Earbuds somit konkurrenzfähig. Die Ohrhörer werden magnetisch im Ladecase gehalten und fallen auch nicht heraus, wenn es kopfüber gehalten und geschüttelt wird. Die Magnete sorgen zudem dafür, dass die Ohrhörer sicher in ihre Position rutschen und geladen werden. Als sehr unkomfortabel erwies sich im Test jedoch, dass die beiden Exemplare immer gedreht werden müssen, um sie ins Ladecase einzulegen. Nimmt man sie aus dem Ohr, zeigt das Ohrstück des linken Ohrhörers nach rechts, im Ladecase jedoch nach links. Gleiches gilt spiegelverkehrt für den rechten Ohrhörer.

10-mm-Treiber und keine IP-Zertifizierung

Eine IP-Zertifizierung, die den Schutz vor Staub und Wasser bescheinigt, besitzen die Honor Magic Earbuds nicht. Der normale Einsatz mit etwas Schweiß und leichtem Regen sollte den kabellosen In-Ears zwar nichts anhaben, dennoch ist bei starkem Regen Vorsicht geboten.

In den meisten Bereichen hält sich Honor mit genauen technischen Daten zu den Ohrhörern bedeckt. Bekannt ist lediglich, dass Treiber mit einem Durchmesser von 10 mm eingesetzt werden. Angaben zum Frequenzgang fehlen aber beispielsweise gänzlich.

Bluetooth 5.0, AAC und kein Multi-Connect

Die Verbindung zum Smartphone wird über Bluetooth 5.0 hergestellt. Bei den Audio-Codecs wird neben SBC auch AAC geboten. aptX oder gar aptX HD gibt es hingegen nicht. Somit muss auch unter Android auf AAC zurückgegriffen werden.

Multi-Connect, um mehrere Bluetooth-Endgeräte gleichzeitig mit den Ohrhörern zu verbinden und so schnell zwischen diesen wechseln zu können, ohne erst bei einem Bluetooth zu deaktivieren und eine manuelle Verbindung mit einem anderen Gerät aufzubauen, unterstützen die Magic Earbuds nicht.

Drei Mikrofone für ANC

Für die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) setzen die Magic Earbuds auf drei MEMS-Mikrofone, die auch bei der Telefonie Umgebungsgeräusche filtern, damit die Stimme gut verständlich ist. Zwei Mikrofone sind nach außen, eines nach innen gerichtet. Bei der aktiven Geräuschunterdrückung spricht Honor von einer durchschnittlichen Geräuschunterdrückung von 24 dB.

Besondere Funktionen nur mit EMUI 10

Wie schon die Huawei FreeBuds 3 verbinden sich die Magic Earbuds von Honor ebenfalls mit Smartphones, auf denen mindestens EMUI 10.0 oder Magic UI 3.0 genutzt wird, beim Öffnen des Ladecases über einen eigenen Einrichtungsassistenten, wie ihn Apple auch bei den AirPods (Pro) nutzt. Sind die Magic Earbuds gekoppelt und wird in der Nähe des Smartphones das Ladecase geöffnet, wird der Akkuladestand der Ohrhörer und des Ladecases angezeigt. Nutzer eines iPhones können die In-Ears aber ganz gewöhnlich über das Bluetooth-Menü mit dem Smartphone koppeln.

Zur Vorstellung hieß es zudem, dass die Magic Earbuds nur in Verbindung mit einem EMUI-10-Smartphone das automatische Pausieren der Wiedergabe unterstützen, wenn sie aus dem Ohr genommen werden. Dies ist aber nicht der Fall, denn diese Funktion ist auch unter iOS aktiv, ohne dass der Nutzer etwas tun muss. Allerdings setzt sich die Wiedergabe nicht fort, wenn man den Ohrhörer wieder einsetzt. Sie muss dann manuell fortgesetzt werden.

Sehr eingeschränkte, anpassbare Steuerung über Touch

Die Steuerung der Wiedergabe und von Anrufen erfolgt über Touchsensoren in beiden Ohrhörern. Mit normalen Handschuhen ist deshalb keine Bedienung möglich. Die Steuerung kann zudem in der AI-Life-App angepasst werden, die aber weiterhin nicht für iOS, sondern nur für Android verfügbar ist.

Ein Doppeltippen auf einen der beiden Ohrhörer startet oder pausiert die Wiedergabe, wobei dieses Tippen schnell sein muss. Bei zu langsamem Vorgehen funktioniert es nicht. Ein langer Druck auf einen der beiden Ohrhörer aktiviert beziehungsweise deaktiviert hingegen die aktive Geräuschunterdrückung. Das Umschalten wird durch eine Ansage bestätigt. Die Bedienung ist somit sehr eingeschränkt, ein Anpassen der Lautstärke und ein Wechseln des Tracks sind über die Ohrhörer ohne Anpassung nicht möglich. Diese kann wiederum nur mit der AI-Life-App unter Android durchgeführt werden.

Wenige Einstellungen in der App

In der App können zudem nur diese beiden Funktionen, also das zweimalige Tippen und das Halten, neu belegt werden. Das zweimalige Tippen kann dabei jeweils unabhängig voneinander auf beiden Ohrhörern mit den Funktionen „Wiedergabe/Pausieren“, „Nächster Titel“, „Vorheriger Titel“, Sprachassistenten aktivieren“ und „Keine Aktion“ belegt werden. Für „Gedrückt halten“ ist es hingegen nur möglich, „Keine Aktion“ statt ANC zuzuweisen. Eine Steuerung der Lautstärke über die Ohrhörer wird somit verwehrt.

Auto-Pause ohne Auto-Play doch bei allen Smartphones

Das automatische Pausieren der Wiedergabe ist, wie bereits erwähnt, unabhängig vom Betriebssystem des Smartphones nutzbar. Auto-Play gibt es nicht. Hier verhalten sich die Honor Magic Earbuds wie die Anker SoundCore Liberty Air 2 (Test).

Einzelnutzung der Ohrhörer

Wird nur ein Ohrhörer genutzt, was grundsätzlich problemlos möglich ist, fällt ANC logischerweise weg und kann über die Ohrhörer nicht mehr aktiviert oder deaktiviert werden. Ein langes Halten auf dem einzeln genutzten Ohrhörer hat dann keine Funktion mehr. Das automatische Pausieren bleibt auch bei der Einzelnutzung aktiv. Am Doppeltipp auf den Ohrhörer zum Starten und Pausieren der Wiedergabe ändert sich ebenfalls nichts.

App mit wenigen Funktionen

Die AI-Life-App für Android zeigt den Akkuladestand der Ohrhörer und des Ladecases, ermöglicht Fimrware-Updates und erlaubt die eingeschränkte, oben beschriebene Anpassung der Bedienung. Weitere Funktionen stehen nicht bereit. Der Funktionsumfang ist somit äußerst überschaubar. Relevant ist die Anwendung vor allem für etwaige Updates, die reine iOS-Nutzer mangels App aber nicht durchführen können, ohne einen Bekannten um Kopplung, Installation und Aktualisierung zu bitten.

Huawei AI Life App mit Honor Magic Earbuds

Sehr angenehmer Tragekomfort

Die Honor Magic Earbuds bedienen sich ovaler Ohrstücke, wie man sie inzwischen von den Apple AirPods Pro (Test) kennt, die nicht tief in den Gehörgang geschoben werden, um ihn abzudichten, sondern davor für einen Abschluss sorgen. Dies führt dazu, dass sie sich deutlich angenehmer tragen als klassische In-Ear-Kopfhörer, aber trotzdem besser abdichten als etwa Modelle wie Apple AirPods (Test), Razer Hammerhead (Test), Huawei FreeBuds 3 (Test) oder Yobybo Card20 (Test).

Tragekomfort der Honor Magic Earbuds
Tragekomfort der Honor Magic Earbuds

Einen unangenehmen Druck entfalten die Magic Earbuds nicht, zudem sind sie angenehm leicht und auch die Länge der Stifte macht sich beim Tragen nicht negativ bemerkbar. Auf eine Belüftung zum Druckausgleich wie die AirPods Pro verzichtet der Proband von Honor jedoch.

Die Form der Ohrstücke der Ohrhörer ist etwas kleiner als bei den Apple AirPods Pro, weshalb sie in kleineren Ohren besser passen. Körpergeräusche übertragen sich nicht störend auf die Ohrhörer.

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