12 True-Wireless-Kopfhörer im Test: Apple AirPods (2. Gen.)

 2/15
Frank Hüber 182 Kommentare

Mit den AirPods ist Apple Marktführer im Bereich der True Wireless Earbuds. In zweiter Generation hat der Konzern die AirPods im März dieses Jahres nur geringfügig überarbeitet. Neu ist insbesondere der H1-Chip im Inneren, der es ermöglicht, über „Hey Siri“ die Sprachsteuerung des verbundenen iPhones zu nutzen, ohne Kopfhörer oder Smartphone berühren zu müssen, was sich auch zur Musikwiedergabe oder zum Starten von Anrufen nutzen lässt. Eine verbesserte Effizienz des H1-Chips verlängert zudem die Sprechdauer um 50 Prozent auf rund 3 Stunden. Darüber hinaus verspricht Apple durch den neuen Chip eine geringere Latenz der AirPods bei der Musikwiedergabe. Statt Bluetooth 4.2 der ersten Generation kommt außerdem Bluetooth 5.0 zum Einsatz.

Apple verkauft die AirPods mit einem normalen Ladecase für eine unverbindliche Preisempfehlung von 180 Euro und im Set mit einem kabellosen Ladecase für 230 Euro. Im Handel sind beide Versionen 40 bis 50 Euro günstiger erhältlich.

Apple legt den AirPods neben dem Ladecase ein Lightning-Kabel zum Aufladen bei, auch in der Variante mit Wireless-Charging-Case nach Qi-Standard. Weiteres Zubehör gehört nicht zum Lieferumfang. Gummiaufsätze, wie sie etwa Razer bei den Hammerhead trotz ähnlicher Bauform beilegt, hält Apple nicht parat. Die Akkulaufzeit der AirPods liegt mit einer Ladung bei mittlerer Lautstärke laut Hersteller bei rund 5 Stunden, im Test konnten diese auch knapp erreicht werden. Durch das Ladecase verlängert sich die Akkulaufzeit auf ca. 24 Stunden, die AirPods lassen sich also nicht ganz vier Mal darin aufladen. Eine Schnellladefunktion versorgt die Ohrhörer innerhalb von 15 Minuten mit einer Akkulaufzeit für 3 Stunden. Das Ladecase fällt mit 53,5 × 44,3 × 21,3 mm angenehm klein aus und lässt sich durchaus auch in der Hosentasche mitführen.

Möchte man den Ladestand der AirPods überprüfen, kann man das Ladecase direkt neben dem verbundenen iPhone öffnen und auf dem iPhone erscheint ein Overlay mit dem Akkuladestand der Ohrhörer und des Ladecases. Der Akkustand wird auch im Batterie-Widget angezeigt und kann über Siri erfragt werden.

An der Rückseite des Ladecases ist eine kleine Taste, über die manuell die Bluetooth-Kopplung gestartet werden kann, etwa wenn ein weiteres Gerät oder ein Android-Smartphone verbunden werden soll. Zum ersten Koppeln mit dem iPhone muss das Ladecase nur in geringer Entfernung zum iPhone geöffnet werden, woraufhin auf dem iPhone eine Benachrichtigung erscheint und die AirPods verbunden werden können. Wie bei allen Earbuds schalten sich auch die AirPods bei der Entnahme aus dem Ladecase ein und beim Zurücklegen aus.

Die Apple AirPods sind auch in zweiter Generation weder schweiß- noch wasserresistent oder gar wasserdicht. Sie tragen keinerlei IP-Zertifizierung.

Über die Audiofreigabe können iOS-Geräte ab dem iPhone 8 Musik oder andere Audioinhalte auch an zwei AirPods-Paare gleichzeitig übertragen, deren Lautstärke sich unabhängig voneinander steuern lässt.

Apple ermöglicht aber auch die Nutzung nur eines Ohrhörers, wodurch die minimalistischen Steuerungsoptionen nicht eingeschränkt werden, da beide Ohrhörer im Auslieferungszustand identische Funktionen bieten.

Eingeschränkte, minimal anpassbare Steuerung

Die Apple AirPods sind auch in zweiter Generation auf die Nutzung mit einem iPhone von Apple abgestimmt. Nur bei Kopplung mit diesem funktioniert das automatische Pausieren der Musikwiedergabe, wenn einer der beiden Ohrhörer aus dem Ohr genommen wird. Dies funktioniert sowohl mit dem rechten als auch linken Ohrhörer zuverlässig und die Wiedergabe wird fortgesetzt, wenn der Ohrhörer wieder ins Ohr eingesetzt wird. Werden beide AirPods aus den Ohren genommen, hat der Nutzer 15 Sekunden Zeit, sie wieder einzusetzen, damit die Wiedergabe automatisch fortgesetzt wird. Werden diese 15 Sekunden überschritten, muss die Wiedergabe manuell wieder gestartet werden. Apple verbaut für diese Ohrerkennung und für das automatische Aktivieren der Mikrofone und Rauschreduzierung beim Telefonieren gleich mehrere optische Sensoren und Beschleunigungsmesser in den AirPods.

Die einzige weitere Option zur Wiedergabesteuerung im Auslieferungszustand ist das Springen zum nächsten Titel über ein Doppeltippen auf einen der beiden Ohrhörer. Dies startet auch die Musikwiedergabe, wenn man die AirPods aus dem Ladecase entfernt, und nimmt einen eingehenden Anruf entgegen.

Das Ändern der Lautstärke ist nicht direkt über die Ohrhörer möglich, Apple möchte, dass man dies beispielsweise über den Sprachbefehl „Hey Siri, mach' lauter“ steuert, was nicht in jeder Situation angebracht erscheint. Abseits dieser Option ist das Anpassen der Musik nur über das verbundene Smartphone möglich.

Anpassung über die Bluetooth-Einstellung beim iPhone möglich

In den Bluetooth-Einstellungen der AirPods kann über ein iPhone oder iPad die Wiedergabesteuerung geringfügig angepasst werden. Wer nicht dieselbe Belegung für das Doppeltippen für den rechten und linken Ohrhörer möchte, kann hier eine Unterscheidung festlegen. Neben der Standardbelegung „Nächster Titel“ können hier für die beiden Ohrhörer einzeln die Funktionen „Siri“, „Start/Pause“, „Nächster Titel“, „Vorheriger Titel“ und „Deaktiviert“ auswählen. Außerdem kann der Nutzer einstellen, ob die automatische Ohrerkennung genutzt werden soll, bei der das Audiosignal der iPhones beim Einsetzen der AirPods ins Ohr immer an diese weitergeleitet wird.

Über ein iPhone lässt sich unter „Einstellungen > Allgemein > Info > AirPods“ auch die Firmware-Version der AirPods überprüfen, wobei ein Update automatisch im Hintergrund abläuft und sich nicht manuell durchführen lässt. Am 16. Dezember hat Apple die Firmware von Version 2A364 auf 2C54 aktualisiert, ohne die Änderungen zu nennen.

Weniger Funktionen bei der Nutzung mit Android

Mit einem Android-Smartphone verbunden, reduzieren sich die Steuerungsmöglichkeiten der Wiedergabe über die AirPods noch weiter. Das automatische Pausieren, wenn die Ohrhörer aus dem Ohr genommen werden, funktioniert nicht mehr, so dass lediglich ein Doppeltippen auf einen der beiden Ohrhörer einen Track weiter springt bzw. die Wiedergabe startet. Pause, Zurück oder gar eine Steuerung der Lautstärke ist über die Ohrhörer nicht möglich und kann über das Android-Smartphone auch nicht angepasst werden, die Wiedergabesteuerung ist somit sehr eingeschränkt. Auch Firmware-Updates für die AirPods werden über ein Android-Smartphone nicht eingespielt, so dass die AirPods immer auf der Auslieferungsversion verharren.

Positiv ist hierbei lediglich anzumerken, dass Apple die Einstellungen der AirPods auf den Ohrhörern speichert. Wer die AirPods somit nicht mit der normalen Konfiguration nutzen möchte, sondern beispielsweise auch Start/Pause mit Doppeltipp auf einem Ohrhörer belegen möchte, kann die AirPods – gegebenenfalls einmalig – mit einem iPhone verbinden, dort die Einstellungen vornehmen und sie dann mit selbigen an einem Android-Smartphone nutzen. Das automatische Pausieren beim Herausnehmen aus dem Ohr bleibt aber auch dann unter Android verwehrt.

Lockerer, angenehmer Tragekomfort

Da die Apple AirPods nur im Ohr liegen und nicht mit einem Silikon-Aufsatz in den Gehörgang gedrückt werden, wie es Apple bei den AirPods Pro handhabt, sitzen die AirPods vergleichsweise locker im Ohr, bieten aber einen so sicheren Halt, dass sie auch beim Neigen des Kopfes nicht herausfallen. Ihr Sitz ist (subjektiv) minimal besser als der der Huawei FreeBuds 3 und fühlt sich etwas lockerer an als bei den Razer Hammerhead mit Silikonhülle – für die AirPods sind zahlreiche Silikonhüllen, auch mit Ear-Wings, nur von Drittanbietern erhältlich. Wie bei den anderen beiden Vertretern dieser Bauform im Test, entwickeln die AirPods so aber auch nach stundenlangem Musikhören kein Druckgefühl.

Tragekomfort der Apple AirPods
Tragekomfort der Apple AirPods

Ein leichtes Drehen und Drücken kann auch den Halt der AirPods deutlich verbessern, wobei sich dieser festere Halt mit der Zeit wieder etwas im Ohr löst. Auch das Doppeltippen ist ein Garant dafür, diesen festen Halt zunichtezumachen.

Die Abdichtung nach außen ist gering, die Umgebung ist weiterhin wahrnehmbar und bis zur mittleren Lautstärke sind auch parallele Gespräche möglich.

Für die Nutzung während des Sports sind die Apple AirPods somit nur bedingt geeignet. Leichtes Joggen ist wie Fahrradfahren möglich. Sobald die Bewegungen jedoch etwas heftiger und ruckartiger erfolgen, können die AirPods aus dem Ohr fallen.

Guter Klang ohne klare Schwächen oder Stärken

Die Apple AirPods bieten einen guten Klang, der alle Bereiche differenziert abdeckt und bei dem auch Bässe die Mitten und Höhen nicht gnadenlos überdecken. Der Bass kommt trotz der offeneren Bauweise gut zur Geltung, ist aber nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt. Sie sind dabei nicht so warm abgestimmt wie manch anderer Vertreter im Testfeld, sondern besitzen bei den Mitten und Höhen durchaus etwas Härte, was aber auch der Differenzierung und Dynamik zuträglich ist. Einzelne Höhen könnten etwas spitzer und prägnanter wiedergegeben werden,

Für kräftige Bässe ist ein guter Sitz im Ohr wichtig. Als einer der wenigen Kopfhörer schaffen es die AirPods, den Bass in „St. Jude“ von Florence and the Machine auch bei niedriger Lautstärke hörbar wiederzugeben. Wie sich während des Tests herausgestellt hat, ist dies etwas, womit fast alle Earbuds Probleme haben, so dass der Bass frühestens ab mittlerer Lautstärke überhaupt zu hören ist.

Auf der nächsten Seite: Huawei FreeBuds 3