12 True-Wireless-Kopfhörer im Test: Huawei FreeBuds 3

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Frank Hüber 182 Kommentare

Mit den FreeBuds 3 setzt Huawei auf Earbuds mit „Active Noise Cancelling“ (ANC), die in der weißen Variante unweigerlich an Apples AirPods erinnern. Nicht nur das Design ähnelt dabei den Earbuds von Apple, sondern auch Einschränkungen und Funktionen hat Huawei übernommen.

Das Ladecase in Form eines runden Kieselsteines ist angenehm klein und verschwindet leicht in jeder Hosentasche. Trotz der geringen Größe unterstützt Huawei Wireless Charging nach Qi-Standard und liefert weitere 16 Stunden Akkulaufzeit für die beiden Ohrhörer. Wer lieber per Kabel lädt, kann den USB-C-Anschluss nutzen, für den Huawei auch ein passendes Ladekabel beilegt. In dieser Hinsicht hat der Hersteller somit alles richtig gemacht. Die beiden Earbuds liefern im Test eine Akkulaufzeit von knapp dreieinhalb Stunden, wobei zuverlässig der linke Ohrhörer etwas früher leer war als der rechte.

Bluetooth-Chip von HiSilicon

Huaweis FreeBuds 3 nutzen einen von der hauseigenen Chip-Schmiede HiSilicon entwickelten Chip namens Kirin A1, der auch Bluetooth 5.1 LE für die drahtlose Verbindung unterstützt. Dabei wird – nur bei aktuellen Huawei-Smartphones – gleichzeitig eine Verbindung zum rechten und linken Ohrhörer aufgebaut, wie es auch Cambridge Audios Melomania 1, Creatives Outlier Gold und Ankers Liberty 2 Pro handhaben. Dies reduziert die Latenz, da keine Synchronisation zwischen den Ohrhörern selbst mehr stattfindet. Bei anderen Smartphones oder iPhones erfolgen hingegen eine Übertragung und Synchronisation zwischen den Ohrhörern. Auf die Unterstützung von Bluetooth-Codecs wie aptX von Qualcomm oder AAC verzichtet Huawei bei den FreeBuds 3 allerdings vollständig und unterstützt so nur die verlustbehaftete Übertragung mit SBC.

Bei den technischen Daten hält sich Huawei ansonsten eher bedeckt und verrät lediglich, dass die dynamischen Treiber 14,2 mm messen. Eine IP-Zertifizierung weisen die FreeBuds 3 nicht auf, womit auch sie wie die Apple AirPods offiziell weder gegen Schweiß noch Staub oder Wasser geschützt sind.

Huawei AI-Life-App

Das Koppeln mit dem Smartphone erfolgt nach dem Aufklappen der Ladeschale und dem Drücken der seitlichen Taste am Ladecase. Nutzer eines Huawei-Smartphones mit EMUI 10 erhalten automatisch einen Hinweis auf dem Mobilgerät, dass die FreeBuds 3 verbunden werden können. Das Pairing kann unter Android auch über die App „AI Life“ von Huawei vorgenommen werden, die es derzeit noch nicht für iOS gibt. Sie erlaubt nicht nur eine minimale Anpassung der Steuerung, sondern auch der Stärke der aktiven Geräuschunterdrückung, die im Auslieferungszustand auf Mittel eingestellt ist.

Zudem ermöglicht die App ein Aktualisieren der Firmware und zeigt den Ladestatus der Ohrhörer und des Ladecases an. Auf einen Equalizer oder vordefinierte Klangprofile muss man jedoch verzichten.

Steuerung ohne EMUI 10 eingeschränkter

Die Steuerung der Huawei FreeBuds 3 erfolgt über Sensoren in beiden Ohrhörern, die jedoch nicht auf Berührung, sondern Erschütterung reagieren. Wo genau der Nutzer tippt und ob mit oder ohne Handschuhe, spielt deshalb keine Rolle. Die Steuerung selbst fällt im Auslieferungszustand jedoch spartanisch aus. Der linke Ohhörer aktiviert und deaktiviert das ANC per Doppelklick, der rechte Ohrhörer startet auf diese Weise die Musikwiedergabe oder springt während der Wiedergabe zum nächsten Track. Ein Pausieren und Fortsetzen ist ebenso wie eine Steuerung der Lautstärke nicht möglich. iPhone-Nutzer können hieran mangels App derzeit auch nichts ändern. Lediglich Android-Nutzer können in der AI-Life-App minimale Anpassungen vornehmen. Dabei kann allerdings nur der Geste des zweimaligen Tippens eine andere Funktion zugewiesen werden. Ein einfaches oder dreifaches Tippen lässt sich nicht belegen. So ist es lediglich möglich, zwischen den Funktionen „Wiedergeben/Nächster“, „Wiedergeben/Pausieren“, „Sprachassistent aktivieren“, „Rauschunterdrückung aktivieren/deaktivieren“ und „Keine Aktion“ zu wählen. Selbst über die App lässt sich keine Lautstärkeregelung konfigurieren. In dieser Hinsicht sind die FreeBuds 3 zu eingeschränkt und sollten weitere Gesten neben dem Doppeltippen unterstützen, die belegt werden können.

Legt man die FreeBuds 3 ab und schalten sie sich aus, so aktivieren sie sich automatisch wieder, wenn man sie wieder ins Ohr einsetzt.

Erneut exklusiv für aktuelle Huawei-Smartphones mit EMUI 10 ist das automatische Pausieren der Wiedergabe, wenn man die Ohrhörer aus dem Ohr nimmt. Dies funktioniert sowohl mit dem linken als auch rechten Ohrhörer und reagiert sehr zuverlässig und schnell. Dass Huawei die automatische Steuerung anhand der Lage-Erkennung nur auf hauseigenen Smartphones mit EMUI 10 aktiviert, ist ein echtes Manko, ohne das sich die Ohrhörer von anderen Modellen tatsächlich hätten absetzen können. So ist die Steuerung auf iOS- und Android-Smartphones aber sogar noch eingeschränkter als bei anderen In-Ear-Kopfhörern.

Angenehmes Tragegefühl

Die Huawei FreeBuds 3 sitzen vergleichsweise locker im Ohr und bieten so einen schlechteren Halt als die Razer Hammerhead, die eine zusätzliche Silikonhülle bieten, die die Earbuds vor dem Verrutschen schützt. Unangenehm im Ohr sind die FreeBuds 3 mit einem Gewicht von nur etwas über 4 Gramm so aber auch nach stundenlangem Musikhören nicht und fangen nicht an zu drücken. An die Steuerung per Doppeltipp muss man sich dabei allerdings erst ein paar Stunden gewöhnen. Tippt man anfänglich zunächst immer daneben oder verrutschen die Earbuds durch das Tippen zunächst stark, so hat man die Bewegung nach ein paar Stunden verinnerlicht und trifft nicht nur die Seite blind, sondern die Huawei FreeBuds 3 bleiben dann auch bei der Bedienung sicher im Ohr.

Tragekomfort der Huawei FreeBuds 3
Tragekomfort der Huawei FreeBuds 3

Für den Einsatz beim Sport sind die FreeBuds 3 bauartbedingt nur eingeschränkt geeignet. Leichtes Joggen machen sie je nach individuellem Sitz zwar noch mit, sobald man den Kopf aber stärker bewegt oder es etwas holpriger wird, können sie aus dem Ohr fallen.

Guter Klang

Der Klang der Huawei FreeBuds 3 ist angenehm ausgewogen und warm, wobei dem Bass mehr Bedeutung geschenkt wird als den Höhen, dieser aber nicht zu sehr in den Vordergrund rückt. Gerade beim Bass ist aufgrund der Bauform allerdings entscheidend, wie gut und fest die FreeBuds 3 im Ohr sitzen, da der Bass nicht direkt in den Gehörgang wummert wie bei den In-Ears. Auch hohe Stimmen und Klaviermusik werden gut wiedergegeben, wobei Details in den Höhen mitunter von tiefen Frequenzen überdeckt werden.

Active Noise Cancelling rauscht

Durch zweifaches Tippen auf den linken Ohrhörer kann das „Active Noise Cancelling“ der Freebuds 3 ein- und ausgeschaltet werden, wobei eine Sprachansage den jeweiligen Status verkündet. Da die FreeBuds 3 das Ohr nicht vollständig abdichten, können sie auch Außengeräusche nicht vollständig eliminieren. Die Stärke der Geräuschunterdrückung lässt sich erneut nur in der Android-App von Huawei über ein Drehrad anpassen. Normalerweise ist die mittlere Einstellung jedoch eine gute Wahl.

In der Praxis hinterlässt die aktive Geräuschunterdrückung der Huawei FreeBuds 3 ein geteiltes Bild. Einerseits funktioniert sie bei einem monotonen, tiefen Rauschen wie dem Fahrgeräusch überraschend gut, auch wenn sie nicht alle Geräusche ausschaltet. Auf der anderen Seite erzeugt sie ein bei Stille deutlich wahrnehmbares Rauschen, das nur durch die Musikwiedergabe überdeckt werden kann. Trägt man die FreeBuds 3 etwas lockerer im Ohr, bietet es sich beim Einsatz der aktiven Geräuschunterdrückung an, diese etwas fester ins Ohr zu drücken, um den Effekt zu verbessern. ANC reduziert die ohnehin kurze Laufzeit um rund 45 Minuten auf etwas weniger als 3 Stunden.

Bei Wind sollte ANC nicht eingesetzt werden, was aber nicht nur bei den Huawei FreeBuds 3 gilt. Ein Ersatz für gute Over-Ear-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung sind die Huawei FreeBuds 3 nicht, dafür schotten sie nicht genug ab.

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