Huawei MatePad Pro im Test: Ohne Play Store nützt die beste Hardware nichts

Michael Schäfer 154 Kommentare
Huawei MatePad Pro im Test: Ohne Play Store nützt die beste Hardware nichts

tl;dr: Das Huawei MatePad Pro hätte alles gehabt, was es zu einem erfolgreichen Tablet gemacht hätte: ein gutes Display, genügend Leistung und eine solide Verarbeitung. Das Fehlen der Play-Dienste und der Widevine-Level-1-Zertifizierung reißt jedoch ein so großes Loch in die Nutzbarkeit, dass Huawei dies nicht kompensieren kann.

Ein Hinweis direkt zu Anfang: Für den vorliegenden Test wurde ComputerBase seitens Huawei die LTE-Variante des MatePad Pro zur Verfügung gestellt, die in Deutschland, zumindest vorerst, nicht erhältlich sein wird. In den restlichen Spezifikationen entspricht das Tablet jedoch der hierzulande erhältlichen WLAN-Variante, sodass diese von den Unterschieden unberührt bleibt.

Design und Verarbeitung

Das Huawei MatePad Pro mutet auf den ersten Blick trotz aller Schlichtheit – oder vielleicht gerade deswegen – edel an, macht aber ebenso direkt deutlich, dass es sich bei diesem nicht um einen kostengünstigen Vertreter seiner Zunft handelt. Mit einer Dicke von 7,2 mm ist das Tablet nicht das dünnste jemals veröffentlichte seiner Art, dafür aber dick genug, um das Gewicht von 460 g bequem und sicher auch über einen längeren Zeitraum halten zu können. Das aus Aluminium gefertigte und mit einer Fieberglas-Rückseite versehene Gehäuse erweist sich dabei als sehr stabil, selbst bei großer Krafteinwirkung gibt das in „Midnight Grey“ vorliegende Tablet keinen Mucks von sich. Probleme könnte es hingegen mit der glatten Rückseite geben, eine etwas rauere Ausführung hätte an dieser Stelle für mehr Griffigkeit gesorgt.

Huawei MatePad Pro im Test
Huawei MatePad Pro im Test

Zwei Varianten für Deutschland

Auch die restliche Verarbeitung wird dem nicht gerade niedrigen UVP von 649 Euro für die Variante mit 8 GByte RAM und 256 GByte internem Speicher (die kleinere Ausführung mit 6 GByte und 128 GByte ist bereits für 549 Euro erhältlich) gerecht. Die Spaltmaße sind gering, womit das MatePad Pro wie aus einem Guss gefertigt wirkt. Die – hochkant gehalten – in der rechten Ecke angebrachten haptischen Bedienelemente für Aktivierung und Regelung der Lautstärke besitzen gute Druckpunkte, könnten in der Preisklasse aber ruhig etwas fester sitzen. Auffällig sind zudem die vier an den kurzen Seiten sitzenden Lautsprecher von Harman Kardon, die für die nötige klangliche Untermalung sorgen sollen. Zu diesen an späterer Stelle mehr.

Huawei MatePad Pro Samsung Galaxy Tab S6 Apple iPad Air 3 (WLAN 256 GB)
Software:
(bei Erscheinen)
Android 10.0 Android 9.0 iOS 12
Display: 10,80 Zoll
2.560 × 1.600, 280 ppi
IPS
10,50 Zoll
1.600 × 2.560, 288 ppi
Super AMOLED, HDR
10,50 Zoll
1.668 × 2.224, 265 ppi
Bedienung: Touch, Stylus, Gesichtsscanner, Status-LED Touch, Fingerabdrucksensor Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor
SoC: HiSilicon Kirin 990
2 × Cortex-A76, 2,86 GHz
2 × Cortex-A76, 2,09 GHz
4 × Cortex-A55, 1,86 GHz
64-Bit
Qualcomm Snapdragon 855
1 × Kryo 485, 2,84 GHz
3 × Kryo 485, 2,42 GHz
4 × Kryo 485, 1,80 GHz
7 nm, 64-Bit
Apple A12 Bionic
2 × Vortex, 2,49 GHz
4 × Tempest
7 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G76 MP16
600 MHz
Adreno 640
585 MHz
Apple Quad-Core
RAM:
8.192 MB
LPDDR4X
Variante
6.144 MB
LPDDR4X
6.144 MB
LPDDR4X
Variante
8.192 MB
LPDDR4X
?
LPDDR4X
Speicher: 256 / 128 GB (erweiterbar) 128 / 256 GB (erweiterbar) 256 GB
1. Kamera: 13,0 MP, 2160p
LED, f/1,8, AF
13,0 MP, 2160p
AF
8,0 MP, 1080p
f/2,4, AF
2. Kamera: Nein 5,0 MP, AF Nein
3. Kamera: Nein
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
f/2,0
8,0 MP, 1080p 7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
2. Frontkamera: Nein
GSM: Nein
Nein
Variante
GPRS + EDGE
Nein
UMTS: Nein
Nein
Variante
HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
Nein
LTE: Nein
Nein
Variante
Advanced Pro
↓2.000 ↑316 Mbit/s
Nein
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.1 5.0 LE 5.0
Ortung: GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Variante
A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Nein
Weitere Standards: USB 3.0 Typ C, Tastatur-Dock USB 3.1 Typ C, Tastatur-Dock Lightning, Smart Connector
SIM-Karte:
Variante
Nano-SIM
Akku: 7.250 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
7.040 mAh
fest verbaut
? (30,20 Wh)
fest verbaut
Größe (B×H×T): 171,8 × 258,7 × 7,20 mm 159,5 × 244,5 × 5,70 mm 174,1 × 250,6 × 6,10 mm
Schutzart:
Gewicht: 498 g 420 g 456 g
Preis: ab 619 € / ab 529 € ab 577 € / 899 € 719 €

Huawei gibt die Screen-to-Body-Ratio mit 90 Prozent an, was direkt verdeutlicht, wie dünn die Seitenränder sind: 4,9 mm. Diese sollen laut dem Hersteller die schmalsten bisher in einem Tablet verbauten sein. Dadurch bleibt es nicht aus, dass bei normaler Haltung der Daumen auch das Display berührt. Die Software reagiert, so viel sei bereits gesagt, nicht immer zuverlässig bei deren Erkennung. Nicht selten werden Eingaben nicht erkannt oder falsch ausgeführt, weil ein Daumen an irgendeiner Stelle auf dem Bildschirm liegt.

Huawei MatePad Pro im Test
Huawei MatePad Pro im Test

Punch-Hole-Kamera

Obwohl der obere Rand dennoch – wenn auch nur knapp – die Frontkamera hätte beherbergen können, ist diese in die rechte Display-Ecke gewandert, was durchaus seine Nachteile besitzt. Für Huawei selbst hat die Anordnung jedoch einen großen Vorteil: Front- und Hauptkamera konnten in einem Modul gefertigt werden. Letztere ragt auf der Rückseite rund 2 mm heraus, was auf einer glatten Oberfläche liegend als wackelige Angelegenheit vor allem beim Schreiben Probleme nach sich ziehen kann. An der Stelle, wo die Frontkamera besser hätte sitzen sollen, hat Huawei eine Status-LED integriert. Diese fällt zwar recht klein aus, ist mit ihrer hohen Leuchtkraft jedoch nur schwer zu übersehen.

Der unten liegende USB-3-Stecker der ersten Generation ist in C-Bauform gehalten und teilt das gleiche Schicksal wie viele seiner Brüder bei aktuellen Tablets: Da dieser etwas zur Gehäuserückseite versetzt ist, liegt bei einem etwas dickeren Stecker das angeschlossene Tablet nicht mehr auf dem Rücken, sondern auf dem Steckeranschluss auf – was dem USB-C-Port auf Dauer nicht bekömmlich sein dürfte.

Die im Display eingelassene Kamera ist nicht jedermanns Sache
Die im Display eingelassene Kamera ist nicht jedermanns Sache

Linksseitig befindet sich beim hiesigen Modell der Einschub für die bei einer Mobilfunkanbindung benötigte SIM-Karte, die bei der aktuell hier erhältlichen Variante entfällt, sowie für die Speicherkarte, um den internen Speicher von 256 GByte erweitern zu können. Dabei unterstützt das MatePad Pro jedoch nicht das gängige microSD-Format, sondern nur die im Vergleich noch recht teuren NM-Speicherkarten. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich vier Mikrofone, die vor allem bei Videotelefonie für eine effektive Geräuschunterdrückung sorgen sollen.

Kein Staub- und Wasserschutz

Über eine IP-Zertifizierung bezüglich Staub- und Wasserschutz verfügt das neue Tablet aus dem Hause Huawei nicht, bei Arbeiten im heimischen Garten sollte vom Planschbecken also lieber etwas Abstand gehalten werden. Ebenfalls verzichtet werden muss bei der LTE-Variante auf einen Kopfhörerausgang, obwohl dieser bei der genannten Dicke durchaus in das Gehäuse gepasst hätte. Die in Deutschland erhältliche WLAN-Version soll diesen dagegen laut Datenblatt beinhalten. Beim Testmodell legt der Hersteller dem Tablet einen entsprechenden USB-C-Adapter bei, der mit 8 cm jedoch recht kurz ausfällt und vor allem für weitere Probleme sorgt: Hochkant gehalten kann das Tablet mit diesem nicht mehr abgesetzt werden. Im Querformat gehalten sitzt der Anschluss so ungünstig, dass ein bequemes Halten des Tablets besonders bei größeren Händen kaum möglich ist, da der Anschluss genau in der Kuhle zwischen Daumen und Zeigefinger liegt.

Die Tastatur des MatePad Pro
Die Tastatur des MatePad Pro

Dürftige Dreingaben

Das Zubehör fällt, wie so oft bei Tablets im Business-Bereich, recht mager aus. Lediglich besagter Kopfhöreradapter sowie ein eher bescheidenes 10-Watt-Ladegerät zieren den Packungsinhalt. Alle weiteren Dreingaben lässt sich Huawei teuer bezahlen: So müssen für den M-Pencil noch einmal 99 Euro gezahlt werden, das Smart Magnetic Keyboard schlägt mit 129 Euro zu Buche. Zum Verkaufsstart schnürt der Hersteller für Vorbesteller jedoch vom 22. Juli bis zum 4. August 2020 ein Bundle und fügt Stylus und Tastatur genauso als kostenlose Beigabe dem Paket hinzu wie sechs Monate Huawei Music und Video sowie drei Monate Huawei Cloud mit einem Speichervolumen von 50 GByte.

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