Huawei Sound X im Test: Sehr gutem Lautsprecher fehlt die smarte Verbindung

Frank Hüber 57 Kommentare
Huawei Sound X im Test: Sehr gutem Lautsprecher fehlt die smarte Verbindung

tl;dr: Der Huawei Sound X überzeugt als gut klingender Bluetooth-Lautsprecher mit Devialet-Treibern. Als Smart-Speaker mit WLAN konzipiert, fehlt ihm in Deutschland aber die Anbindung an Sprachassistenten und Musik-Streamingdienste wie Spotify. So bleibt er hinter seinem Potenzial zurück – und Käufer müssen auf Updates hoffen.

Mit dem Sound X hat Huawei einen WLAN- und Bluetooth-Lautsprecher auf den Markt gebracht, der mit sechs Vollfrequenz-Lautsprechern und zwei Subwoofern auch klanglich viel verspricht. Der Lautsprecher wurde zusammen mit Devialet entwickelt. Erst mit einem zukünftigen Software-Update soll der Sound X dann aber auch zu einem KI-gestützten Smart-Home-Lautsprecher in Deutschland werden.

Die unverbindliche Preisempfehlung des Huawei Sound X liegt bei 349 Euro. Er ist ausschließlich in der schwarzen Variante „Starry Night“ erhältlich. Im Handel wird der Sound X in einzelnen Angeboten bereits ab 310 Euro gelistet.

Design und technische Daten

Der Huawei Sound X ist ganz als stationärer Lautsprecher konzipiert. Er besitzt keinen Akku und kann nicht ohne das Netzteil genutzt werden, das an der Unterseite des Lautsprechers verbunden wird. Bei zylindrischen Abmessungen von 20,3 × 16,5 cm (H × D) und einem Gewicht von 3,5 kg ist seine Portabilität ohnehin eingeschränkt. Damit ähnelt der Sound X dem Amazon Echo Studio (Test), der bei ebenfalls 3,5 kg auf Maße von 20,6 × 17,5 cm (H × D) kommt.

Kommt im unteren Teil des Lautsprechers, der auf weichem Gummi fußt, die derzeit häufig genutzte Stoffummantelung zum Einsatz, ist der Großteil in Hochglanz-Schwarz ausgelegt. Der Sound X reflektiert so nicht nur stark, sondern ist im Alltag kaum sauber zu halten – Staub und Fingerabdrücke hinterlassen sofort sichtbar ihre Spuren. Auf empfindlichen Holz-Oberflächen können die Weichmacher der Gummi-Unterseite Spuren verursachen, wie sich im Test durch einen Kreis auf einem Holztisch zeigte – mit diesem Problem hat auch der Apple HomePod zu kämpfen, während es beim Amazon Echo Studio keine Abdrücke gibt.

Zwei Subwoofer und sechs Lautsprecher

Im Inneren des Huawei Sound X sitzen zwei 3,5 Zoll große Subwoofer mit einer Gesamtleistung von 60 Watt sowie sechs 1,5 Zoll große Vollfrequenz-Lautsprecher mit insgesamt 30 Watt, die vom französischen Audiospezialisten Devialet beigesteuert werden. Das Unternehmen ist bekannt für die Wireless-Lautsprecher der Baureihen Phantom und Phantom Reactor sowie digitale Expert-Pro-Verstärker. Design und Preise stehen bei Devialet hoch im Kurs.

Damit stellt Huawei den fünf Audio-Treibern im Amazon Echo Studio acht entgegen. Beim Echo Studio setzt Amazon auf einen nach unten gerichteten 5,25-Zoll-Subwoofer, einen 1-Zoll-Hochtonlautsprecher und drei 2-Zoll-Mitteltöner.

Beim Huawei Sound X sind die Subwoofer-Membranen hingegen seitlich durch Aussparungen im Gehäuse sichtbar. Die Subwoofer in Push-Push-Konfiguration sind demnach nicht, wie häufig bei Lautsprechern mit nur einem Subwoofer, nach unten gerichtet. Durch die entgegengesetzte Anordnung der beiden Woofer sollen die Schwingungen des jeweils anderen Subwoofers aufgehoben werden, was nicht nur ein Wackeln des Lautsprechers, sondern auch Verzerrungen bei hoher Lautstärke verhindern soll. Die Hochtöner sollen hingegen durch ihre Anordnung und einen eigens entwickelten Algorithmus einen 360-Grad-Surround-Sound ermöglichen.

Der Sound X deckt dabei einen erweiterten Frequenzbereich von 40 Hz bis 40 kHz ab. Der Schalldruck liegt laut Huawei bei 93 dB SPL.

Wi-Fi 5, Bluetooth 5.0 und NFC

Beim WLAN setzt Huawei auf das aktuell gängige Wi-Fi 5 alias WLAN-ac beziehungsweise 802.11ac mit 2,4 und 5 GHz. Der neueste WLAN-Standard Wi-Fi 6 (802.11ax) wird nicht unterstützt. Für eine Bluetooth-Übertragung zwischen Endgerät und Lautsprecher kommt hingegen Bluetooth 5.0 zum Einsatz. Diese Verbindung kann über einen Handshake via NFC initiiert werden, wenn dies vom Smartphone unterstützt wird. Über Huawei OneHop lässt sich mit NFC die Musik von einem Smartphone oder Tablet auch an den Sound X übergeben, indem man das Endgerät an den Lautsprecher hält. Dieser übernimmt dann die Musikwiedergabe.

Huawei Sound X
Huawei Sound X
Huawei Sound X
Huawei Sound X (Bild: Huawei)

AAC und Hi-Res-Audio

Als Audio-Codecs für die Bluetooth-Verbindung stehen SBC und AAC zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt der Sound X Hi-Res-Audio-Aufnahmen, die eine höhere Abtastrate als 48 kHz und eine Sampling-Tiefe von mehr als 16 Bit bieten – und somit CD-Qualität übertreffen. Auch diese Eigenschaften teilt er mit dem Echo Studio. In der Regel gelten 96 kHz und 24 Bit als Hi-Res-Sound.

Kein Multi-Connect und kein Line-In

Multi-Connect unterstützt der Sound X nicht. Es kann immer nur ein Bluetooth-Endgerät mit dem Lautsprecher verbunden sein. Wird auf einem Smartphone eine Bluetooth-Verbindung ausgelöst, wird automatisch ein etwaiges anderes verbundenes Mobilgerät vom Lautsprecher getrennt.

Einen analogen oder digitalen Audio-Eingang, wie ihn der Echo Studio von Amazon besitzt, bietet der Huawei Sound X nicht. Er ist einzig auf das Streaming per Bluetooth – und mit einem Firmware-Update eventuell auch über WLAN – ausgelegt.

MediaTek-SoC und 8 GB Arbeitsspeicher

Die technische Basis des Huawei Sound X bilden ein MediaTek MT8518, 512 MB RAM und ein 8 GB großer interner Speicher. Das SoC bietet vier Kerne mit 1,5 GHz Taktfrequenz. Der MT8518 wurde von MediaTek speziell für Smart-Home-Audio-Produkte entwickelt und soll eine besonders niedrige Leistungsaufnahme aufweisen, auch dann, wenn auf ein Aufwachwort für den digitalen Sprachassistenten über die Mikrofone gewartet wird.

Vier Touchtasten, ein LED-Lichtring und Mikrofone

Die Steuerelemente sind an der Oberseite des Lautsprechers platziert. Sie sind als Touchflächen umgesetzt und die Beschriftungen leuchten erst weiß auf, wenn man sich den Bedienelementen nähert. Bis dahin sind sie unsichtbar. Neben einer Taste zum Stummschalten der Mikrofone, die aktuell auch die Musikwiedergabe pausiert, dienen zwei Tasten zum Steuern der Lautstärke und eine als Multifunktionsschalter. Letztere kann derzeit etwa zum Koppeln von Bluetooth-Endgeräten verwendet werden, indem sie gedrückt gehalten wird, bis ein Benachrichtigungston erklingt. Wird die flache Hand auf die Oberseite des Lautsprechers gelegt und diese so verdeckt, schaltet die Musikwiedergabe auf stumm und der Lichtring leuchtet rot. Wird sie erneut aufgelegt, setzt sie fort. Das funktioniert im Alltag sehr zuverlässig und ohne störende Verzögerung.

Um die Bedienelemente hat Huawei den von smarten Lautsprechern bekannten farbigen LED-Lichtring platziert. Ohne Sprachassistenten dient dieser vorerst zum Anzeigen des Status des Lautsprechers etwa beim Verbindungsaufbau und der Lautstärke.

Die Mikrofone können derzeit auch nicht als Freisprecheinrichtung zur Telefonie über das per Bluetooth gekoppelte Smartphone genutzt werden. Obwohl zur Ankündigung so in Aussicht gestellt, war es im Test weder mit einem Android-Smartphone noch mit einem iPhone möglich, Telefonate über den Lautsprecher zu führen. Bluetooth wurde immer nur für die Medienwiedergabe gekoppelt.

Inbetriebnahme über die AI-Life-App mit Android

Für die Inbetriebnahme und Verbindung mit einem WLAN ist die AI-Life-App von Huawei notwendig. Diese steht weiterhin nur unter Android zur Verfügung, eine App für iOS bietet der Hersteller nicht an. Soll der Lautsprecher mit dem lokalen WLAN verbunden und über die App konfiguriert werden, was auch die Option auf Firmware-Updates beinhaltet, ist ein Android-Smartphone oder -Tablet unumgänglich.

Huawei Sound X in der AI-Life-App

Ist der Sound X ans Stromnetz angeschlossen, leuchtet der LED-Lichtring orange. Nun kann in der AI-Life-App ein Gerät hinzugefügt und der Sound X ausgewählt werden. Nach der Einrichtung stehen in der App Bluetooth-Optionen, eine Steuerung der Lautstärke, die WLAN-Eigenschaften, automatische Firmware-Aktualisierungen und Soundeffekte zur Verfügung. Bei Letzterem kann der Bass erhöht oder reduziert werden. Zudem stehen mit „Hi-Fi“ und „Gesang“ zwei Profile zur Auswahl, die sich im Test aber nicht aktivieren ließen. Darüber hinaus kann in der App Audiocast aktiviert werden, so dass Geräte mit UPnP im selben WLAN Musik an den Huawei Sound X streamen können. Apple AirPlay gehört dabei aber nicht zu den unterstützten Streaming-Optionen.

Die App bietet somit die wichtigsten Eigenschaften, aber keine Besonderheiten, die ihre Nutzung nach der Inbetriebnahme noch erforderlich machen.

Das iPhone kann sich trotzdem per Bluetooth verbinden

Als Bluetooth-Lautsprecher ohne weitere Optionen lässt sich der Sound X auch ohne WLAN nur mit einem iPhone nutzen. Hierfür muss nur die Multifunktionstaste gedrückt gehalten und das iPhone per Bluetooth verbunden werden. Allerdings blinkt der Leuchtring dann dauerhaft orange.

Keine Streamingdienste wegen Sanktionen

Im Test kommt Firmware 9.0.5.0 zum Einsatz. Mit dieser stehen weder ein digitaler Sprachassistent noch Musik-Streaming via WLAN über Spotify, Apple Music, Deezer, Tidal oder andere zur Verfügung. Dies liegt an den Sanktionen der US-Regierung gegen Huawei, die US-amerikanischen Unternehmen eine Zusammenarbeit untersagt.

Digitaler Sprachassistent erst mit Update

Auch „Celia“, der von Huawei selbst entwickelte digitale Sprachassistent als Alternative zu Google Assistant, Amazon Alexa und Apple Siri, ist für Deutschland noch nicht freigegeben. Mit einem künftigen Firmware-Update soll der Sound X aber noch zum KI-gestützten Smart-Home-Lautsprecher werden, wie man es von Google Nest oder Amazon Echo kennt. App-Entwickler können über die Huawei Mobile Services bereits auf Celia zugreifen, um etwa mit dem Sound X das Smart Home oder Streamingdienste anzusteuern.

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