Galaxy Note 20 Ultra im Test: Der S Pen macht den größten Sprung

Nicolas La Rocco 89 Kommentare
Galaxy Note 20 Ultra im Test: Der S Pen macht den größten Sprung

tl;dr: Das Galaxy Note 20 Ultra stellt vor allem für Nutzer des S Pen eine klare Verbesserung dar, nachdem Samsung die Latenz stark reduziert und die Funktionen erweitert hat. Auch das nochmals hellere OLED-Display mit 120 Hz spielt dabei eine Rolle. Davon abgesehen stagniert die Technik ein wenig auf Galaxy-S20-Ultra-Niveau.

Mit dem Galaxy Note 20 Ultra geht Samsungs Stylus-Smartphone traditionell zum Spätsommer in die nächste Runde. Es baut auf vielen Eigenschaften des Galaxy S20 Ultra (Test) auf, bringt darüber hinaus aber auch mehrere exklusive Neuerungen mit, die für das Galaxy S20 Ultra noch nicht zur Verfügung standen. Über allem thront aber der S Pen, wie Samsung den im Gehäuse integrierten Stylus nennt. Wer ein Top-Smartphone mit Stylus sucht, kommt an der Galaxy-Note-Serie erneut nicht vorbei.

1.100 Euro ruft der Online-Handel auf

Top-Smartphone heißt aber auch Top-Preis: Unter 1.266 Euro (UVP) ist das getestete Galaxy Note 20 Ultra mit 256 GB bei Samsung direkt nicht zu haben, erst im Online-Handel fällt der Preis je nach Anbieter und Verfügbarkeit auf rund 1.100 Euro. Mit 925 Euro (UVP) deutlich günstiger geht das normale Galaxy Note 20 über die Ladentheke, wenngleich dafür zahlreiche Einschränkungen im Vergleich zum wahren Flaggschiff in Kauf genommen werden müssen. Welche das im Detail sind, erklärt der Hands-on-Artikel zur Vorstellung der beiden Smartphones. Unter anderem bei Display, Speicher, Kamera und Akku hat Samsung den Rotstift angesetzt, um den Preis auf deutlich unter 1.000 Euro zu drücken. Dieser Testbericht legt den Fokus aber vollständig auf das Galaxy Note 20 Ultra.

Technische Daten im Überblick

Samsung Galaxy Note 20 Ultra
Samsung Galaxy Note 20
Software:
(bei Erscheinen)
Android 10.0
Display: 6,90 Zoll
1.440 × 3.088, 494 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass Victus
6,70 Zoll
1.080 × 2.400, 393 ppi
Full HD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass Victus
Bedienung: Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Samsung Exynos 990
2 × Exynos M5, 2,73 GHz
2 × Cortex-A76, 2,50 GHz
4 × Cortex-A55, 2,00 GHz
7 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G77 MP11
800 MHz
RAM: 12.288 MB
LPDDR5
8.192 MB
LPDDR5
Speicher: 256 / 512 GB (erweiterbar) 256 GB
1. Kamera: 108,0 MP, 4320p
LED, f/1,8, AF, OIS
12,0 MP, 4320p
LED, f/1,8, AF, OIS
2. Kamera: 12,0 MP, f/3,0, AF, OIS 64,0 MP, f/2,0, AF, OIS
3. Kamera: 12,0 MP, f/2,2, AF
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 10,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/2,2, AF
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
5G: NSA/SA
Nein
Variante
NSA/SA
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ax
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.1
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.500 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
4.300 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 77,2 × 164,8 × 8,10 mm 75,2 × 161,6 × 8,30 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 208 g 192 g
Preis: ab 1.010 € / 1.364 € 925 € / 1.023 €

Ultra steht für sehr groß

Ultra ist der neue Name, um Samsungs wahre Topmodelle von den vermeintlichen Flaggschiffen zu unterscheiden. War es zuvor das „+“ im Namen, muss seit dem Galaxy S20 Ultra eine neue Bezeichnung dafür herhalten. Dabei beschreiben sowohl „+“ als auch „Ultra“ ziemlich gut das äußere Erscheinungsbild des Galaxy Note 20 Ultra. Denn erneut hat der Hersteller ein mächtiges Smartphone konstruiert, das in zwei Händen gehalten werden will. 77,2 × 164,8 × 8,10 mm (B × H × T) ist das Galaxy Note 20 Ultra groß und bringt 208 g auf die Waage. Genau genommen ist es damit etwas kürzer und dünner als das Galaxy S20 Ultra, aber zugleich breiter und erneut eckiger. Das Galaxy S20 Ultra kommt mit deutlich runderen Ecken daher als das Stylus-Flaggschiff.

So mächtig der Auftritt des Galaxy S20 Ultra auch ist, so elegant und teils zierlich hat Samsung dennoch manches Detail gelöst. Hervorzuheben ist zum Beispiel der schmale Rahmen aus Aluminium, der seitlich die beiden Glashälften verbindet und auf der rechten Seite die Tasten für An/Aus und Lautstärke aufnimmt. Von der ehemals verbauten Bixby-Taste hat sich Samsung zum Glück wieder verabschiedet.

Hochwertiger Gesamteindruck

Das Testgerät in „Mystic Bronze“ wirkt mit der matten Glasrückseite hochwertig und hinterlässt zudem einen vermeintlich stabilen Eindruck. Dass das Smartphone zum Großteil aus Glas besteht, setzt eine Schutzhülle quasi zwingend voraus. Die Rückseite dominiert aber nicht das matte Glas, sondern das Kameramodul, das noch ein wenig mehr aus dem Gehäuse ragt als beim Galaxy S20 Ultra. Anstatt das Modul mit viel Schwarz zu verstecken, hebt es Samsung nun deutlich hervor, indem die Flanke poliert wird und glänzende Ringe jede Linse einfassen. „Wennschon, dennschon“ scheint das Motto der Designer gewesen zu sein, und zwangsweise schlecht sieht die Lösung auch nicht aus, wenngleich das Modul physisch gewaltig bleibt. Es nimmt selbst im Inneren so viel Platz ein, dass Samsung den Stylus von rechts nach links im Gehäuse verschieben musste.

Smartphone und Stylus vor Staub und Wasser geschützt

Obwohl das Smartphone mit dem S Pen eine weitere Öffnung hat, ist das Galaxy Note 20 Ultra IP68-zertifiziert und damit gegen Staub und Wasser geschützt. Die Zertifizierung gilt für den Stylus alleine und für das Smartphone, wenn der S Pen nicht in seinem Fach steckt. Zudem lässt sich wieder unter Wasser auf dem Display schreiben.

Das neue OLED-Display setzt Maßstäbe

Und was für ein Display Samsung im Galaxy Note 20 Ultra verbaut! Die Größe ist mit 6,9 Zoll zwar nicht anders als beim Galaxy S20 Ultra, die Auflösung mit 3.088 × 1.440 Pixeln ebenso wenig. Die nutzbare Fläche fällt ärgerlicherweise sogar minimal kleiner aus, da das OLED-Panel etwas stärker in den Rahmen gezogen wird. Gerade für ein Stylus-Smartphone wäre ein vollkommen planer Bildschirm goldrichtig gewesen, wie ihn der Hersteller aber nur beim normalen Galaxy Note 20 anbietet.

Doch es ist vor allem die Helligkeit, mit der sich Samsung erneut selbst übertrumpft und das ohnehin schon sehr gute OLED-Panel des Galaxy S20 Ultra in den Schatten stellt. Genauer gesagt muss man diesen mit dem Galaxy Note 20 Ultra, wenn überhaupt, noch seltener aufsuchen. Im Test war es selbst bei starker Sonneneinstrahlung kein einziges Mal notwendig, für eine bessere Ablesbarkeit aus der Sonne zu gehen. Dafür sorgt das bei 100 Prozent APL, also 100 Prozent Weißanteil und damit dem Worst-Case-Szenario, noch einmal 27 Prozent hellere Display mit 969 cd/m². Wird der Weißanteil reduziert, sind Spitzenwerte von über 1.400 cd/m² möglich. Mit diesen Leistungswerten ist das Panel zudem ausgezeichnet für die HDR-Wiedergabe gerüstet, die in den Formaten HDR10 und HDR10+ unterstützt wird.

120 Hz erstmals für die Note-Serie

Neu für das Galaxy Note Ultra ist die adaptive Bildwiederholrate von bis zu 120 Hz. Musste beim Galaxy S20 Ultra noch zwischen 60 oder 120 Hz gewählt werden, gibt es laut Samsungs Display-Sparte nun adaptive Abstufungen von 10 bis 120 Hz, die je nach Inhalt aktiv sein sollen. Samsung nennt 120 Hz für Spiele, bis zu 60 Hz für Filme, 30 Hz in der E-Mail-App und nur 10 Hz für Bilder und Social-Media-Apps.

6,9 Zoll großes OLED-Display mit exzellenter Helligkeit
6,9 Zoll großes OLED-Display mit exzellenter Helligkeit

Mit echter nahtloser „Variable Refresh Rate“ (VRR) müsste ein Wechsel der Bildwiederholfrequenz nicht nur anwendungsspezifisch, sondern Frame für Frame je nach gelieferten FPS möglich sein. Das Spektrum würde von einem neuen Bild alle 100 ms bei 10 Hz bis rauf zu 8,33 ms bei 120 Hz reichen. Wie Nachforschungen von Anandtech ergeben haben, reicht das Spektrum beim Galaxy Note 20 Ultra aber nur von 48 bis 120 Hz. Das bestätigt einmal mehr, dass eine Entwicklung der einen Samsung-Sparte (Display) nicht automatisch in Gänze von einer anderen Samsung-Sparte (Mobile) übernommen werden muss.

120 Hz wieder nur mit reduzierter Auflösung

Bildwiederholfrequenz und Auflösung stehen erneut in einer Abhängigkeit zueinander, sodass die maximale Auflösung nicht mit der höchstmöglichen Bildwiederholrate kombiniert werden kann. Wer die vollen 3.088 × 1.440 Pixel abrufen möchte, ist wie beim Galaxy S20 Ultra auf 60 Hz limitiert. Erst mit FHD+, was 2.316 × 1.080 Pixeln entspricht und ab Werk eingestellt ist, lässt sich der adaptive Modus mit bis zu 120 Hz nutzen.

Wie flott das Display im Galaxy Note 20 arbeitet, hat auch Einfluss auf die Nutzung des „S Pen“ getauften Stylus, wie der weitere Verlauf des Tests aufzeigt.

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