Xiaomi Mi 11 im Test: Kamera mit 108-Megapixel-Sensor

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Nicolas La Rocco
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Bei der Kamera ist erneut Samsung der Partner der Wahl und verantwortlich für den außergewöhnlich großen Bildsensor mit 1/1,33 Zoll, der 108 Megapixel mit jeweils 0,8 μm Kantenlänge versammelt. Der Samsung-Sensor mit einem Crop-Faktor von 3,58 sorgt bei der verbauten 7-mm-Linse für eine Brennweite nach Kleinbildäquivalent von 25 mm. Die statische Blende liegt laut Xiaomi bei f/1.85, wird in den Exif-Daten aber mit f/1.8 ausgegeben. Die Hauptkamera des Mi 11 ist zudem mit einem optischen Bildstabilisator (OIS) ausgestattet, die zwei weiteren Kameras kommen ohne dieses Merkmal aus.

Elegant integriertes Kameramodul mit drei Linsen
Elegant integriertes Kameramodul mit drei Linsen

In den letzten rund drei Wochen wurde das Mi 11 als primäres Smartphone für den Alltag genutzt und war dabei Begleiter eines Urlaubs innerhalb von Deutschland. Von den insgesamt drei verbauten Kameras produziert die Hauptkamera – wenig überraschend – die mit Abstand besten Ergebnisse. In beinahe allen Situationen des Alltags sorgte das Mi 11 für durchweg gute bis sehr gute Fotos, an denen es kaum etwas auszusetzen gibt. Denn Bereiche wie Schärfe, Farben, Weißabgleich, Kontrast oder auch Dynamikumfang beherrscht Xiaomi mindestens ebenso gut wie andere Flaggschiff-Hersteller.

Fotos mit dem Mi 11

Die Ergebnisse fallen auch bei Kunstlicht noch gut aus, wie etwa das Foto nachts am Taxistand des Frankfurter Flughafens oder die Aufnahme in der Fluggastbrücke zeigt. Erst wenn überhaupt keine Beleuchtung mehr vorhanden ist, kommt das Mi 11 etwas ins Straucheln, da es nicht automatisch den eigentlich guten Nachtmodus zuschaltet. Ohne letzteren wirken die Fotos etwas verwaschen, nicht ganz scharf und vor allem detailarm, weil die entsprechende Ausleuchtung fehlt. Zugutehalten muss man Xiaomi aber, dass das Mi 11 in diesen Situationen die tatsächlichen Lichtbedingungen gut abbildet, anstatt das Foto künstlich aufzuhellen. Dafür ist dann erst der überzeugende Nachtmodus verantwortlich, wie die beiden Fotos der Französischen Bulldogge im Direktvergleich zeigen.

Xiaomi Mi 11 im Test – Kamera

Bei der zweiten Kamera des Mi 11 handelt es sich um ein Ultraweitwinkelobjektiv mit einem „Field of View“ (FoV) von 123 Grad. Verzerrungen im Randbereich werden relativ gut ausgeglichen, im äußeren Bereich muss man aber eine allgemein schlechtere Bildqualität hinnehmen. Bei Weißabgleich und Farben hält die Ultraweitwinkelkamera gut mit der Hauptkamera mit, beim Dynamikumfang und der Schärfe muss sie sich aber geschlagen geben. Auch hier zeigt ein Foto am Frankfurter Flughafen, dass merklich weniger Details bei Sonne und Himmel sowie im Vordergrund eingefangen werden.

Die dritte Kamera dient Makroaufnahmen und ist für einen Autofokusbereich von 3 bis 10 cm ausgelegt. In den Einstellungen der Kamera lässt sich auch zu einem „Supermakro“ wechseln, das besonders nahe Aufnahmen erlaubt. Die Qualität der Aufnahmen geht in Ordnung, der scharfe Bereich beschränkt sich aber auf ein extrem kleines Areal. Außerdem muss man hin und wieder ein wenig mit Abstand und Winkel experimentieren, damit der Autofokus an der gewünschten Stelle fokussiert. Die Makrokamera eignet sich am besten als Ergänzung der Hauptkamera für den extremen Nahbereich, weil diese hier nicht mehr so zuverlässig arbeitet.

Für Selfies bietet das Mi 11 eine in das Display integrierte 20-Megapixel-Kamera mit f/2.2, die bei Tag solide Aufnahmen produziert, denen es etwas an Dynamikumfang mangelt. Nachts fallen die Aufnahmen jedoch stark rauschend und verwaschen aus.

Videomodus mit mehreren Effekten

Videoaufnahmen sind in bis zu 8K möglich, wobei die FPS-Auswahl auf 24 oder 30 FPS beschränkt wird. Bisher gibt es am Markt kein Smartphone, das in 8K60 aufzeichnen kann. 60 FPS (oder 30 FPS) sind in 4K möglich und in Full HD kommen 120 FPS sowie 240 FPS für die Zeitlupe hinzu. Auch in 720p liegt das Maximum bei 240 FPS.

Xiaomi bewirbt das Smartphone mit zahlreichen Filmeffekten im Videomodus, beim Hersteller „One-Click AI Cinema“ genannt. Zur Auswahl stehen sechs Effekte, darunter das Einfrieren sich bewegender Objekte, ein Dolly-Zoom, eine langsame Verschlusszeit, ein Zeitraffer bei Nacht, ein Video kombiniert mit mehreren Standbildern und ein Effekt einer gespiegelten Welt. Was die Effekte bewirken, lässt sich auf der Produktseite des Mi 11 einsehen, wobei der Effekt „Parallele Welten“ am Frankfurter Flughafen ausprobiert wurde und zu einem – sagen wir – künstlerisch interessanten Ergebnis führte. Obwohl Xiaomi die Effekte auf der Website hervorhebt, sind sie auf dem Smartphone erst in einem Untermenü der Kamera-Einstellungen zu finden. Letztlich muss man realistisch sein und die Effekte als das betrachten, was sie faktisch sind: Gimmicks. Insgesamt weiß MIUI 12 aber zu überzeugen.

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