Android Automotive OS im Test: Google Assistant, Benutzerkonten und letzte Details

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Nicolas La Rocco
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Ein besonderes Merkmal von AAOS ist, dass der Google Assistant nicht mehr nur Zugriff auf die installierten Apps hat, sondern mit seiner tieferen Integration auch Funktionen des Fahrzeugs steuern kann. Für Android Auto waren solche Funktionen ursprünglich ebenfalls vorgesehen, umgesetzt wurden sie aber nie. Über die letzten Jahre hat es in diesem Bereich auch keine Ankündigungen aufseiten von Google mehr gegeben, sodass das Projekt mittlerweile inoffiziell im Sand verlaufen ist. An diese Stelle rückt jetzt aber AAOS mit entsprechender Auswahl.

Wobei genau genommen von einer größeren Auswahl noch nicht die Rede sein kann. Was der Google Assistant bislang über die Fähigkeiten unter Android Auto hinaus im Fahrzeug steuern kann, ist stark eingeschränkt. Primär handelt es sich dabei um Einstellungen rund um die Klimaanlage und die Sitzheizung. Zum Beispiel kann dem Google Assistant „Stelle die Temperatur auf 20 Grad“ gesagt werden, was im Nu umgesetzt wird. Auch der Entfroster, die Sitzheizung für einzelne Plätze im Auto oder die Lenkradheizung lassen sich auf diese Art und Weise per Sprache steuern.

Der Google Assistant beherrscht im Auto nicht viel mehr

Der Google Assistant stößt allerdings schnell an seine Grenzen – selbst in Bereichen, die nicht sicherheitsrelevant sind. Nachvollziehbar ist zum Beispiel, dass der Google Assistant nicht Gas, Bremse, Lenkrad oder Tempomat regeln kann. Auch Bereiche wie die Scheinwerfer oder der Warnblinker lassen sich nicht per Sprache aktivieren respektive deaktivieren. Eher in einer Grauzone liegen dann aber Einstellungen wie die Seitenspiegel, der Scheibenwischer oder der Wechsel durch die verschiedenen Ansichten der 360-Grad-Kamera. Nicht mehr nachvollziehbar sind Einschränkungen etwa beim Öffnen und Schließen der Fenster oder der elektrischen Heckklappe. All diese Punkte quittiert der Google Assistant mit der Aussage, dass diese Funktion „noch nicht“ unterstützt wird. Das lässt darauf hoffen, dass diese Funktionen eines Tages nachgereicht werden. Vermutlich handelt es sich aber nur um eine freundlich formulierte Antwort und der Funktionsumfang wird kaum erweitert werden – Zeit genug dafür hätten Google und Polestar schon längst gehabt.

Anfragen an den Google Assistant werden visualisiert
Anfragen an den Google Assistant werden visualisiert

Bekanntes funktioniert weiterhin gut

Besser funktionieren Anfragen zur Verkehrslage, zur Musik oder zur Lautstärke – im Grunde genommen das, was man vom Smartphone oder von Google-Assistant-Lautsprechern kennt, mit Ausnahme von Messaging und Video-Apps. Das wiederum bedeutet, dass der Google Assistant auch im Auto zum Beispiel Einkaufslisten anlegen, Erinnerungen erstellen oder das Licht im Smart Home steuern kann, sofern entsprechendes Equipment vorhanden und man im Google-Ökosystem mit eigenem Konto aktiv ist.

Pflicht für das Fahren eines Polestar 2 oder die Nutzung von AAOS ist ein Google-Konto aber nicht. Die ab Werk installierten Apps lassen sich dennoch nutzen, dann allerdings ohne die zusätzliche Ebene der Personalisierung über das Konto und die damit einhergehende Anpassungsfähigkeit, indem das System vom Verhalten des Nutzers lernt. Ein zentrales Google-Konto führt außerdem dazu, dass alles rund um Google, etwa Suchanfragen auf dem Desktop oder Smartphone, auch in die Nutzung unter AAOS einfließt und seien es nur die letzten Anfragen in Google Maps. Einfluss auf die Nutzung anderer Dienste, sofern es sich nicht gerade um YouTube Music handelt, hat der Verzicht auf ein Google-Konto nicht. Zum Beispiel wird ein Konto für Spotify separat in der Benutzerkontenverwaltung geführt.

AAOS unterstützt mehrere Benutzerkonten

Apropos Benutzerkonten: AAOS erlaubt das Anlegen mehrerer Benutzerkonten, wobei der Besitzer des Autos, der die Ersteinrichtung im Fahrzeug vornimmt, automatisch zum Administrator befördert wird. Jedes anschließend hinzugefügte Konto kommt ohne Administratorrechte, kann vom Administrator aber mit diesen Rechten ausgestattet werden.

Administrator können mehr Einstellungen vornehmen

Als Administrator fällt der Funktionsumfang etwas umfangreicher aus und betrifft insbesondere die Besitzverhältnisse des Autos und einzelne Optionen. Zum Beispiel kann nur der Administrator das Auto mit der Polestar-App für die Steuerung gewisser Funktionen aus der Ferne verknüpfen und über diese App digitale Autoschlüssel aushändigen. Ebenso ist es nur dem Administrator möglich, das System zurückzusetzen oder andere Nutzer zu Administratoren zu machen. So wird verhindert, dass ein normaler Nutzer das Infotainmentsystem zurücksetzt und sich mit der Neueinrichtung zum Administrator macht.

Einstellungen zum Google-Konto
Einstellungen zum Google-Konto

Welcher Nutzer gerade am System angemeldet ist, wird oben rechts in der Menüleiste durch die Initialen signalisiert. Von Haus aus sind die einzelnen Konten nicht geschützt, um einen schnellen Start des Systems zu gewährleisten. AAOS ist nie vollständig aus, sondern schlummert im Hintergrund und ist aktiv, sobald der Fahrer einsteigt. Einen klassischen Boot-Vorgang gibt es bei AAOS nicht. Dieser Verzicht auf eine Absicherung führt allerdings dazu, dass sich im Endeffekt doch jeder normale Anwender über den Kontowechsel zum Administrator machen kann.

Die Absicherung des Kontos ist optional

Das eigene Konto kann aber abgesichert werden, zum Beispiel über ein Passwort oder über ein Wischmuster, wie man es vom Android-Sperrbildschirm auf dem Smartphone kennt. Im Alltag praktischere Optionen wie einen Fingerabdrucksensor oder eine Gesichtserkennung, wie sie Mercedes-Benz in der aktuellen S-Klasse zur Absicherung von MBUX 2 bietet, gibt es bei Polestar nicht. Nicht nur Administratoren, sondern auch normale Nutzer können ihr Konto im Polestar 2 absichern.

Mit jedem Konto sind die persönlichen Einstellungen verbunden, etwa die installierten Apps, die Anordnung auf dem Homescreen oder die Einstellungen am Fahrzeug. Hat also etwa der Administrator die Klimaanlage auf 18 Grad eingestellt, ein anderer Nutzer aber auf 22 Grad, erfolgt der Wechsel mit Umstellung auf das andere Konto.

Ein Gastkonto gibt es ebenfalls

Soll gar kein Konto aktiv sein, gibt es diese Option ebenfalls. Denn nicht jede Person will sich für eine Ausfahrt zwangsweise ein Konto anlegen. Sind zum Beispiel die abgesicherten Konten von zwei Nutzern im Fahrzeug hinterlegt und will sich dann eine dritte Person das Auto leihen, kann auf dem Sperrbildschirm, der nach Passwort oder Wischmuster fragt, auch „Ausloggen“ gewählt werden, woraufhin der letzte Nutzer abgemeldet und zu einem lokalen Gastkonto gewechselt wird, das keine nutzerspezifischen Anpassungen aufweist, aber dennoch den vollen Funktionsumfang bietet. Dieses Konto merkt sich jedoch keine Einstellungen, sodass jedes Mal aufs Neue Hinweise erscheinen, dass AAOS zum Beispiel den Standort des Nutzers erfasst.

USB Typ C, kabelloses Laden und digitale Schlüssel im Polestar 2

Abschließend noch ein paar weitere Details zum Polestar 2: Für Smartphones bietet das Auto insgesamt vier USB-Typ-C-Anschlüsse, davon zwei vorne und zwei hinten, um diese und andere Geräte zu laden oder um lokal gespeicherte Medien abzuspielen. Außerdem lässt sich vorne unterhalb des zentralen Bildschirms ein Smartphone ablegen, um es kabellos zu laden.

Kabelloses Laden im Polestar 2
Kabelloses Laden im Polestar 2

Das Smartphone kann beim Polestar 2 auch zum digitalen Autoschlüssel gemacht werden, indem es über die Polestar-App dafür aktiviert wird. Die Redaktion konnte dieses Feature allerdings nicht testen, weil für die Einrichtung beide Fahrzugschlüssel benötigt werden und der Redaktion nur einer davon zur Verfügung stand. Eine native Einbindung digitaler Autoschlüssel direkt in das Smartphone-Betriebssystem, wie sie BMW mit dem Digital Key unter iOS (Test) anbietet, kann Polestar nicht vorweisen.