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Im Test vor 15 Jahren: Die Nintendo Wii bot Spielspaß pur

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: Die Nintendo Wii bot Spielspaß pur

Spielkonsolen wurden typischerweise indirekt über einen Controller samt Tasten und Sticks bedient, anders die Nintendo Wii (Test), die zusätzlich die Bewegung des Controllers im Raum in die Steuerung mit einbezog. Im Test vor 15 Jahren konnte das neue Spielkonzept überzeugen.

Die Hardware war hinterher

Bei der Wii ging es Nintendo nicht darum, die schnellste Konsole mit der besten Grafik zu bauen, sondern ein innovatives Steuerungskonzept vorzustellen und den Spielspaß in den Vordergrund zu stellen. Dementsprechend konnte die Hardware der Wii in quasi jeder Hinsicht nicht mit der der Xbox 360 oder PlayStation 3 mithalten. Das zeigte sich bei den einzelnen technischen Spezifikationen, spiegelte sich aber vor allem bei der maximalen Ausgabeauflösung von 576i wieder – das Minimum der PlayStation 3. Gegenüber dem Vorgänger, der Nintendo GameCube, sollte die Wii etwa die doppelte Rechenleistung besitzen. In der Praxis war die Grafik vieler Spiele aber nicht besser, sondern bestenfalls äquivalent. Lobenswert: Die Wii war zu 100% abwärtskompatibel zur GameCube und konnte so nicht nur alle Titel abspielen, sondern bot sogar Anschlüsse für alte GameCube-Controller.

Die PlayStation 3 im Vergleich
Nintendo Wii Xbox 360 PlayStation 3
Prozessor IBM Power-PC „Broadway“,
5 Execution Engines
Custom IBM Power-PC,
3 Kerne mit je 2 Threads
Cell Prozessor,
1 Power Processing Unit,
7 Synergistic Processing Units
mit je einem Thread
Taktfrequenz 729 MHz 3,2 GHz
L2 Cache nicht bekannt 1 MByte 512 KByte L2 Cache, 256 KByte pro SPE
Systemspeicher 24 MByte „interner“ 1T-SRAM +
64 MByte „externer“ 1T-SRAM
512 MByte GDDR3-RAM,
700 MHz, geteilt mit GPU
256 MByte XDR-RAM,
8 × 400 MHz
Bandbreite des Systemspeichers nicht bekannt 22,4 GByte/s 25,6 GByte/s
Grafikchip ATi „Hollywood“ Custom ATi Prozessor nVidia RSX "Reality Synthesizer"
Taktrate des Grafikchips 243 MHz 500 MHz 550 MHz
Grafikspeicher 3 MByte Texturspeicher 512 MByte GDDR3 RAM,
700 MHz, geteilt mit System,
10 MByte eDRAM
256 MByte GDDR3 RAM,
700MHz
Bandbreite des Grafikspeichers nicht bekannt 21,6 GByte/s zum VRAM und
256 GByte/s zum eDRAM
22,4 GByte/s
Unterstützte Auflösungen 576i, 480i, 480p 480i, 480p, 720p, 1080i, 1080p 576i, 576p, 720p, 1080i, 1080p
Auswechselbare Festplatte nein, aber
512 MByte Flash-Speicher
20 GByte, optional oder
im Premium System
Ja, 20 GByte oder 60 GByte
max. Anzahl der Controller 4 bei Wii-Spielen, theoretisch
bis zu 8 bei Virtual Console
4 7
Unterstützte Medien Wii DVD, GameCube Mini-DVD Xbox DVD, DVD-Video,
DVD-ROM, DVD-R/RW,
DVD+R/RW, CD-DA,
CD-ROM, CD-R, CD-RW,
WMA CD, MP3 CD,
JPEG Photo CD
Optional*: HD-DVD
BD-ROM, BD-R, BD-RE,
CD, CD-DA,
CD-R, CD-RW, DVD+R,
DVD+RW, DVD-R, DVD-ROM,
DVD-RW, AVCHD, PS2 DVD-ROM,
PS3 BD-ROM, PS3 DVD-ROM, PS1 CD-ROM,
PS2 CD-ROM, SACD HD,
SACD Hybrid (CD-Layer)
Medium der Spiele Dual-Layer DVD-ROM Blu-ray BD-ROM
Netzwerk Optional über
USB-LAN-Adapter
1 Gigabit Ethernet
Kabelloses Netzwerk 802.11 b/g WiFi 802.11 a/b/g Wi-Fi optional 802.11 b/g Wi-Fi (nur mit
60-GByte-Version), Bluetooth 2.0 EDR
Surround Sound Dolby Pro Logic 2 Multi-Kanal, bis zu 256
diskrete Kanäle
5.1 Dolby Digital, DTS 5.1,
LPCM 7.1 (Dolby TrueHD, kein DTS-HD)
I/O-Anschlüsse 2 × USB 2.0, SD-Card Slot,
4 × GCN-Controller,
2 × GCN-MemoryCards
3 × USB 2.0, 2 × Memory Slot,
Ethernet Port (RJ45),
Optischer Audioausgang
4 × USB 2.0, Ethernet (RJ45),
Optischer Audioausgang
Slots für CF (Type I, II)*,
SD*, Memory Stick*,
Memory Stick Duo*
* nur 60-GB-Variante
Media Center Extender 2.0 Nein Ja Nein
Inhalte von iPod und Co. Nein Ja Ja, aber kein WMA
Audio-, Video- und Musik-Streams Nein Ja
Abwärtskompatibilität GameCube Eingeschränkt
Online-Dienst WiiConnect 24 Xbox Live PlayStation Network

Das Steuerungskonzept

Das wichtigste Merkmal der Wii war die Steuerung. Der beigelegte Wii-Controller unterschied sich in seiner Form und Funktion deutlich von anderen Controllern. Der längliche Controller verfügte über Infrarot-Sensoren, die die Distanz und den horizontalen und vertikalen Winkel zu der Wii beigelegten Sensorleiste ermittelten. Das ermöglichte den Wii-Controller als Bewegungssteuerung zu nutzen, bei der die Bewegung oder Rotation des Controllers durch den Raum in das Spiel übertragen wurde. Wer einen „vollständigen“ Controller für beispielsweise Shooter-Spiele benötigte, der konnte entweder den normalen Wii-Controller per Nunchuk-Erweiterung um einen Analogstick ergänzen, oder einen Wii-Classic-Controller kaufen, der wie ein SNES-Controller mit zwei Analogsticks ausgelegt war.

Der Spielspaß stand im Vordergrund

In Europa und Amerika wurde die Nintendo Wii mit Wii Sports ausgeliefert, eine Sammlung von fünf Sport-Minispielen. Diese führten in die Bewegungssteuerung ein und eigneten sich vor allem als Partyspiele. Beispielsweise konnte Bowling mit einer Vielzahl an Spielern gespielt und der Controller einfach weitergereicht werden. Um Anfängern den Einstieg zu erleichtern waren die fünf Sportarten Tennis, Bowling, Golf, Baseball und Boxen auf das nötigste heruntergebrochen. Zudem reichte eine kleine Bewegung aus dem Handgelenk, um eine kräftige Bewegung im Spiel zu tätigen. Das resultierte darin, dass die Spiele Tiefgang vermissen ließen: Wer ein paar Runden eines der Minispiele gespielt hatte, der konnte sich nicht weiter verbessern.

Ein Must-Have für die Wii stellte The Legend of Zelda – Twilight Princess dar, welches ein durchgehend tolles Spiel war. Die Steuerung nutzte dabei sowohl die Tasten und das Steuerkreuz als auch die Bewegungselemente des Wii-Controllers, beispielsweise sorgte eine schnelle Bewegung des Controllers für das Zuschlagen des Charakters im Spiel.

Fazit

Die Wii musste im Test nur wenig Kritik einstecken, speziell fehlende Multimediafähigkeiten und teilweise unausgereifte Software machten zum Start Probleme. Eines konnte die Wii jedoch hervorragend und das war Spielspaß. Ob eine Runde Bowling in Wii Sports mit einer größeren Gruppe bei einer Party oder Spiele wie Zelda, die stundenlangen Spielspaß versprachen, die Wii begeisterte. Wie bei anderen Konsolen setzte Nintendo nicht auf eine besonders tolle Grafik, sondern auf eine etwas angestaubte Optik, was manche Kritik an der Konsole hervorruf. Ein ähnliches Konzept verfolgte der Hersteller beispielsweise auch mit der Switch (Test), die ebenfalls nicht mit der schnellsten Hardware, sondern mit vielen Exklusivtiteln und guter Steuerung glänzte.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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