Galaxy S22 Ultra im Hands-On: Ultra ist das neue Note

Nicolas La Rocco
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Galaxy S22 Ultra im Hands-On: Ultra ist das neue Note

Nach der halbgaren Umsetzung im letzten Jahr, als das S21 Ultra zwar zum S Pen kompatibel war, aber Funktionen vermissen ließ, ist das Galaxy S22 Ultra jetzt der vollwertige Nachfolger des Galaxy Note. Der Stylus lässt sich im Gehäuse verstauen und alle ehemaligen Funktionen werden geboten. Kompromisse soll es nicht mehr geben.

Das Galaxy S22 Ultra lässt sich ab sofort zu Preisen ab 1.249 Euro bei Samsung vorbestellen und soll am 25. Februar auf den Markt kommen. Zu beachten ist, dass es gewisse Farben und die größte Speicherkonfiguration mit 1 TB ausschließlich in Samsungs eigenem Online-Shop geben wird. Vorbesteller, die eine der Konfigurationen bis zum 24. Februar bestellen, erhalten die Galaxy Buds Pro (Test) gratis dazu.

Modell Farben Speicher Preis Vorbestellungen Marktstart
Überall Nur Samsung
Galaxy S22 Ultra Phantom Black
Phantom White
Green
Burgundy
Graphite
Sky Blue
Red
8 GB/128 GB 1.249 Euro 9. bis 24. Februar
(Galaxy Buds Pro gratis)
25. Februar
12 GB/256 GB 1.349 Euro
12 GB/512 GB 1.449 Euro
12 GB/1 TB
(nur bei Samsung)
1.649 Euro

Das Galaxy Note ist Geschichte

Dass der Galaxy-Note-Serie ein baldiges Ende bevorstehen wird, hatte sich spätestens letzten Sommer abgezeichnet, als Galaxy Z Fold 3 und Galaxy Z Flip 3 (Test) vorgestellt wurden, aber keine Nachfolger des Galaxy Note 20 und Galaxy Note 20 Ultra (Test) auf den Markt kamen. Vorhersehbar war der Abschied neben ersten Gerüchten aus der Branche aber unter anderem schon deshalb, weil sich im Frühjahr 2021 bereits das Galaxy S21 Ultra mit S Pen bedienen ließ und das Galaxy Z Fold 3 mit denselben Funktionen folgte. Nachteil beider Smartphones war aber, dass sich der Stylus nicht im Gehäuse verstauen ließ und manche S-Pen-Funktionen fehlten.

Ein Galaxy S mit S Pen im Gehäuse

Das neue Galaxy S22 Ultra tritt diesmal tatsächlich in die großen Fußstapfen des Galaxy Note 20 Ultra (Test) und besiegelt damit gleichzeitig das Ende der Serie, die erstmals im Herbst 2011 einen übergroßen Bildschirm und die Bedienung zusätzlich per Stylus salonfähig machte. Das Galaxy S22 Ultra ist ein echtes Note, weil der S Pen diesmal zum einen mitgeliefert und zum anderen unten links im Gehäuse Platz findet. Der Stylus ist somit kein Zubehör mehr, sondern fester Bestandteil des Smartphones.

Alle Stylus-Funktionen sind vorhanden

Das wiederum sorgt dafür, dass wieder ein aktiver statt passiver Stylus zum Einsatz kommen kann, der innerhalb weniger Sekunden im Smartphone geladen wird. Außerdem ist die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Stylus zurückgekehrt, sodass der S Pen als Fernbedienung etwa in Präsentationen genutzt werden kann, was mit dem passiven S Pen nicht möglich war. Wieder mit an Bord sind zudem die sogenannten „Air Actions“, also Gesten, die aus mehreren Metern Entfernung zum Smartphone für gewisse Befehle ausgeführt werden können. Zum Beispiel lässt sich durch Halten der Taste am S Pen und Schwenkbewegungen nach links und rechts durch die Modi der Kamera wechseln. Der Stylus wird dadurch zum Fernauslöser der Kamera.

Der S Pen ist sofort einsatzbereit

Was bei der Umsetzung natürlich ebenso wenig fehlen darf, sind die vom „echten Note“ bekannten Funktionen, die beim Herausziehen des Stylus dem Nutzer angeboten werden. Features wie eine neue Notiz, Zugriff auf bisherige Notizen, Smart Select, Screenshot-Notizen, Live-Nachrichten, AR-Zeichnungen, Übersetzen oder die Penup-App werden dem Anwender unter Android im S-Pen-Menü präsentiert. Und selbstverständlich kann der S Pen bei „ausgeschaltetem“ Smartphone genutzt werden, indem man nach dem Herausziehen sofort auf dem Always-on-Display schreibt.

Der Stift hat keinen Einfluss auf den Akku

Samsung wollte beim Galaxy S22 Ultra aber nicht nur alle Funktionen der ehemaligen Galaxy-Note-Serie integrieren, sondern auch keine Kompromisse mehr gegenüber der Galaxy-S-Serie eingehen. Man erinnere sich zum Beispiel an das Galaxy Note 20 Ultra, dessen Akku für die Unterbringung des Stifts 500 mAh kleiner ausfallen musste. Das Galaxy S20 Ultra (Test) kam damals auf 5.000 mAh, das Galaxy Note 20 Ultra mit Stift im Gehäuse allerdings nur auf 4.500 mAh. Das Galaxy S21 Ultra (Test) kam hingegen wieder auf 5.000 mAh, und exakt diesen Wert liefert ebenso das neue Galaxy S22 Ultra, obwohl bei diesem Smartphone der S Pen im Gehäuse verstaut werden kann.

Das kantige Galaxy-Note-Design bleibt

Apropos Gehäuse: Ein Galaxy S ist das nicht mehr wirklich und im Direktvergleich zum Galaxy S22 und Galaxy S22+ scheinen die Geräte nicht aus einer Familie zu stammen. Das Galaxy S22 Ultra kommt deutlich kantiger daher, so wie man es bislang von der Note-Baureihe kannte. Auf der Rückseite fehlt der Buckel rund um die Kameras, deren Linsen stattdessen einzeln aus der Rückseite ragen, die auch hier aus Gorilla Glass Victus+ besteht. Rückseite und Vorderseite verlaufen in den Rahmen und treffen an einem Rahmen aus Aluminium aufeinander, der wiederum zum Kopf- und Fußende verläuft und dort jeweils in einem planen Abschluss endet. An Materialwahl und Verarbeitung gab es nach den ersten Stunden mit dem Smartphone absolut gar nichts auszusetzen, aber die kleineren Galaxy S22 wirken im Vergleich eine Nummer eleganter, was vorrangig der Größe zuzuschreiben ist. 77,9 × 163,3 × 8,90 mm und 229 Gramm wollen beim Galaxy S22 Ultra erst einmal gebändigt werden. Ein IP68-Schutz, der selbst bei entnommenem Stylus gilt, schützt erneut vor Staub und Wasser.

108-Megapixel-Kamera erhält neues Objektiv

Keine Kompromisse mehr soll ebenso für die Kamera gelten, die als das Merkmal der Galaxy-S-Serie beworben wirbt. Samsung vertraut abermals auf einen eigenen 108-Megapixel-Sensor, der mit besonders großen Pixeln vor allem bei Nachtaufnahmen Fortschritte gemacht haben soll. Das Unternehmen wirbt mit 2,4 µm großen Pixeln, die sich durch das Zusammenlegen von neun Pixeln im sogenannten Nona-Binning-Verfahren ergeben. Genau genommen liegt die Kantenlänge eines Pixel somit nur bei 0,8 µm. Der Anwender hat wieder die Wahl, ob Lichtausbeute oder Auflösung Priorität haben soll, wenngleich Samsung der Kamera diesmal attestiert, dass die Vorteile beider Modi in einer Aufnahme vereint werden können. Wie das im Detail umgesetzt wurde, wird sich im Test des Smartphones unter Beweis stellen müssen. Für bessere Aufnahmen soll auch ein reflexionsarmes Objektiv sorgen, das Streulicht reduzieren und in Situationen mit Gegenlicht Blendenflecke (Lens Flare) deutlich reduzieren soll.

RAW-Modus mit 16 Bit Farbtiefe

Ambitionierten Fotografen gibt Samsung einen neuen RAW-Modus zur Hand, der mit 16 Bit Farbtiefe mehr Reserven für die Entwicklung und Postproduktion bieten soll. Im RAW-Modus können Einstellungen wie ISO-Zahl, Verschlusszeit, Weißabgleich und manueller oder automatischer Fokus an die eigenen Anforderungen angepasst werden.

Zwei Zoom-Objektive für die Ferne

Das Galaxy S22 Ultra kommt auf insgesamt vier Kameras. Neben der primären Kamera für Weitwinkelfotos gibt es die aus der letzten Generation bekannten Linsen für Ultraweitwinkel mit 12 Megapixeln, für dreifachen optischen Zoom mit 10 Megapixeln sowie für zehnfachen optischen Zoom mit erneut 10 Megapixeln. Der sogenannte „Space Zoom“, der mit einer zusätzlichen digitalen Vergrößerung arbeitet, steht bis zu einer 100-fachen Vergrößerung zur Auswahl. Gegenüber dem Galaxy S21 Ultra liegen in Summe aller vier Kameras somit keine fundamentalen, sondern eher inkrementelle Verbesserungen vor, wohingegen der Vergleich zum Galaxy Note 20 Ultra größere Unterschiede offenbart. Das Galaxy S22 Ultra ist zudem wieder das einzige Smartphone der Serie, das mit 40 Megapixeln eine merklich höhere Auflösung für Selfies und an der Front einen Autofokus bietet.

Videoaufnahmen in bis zu 8K

Videoaufnahmen unterstützt das Smartphone in bis zu 8K-Auflösung, die Beschränkung auf 24 FPS besteht jedoch weiterhin, sodass 4K im Alltag eine wichtigere Rolle einnehmen wird. In dieser Auflösung sind bis zu 60 FPS möglich. Über das eigene, dynamische HDR10+-Format lassen sich Aufnahmen mit besonders hohem Dynamikumfang anfertigen.

6,8 Zoll großes OLED-Display mit 120 Hz

Die Frontkamera findet in einer kreisrunden Aussparung im Display Platz. Der Bildschirm erreicht mit 6,8 Zoll die Abmessung des Galaxy S21 Ultra, mit 1.440 × 3.080 Pixeln aber das Format des Galaxy Note 20 Ultra. Im High-Brightness-Modus soll das zwischen 1 und 120 Hz regulierbare OLED-Panel bis zu 1.200 cd/m² erreichen, wobei punktuell Spitzen von 1.750 cd/m² möglich seien. Das S22 Ultra gleicht in diesem Punkt somit dem S22+. Identisch fällt auch die Bestückung mit einem Ultraschall-Fingerabdrucksensor von Qualcomm aus, der Vorteile bei Geschwindigkeit und Verwendung mit nassen Fingern aufweist.

Exynos 2200 mit RDNA-2-GPU

Gleichstand zu den anderen Galaxy S22 herrscht in so ziemlich jedem anderen Punkt. In der europäischen Variante des Galaxy S22 Ultra steckt der gleiche Exynos 2200 mit RDNA-2-GPU aus einer Kooperation mit AMD. Radeon darf sich die neue Grafikeinheit allerdings nicht nennen, stattdessen wurde sie „Samsung Xclipse 920 GPU“ getauft. Die Xclipse 920 GPU bringt vom Desktop bekannte Eigenschaften von RDNA 2 mit, darunter Hardware-beschleunigtes Raytracing und Variable Rate Shading (VRS). Raytracing soll künftig auch auf Smartphones für realistischere Licht-, Reflexions- und Schatteneffekte sorgen. VRS ermöglicht es Entwicklern, eine reduzierte Rendering-Qualität für weniger relevante Segmente des Frames zu nutzen, um allgemein die FPS zu steigern oder besonders wichtige Bereiche in einer höheren Qualität zu rendern, ohne dass die FPS einbrechen. Weder für Raytracing noch für VRS konnte Samsung zur Präsentation der Smartphones konkrete Anwendungsbeispiele vorzeigen. Im Vergleich zur Mali-G78 MP14 von ARM, die im Exynos 2100 steckt, soll die Leistung 17 Prozent höher ausfallen.

Samsung reduziert CPU-Taktraten

Die neue GPU wird von einer neuen ARM-CPU begleitet, die Standard-Kerne des britischen Entwicklers nutzt, nachdem Samsung die Custom-Schmiede in Texas geschlossen hat. Nutzte der Vorgänger noch Cortex-X1, A78 und A55, kommen jetzt Cortex-X2 mit einem Kern, Cortex-A710 mit drei Kernen und Cortex-A510 mit vier Kernen zum Einsatz. Damit nutzt Samsung die gleiche Aufteilung an ARMv9-Kernen, wie sie auch im Snapdragon 8 Gen 1 von Qualcomm steckt. Samsung taktet die ARM-Kerne mit 2,8 GHz (X2), 2,5 GHz (A710) und 1,8 GHz (A510) und nennt lediglich 5 Prozent Leistungszuwachs im Vergleich zum Exynos 2100. Obwohl die neuen ARM-Kerne eine höhere Differenz erreichen müssten, fällt der Unterschied angesichts der gesenkten Taktraten klein aus. Diese Maßnahme wiederum könnte sich positiv auf Energieverbrauch und Temperaturen insbesondere unter Dauerlast auswirken.

Samsung Exynos 2200
Samsung Exynos 2200 (Bild: Samsung)

Bis zu 1 TB Speicher direkt bei Samsung

Ein Alleinstellungsmerkmal des Galaxy S22 Ultra sind die verfügbaren RAM- und UFS-3.1-Konfigurationen, die jeweils größer ausfallen. Die Basis bildet wie beim Galaxy S22 und S22+ ein Modell mit 8 GB RAM und 128 GB nicht erweiterbarem Speicher. Es folgen Ausführungen mit 12 GB RAM und 256 GB sowie 512 GB Speicher und an der Spitze eine Konfiguration mit 12 GB RAM und 1 TB Speicher, die Samsung exklusiv über den eigenen Online-Shop vertreiben wird. Wer sich die letztjährigen Konfigurationen noch einmal vor Augen hält, wird bei RAM und Speicher einen Unterschied feststellen: 16 GB Arbeitsspeicher, die einzig und allein das 512-GB-Modell bot, gibt es nicht mehr.

Auf fünf Jahre erweiterte Update-Garantie

Samsung liefert die Smartphones ab Werk mit Android 12 und One UI 4 aus. Für die Galaxy-S22-Serie ist eine abermals verlängerte Update-Garantie neu, die jetzt Updates auf vier Android-Hauptversionen (bis Android 16) und fünf Jahre Sicherheits-Updates umfasst. Diese erweiterte Garantie gilt rückwirkend auch für die Galaxy-S21-Serie sowie das Galaxy Z Fold 3 und Galaxy Z Flip 3 (Test). Andere Smartphones verbleiben bei den zuvor gültigen drei Android-Hauptversionen und vier Jahren Sicherheits-Updates.

Samsung Galaxy S22 Ultra
Samsung Galaxy S22+
Samsung Galaxy S22
Software:
(bei Erscheinen)
Android 12.0
Display: 6,80 Zoll, 1.440 × 3.088
501 ppi, 120 Hz
Dynamic AMOLED 2X, HDR, Gorilla Glass Victus+
6,60 Zoll, 1.080 × 2.340
390 ppi, 120 Hz
Dynamic AMOLED 2X, HDR, Gorilla Glass Victus+
6,10 Zoll, 1.080 × 2.340
422 ppi, 120 Hz
Dynamic AMOLED 2X, HDR, Gorilla Glass Victus+
Bedienung: Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Samsung Exynos 2200
1 × Cortex-X2, 2,80 GHz
3 × Cortex-A710, 2,50 GHz
4 × Cortex-A510, 1,70 GHz
4 nm, 64-Bit
GPU: Samsung Xclipse 920
RAM:
8.192 MB
LPDDR5
Variante
12.288 MB
LPDDR5
8.192 MB
LPDDR5
Speicher: 128 / 256 / 512 / 1.024 GB 128 / 256 GB
1. Kamera: 108,0 MP, 4320p
LED, f/1,80, AF, OIS
50,0 MP, 4320p
LED, f/1,80, AF, OIS
2. Kamera: 12,0 MP, f/2,20
3. Kamera: 10,0 MP, f/2,40, AF, OIS
4. Kamera: 10,0 MP, f/4,90, AF, OIS Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 40,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/2,2, AF
10,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/2,2
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
5G: NSA/SA
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ax
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 5.2
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS, NavIC
Weitere Standards: USB-C 3.2, UWB, NFC USB-C 3.2, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 5.000 mAh, 45,0 W
fest verbaut, kabelloses Laden
4.500 mAh, 45,0 W
fest verbaut, kabelloses Laden
3.700 mAh, 25,0 W
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 77,9 × 163,3 × 8,90 mm 75,8 × 157,4 × 7,60 mm 70,6 × 146,0 × 7,60 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 229 g 196 g 168 g
Preis: ab 654 € / ab 738 € / ab 845 € / 1.649 € ab 534 € / ab 650 € ab 426 € / ab 522 €

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Samsung im Rahmen eines Online-Briefings sowie einer Veranstaltung des Herstellers in Berlin unter NDA erhalten. Die Kosten für An- und Abreise wurden von ComputerBase getragen. Eine Einflussnahme des Herstellers oder eine Verpflichtung zur Berichterstattung bestand nicht. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.