Logitech Lift im Hands-On: Vertikale Maus für Links- und Rechtshänder ausprobiert

Fabian Vecellio del Monego
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Logitech Lift im Hands-On: Vertikale Maus für Links- und Rechtshänder ausprobiert

Logitechs neueste Office-Maus bietet bequeme und schonende Vertikalität für Links- und Rechtshänder. Dabei hat die Maus technisch mehr mit der Anfang des Jahres vorgestellten M650 als mit Logitechs bisher einzigen vertikalen Office-Maus, der MX Vertical, gemein. ComputerBase konnte die Lift und die Lift Left ausprobieren.

Vertikale Mäuse für gesunde Hände

Abseits schneller Spiele verwenden die meisten Anwender ihre Maus, indem sie bequem die gesamte Hand auf dem Eingabegerät ablegen. Für diesen sogenannten Palm-Grip optimierte Mäuse verfügen entsprechend um eine ergonomische Formgebung, deren Linienführung der – zumeist rechten – Hand schmeicheln soll. Vertikale Mäuse treiben das Konzept auf die Spitze: Nicht nur die Hand soll entspannt werden, sondern auch das zugehörige Handgelenk sowie der Unterarm. Gemäß der natürlichen Haltung eines entspannten Arms zeigen nämlich nicht die Handflächen nach unten, sondern der kleine Finger. Und durch eine Neigung von rund 57 Grad soll die Lift eben diese natürliche Haltung unterstützen.

Neu ist dieses Konzept derweil nicht. Logitech selbst hat mit der MX Vertical bereits eine vertikale Maus im Angebot, generell steigt die Anzahl entsprechender Modelle auch bei anderen Herstellern seit Jahren. Als potenzielle Vorteile werden neben der häufig beschriebenen Bequemlichkeit auch eine reduzierte Belastung für Gelenke und Muskeln genannt, die letztlich Ermüdungserscheinungen oder sogar Erkrankungen vorbeugen können.

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Die Lift teilt sich dabei einen technischen Unterbau mit der Anfang des Jahres vorgestellten Signature M650 (Test). Entsprechend passt es ins Bild, dass Logitech das neue Eingabegerät als Lift Left auch in einer gespiegelten Ausführung für Linkshänder anbietet. Gegenüber der MX Vertical soll das neue Modell mit niedrigerem Preis punkten, muss im Gegenzug jedoch auf ein paar Funktionen verzichten.

Logitech legt die M650 auf die Seite

Da wäre einerseits die bei den MX-Mäusen stets beworbene Fähigkeit, dank des Darkfield-Laser-Sensors auch auf gläsernen Oberflächen einwandfrei zu funktionieren. Die Lift setzt aber analog zur M650 auf einen optischen Maussensor, der auf glänzenden oder gar durchsichtigen Oberflächen Probleme bekommt. Mutmaßlich handelt es sich um eine angepasste Variante des Gaming-Sensors Logitech Hero.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Lift als vertikale Gaming-Maus interpretierbar ist: Einerseits ist davon auszugehen, dass nicht nur der Auflösungsbereich, sondern auch sämtliche weitere Parameter des Sensors zwecks Energieeffizienz reduziert wurden. Denn mit nur einer AA-Batterie soll die Maus laut Logitech eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren erreichen. Die MX Vertical hingegen verfügt über einen per USB-C-Kabel aufladbaren, fest verbauten Akku, der bis zu vier Monate Laufzeit gewährt.

Und andererseits arbeitet die Lift nur per Bluetooth Low Energy – also mit einer Latenz von mindestens 8 Millisekunden. Diese Limitierung teilen sich derweil sämtliche Office-Mäuse Logitechs. Im Falle des Neuzugangs erwähnenswert ist derweil, dass – wie zuvor bei der M650 – nicht nur die direkte Bluetooth-Anbindung an bis zu drei Geräte gleichzeitig geboten wird, sondern alternativ über einen Bluetooth-USB-Adapter auch Logi Bolt zur Verfügung steht.

Verbindung per Bluetooth LE Verbindung per Logi Bolt / USB-Empfänger
(BT LE Mode 1, Security Level 4)
Windows 10 & 11
macOS 10.15 oder neuer
iPadOS 13.4 oder neuer
Linux (7)
Chrome OS (7)
Android 5.0 oder neuer
Windows 7, 10 & 11
macOS 10.10 oder neuer
Linux (7)
Chrome OS (7)

Der Unterschied beider Modi findet sich bei der Verschlüsselung: Bei Verbindung mit dem Logi-Bolt-USB-Empfänger arbeitet die Lift mit Bluetooth LE im Security Mode 1 auf Level 4 beziehungsweise im Secure-Connections-Only- oder FIPS-Mode. Das bedeutet, dass das Signal per CCM verschlüsselt ist und das Pairing mit einem Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch einhergeht. Jedes Bolt-Produkt ist ab Werk bereits mit dem beiliegenden Adapter gekoppelt. Damit dieser nicht verloren geht, lässt er sich im Fach auf der Unterseite neben der AA-Batterie verstauen.

Leise Tasten und ein nicht frei laufendes Freilauf-Mausrad

Bezüglich der Tasten gibt es das Übliche: Über linke und rechte Maustaste hinaus verfügt die Lift über zwei Daumentasten und einen Zusatzknopf hinter dem Mausrad. Letzteres bewirbt Logitech als „geräuschloses magnetisches SmartWheel“ und spielt damit auf die beliebte Freistellbarkeit des Mausrads einiger Logitech-Mäuse an. Debüt feierte deren magnetische Lagerung bei der MX Master 3 (Test), diese bot aber auch tatsächlich zwei Modi. Im Falle der Lift wurde die Freistellbarkeit allerdings bloß dadurch erreicht, dass die magnetisch umgesetzte Rasterung des Rads – wie schon zuvor bei der M650 – überaus gering ausfällt.

Das bietet zwar in der Tat den Vorteil, etwas schneller scrollen zu können, wenn das Rad stark genug angeschoben wird. Aber da es niemals tatsächlich frei drehen darf und überdies kaum Masse mitbringt, währt diese Phase des freien Drehens nicht lange an. Im Hands-On als problematisch fiel dabei auf, dass aufgrund des niemals gänzlich fehlenden Widerstandes zwar das schnelle Drehen nach unten respektive zum Nutzer hin zu bewerkstelligen ist, beim Drehen nach oben aber oftmals nur mit Mühe genug Kraft aufgebracht werden kann, um das Rad tatsächlich in Schwung zu bringen. Und wenn das freie Drehen gar nicht gewünscht ist, wirkt die hohe Leichtgängigkeit beziehungsweise geringe Taktilität der Rasterung mitunter schwammig. Tatsächlich sehr leise ist das Mausrad der Lift derweil – ebenso wie alle weiteren Tasten der Maus.

Logitech Lift

Liegt angenehm in kleinen Händen

Bereits auf den ersten Blick präsentiert sich die Lift als vertikale Schwester der M650 und auch die Materialwahl ist identisch. Im vorderen Bereich der Maus kommen die Finger mit fast glattem, aber dennoch mattem Hartplastik in Kontakt, während der gesamte hintere Bereich – also die Fläche, auf der Handfläche und Daumengelenk ruhen – gummiert ist. Mit einem Gewicht von rund 125 Gramm ist die Maus zwar verhältnismäßig schwer und wiegt kaum weniger als die größere MX Vertical, aber bei einer vertikalen Office-Maus stört das kaum bis gar nicht.

Doch apropos Größe: Über eben diese verfügt die Lift nicht. Kleinen Händen liegt sie sehr gut in der Hand und auch mittelgroße Gliedmaßen finden potenziell genug Platz, aber größere Hände können die Maus letztlich nur im Fingertip-Grip bedienen, weil die Fingerspitzen sonst über die Maustasten herausragen – und das geht am Konzept selbstredend gänzlich vorbei. Die gut einen Zentimeter längere und knapp einen Zentimeter höhere MX Vertical eignet sich hier deutlich besser.

Verfügbarkeit, Preis und Fazit

Gemäß unverbindlicher Preisempfehlung kostet die ab sofort verfügbare Lift respektive Lift Left in den vier verfügbaren Farben Dunkelgrau, Weiß und Rosa rund 80 Euro. Auf dem Papier ist sie damit knapp 30 Euro günstiger als die MX Vertical, im Preisvergleich wird letztere allerdings bereits seit Jahren für knapp unter 80 Euro gelistet. Die Signature M650 kostet derweil laut UVP rund 45 Euro und ist wenige Monate nach Marktstart bereits zehn Euro günstiger zu haben.

Der vergleichsweise hohe Preis lässt die technisch durchaus zu gefallen wissende Lift zunächst unattraktiv erscheinen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und wie tief der Marktpreis fallen wird. Denn selbst für Linkshänder gibt es vertikale Mäuse mittlerweile zuhauf und günstiger – gerade, wenn das Eingabegerät mit Kabel daherkommen darf. Interessant bleibt die neue Maus allerdings, falls Nutzer die gleichzeitige Kopplung mit mehreren Geräten, die kabellose Bolt-Verbindung oder aber die üblichen Software-Funktionen benötigen. Doch selbst dann kann lediglich Interessenten mit kleineren Händen bedenkenlos zur Lift geraten werden.

Logitech MX Vertical
Logitech Lift
Logitech Signature M650 (L)
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: ? ?
Optisch
Auflösung: 400–4.000 CPI
Geschwindigkeit: ?
Beschleunigung: ?
USB-Abfragerate: ? 125 Hz
Primärtaster: ?
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 1
Linksseitig: 2 Rechtsseitig: 3
6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
5
Oberseite: 3
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Freistellbares Mausrad
Software: 1 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Beleuchtung:
Gehäuse: 120 × 79 × 79 mm
Hartplastik, Beschichtung
108 × 70 × 71 mm
Hartplastik, Beschichtung
Gummielemente
Gleitfüße: PTFE-Basis (lackiert)
118 × 66 × 42 mm
Hartplastik, Beschichtung
Gummielemente
Gleitfüße: PTFE-Basis (lackiert)
Gewicht: 135 Gramm (o. Kabel) 125 Gramm (o. Kabel) 119 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A auf USB-C-Kabel
Funk: 2,4 GHz, 10,0 Meter Reichweite, Bluetooth
proprietärer Akku
Laden: Kabel
Funk, 10,0 Meter Reichweite, Bluetooth
AA-Batterien, 17.520 Stdn. Laufzeit
Preis: ab 73 € 80 € ab 32 €

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel sowie zwei Muster der Lift als Leihgabe von Logitech unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt, den die Redaktion jedoch verstreichen ließ. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.